Heise-Forum


Oder auch: Warum die Trolle stinken. 😉

Im ernst, ich lese ganz gerne mal in den Heise-Foren. Viel rumgetrolle und vor allem bekommt man da ein Gefühl dafür, wie eigentlich gebildete Menschen mal alle Bildung und Empathie über die Wupper werfen, hauptsache, man kann sich verbal prügeln. Ist meist großes Popcorn-Kino.

Allerdings hats auch Schattenseiten. Es werden häufig Dinge dort verbreitet, die man dort nur ungerne so stehenläßt, da die Wirkung fatal ist. Sowas z.b.

Da wird doch tatsächlich behauptet, dass die Afghanen nur zu doof sind, ihr Land aufzubauen und wenn die Warlords endlich mal zusammenarbeiten würden, dann wär Afghanistan supertoll.

Hätt in Deutschland ja auch geklappt und da haben sich die Bayern und die Niedersachsen ja auch nie riechen können.

Und da ja die Drohung mit der Atombombe für 50 Jahre Frieden in Europa gesorgt hat, könnte man ja mal die Taliban damit vollausstatten, mit der Drohung hätten wir dann wieder Frieden.

Au weia.

Zunächst mal einen kleinen geschichtlichen Exkurs: Deutschland besteht nicht überwiegend aus lotrechtem statt Horizontalen Land. Wir haben hier auch fruchtbare Ebenen und sind nicht vorwiegend auf die Viehzucht angewiesen. Außerdem hatte Deutschland vor dem Krieg bereits eine gute Infrastruktur, die natürlich im Krieg ziemlich geplättet wurde. Aber:

Deutschland hatte vor allem einen Marshall-Plan. Warum es den gab, lassen wir mal dahingestellt. Wir hatten ihn. Eine massive Wiederaufbauhilfe.

Und nun Afghanistan. Was hat denn Afghanistan?

Sie haben ein paar Bodenschätze, nicht genug, um sie für eine Aufbauhilfe des Westens zu qualifizieren, aber immerhin: Ein bisschen was zum rauskratzen ist da.

Dann die strategische Lage. Jetzt nicht gerade zentral in Europa, aber doch mit kurzen Wegen an alle wichtigen Stätten: Irak, Iran, Russland. Alles hübsch dicht bei. Gut, dass machts dann schon wieder wichtiger.

Die geplante Pipeline ist ja auch nicht gerade unwichtig.

Das ist mal Pro Aufbauhilfe. Nun die Gegenargumente:

Afghanistan ist nicht nur ein bisschen platt. Afghanistan ist eine Trümmerlandschaft. Das, was mal an Städten da war, ist nach 30 Jahren Krieg (der fing mit dem russischen Einmarsch Ende der 70er Jahre ja an) eingeebnet. Man kann das auch nicht wieder aufbauen, versucht man es, wird man schnell wieder zugebombt. Ich glaub auch, dass es den Afghanen recht egal ist, ob da nun auf der Bombe „proudly made by Allah“ oder „Made in USA“ draufsteht. Tot ist tot. Platt ist platt.

Aber wichtiger ist meines Erachtens, dass der Westen die Afghanen einfach nicht als Verhandlungspartner ernst nimmt. Die Haltung, die ich hier immer wieder sehe, schwankt zwischen Überheblichkeit, Verachtung und bodenloser Arroganz. Afghanistan wird diktiert (und zwar über den importierten und mit Wahlfälschung an der Macht gehaltenenen Präsidenten Karsai), wie es zu leben hat. Das dürfen die Afghanen nicht selbst wählen.

Folgerichtig scheißen die Warlords mal auf den Westen, machen ihr eigenes Ding und sich vor allem einen Spaß draus, es den doofen Soldaten mal so richtig zu zeigen.

Als Konsequenz daraus wiederum schickt der Westen noch mehr Soldaten, um das Land zu „befrieden“ und zu „sichern“. Sichern für WEN eigentlich? Afghanen sind da bald keine mehr. Entweder tot oder geflitzt, denn eine Chance haben die nicht wirklich. Und vor allem wissen die Afghanen sehr genau, dass sie nicht Herrscher im eigenen Land sind.

Und genau hier liegt der krasse Unterschied zu Deutschland nach 1945. Wir haben den Krieg verloren, aber die Sieger haben erkannt, dass es konstruktiver ist, wenn man Deutschland allmählich in die Selbständigkeit zurückkehren läßt. Natürlich war Deutschland bis in die 90er besetztes Land, aber…hallo? Hat das irgendeiner hier gemerkt? Wir waren vielleicht nominell besetzt, aber de facto hat uns doch eigentlich kaum einer reingeredet.

Solange wir in der Spur blieben 😉

Welch ein Unterschied zu Afghanistan. Da wird der Präsident importiert und dem Volk vorgesetzt. Will es ihn nicht, wird mal eben die Wahl gefälscht. Der Präsident tut natürlich, was die Besatzer wollen, die wiederum machen, was sie wollen.

Um es an einem konkreten Beispiel festzumachen. Stellt euch vor, in Bayern wär eine Hochzeit gewesen. Und da wären dann amerikanische Hubschrauber drüberweggeflogen und hätten mal Salut geschossen. Leider zu tief gezielt, die Ehe wurde kurz und die Familie um einiges kleiner.

Was meint ihr, was bei uns passiert wäre? Genau. Verhaftung der Täter, ziemliches Rauschen im Blätterwald und vor allem ein diplomatischer Zwischenfall der fiesesten Art.

Die Familie in Afghanistan hat für jedes getötete Familienmitglied 200 Dollar erhalten. Mit der Auflage, zu schlucken und die Schnauze zu halten. Es wurde in den Zeitungen mal kurz erwähnt, hat aber bei den meisten außer Kopfschütteln keine Reaktion hervorgerufen.

Nein, man kann uns nicht vergleichen. Deutschland wurde ungleich besser behandelt, als es Afghanistan gerade wird.

Oh hupps. Merkt man was?

Veröffentlicht am 20. November 2009, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

warf folgenden Kuchen auf den Teller