„Killerspiele“


Ich könnt ja wieder kotzen.

Da ist ein 16jähriges Mädchen durchgeknallt, verletzt eine Mitschülerin mit einer Messerattacke und schreibt einen Abschiedsbrief, in dem sie erklärt, dass sie so voller Hass ist, dass sie alles umbringen möchte. Einschließlich sich selbst.

Und was macht RP-Online? Erwähnt mit einem Nebensatz, dass sie „stundenlang Ego-Shooter“ gespielt hat und suggeriert damit, dass das Mädchen durchgeknallt ist, weil sie gezockt hat und nicht, weil sie am Leben und mangelnder Perspektivlosigkeit verzweifelt ist.

Ganz großes Kino liebe Leute. Ganz großes Kino.

Veröffentlicht am 15. Juni 2009, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 6 Kommentare.

  1. ist doch immer so.Kaum ist irgendein Jugendlicher durchgedreht sinds die Killerspiele.Früher wars das Fernsehen.Aber hast recht, die meisten drehen hab weil sie keine Perspektive haben, die Freundin/Freund schkugemacht hat, man gemobbt wurde etc.Vieles ist eine kurzschlussreaktion, nicht von langer Hand geplant.

  2. So sind sie halt, die Medien. Dass es dabei in etwa 99% aller Fälle mit den von Anonym genannten Gründen zu tun hat, wird gerne verschwiegen. Klar, sonst müsste man sich ja auch mit den Problemen in der Gesellschaft und dem Bildungssystem auseinandersetzen, und es ist allemal leichter, dem blöden Wählervieh Killerspiele als die Quelle alles Bösen zu verkaufen.

  3. Tantchen Jay

    Ja – nur: WIR sind das Wahlvieh. Und WIR sind es, die entscheiden ob wir die Lügen glauben oder nicht.Und ich für meinen Teil trage dazu bei, dieses verlogene Geheuchel als genau das zu entlarven. Und wenn ich meiner Umwelt damit noch so auf den Keks gehe 🙂

  4. Mein allererstes Spielchen am eigenen PC – 1994, Wolfenstein 3D bis zum Getno, und ich bin trotzdem nicht bei der Antifa-M gelandet. Es sind also wirklich nicht die Egoshooter. (Oder wenn es ausnahmsweise halbwegs ernsthaft sein soll: Ihr habt recht; wenn irgendwelche Ballerspieler abdrehen, war da vorher auch schon was.)

  5. Mittlerweile denke ich, dass die Auseinandersetzung eine neue Ebene erreicht hat; sie öffnet sich. So offen, wie sie nun nach allen Seiten ist – und damit im Prinzip nicht mehr ganz dicht – geht sie nun auch offen gegen das lästige Pack vor, mit dem man ständig konfrontiert ist. Gegen den Bürger.Wie schön, dass uns Wolfgang Bosbach die Novellierung des Waffenrechts nun auch als politische Zwangslage verkauft. Report München, ARD, 15. Juni 2009, 22:00, Aussage paraphrasiert: die Leute zerren doch von beiden Seiten an der Politik, die Waffenbesitzer fühlen sich ungerecht behandelt, den anderen geht die Regelung noch nicht weit genug. Was man macht, macht man verkehrt. Man muss Prioritäten setzen. Das heißt dann im Klartext: den Lobbyisten noch ein bisschen entgegenkommen, indem man unsinnige Kontrollen vorschlägt, die mit der Personalstärke der Polizei allenfalls auf dem Papier durchzuführen sind und sowieso am Thema vorbeigehen, weil in Deutschland ca. drei Millionen illegaler Schusswaffen kursieren, und dafür den Angehörigen von Winnenden gegenüber sein Bedauern ausdrücken, wenngleich nur Bedauern darüber, dass man in einer Demokratie leider Gottes nicht verbieten könne, dass manche Bürger ihre Freizeit am liebsten mit Großkaliberwaffen verbringen.Kurt Tucholsky hätte das einen Realpolitiker genannt, und wer ihn kennt, weiß auch, dass das eine seiner gröberen Beleidigungen war.Eine Symbolpolitik ohne Wirklichkeitsbezug. Man könnte fast meinen, dass sie endlich in der virtuellen Realität angekommen sind. Bin ich der einzige, der den Eindruck bekommt, dass die Politik längst ihren eigenen Egoshooter spielt und auf den Bürger ballert?

  6. Tantchen Jay

    Nein, dass passt voll ins Bild.Donnerstag wird das Zensurgesetz verabschiedet, im Gegenzug kann Frau von der Leyen nirgends mehr auftreten, ohne dass die Kritiker sich zu Wort melden. Gut so.Widerstand wird zur Pflicht. Und im Grundgesetz sind diese Widerstandsrechte auch klar zugebilligt.Die Frage ist halt nur, welche Konsequenzen das hat, das ist MIR allerdings auch inzwischen mehr oder weniger egal. Mein Foto hängt bei "gib deiner Stimme ein Gesicht". Meine Unterschrift ist an die Piratenpartei gegangen und ich überlege grad, ob ich bei den Jungs Mitglied werde. Lohnen würde es sich allemal.

warf folgenden Kuchen auf den Teller