Die deutsche Kinderhilfe – Warnung
Die deutsche Kinderhilfe sieht sich laut Eigenaussage als Organisation zum Schutze von Kindern. Bereits vielfach wurde diskutiert, dass die deutsche Kinderhilfe alles andere als das ist, sondern lediglich als Lobbyverband und Geldmaschine gegründet wurde.
Dementsprechend sind die Aussagen der Kinderhilfe auch zu werten. Aktuell gibt es wieder eine Pressemitteilung, die Seltenheitswert hat.
Grabenkämpfe mag ich zwar überhaupt nicht, aber den unglaublichen Schund, der da verbrochen wurde, kann ich so nicht stehenlassen, sonst hauts mir wieder meine Magensäure in den Himmel…
Eine der ersten Amtshandlungen der Bundesjustizministerin war es, in den Koalitionsverhandlungen darauf zu drängen, das bereits verabschiedete Gesetz zum Access Blocking „kinderpornographischer“ Seiten zum Scheitern zu bringen. Die Kommunikationslinie „Löschen statt Sperren“ ist in diesem Kontext reine politische Rhetorik. Es geht nicht um Sperren oder Löschen, es muss um beides gehen. In der Praxis dauern Rechtshilfeersuchen, die über die Justizbürokratien beantragt und bewilligt werden müssen nicht wenige Stunden, sondern Wochen und Monate. Und bei Staaten wir Usbekistan, Weißrussland oder bei Karibikstaaten, in denen vermehrt Server stehen, ist dieser Weg von vornherein aussichtslos.
Alleine bei dem Argument könnte ich schreien. Die Server stehen also in Usbekistan, Weißrussland oder irgendwelchen Karibikstaaten, und die tun nix gegen Kinderpornographie? Man müsste doch mal glatt die jeweiligen Botschaften kontaktieren, aber ich wette, da würde genau das gleiche herauskommen wie schon zu Zeiten als man Indien und den Iran als Kinderpornohoster geoutet hat: Ne Menge Empörung und hastiges zurückrudern. Lustig ist, dass man in der Karibik schon gar keine Staaten mehr nennt, wahrscheinlich, weil man weiß, dass man auf die Schnauze bekommt.
Und wo wir mal dabei sind: Für Löschen muss man kein wie auch immer geartetes ominöses und langwieriges Amtshilfeverfahren machen. Das hat das BKA ja versucht und die sind damit grandios gescheitert. Wie immer eigentlich, wenn der Amtsschimmel den gesunden Menschenverstand kritisch trifft. INHOPE ist direkt an die Hoster gegangen und hat gezeigt, dass die Seiten innerhalb von wenigen Stunden vom Netz sind.
Das Gesetz zur Sperrung „kinderpornographischer“ Inhalte im Internet, welches derzeit beim Bundespräsidenten zur Unterzeichnung liegt, war sicher nicht der große Wurf und nur ein Baustein von vielen. Das Gesetz wäre seit Jahren der erste Schritt der Politik gewesen, etwas gegen die Krake der Pädokriminalität im Internet zu tun. Nach dem Vorbild sieben europäischer Länder sollten Stoppschilder vor „kinderpornographische“ Seiten gestellt werden – ein klares Symbol gegen diese Bilder und Filme, hinter denen tatsächlicher sexueller Missbrauch von Kindern steht.
Ausgeleierte Argumente werden nicht richtiger durch permanentes Wiederholen. Fakt ist: Diese Stopschilder sind in anderen Ländern gescheitert. Fragt man Strafverfolger in Schweden oder Norwegen, sind die von den Sperren nicht mehr wirklich begeistert.
Und die „Krake Pädokriminalität“ befindet sich, mit Verlaub, nicht im Internet. Die Taten werden im „Realen Leben“ begangen. Und dort werden die Kinder misshandelt. Übrigens: Gerade mal 1% der Täter dokumentiert den von ihm betriebenen Missbrauch. Und die übrigen 99% fallen mal grad untern Tisch und können fröhlich weiter missbrauchen.
Mir wärs persönlich lieber, wir würden den Mantel des Schweigens, der über diesen Taten liegt, endlich durchbrechen und den Kindern helfen, statt irgendwelchen hektischen Aktionismus auf Biegen und Brechen durchzudrücken.
Dass daneben Server aufgespürt und abgestellt werden müssen, der Kampf durch eine Verschärfung des Strafrechts und durch den flächendeckenden Aufbau von Schwerpunktabteilungen weitergehen muss, war stets eine Forderung der Deutschen Kinderhilfe.
Liebe Deutsche Kinderhilfe, erklärt mir als strafrechtlichem Laien doch bitte mal genau, wie man durch Strafverschärfungen den Kindern hilft?
Strafe muss sein, ja. Aber wer glaubt, dass Strafe Kinder davor schützt, missbraucht zu werden, der glaubt auch noch, dass die Todesstrafe abschreckend wirkt. Es ist dasselbe Gedankengut.
Mein Ansatz ist ein völlig anderer und viel schwerer zu gehen. Den Straftätern muss der Nährboden entzogen werden, indem man Kinder stark macht. Indem man sie darin schult, „NEIN“ zu sagen und das auch durchzusetzen. Indem man ihnen Anlaufstellen bietet, wo sie im Missbrauchsfall auch angenommen werden.
Derzeit muss sich ein missbrauchtes Kind durchschnittlich 8 mal „outen“, bevor ihm geglaubt wird und es Hilfe bekommt. Das darf nicht länger so sein.
Die Gelder für die Opferhilfe werden seit Jahren kontinuierlich zurückgefahren. Parse von MOGiS hat sich mal der monumentalen Aufgabe gestellt und mal versucht, die Beträge aufzumetern.
Und hinzu kommt auch, dass die Landespolizeibehörden seit Jahren personell und technisch ausbluten. Die Ausstattungen der Polizei spottet teilweise jeder Beschreibung und dass hier in unserem Bereich 1 Streife nachts für knapp 150.000 Leute zuständig ist (3 Städte), hat na-tür-lich nichts an der Sicherheitslage geändert.
Dieser ganze Mummenschanz mit den Internetsperren (die übrigens einen 3-stelligen Millionenbetrag kosten, den _wir_ mit unseren Internetgebühren bezahlen) ist doch nichts weiter, als ein Ablenkungsmanöver um von diesen Tatsachen abzulenken.
Es geht der Politik doch nicht darum, Kinder zu schützen. Sie wollen von ihrem Versagen ablenken und uns glauben machen, dass sie etwas tun. Und um das plakativ zu beweisen hat man sich mal etwas vorgenommen, wo man ja niemals Kritik dran üben kann.
Wir brauchen keine Hetzkampagnen mehr. Das Thema verträgt eigentlich auch keine weiteren.
Wir brauchen eine solide Grundlage für die Ermittlungsbehörden in der personellen und technischen Ausstattung. Und wir brauchen eine funktionierende Infrastruktur in der Opferhilfe.
Aber die Sperren einrichten und die Kosten auf die Allgemeinheit abwälzen, das ist ja soviel einfacher.
AFK
Kotzen.
Veröffentlicht am 11. Dezember 2009, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.
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