„…und anderswo verhungern Leute“


Ich muss ja beim Lesen der Geschichte immer noch in mich hineinkichern…ich hab ZU schöne Bilder vor Augen. Tom schreibt aber auch zu schön *g*

Aber ein Kommentar hat mich dann doch etwas nachdenklich gemacht.

Irgendwo steht sinngemäß, dass man für irgendwelche überkandidelten Möchtegernpflegeprodukte Lebensmittel verwendet und anderswo verhungern die Leute.

Da steckt so viel drin, dass ich das mal für mich alleine aufdröseln möchte.

Zunächst einmal: Pflegeprodukte aus Lebensmitteln.

Letztendlich sind alle Pflegeprodukte doch aus Lebensmitteln gemacht. Seife wurde schon immer aus Fett und Lauge hergestellt – heute gibts nur den Unterschied, dass die Seife halt aus Pflanzenfetten hergestellt wird und nicht aus Rindertalg, wie im 19. Jahrhundert noch.

Auch Cremes und Schminksachen waren häufig Lebensmittelbasiert. Oder – schlimmer, eben das nicht, wie z.B. Bleiweiß als Gesichtsschminke im Rokoko, was nicht selten zu Vergiftungen geführt hat. Oder die Mode, Belladonna in die Augen zu träufeln, was zu Blindheit führen konnte.

Heutzutage heißt unser Bleiweiß „Hyaloronsäure“ – was nicht unbedingt toll ist. Sieht vielleicht toll aus, wenn die Haut unter dem Einfluss von dem Zeug aufquillt und „faltenfreier“ wird – aber ob das so gesund ist? Ich steh zu meinen Falten, von dem Zeug wird nie jemals etwas an meine Haut kommen.

Zurück zur Seife. Sie beinhaltet in erster Linie verseifte Fette. Damit es schäumt kommt Kokosfett oder Palmfett rein (Kokosfett macht feinen Schaum), damit es pflegt kommt Olivenöl, Jojobaöl oder auch Traubenkernöl rein. Gerne nehme ich auch Sheabutter oder Kakaobutter.

Gefärbt wird mit Lebensmittelfarben, sofern sie laugenfest sind: Eisenoxid (das gibt ein schönes rotbraun, aber vorsicht: Färbt das Waschbecken und Handtücher zuverlässig, die Haut hingegen nicht *g*), Titandioxid (weiß), diverse Heilerden (brauntöne) und gerne auch mal Rotwein (GUT aufgekocht, damit kein Alkohol mehr drin ist, das gehört nicht in die Seife, gibt ein feines dunkles rot).
Andere Farben sind Indigo und Ringelblumenöl macht z.b. ein schönes gelb. Karottensaft färbt leicht orange.

All das gibts im Pfenningsartikel in der Drogerie. Das steht da schon. Wenn ich es nicht kaufe und verseife, was würde geschehen? Würde das abgelaufene Zeug dann flugs nach Afrika verschifft werden, um dort Hungernde zu füttern?

Wohl eher nicht. Und hier kommen wir zum Punkt „umdenken“.

Es wird keinem einzigen helfen, wenn ich mein Hobby drangebe, weil halt soviel Elend in der Welt ist. Dem kann ich damit nicht abhelfen.

Aber:
Warum müssen es zu Weihnachten Importerdbeeren sein? Warum muss ich ne polnische Hafermastgans zu Weihnachten haben? Warum im Winter Brombeeren essen? Warum muss ich unbedingt Argentinisches Rindfleisch essen?

All das wird in Deutschland auch angebaut. Und es ist teilweise saisonales Essen. Ich brauche im Dezember keinen Spargel, dafür gibts die „Spargelzeit“. Klar kann man das bekommen, aber zu welchem Preis? Das Zeug wird über x Kilometer von Pontius nach Pilatus gebracht. Krabben? Schon Geschält? Feine Sache oder? Mal überlegt, dass die Viecher von der Nordseeküste bis nach Polen gekarrt werden und dort von Hand gepult? Und dann wieder nach Deutschland, damit man hier ja nicht Zeit verschwenden muss mit Krabben pulen? Alleine der Sprit der dabei draufgeht. Und wo wir überall das CO2 erwähnen, möchte ich zumindest mal ne kleine Randnotiz geben: Dieser Scheißluxus kostet unseren Kindern die Zukunft. Damit wir gepulte Krabben tiefgefroren kaufen können, wird mehr Treibhausgas in die Luft geblasen als ne Rinderherde in einem Jahr furzen könnte. *mpf*

Kommen wir mal zum Thema „anderswo verhungern Leute“.

Biosprit… die Brandrodung des Regenwaldes zugunsten von Palmölplantagen ist nicht gerade witzig. Und die Umwandlung von Anbauflächen zur Nahrungsmittelproduktion in die für Biospritproduktion ist auch unlustig.

Die 3.Welt-Länder haben immer noch groß unter dem Kolonialismus zu leiden. Dem modernen Kolonialismus – der durch Firmen repräsentiert wird, die ganze Länder meinen, in der Tasche zu haben. Shell und Nigeria ist hier ein großes Problem. Auch werden Schwellenländer durch die Weltbank und WHO künstlich im Armenstatus gelassen. Hinzu kommen Korruption in großem Stil und der Ausverkauf der Rohstoffe dieser Länder an Gierhälse.

Wenn ein Land nicht mitspielt wie die Großen wollen, dann ist Schluß mit Lustig. Die Iraker wissen das inzwischen sehr gut, die Afghanen auch. Und die Iraner sollen es grad lernen. Meinen andere.

Viele Probleme der Schwellenländer können wir nicht lösen. Wir können nicht viel gegen die Korruption tun – außer, sie nicht weiter zu unterstützen. Wenn der Westen nicht mehr mitspielen würde und Verbrecher als honorige Politiker behandeln, dann wäre der Sumpf schnell trocken. Allerdings ist es nicht Sache des Westens oder der ERsten Welt, anderen Ländern seine Vorstellung von Demokratie aufzudrücken.

Hungerhilfe – so nötig, wie sie in einer Hungersnot ist, das Handeln vieler Hilfsorganisationen ist kurzsichtig und verschärft viele Probleme noch. Wenn in Darfur eine Hungersnot ist, wird auf dem Weltmarkt Hirse in großem Stil gekauft und werbewirksam in die Hungergebiete verschifft und kostenfrei ausgegeben. Die Folgen sind inzwischen bekannt, trotzdem hört es nicht auf:

die noch verbliebenen Bauern werden ihre Waren nicht mehr los: Sie können nicht exportieren und in den Hungergebieten gibts die Lebensmittel ja kostenfrei. Sie verarmen ebenfalls und verlieren nicht selten ihr Land. Es folgen weitere Hungerjahre, weil keine Bauern mehr da sind und letztlich hängt die gesamte Gegend am Tropf der Welthungerhilfe und kommt da nicht mehr weg. Verschärft wird das ganze dadurch, dass die Preise für diese Lebensmittel extrem steigen. Und in anderen Ländern, wo man halt auch von demselben Zeug lebt, kann man auf einmal nicht mehr den Sack Hirse bezahlen, weil die Preise jenseits von gut und böse sind. Und so mildert man den Hunger in der einen Ecke und verschärft das Elend in der anderen.

Dann kommen die Entwicklungshelfer, bauen Brunnen in der Wüste, versuchen aus Steppen urbares Land zu machen und die Leute wieder anzusiedeln.

Doch es ist nicht das Projekt der Leute. Es gibt nur wenige Projekte, wo sich die Hilfsorganisationen zurückhalten und die Leute einfach mal machen lassen und allenfalls mal mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Viel öfter ist ein „ihr macht das jetzt so und so, sonst gibts kein Geld und kein Saatgut.“
Das muss nicht immer richtig für die Gegend sein, aber die Hilfsorganisationen wissens ja besser.

Was man dann hat, sind unwillige Zuarbeiter, die auf ihrem eigenen Land nicht mehr Herr sind, sondern anderen die Verantwortung übergeben müssen.

Und, um es mal deutlich zu sagen: Das widerliche Experiment mit Genveränderten Pflanzen muss sofort aufhören.

Diese ekelhafte Geschäftemacherei mit sterilem Pflanzengut bedroht die Artenvielfalt. In Indien hat ja Monsanto bereits in großem Stil genveränderte Baumwolle anpflanzen lassen. Die Erträge blieben weit unter dem versprochenen zurück, Schuld hatten natürlich die Bauern, die nicht richtig angebaut hatten. Da die Erträge nicht ausreichten, dass sauteure Saatgut und die Düngemittel zu kaufen, sind da ganze Dörfer in die Pleite getrieben worden. Und danach flog eine Suizidwelle durch die Gegend, ganze Dörfer haben kollektiv Selbstmord begangen, weil sie aus der Falle keinen Ausweg mehr sahen. Durch die Missernte und die Schulden bei Monsanto konnten sie kein weiteres Saatgut mehr kaufen, die Pflanzen selbst lieferten keins, da sie steril waren.

Monsanto, Bayer, sie sind die Vorreiter dieser widerlichen Politik. Und dass ist das allererste was aufhören muss. Sofort. Denn wie sagte jemand (sinngemäßes Zitat):

Chemische Umweltverschmutzung ist nicht weiter schlimm. Die Flüsse sind vergiftet, ja. Aber mit der Zeit reinigen sie sich wieder. Biologische Umweltverschmutzung wie genmanipulierte Pflanzen hingegen greift direkt in die Evolution ein. Wir wissen noch nicht einmal, was das auslösen wird – und rückgängig machen kann man es auch nicht, da noch niemand weiß, zu was diese Pflanzen mutieren werden. Eine Verbreitung von Pflanzen, die auf einem freien Feld angebaut wurden, ist nicht zu verhindern, egal, was die Firmen sagen.

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Veröffentlicht am 28. Dezember 2009, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

  1. angesichts der Pläne von Bayer, Monsanto aufzukaufen, finde ich diesen Artikel wichtiger denn je.

warf folgenden Kuchen auf den Teller