Obrigkeitshörig
Man mag es dem Alter zuschreiben wollen. Der Bruder von Papst Benedikt ist 1924 geboren und damit 86 Jahre alt.
Und in seiner Jugend wars halt anders. Auch die Zeiten im Dritten Reich (1936 war er 12, das sind prägende Jahre) waren bekanntlich nicht gerade förderlich fürs Demokratieverständnis oder aber auch nur für die Rückgratbildung.
Zivilcourage war nicht gefragt und er hat eine Institution betreten, die Zivilcourage nicht gerade fördert, aber diejenigen, die sie aufbringen, hinterher als Heilige verehrt.
Das erklärt vielleicht das furchtbare Interview eines Apologeten, der zu entschuldigen sucht, was nicht zu entschuldigen ist.
Zwar seien Schüler auf den Konzertreisen zu ihm gekommen und hätten ihm erzählt, wie es ihnen im Internat erging, sagte Ratzinger. Die Berichte seien bei ihm aber nicht so angekommen, dass er glaubte, etwas unternehmen zu müssen, sagte Ratzinger der Passauer Neuen Presse (PNP).
Da kommen offenbar reihenweise Schüler zu ihm und vertrauten sich ihm an. Und er war nicht der Meinung, etwas unternehmen zu müssen. Er ist Kirchenmann, er hat sich dem Schutz der Schwachen verschrieben – zumindest nominell. Und als diese Schwachen zu ihm kamen, hat er nichts unternommen.
Aber:
Ratzinger gab zu, auch selbst zu Anfang wiederholt Ohrfeigen ausgeteilt zu haben. Er habe aber immer ein schlechtes Gewissen dabei gehabt. „Ich war dann froh, als 1980 körperliche Züchtigungen vom Gesetzgeber ganz verboten wurde. Daran habe ich mich striktissime gehalten, und ich war innerlich erleichtert“, sagte Ratzinger.
Er hat etwas getan, von dem er wusste, dass es falsch ist. Er hat ein schlechtes Gewissen gehabt. Und anstatt sich, wie es sein Glaube gebietet, von dem schlechten Gewissen leiten zu lassen und die falschen Handlungen einzustellen, bedurfte es eines von Menschen gemachten Gesetzes – das er „natürlich“ „striktissime“ eingehalten hat.
Und er war erleichtert.
Wie erleichtert werden erst seine Schüler gewesen sein?
Veröffentlicht am 9. März 2010, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.
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