Fragen stellen
Ich erinnere mich daran, dass ich meine Großeltern gefragt habe, wieso sie das mit den Nazis und den Juden nicht gemerkt haben. Das wäre doch seltsam gewesen, dass viele Straßenzüge auf einmal leer gewesen wären.
Inzwischen bin ich älter, ich sehe, wie eine Regierung Stück für Stück die mühsam errungenen Bürgerrechte und den Sozialstaat abschafft, wie knapp 500 Milliarden in Geheimsitzungen an Banken vergeben werden – zur „Rettung“, dafür aber ohne parlamentarische Kontrolle.
Ich sehe, wie diese Verbrecher in Nadelstreifen, die sog. Content-Mafia, sich anmaßt, über unser Surfverhalten zu bestimmen – und wie es sich dahin entwickelt, dass man uns auf Zuruf durch eben diese Industrie einfach mal den Internetzugang sperren kann.
Ich sehe, wie die Leute zu eingeschüchtert sind, um noch aufzubegehren. Wer im Zuge von Hartz IV konsequent entwürdigt und am Rande des Existenzminimums gehalten wird, muckt nicht auf – er ist froh, dass er lebt.
Ich sehe, wie die Ewigkeitsgarantie gewisser Rechte von einem Innenminister in Frage gestellt werden kann, wie die aus gutem Grund geschaffenen Kontrollinstanzen, die ihm regelmäßig auf die Finger hauen, von ihm lächerlich gemacht werden. Wie die Autorität des Bundesverfassungsgericht absichtsvoll und mit Vorsatz zerstört wird.
Alles das sehe ich.
Und irgendwann wird vielleicht meine Nichte auf mich zukommen. Oder ihre Kinder.
Und mich fragen:
Du hast das gesehen.
Und ich weiß derzeit nur, dass ich wahrscheinlich mit einer Gegenfrage antworten kann:
Was hätte ich tun können?
Veröffentlicht am 6. April 2009, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare.
Wie wäre es mit hiermit? „Ich saß im Knast, weil ich gegen StGB 130 Abschnitt 3 verstoßen habe.“
stimm dir (ziemlich) voll zu, da is einiges im gange, was mir überhaupt nicht gefällt. und das tragische is, daß es eigentlich eh jeder sehen müsste, weil ja sowieso immer die gleichen themen vorgeschoben werden – „wir müssen doch die armen kinder vor [beliebiges freiheitsrecht eintragen das abgeschafft werden soll] schützen!“.
erinnert mich an tom petty „money becomes king“ – geht zwar um musik, kann man aber mittlerweile auf so ziemlich alles ausweiten. leider. wird dringend zeit, für ein neues gesellschaftsmodell, blöderweise hab ich auch keine idee, wies besser funktionieren könnt.