Beamter mit Herz


es wird den Beamten ja immer nachgesagt, dass sie eigentlich nur die Zeit bis zur Pension absitzen und sich ansonsten in puncto Bürgerfreundlichkeit eher nicht auszeichnen.

Nun gibt es allerdings ein kleines Dorf am Rande der Großstadt, wo die Beamten noch mit Herzblut bei der Sache sind.

Der dortige Leiter des Bürgerbüros, dass auch Sachen wie das gemeinsame Bekennen zu künftigem Unglück (aka Ehe) abhandelt, hat sich jetzt etwas ausgedacht, wie er und seine Schäfchen, auch liebevoll Mitarbeiter genannt, diesen Vorgang zu einem unvergesslichem Erlebnis machen können. Nur zu gut erinnerte er sich an seine eigene Eheschließung vor 30 Jahren, die als Omen für die nicht allzu gut verlaufende Ehe hätte dienen sollen. Er hatte sich vorgenommen, dass SEINE Schäfchen nicht so mürrisch und wortkarg sein sollten wie der Standesbeamte, der ihn damals getraut hatte.

Und demzufolge waren auch die Traureden inzwischen (von ihm redigiert) geradezu poetisch, einem Goethe würdig.
Er hielt es für ein bösartiges Gerücht seiner Neider, dass Traugäste während der Traurede eingeschlafen sein sollen.

Es ging also um die Umstrukturierung der Trauerfeiern in ein unvergessliches Event.
Er ist Beamter, also macht man so etwas gründlich.
Er studierte alle Veröffentlichungen zum Thema „Corporate Identity“. Und als er damit fertig war, studierte er die Veröffentlichungen in Google zum Thema „Design für Jedermann“ und stieß dabei auf einige wirklich entzückende Ideen aus dem Bereich „Homepagedesign“.

Er war ja diesen neuen Techniken durchaus aufgeschlossen und hatte sich auch schon selbst eine Seite gebaut, in der er die Umbauarbeiten minutiös bebilderte, als er für seine Mutti ein Zimmer in seinem Haus geschaffen hatte.

Tzt. Frauen. Immer so zickig. Vor allem die eigene. Lief doch alles prächtig zu Hause und endlich war auch wieder Ordnung im Haus.

Als sich seine Studien dem Abschluß näherten, stieß er über eine Suchmaschine noch auf den Begriff „Eventplanung“. Hei, was für eine Freude. Da gab es doch tatsächlich „Eventmanager“ die dann die Planung des „Events“ übernahmen.

Er vertiefte sich begeistert in diese neue Welt und es eröffneten sich ihm zahllose neue Möglichkeiten.
Nun gut, vielleicht doch nicht so zahllos. Sein erster Vorschlag, das Trauzimmer in pink mit roten Herzchen zu gestalten, um eine würdige Umgebung zu schaffen, lief absolut ins Leere, da sich alle schlicht weigerten.

Undankbares Pack.

Als nächstes führte er ein „assoziatives Brainstorming“ durch und mittels neuer „Mindmapping-Fähigkeiten“ die er sich im Selbststudium aneignete, kam ihm die Idee, für Hochzeiten einen Chor mit kleinen Kindern und Ballons in der Hand aufzustellen, die dann für das Brautpaar singen sollte.

Kleine Kinder in rosigen Kleidern und mit roten Herzballons in der Hand.

Die Verwaltungsspitze berief für ihn einen Termin beim sozialpsychiatrischen Dienst ein und wollte ihn auf seinen Geisteszustand untersuchen lassen und war im übrigen strikt gegen seinen Vorschlag.

Unkreatives Pack.

Daraufhin überarbeitete er seinen Vorschlag noch einmal und bestellte jetzt für jeden seiner Schäfchen aka Mitarbeiter ein hübsches Sakko in „Lachsfarben“ mit einem großen roten Herz auf dem Rücken.
Die Damen bekamen Röcke in „lachsfarben“ und weiße Blusen. Ebenso mit großem rotem Herz.

Es wurde von ihm verpflichtend eingeführt, dass diese Kleidung anzuziehen ist. Einwände einer besonders rothaarigen Hexe von Kollegin, dass diese Kleidung sich mit ihrer Haarfarbe „beißen“ würde, wurden von ihm beiseite gewischt.

Eitles Pack.

Außerdem wurde das „Event“ von ihm nunmehr minutiös für jede Trau(er)feier durchgeplant. Das lachsfarbene Spalier ebenso wie die roten Luftballons und das Konfetti, was zu werfen war. Und wie.

Die Dienstanweisung „Verhalten und Uniformpflicht bei Trauveranstaltungen im Hause“ wurde erstellt und den Mitarbeitern zur Kenntnis gegeben.

Die ersten Trau(er)feiern waren ein voller Erfolg.

Die Traugäste hatten stellenweise Tränen in den Augen. Vor Rührung. Sicher.

Als nächstes Projekt möchte der städtische Eventplaner die Trauerfeiern in der städtischen Trauerhalle neu organisieren.

Die ersten Mitarbeiter versuchen derzeit laut letzter Meldung aus dem Personalamt, auf neue, ruhigere Stellen versetzt zu werden wie z.B. Mülllader bei der Müllabfuhr oder Tiefbauarbeiten.

Veröffentlicht am 8. Juni 2009, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 4 Kommentare.

  1. *schaut in ihren Kaffee-Pott*

    *schiebt ihn rüber*

    Klingt als könntest du den besser brauchen.

  2. Tantchen Jay

    IMMER.

    Dankeschön 😉

  3. Zitat
    Es ging also um die Umstrukturierung der Trauerfeiern in ein unvergessliches Event. Zitat Ende

    Da wäre das er wohl auch besser in Klammern oder nicht vorhanden. 😉

    Liebe Grüße

    Cat

  4. Tantchen Jay

    *g* jo, übersehen. Irgendwie kam mir der Unterschied zwischen Trau- und Trauerfeiern nicht über die Tasten…

    Noja, nu bleibts so. 😉

warf folgenden Kuchen auf den Teller