Olympiaschlaglichter


Ich suche gerade nach einem Bild aus dem Jahre 1992, als die Spiele in Olympia stattfanden. Das würde eigentlich sehr eindrucksvoll beweisen, wofür die Spiele _auch_ gut sein können: Es zeigt den Einmarsch der bosnischen Athleten in Barcelona. Alle Fahnenträger haben brav die Flagge getragen, wie es sich gehört: Würdevoll mit zwei Händen, so wie man es kennt.

Was mich damals tief beeindruckt hatte (das Massaker von Srebrenica war damals, soweit ich weiß nicht oder erst in den Anfängen bekannt) war dann der bosnische Flaggenträger: Die Fahne in einer Hand, hoch erhoben, mit einem trotzigen Gesichtsausdruck, „SEHT HER, WIR SIND DA!“

Die Athleten konnten nicht wissen, ob ihre Angehörigen noch alle am Leben wären, wenn sie denn zurückkämen, sie sind trotzdem gefahren, weil sie an eine Idee glaubten.

Das Bild habe ich nicht gefunden. Dafür aber andere Dinge, die einem zeigen, was Olympia alles nicht mehr ist.

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Das irakische NOK wird aufgelöst, weil die Politik zuviel Einfluss auf den Sport genommen hat. Und das angesichts olympischer Spiele, die in CHINA stattfinden, wo na-tür-lich alles völlig von der Politik unbeeinflusst ist. Und vor allem das Internet nicht zensiert wird.

Den Sportlern, die sich stellenweise unter Einsatz ihres Lebens auf Olympia vorbereitet haben und die um ihre Teilnahme betrogen wurden, muss das, was Herr Rogge heute bei der Eröffnung der Session von sich gab, wie Hohn geklungen haben:

Auszüge aus der Wirtschaftswoche:

HB PEKING. Der 66-Jährige lobte die „Weltklasse Sportstätten“ und den Mut und die Entschlossenheit des bevölkerungsreichsten Landes der Welt. Die durch die Spiele notwendig gewordene Modernisierung der Infrastruktur verbessere die Lebensqualität der Menschen und die wirtschaftliche Entwicklung der Chinesen. Die Spiele würden China bei der Bewältigung der „Herausforderung Umweltschutz“ helfen. Zudem freute sich Rogge über die Rekord-Teilnahme von 205 Ländern und die Rekord-Beteiligung von Athletinnen, die „knapp 45 Prozent aller Wettkämpfer“ stellen.

Was die Internetzensur betrifft, „betreiben die Chinesen das Internet“, man war „vielleicht ein wenig naiv“, aber der „größtmögliche Internetzugang“ wird realisiert.

Vielleicht lernt man daraus, das man mit dem Teufel keine Geschäfte macht. Und man belohnt keine konsequenten Menschenrechtsverletzer.
Aber wir wollen ja alle fair bleiben, oder?

Ein historischer Meilenstein, in der Tat. Aber positiv?

NEIN.

Veröffentlicht am 5. August 2008, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

warf folgenden Kuchen auf den Teller