Zu Fehlern stehen – ist manchmal schwer. Aber notwendig


Tja. Twitter ist ja in mancher Hinsicht noch ne üblere Jauchegrube als Facebook. Die Schnelligkeit mit der der Dienst arbeitet und die kleine Zeichenzahl sind halt eine hübsche Falle für viele. Mich häufig genug eingeschlossen *g*

Aber es gibt so bestimmte Dinge, die auch bei Twitter möglich sind. Z.b. einen Fehler ernsthaft zugeben und dann mal reflektiere, was zum Henker schiefgelaufen ist.

Gut. Schalten wir um zu Imp.

Das ist ein selbsternannter Medienkritiker mit Fokus auf Rayk Anders, Shahak Shapira und Jan Böhmermann. Imp wurde dabei erwischt, wie ein Foto von ihm rumging, dass ihn halbnackt mit Hakenkreuz auf der Brust zeigte.

Als es dann etwas wärmer unterm Sitzfleisch wurde, weil – überraschung – die Leute eher nicht so amüsiert waren, hat er das Bild gelöscht und eine lauwarme Entschuldigung rausgehauen.

Und genau hier liegt das Problem. Ich glaube nicht, dass er verstanden hat, WAS hier schiefgelaufen ist. Seine Opferrolle, die er seitdem einnimmt („Ich hab mich doch entschuldigt und drum gekümmert, dass das Bild gelöscht wird“) zeigt das ziemlich deutlich.

Und hier muss ich für Twitter jetzt zu weit ausholen. Darum der Blogeintrag.

Das war ne Party. Da waren mehr als 2 Leute. KEINEM will aufgefallen sein, dass da ein Hakenkreuz auf die Brust eines durchaus angeschickerten aber noch standfähigen Menschen gepinselt wird. Einschließlich dem bepinselten? ODER, wahrscheinlicher: Die fanden das alles ultrawitzig. Das Foto spricht für letzteres. SO blau, das er nicht mitbekommen hat, was passiert, war er da eher nicht.

Ich würde an der Stelle meine Freunde alle mal fragen, ob die noch was merken – und ich würde denjenigen, der das versucht, den Edding wo hinstecken wo die Sonne nicht scheint. Ohne Betäubung und ohne Kappe. Spitze voran.

Danach hätte ich einen signifikant kleinere Freundeskreis. Warum?

Weil ich nicht mit Leuten befreundet sein will, die es witzig finden, mich mit Zeichen zu bemalen, die für eine Ideologie steht, die mich töten will (Imp ist nach eigenem Bekunden schwul). In den Konzentrationslagern sind eine Menge „175er“ verschwunden, zu Tode gefoltert, verhungert, vergast und an schierer Überarbeitung. Die NS-Zeit ist NICHT zum Scherzen geeignet.

Natürlich – ein Teil unserer Spaßgesellschaft wird diese Auffassung als „humorlos“ ansehen. Und als zu „Stock im Hintern“-mäßig. Kommt evtl. davon, wenn man die Kriegsgeneration noch kannte – und die Auswirkung dieses grandiosen Clusterfucks, der die NS-Zeit war.

Glaube ich, dass imp ein Neo-Nazi ist? Nö. Das tut auch Rayk Anders nicht, der sich an ihm abarbeitet. Aber imp geht gerade mit Jan Böhmermann und mit Rayk Anders scharf ins Gericht, arbeitet sich konstant an ihnen ab, mit einer Kritik, die teils unter die Gürtellinie geht, aber in dem Moment, wo man selber mal was gemacht hat und mit Anlauf in die Schnauze bekommt, schaltet man auf Opferrolle: der „große“ Rayk und der „große“ Böhmermann und die gesammelte „Macht“ des ZDF gegen zwei kleine Medienkritiker (der zweite ist Dorian, fällt in der aktuelle Situation aber grad nicht auf).

Imp hat ein Problem mit seinem Konzept. Weil er schwul ist, kann er nicht homophob sein. Weil er Ausländer ist, nicht ausländerfeindlich. Er nimmt zudem für sich das Privileg in Anspruch, genau die Stereotypen zu verbreiten, die ihm schaden, weil er so „Satire“ betreibt. Das ist seine zweite Ausrede: Alles, was man an ihm kritisiert, ist von Leuten, die seine Satire nicht verstehen. Er übersieht dabei, dass er denen nach dem Munde redet, die er eigentlich vorgibt zu hassen: AfD und echte Neo-Nazis.

In der NS-Zeit nannte man sowas übrigens „Mitläufer“. Leute, die unkritisch die NS-Pose übernommen haben, in der Hoffnung, dass man dann nicht in den Fokus gerät und das schöne bequeme Leben zerstört wird.

Steigt man in die Diskussion ein, hat man sofort die Trollarmee am Backen, die perfekt darin trainiert ist, das Gespräch auf etwas ganz anderes, völlig nebensächliches zu richten und so vom eigentlichen Problem abzulenken. Z.B. die Frage, ob man jetzt „schon nicht mal mehr Hitler verarschen darf“ – es ging um ein Bild das Hitler mit BH zeigte.

Imp weigert sich, die Verantwortung für das Bild zu übernehmen. Sein „ich hab doch zugegeben, dass es Mist war“ klingt ein bisschen wie „Jaaaaaa Mami. Ich räum gleich mein Zimmer auf“ *augenrollen* und hat dieselbe Konnotation.

Es gibt keine Reflektion, wie sowas überhaupt möglich war. Es gibt kein Hinterfragen, was für Freunde man denn hat, die sowas mit einem machen, wenn man nicht mehr ganz dabei ist. Es gibt kein „wie konnte das passieren“? Kein „wieso habe ich mich nicht gewehrt?“ kein „wieso fand ich das denn überhaupt witzig?“

Es gibt nur ein „Mann, Mami, ich hab doch gesagt, es tut mir leid, was willste denn noch????“ *genervtguck*

Und DARUM kriegt imp das immer und immer wieder von Shahak Shapira und Rayk Anders serviert. In der leider recht irrationalen Hoffnung, dass er das eigentliche Ausmaß endlich auf die Kette kriegt.

Es gibt im englischen diesen schönen Begriff: „I own my mistakes“.

Genau das tut er nicht. Er hat sich entschuldigt, weil er plötzlich auf dem Präsentierteller saß. Nicht, weil er eingesehen hat, dass er Mist gebaut hat. Er hat um seinen Youtube-Kanal und die Monetarisierung gefürchtet. Entweder die aktuelle oder eine evtl. zukünftige.

Und das ist hier tatsächlich der einzige Unterschied, auf den es ankommt.

Veröffentlicht am 27. April 2018, in Ärgerliches, Facepalm der Woche. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 4 Kommentare.

  1. Bin da zwei geteilt, es gibt imho Formen des Humors und der Satire, die geeignet sind mit der NS-Zeit zu arbeiten, um den Irsinn des ganzen herauszustellen. Mir fällt da zum Beispiel ein britischer Sketch über zwei SS-Soldaten ein, die sich angesichts der Totenköpfe auf ihren Kappen fragen, ob sie nicht vielleicht doch die bösen sind.

    Aber das Hakenkreuz auf die Brust malen gehört da in der Tat nicht zu. Wenn man sich dieser Materie schon annimmt, dann sollte das mit einem gewissen Respekt und etwas intelligenter passieren.

    Du hast völlig recht, diese Lippebekenntnisentschuldigungen und das anschließende Beleidigtsein, inklusive unreflektiertes Opfergehabe sind ätzend. Sieht man neuerdings häufiger und auffallend oft am rechten Rand

    • Rechts sind die zwei beim besten Willen nicht.

      Etwas verstrahlt? Opfermrntalität? Ja. Aber rechts wirklich nicht.

      Umso weniger verstehe ich das Hakenkreuz. Da hätten Alarmsirenen angehen müssen.

  2. Wollte ich damit auch nicht andeuten, dass die zwei rechts sind, hab ich unsauber formuliert. Ich wollte damit zum Ausdruck bringen, dass man diese Art der beleidigten Opfferrolle auch sehr häufig bei den Neurechten vorfindet, da hat man es auch mit dieser hermetischen Unreflektiertheit zu tun.

    • Naja, die Opferrolle ist halt menschlich. Opfer werden bedauert und sie bekommen Nachsicht – was andere nicht bekommen. Also ist es manchmal halt opportun, sie einzunehmen.

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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