Ursula von der Leyen


Bei der Inquisitorin der Kinderpornoindustrie kommt mir schon länger das Grauen. Die Dame hat von dem, was sie fordert keine Ahnung. Sie kann die Konsequenzen nicht annähernd abschätzen, sie weiß nicht, was sie da eigentlich macht. Aber sie fordert und rappelt und zetert und whined, dass jeder, der auch nur halbwegs in der Materie ist und sich ein wenig auskennt, weiß, dass die Dame gequirlten Müll quatscht.

Sendungsbewusstsein ersetzt leider keine Fachkenntnis – und die hat sie nicht. Wissen wir ja alles.

Aber aufgrund eines Artikels im Lawblog bekommt das ganze noch einen viel widerwärtigeren Beigeschmack.
Was ist denn, wenn die vielzitierte Kinderpornoindustrie, also die Millionengewinne, die die Tante verhindern will, überhaupt nicht existiert? Wenn die Familienministerin die wirklich dringenden Fälle zugunsten eines gut zu verkaufenden Phantoms beiseite schiebt?

Denn die wirklich dringenden Fälle beim Umgang mit Kindern und Jugendlichen sind offensichtlich:

– Verbesserung der Schulausstattung. Hier gibt es eklatante Defizite.

– Ernährungssituation der Kinder und Jugendlichen. Nicht viele ernähern sich fast ausschliesslich von Fast Food, weil sie den ganzen Tag alleine sind. Die Eltern müssen schließlich arbeiten, um den Lebensunterhalt zu verdienen. Und Hartz IV reicht nicht aus, um Heranwachsende vernünftig und gesund zu ernähren. Ist auch schon mehrfach ausgerechnet worden. Was wir darum haben sind unterernährte Kinder oder Übergewichtige Kinder.

– Überforderte Eltern. Meine liebe Frau von der Leyen, ich warte auf schlüssige Konzepte, wie man das Problem offensichtlich überforderter Eltern, die ihre Kinder misshandeln, ignorieren, verziehen, kurz: so falsch behandeln, wie nur irgendwas. Was ist mit dem Legionen in der Familie misshandelter Kinder? Wo genau werden die von ihnen geschützt?

– Stichwort Kinderarmut. Hier fehlen auch Konzepte, um den Kindern wirksam zu helfen.

– Stichwort Betreuung: Die Betreuungssituation von Kindern ist immer noch *hust* unterirdisch. Konzepte werden von der Bundesregierung nicht dargelegt.

Liebste Frau von der Laien, hups, entschuldigen sie den Schreibfehler: von der Leyen. Bitte tun sie ein einziges mal ihren Job und gehen sie die wirklich wichtigen Probleme an. Die Kinderpornoindustrie scheint es ja nicht zu geben. Warum gegen sie kämpfen?
Die Bilder _sind_ schrecklich und für sie auch sicher traumatisierend gewesen. Aber es rechtfertigt nicht, dass sie aufgrund dieser Bilder die Kinder in Deutschland, die ihre Hilfe nachweislich benötigen, im Stich lassen.

Überlassen sie die Kinderporno“industrie“ den Strafverfolgungsbehörden. Die einschlägigen Seiten kann man prima vom Netz nehmen, sie stehen nämlich überwiegend genau da, wo Kinderpornografie auch unter Strafe gestellt wurde.

Und hören sie ein einziges mal in ihrem Leben auf die Leute, die wissen, was sie tun, weil sie genau das gelernt haben und weil sie die Erfahrung dazu mitbringen. Und bitte lernen sie: Sendungsbewusstsein ersetzt nicht Fachkenntnis.

Sie sind der Grund, warum man weder SPD noch CDU je wieder wählen sollte.
Ich hätts nie gedacht, aber die FDP wird mir allmählich ausnehmend sympathisch.

Übrigens: Der Artikel im Lawblog ist lesenswert und die Kommentare ebenso. Die Zeiten werden gefährlich für die freiheitlich demokratische Grundordnung. Es gibt zuviele Kräfte, die sie stört und die uns am Wickel haben wollen.

Je mehr dagegen angehen umso besser – und sei es in einem kleinen Blog wie dem hier.

Veröffentlicht am 25. März 2009, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 3 Kommentare.

  1. Die Listen haben einige Vorteile, die sind ersten billig und zweitens ausbaufähig. Es muss ja nicht bei Kipo bleiben. Alles andere kostet ja das Geld, was den Banken dann fehlen würde

  2. Tantchen Jay

    Es wird nicht bei KiPo bleiben. Die Rechteinhaberindustrie scharrt schon mit den Hufen – das sind die nächsten, die die Sperrlisten erweitern.

    Stück für Stück geht hier die Meinungsfreiheit verloren. Die Maßnahmen, die der Staat gerade auffährt sind wirklich nicht mehr zum abfeiern.

    Äußere deine Meinung und du musst damit rechnen, durchsucht zu werden, du bist ja für Kinderporno weil du gegen die Sperre bist.

    Und warum die verschissenen Server nicht vom Netz genommen werden kann keiner ausreichend erklären.

    Carechild hat den Versuch gemacht: Provider angeschrieben, deren Server entsprechende Seiten gehostet haben und *schwupps* war die Seite vom Netz.

    Es geht doch. Man braucht diese Sperrlisten nicht – es sei denn, man hat etwas anderes damit vor.

  3. Wie Ralf schon so schön schreibt, wird hier, auch wie im Fall von Winnenden, wieder eine Lösung propagiert, die wenig Geld kostet und die eigentlich niemand richtig kontrollieren kann.

    Die wirklichen Probleme hier im Land will niemand angehen, da haben sie alle viel zu viel Angst, sie machen sich dauerhaft unbeliebt und verlieren ihren Posten.

warf folgenden Kuchen auf den Teller