Spread the Word
Es ist ein Video, das an die Nieren geht. Man muss hilflos zusehen, wie Menschen getötet werden. Wir alle, die wir hier lesen, sind in einer halbwegs friedlichen Zeit aufgewachsen, wir sind pazifistisch erzogen worden – aus der bitteren Erfahrung eines Krieges, der alle Kriege beenden sollte.
Was für ein Irrtum.
Es ist herzzerreißend zu sehen, wie ein durch Kugeln schwer verwundeter Mann verzweifelt versucht, wegzukriechen, vor dem Hubschrauber, der so unvermittelt das Feuer eröffnet hat.
Es ist erschütternd, zu sehen, wie Helfer beschossen werden, weil sie genau diesem verwundeten Mann helfen wollen.
Und dabei sterben, wie die anderen.
Es ist verstörend, zu sehen, wie Raketen in ein Gebäude einschlagen, in dem die Soldaten „Individuen“ lokalisiert haben, die AK-47 tragen, und ein RPG (ich bin wirklich kein Waffenexperte, ich würde eine Waffe nur anpacken, wenn ich sie in den Müll schmeißen würde). Hatten sie eins? Ich weiß es nicht, ich kann es nicht beurteilen. Was man aber sehr gut sehen konnte, war, dass ein Zivilist ahnungslos an dem Gebäude vorbeiging und von der Druckwelle und den Trümmern voll getroffen wurde. Er konnte das nicht überlebt haben. Was man auch sehen konnte, war, dass Helfer in das Gebäude rannten, nachdem die erste Rakete dort einschlug, um die Menschen dort zu retten. Kurz nachdem sie das Gebäude betraten, schlugen 2 weitere Raketen ein.
Auch sie sind vermutlich gestorben. Gestorben, weil sie helfen wollten. Das waren keine Kämpfer, die da reinrannten, das waren Zivilisten. Menschen wie du und ich, die nur helfen wollten.
Nein, nicht wie ich. Ich hätte wahrscheinlich nicht den Mut aufgebracht, dort helfen zu wollen – ich wäre gerannt, was meine Beine hergegeben hätten.
Und die ganze Brutalität eines Krieges wird ungeschminkt gezeigt, als entschieden wird, was mit den beiden verletzten Kindern passieren soll. Sollen sie in Militärhospital? Nein, doch lieber ins lokale Krankenhaus.
Und sie zeigt die Verrohung der Menschen sehr deutlich in den Untertiteln, die die Kommentare der Soldaten wiedergeben:
„It’s their fault bringing their kids into a battle“. Doch die Kampfhandlungen und die Bewaffnung, die fand nur in der Phantasie der schießwütigen und aufgehetzten amerikanischen Soldateska statt. Sie war nie real.
Die Verrohung der Sitten zeigt sich in der Reaktion der Soldaten im Helikopter, als ein Panzer über eine der Leichname der Menschen fuhr, die sie soeben erschossen haben:
„I think they just drove over a body“ „Really“ „Yeah“. Lachend.
Das erste Opfer des Krieges ist die Unschuld. Dicht gefolgt von der Wahrheit. Ein Krieg steht gegen alles, an das ich glaube. Ein Krieg bedeutet Gewalt und Zerstörung. Aus einem Krieg kann für keinen etwas Gutes erwachsen, denn Kriege machen die Menschen hartherzig und lassen keinen Raum mehr für andere, da man mit dem eigenen Überleben beschäftigt ist.
Das Überleben der Soldaten steht für die Soldaten an erster Stelle. Und wie man anhand des Videos sehr klar sehen kann, schießen sie aus nachvollziehbaren Gründen im Zweifel zuerst. Es sind nicht die Soldaten, die man anklagen muss. Es sind die Generäle und die Befehlshaber. Und ihre Hintermänner, diejenigen, die sich davon einen Profit versprechen, Menschen in einem Krieg töten zu lassen. Die eigentlichen Kriegsverbrecher, die Profiteure und Kriegsgewinnler.
Kriege. Sie sind das Schlimmste, was Menschen anderen Menschen antun können. Sie wecken das Schlimmste im Menschen, aber manchmal auch das Beste. Das Dritte Reich ist voll von Geschichten beider Seiten.
Die Menschen im Irak erleben dies, was für uns Geschichte ist, Tag für Tag.
Und die Menschen in Afghanistan, die von deutschen Soldaten genauso beschossen werden wie irakische Menschen von amerikanischen Soldaten. Erst kürzlich wurden Zivilisten „versehentlich“ beschossen.
Was kümmert es ein totes Kind, ob die Kugel für ihn gedacht war? Kugeln suchen sich ihre Opfer nicht gezielt aus, sie schlagen ein, wo sie hingefeuert werden.
Was tut unsere Regierung den Soldaten an, die sie dort hinschickt? Es sind ausnahmslos junge Männer, die ihr Leben noch vor sich haben. Was tut sie den Menschen dort an? Und aus welchem Grund eigentlich?
Wir haben Ostern. Wir haben gerade die Ostermärsche, die rituelle Demonstration zugunsten des Friedens hinter uns.
Dabei befinden wir uns längst im Krieg. Er ist nur noch nicht bei uns angekommen. Und vor diesem Hintergrund, nämlich, das wir uns im Krieg befinden, wird die aktuelle „Sicherheitsgesetzgebung“ auch sehr viel verständlicher. Es ist eine Kriegsgesetzgebung. Nicht mehr und nicht weniger. Das Grundgesetz war für Friedenszeiten gedacht, es taugt nicht für einen Krieg.
Wikileaks hat dies mit einer Brutalität und einer Klarheit gezeigt, für die man dem Journalisten Assange nur danken kann. Wikileaks ist immens wichtig, auch wenn die meisten Medien dieses Video geflissentlich ignorieren.
Spread the Word, tragt es hinaus. Denn dies schützt auch den Journalisten Assange und seine Mitarbeiter, deren Angst, die aus den Twitterfeeds sprach, ich jetzt nur zu gut verstehen kann.
Meiner Meinung nach schwebten sie in akuter Lebensgefahr, und ich bin mir nicht sicher, ob das nicht auch weiter so ist.
Und hier das fragliche Video, dass man nicht weit genug streuen kann.
Via Netzpolitik, Fefe und Frankfurter Rundschau
Veröffentlicht am 5. April 2010, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.
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