Axolotl Roadkill


Hallo, hier ich auch. 🙂

Man kommt die Tage ja nirgends vorbei an Berichterstattungen, Rechtfertigungen und Häme zum Buch Axolotl Roadkill von Helene Hegemann.

In dem ganzen Trubel sind mir aber einige Aspekte mal so richtig untergegangen.

Helene Hegemann soll 16 gewesen sein, als sie das Buch (ab)schrieb.

So. 16. Ein Buch, in dem sie beschreibt, wie sie anderen beim Sex zusieht und wie sie Erfahrungen macht, die weder mit dem Erziehungsauftrag der Eltern vereinbar sind noch mit dem Jugendschutzrecht.

Da schreibt eine 16jährige ein Buch mit einem Erfahrungshorizont, der deutlich über den anderer 16jähriger hinausgeht.

Und die wird GEFEIERT? Als Vertreterin einer Jugendgeneration? Die die Generation beschreibt? Da geht keiner hin und fragt mal nach, in was für einem Haushalt die lebt, dass sie solche Erfahrungen überhaupt machen konnte?

Was ist der Vater von Helene Hegemann? Wikipedia sagt, Professor für Dramaturgie an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig.

Wie viel Phantasie benötigt man, um zwei Dinge zu hinterfragen:

1. Wäre Helene Hegemann nicht die Tochter ihres Vaters, würde das Buch ähnlich gehyped worden sein?

2. Wären die Eltern geschiedene Hartz-IV-Empfänger, würde das Buch veröffentlicht worden sein oder würde nicht viel eher das Jugendamt das Kind aus den verwahrlosten Verhältnissen nehmen?

Und genau hier ist die eine Sache, die viel zu sehr kleingehalten wird. Helene Hegemann ist die Tochter eines einflußreichen Vaters. Und ob es jetzt so war, das Papa dafür gesorgt hat, dass das Manuskript in die richtigen Kanäle kommt oder ob jemand in vorauseilendem Gehorsam das Buch gehyped hat…das weiß man nicht und wird man auch nicht mehr herausfinden. Was bleibt ist die Tatsache, dass ein Kind ein Buch geschrieben hat über Verhältnisse, in denen sie lebt. Und dass diese Verhältnisse „Verwahrlosung“ bedeuten.

Ich hätte mir zumindest mal gewünscht, dass das Jugendamt den Arsch in der Hose gehabt hätte und mal ein Faß aufmacht.

Die zweite Sache, die mich stört…

der eine oder andere weiß, dass ich selbst schreibe. Nicht gut. Nicht veröffentlichungsreif. Aber ich hab ein paar Mitleser, die gerne lesen. Zumindest sagen sie das *g*
Und eine hat mich gefragt, wie ich das sehen würde.

Mein Unterschied zu Helene Hegelmann ist der: Ich schreibe nicht ab. Ich habe Vorbilder und Reminiszenzen an Autoren – in deren Augenhöhe ich nicht annährend stehe. Aber ich kenne „meine“ Bücher sehr gut und versuche jeden Anschein von Plagiaten zu vermeiden. Schon allein aus Stolz: Es ist MEINE Welt. MEINE Clarissa. Sie ist eigenständig und selbständig.

Und kein Abklatsch einer Moreta oder einer Lessa von Pern. 😉

Und wenn ich jetzt die wachsweichen Argumente des Verlages sehe, der sein Buch doch schützen möchte, der seine Verkaufszahlen schwinden sieht. Wenn ich die dummen Aussagen von Frau Hegemann lese, die das Plagiieren entschuldigen solle, stelle ich mir immer vor, was ich empfinden würde, wenn meine Clarissa auf einmal mir weggenommen wird. Denn das wäre es.

Und ich wäre wütend. Ich wäre noch wütender, wenn der Autor, der mich bestohlen hat, damit eine schweinekohle verdienen würde und wenn ich dann vom Verlag höre, dass der Autor nun mal ein Kind der „Sharing-Kultur des Internets ist“.

Oh, moment mal… wie war das doch gleich mit der Verschärfung des Urheberrechts, dem Abmahnwesen und ähnlichem? War da nicht etwas von „wir müssen die Verlage schützen und brauchen ein Gesetz gegen Googles Abschreibementalität“?

Ähm, ja.

Wie sagte schon Talleyrand?

Verrat ist eine Sache des Datums.

Der Mann hatte mal eindeutig recht.

Veröffentlicht am 13. Februar 2010, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

warf folgenden Kuchen auf den Teller