Mixa


Eins vorweg: Ich mag Walter Mixa nicht. Ich halte ihn für einen reaktionären Trotzkopf, der im Heute noch nicht angekommen ist. Und ich halte ihn für zu unflexibel, um ein öffentliches Amt zu bekleiden.

Wie so viele Kirchenobere.

Was ist anders am Fall Mixa?

Es gibt so vieles daran, was mich stört. Diese immer wiederkehrenden Gerüchte über sexuellen Missbrauch. Sie haben immer eins gemein: Die Quellen werden nicht offengelegt, es erfolgen lediglich vage Verweise auf „Dossiers im Vatikan“.

Die Missbrauchsvorwürfe gegen Mixa sind so ganz anders gelagert als bei den anderen Skandalfällen: Es gab immer Opfer, die sich hingestellt haben und gesagt: „Ich wurde missbraucht. Ich wurde gequält. Seht her, in eurer Obhut ist mir das angetan worden.“

Das fehlt bei Walter Mixa völlig. Es gibt keinen einzigen Überlebenden, der aussagt, dass er von Herrn Mixa missbraucht worden ist. Nur diese vagen Hinweise auf Dossiers.

Das sieht mehr nach gezieltem Rufmord aus als nach tatsächlichen Vorkommnissen. Und wenn sich das bewahrheitet, sollte sich der Gerüchteverbreiter in Grund und Boden schämen. Und ich hoffe, er wird irgendwann öffentlich gemacht, damit man ihn mit den faulen Eiern bewerfen kann, die er verdient. Man missbraucht die missbrauchten nicht erneut für seine eigenen Zwecke. Wer das tut, dessen Motivation und dessen ethischen Hintergrund darf man getrost in Frage stellen.

Was ist mit dem Vorwurf, er wär ein Alkoholiker?

Mhm…ich stecke nicht in der Leber von Herrn Mixa – aber Menschen, die jahrelangen Alkoholabusus betreiben, reden anders und vor allem sehen sie anders aus. Den Missbrauch von Alkohol sieht man einem Menschen an. Händezittern, aufgeplatzte Gesichtsäderchen (der Entzug heißt nicht von ungefähr Nasenbleiche), all das fehlt bei Walter Mixa imho völlig. Und nach Jahren oder Jahrzehnten des Alkoholmissbrauchs wäre das nicht mehr wegzuschminken.

Ich neige dazu, auch das als unbewiesenes Gerücht wegzuwerfen. Ich bin mit einem Alkoholiker aufgewachsen. Meine Instinkte sagen mir: Er ist keiner. Auch wenn ich denen heutzutage eher nicht trauen kann.

Bleiben die Prügelvorwürfe. Die er zugegeben hat.

Und gleichzeitig entschuldigt, weil das „damals ja so üblich war.“ Und er sich damals keiner Schuld bewusst gewesen sein. Kan das wirklich sein?

*seufz* ja. So weh das Eingeständnis tut:  Er hat da absolut recht. Er war Pfarrer und Bischof in Bayern. Und in Bayern war die Prügelstrafe bis Anfang der 80er Jahre in der Landesverfassung verankert. In Bayern wurden ungehorsame Schüler bis in diese Zeit mit offizieller Billigung geprügelt.

Die Prügelstrafe war in Bayern normal. Es wäre keinem Erwachsenen auch nur in den Sinn gekommen, dass er den Kindern etwas Unrechtes antun würde. Die Kinder hatten was ausgefressen und wurden zur Strafe verprügelt. So einfach ging Bergbau. Und ja, das auch durchaus zu Zeiten, wo es in den anderen Bundesländern anders war.

Das so zu sehen, bereitet fast körperliche Schmerzen, aber: So waren die Zeiten damals. Und man kann nicht 30 Jahre später hingehen und sagen: „Heute ist das aber strafbar, ich will das du bestraft wirst.“

Bleiben noch die Veruntreuungen, die er sich geleistet hat – und hier steht glasklar: Da hat jemand nicht getrennt zwischen Privat- und Stiftungsvermögen.

Und das Fazit?

Das fällt mir so schwer, wie ich es zugeben muss: Ich glaube, dass Bischof Mixa mit den meisten Vorwürfen bitter Unrecht getan wird. Jemand hielt ihn für nicht mehr tragbar, hatte aber nicht den Arsch in der Hose, aufzustehen und zu sagen: „Mit dem nicht mehr, der ist aus dem und dem Grund nicht mehr tragbar. Hier sind die Beweise“. Statt dessen streut man über die Presse wild Gerüchte und vernichtet den nächsten nach Kachelmann und Tauss medial.

Der Vorwurf mit den Veruntreuungen hätte allemal ausgereicht, ihn vom Bischofsstuhl zu vertreiben. Warum also jetzt dieses Affentheater mit der Gerüchteküche? Was soll damit bezweckt werden? Wer haßt diesen Mann so, dass er die Presse gezielt mit Gerüchten füttert, um ihn so vollständig zu vernichten? Und wie kommt es zu diesem Hass?

Denn dass das „kirchenpolitische Gründe“ sind, glaube ich erst dann, wenn Ostern und Weihnachten auf einen Tag fällt – die Art der Kampagne deutet auf eine persönliche Aversion hin.

Und DAS hat auch ein Walter Mixa nicht verdient.

Veröffentlicht am 21. Juni 2010, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 16 Kommentare.

  1. Also mit dem Thema Mixa bin ich zwar nicht so sehr vertraut, aber es würde mich nicht wundern, wenn der jemandem nur ein Dorn im Auge ist.
    Kachelmann, ist auch so einer, wo man nichts genaues weiß, außer dass ein Mann (der schon eienen gewisssen Bekanheitsgrad hier in Deutschland hat) in U-Haft sitzt wegen des Vorwurfes der Vergewaltigung bzw. Missbrauchs (weiß ich gerade nicht ganz genau). Schlimm daran finde ich eigentlich nur, dass man durch die Medien (meiner Meinung nach) sehr einseitig informiert wird. Ich weiß zum Beispiel nur, dass es anfangs hieß, er hätte eine Kollegin jahrelang Missbraucht. Ich frage mich zwar wie das geht, wenn er sie nicht gerade, wie andere schreckliche Menschen, in einen Keller sperrt, aber solche Fragen werden auch nicht beantwortet. Und natürlich kommen dann, sobald solch eine Geschichte öffentlich wird, auch immer mehr Frauen an, die missbraucht wurden.

    Ich finde es schrecklich, dass die Staatsanwaltschaft und die Ermittler heutzutage nicht fähig sind nicht alles in die Medien zu ziehen oder anders gesagt scheinbar versuchen Existenzen zu vernichten in dem man die Leute durch eine Art öffentliche Justiz „richtet“.

    Noch etwas am Rande, da du ja Alkoholiker kurz angesprochen hast. „Den Missbrauch von Alkohol sieht man einem Menschen an“ – es gibt auch Ausnahmen. Habe selbst einen kennen gelernt (Vater einer ehemaligen Freundinn) der war schwer alkohol abhängig. Jeden Abend ab ca. 18 Uhr hat der sich besoffen, unzählige Biere und dazu noch Rum. Und das wirklich jeden Abend. Er ging meist früh ins Bett (zwischen 20:30 und 21:30). Früh war er meist nüchtern. bzw. der rest Alkohol so gering, dass mans nicht sah. Jeden früh duschte er, wegen dem geruch und fuhr dann zur Arbeit.
    Es war schon erstaunlich, dass es Jahrelang (auf Arbeit) niemand merkte und erst durch Familiäre Geschichten rauskam und er in eine Entzugsklinik musste. Ich hätte bis dahin niemals geglaubt, dass es solche Akoholiker überhaubt gibt, die früh ohne Alkohol auskommen bzw. vom aufstehen an über 12 Stunden keinen Schluck zu sich nehmen, aber Abends sich dann die Kante geben. Achja und die typischen Alkoholiker-Anzeichen, wie Zittern gab es auch nicht. Und meinen Informationen war er auch mindestens 10 Jahre (eher länger) Abhängig. Wies heute ist weiß ich allerdings nicht.

    • Vorgesetzte können die ihnen untergebenen durchaus missbrauchen. Auch sexuell. Wenn du auf den Job angewiesen bist, reicht es manchmal aus zu sagen: Entweder ich darf dich poppen oder du bist morgen beim Arbeitsamt. Und du kommst wirklich nicht aus der Nummer raus, wenn der Täter einigermaßen geschickt ist.

      Und was da die Staatsanwaltschaft veranstaltet, wie sie die Medien instrumentalisiert, halte ich vor allem bei Fällen, die etwas „wacklig“ sind, durchaus für gesteuert und bewusste Reputationsvernichtung. Die machen das bewusst, weil sie wissen, dass sie sonst aufs Maul kriegen.

      Und solange das Verhalten keine personellen Konsequenzen hat (z.B. Versetzung ins Archiv oder auch Entfernung aus dem Dienst), wird es auch weiterhin so sein, dass die Staatsanwaltschaften ungestraft Menschen medial vernichten können.

      Was den Alkoholismus angeht: Es mag Ausnahmen geben, aber guck dir die Bilder von Mixa mal genau an – alles in mir sträubt sich gegen die Diagnose „Alkoholmissbrauch“. So sehen keine alkoholiker aus. Nicht nach Jahrzehntelangem Missbrauch. Der Mann ist machtgeil. Er hat auch eine Menge anderer Charakterfehler, die ihn als Hirte ungeeignet machen. Aber Alkoholismus, dazu stehe ich nach wie vor, gehört nicht dazu.

      • Tantchen, Du schreibst da etwas: „.. Und was da die Staatsanwaltschaft veranstaltet, wie sie die Medien instrumentalisiert ..“
        Das ist zwar grundsätzlich richtig, aber warum lassen sich die Medien denn instrumentalisieren? Das ist doch eine „bilaterale“ Angelegenheit.
        Nun, die Antwort ist m.E. recht einfach: die Medien scheuen Aufwand und Kosten, die eine ordentliche journalistische Arbeit nun mal bedingen. Somit sind auch die Medien für solche „Dinge“ verantwortlich
        .. und übrigens nicht nur das Blatt mit den vier Grossbuchstaben!

        • Natürlich, die Medien trifft hier eine Mitschuld. Aber das sind zwei Paar Schuhe, die erstmal nichts miteinander zu tun haben, die einander auch nicht bedingen.
          Die Medien, so sie ihren Namen denn verdienen, haben die Pflicht zur Recherche und fundierten Hintergrundvermittlung. Dass die immer subjektiv sein wird, ist ja in Ordnung, nicht in Ordnung jedoch ist das massenweise Abschreiben von anderen Medien.

          Auf der anderen Seite die völlig andere Hausnummer Staatsanwaltschaften. Es wird in letzter Zeit viel zu sehr Mode, die Emittlungsverfahren über die Presse zu führen. Und ich habe festgestellt, dass die Staatsanwaltschaften umso offensiver an die Presse gehen, je schwächer ihre Position ist. Die meisten Verfahren, die über massive, gefütterte Presseberichterstattung verfügten, sind alle ausgegangen wie das Hornberger Schießen.

          Und mich drängt der Verdacht auf, dass die StA das billigend in Kauf nehmen, weil sie glauben, dass der Angeklagte verurteilt gehört, sie ihn aber nicht verurteilt bekommen, weil die Beweislage zu schwach ist und sie deshalb den Ruf gezielt zerstören, um die Strafe doch noch zu erlangen.

          Imho gehört jede StA, die so derartig vorgeht, sofort aus dem Dienst entlassen. Es gibt genügend Juristen, die nachwachsen – so ein Verhalten MUSS dienstrechtliche Konsequenzen haben (ich weiß, derzeit hat es keine).

  2. Wo ’ste Recht hast, haste Recht.

    Ein Bischof ist übrigens nicht nur Hirte, sondern auch Chef – Aufseher, heißt das Wort auf deutsch – und da hat Mixa durchaus seine Qualitäten, wahrscheinlich mehr als der Oberaufseher in Rom, der lieber in den Schriften die Wahrheit sucht, als den Laden zu kommandieren.

    • Du meinst die Schlafmütze Ratzinger? Jo…der sollte mal ein wenig mehr auf den Tisch hauen. Aber ich glaub, das liegt ihm eher nicht…

      • es leigt ihm nicht? nein, es ist wohl eher die „Milde des Alters“
        aber die Kafalleratolen (das Wort stammt übrigens nicht von mir, sondern von einem ur-bayerischen Liedermacher) wolltens doch nicht anders!

      • Zu sehr kann der auch nicht, sonst laufen ihm die Südamerikaner aus dem Ruder. Un das ist ne ganz üble Mafia.

        • DA hast du allerdings leider vollkommen recht. Die Mutter einer 9jährigen exkommunizieren, weil das Kind nach einer Vergewaltigung durch den Stiefvater abgetrieben hat…Zwillinge. Unglaublich. Was haben die noch mit Hirten oder Seelsorge zu tun? Wi-der-lich

    • Der und milde?

      Ein Ewiggestriger, dessen radikal-konservative Ansichten und Hartherzigkeit nach der Wahl („Wir sind Papst!“) auf einmal vergessen war…

      Ach ja – ist Jedem bewusst, welche Rolle die Inquisition in der Geschichte gespielt hat? Und dass Ratzingers vorheriger Titel „Vorsitzender der Glaubenskongregation“ nur die Verbrämung der alten Bezeichnung „Großinquisitor“ ist?

      • Ja, und der Innenminister ist der Oberhenker…

        Vieles, was man Ratzinger in den 20 Jahren Glaubenskongregation angehängt hat, war eigentlich dem ach so lieben und netten Johannes Paul II. zuzurechnen. Aber der stand ja immer nur „smile and wave“ auf seinem Papamobil oder seinem Balkon, und wenns was Unangenehmes zu sagen gab, dann drückte er den Zettel dem Ratzinger in die Hand. Und pflichtbewußter braver Deutscher wie der ist, hat der den dann verlesen.

        Nur: das Lächeln von Wojtila war immer Maske, nicht erst in den letzten Jahren mit dem Parkinson. Das war nie echt; der Mann war immer kalt – und schon auf dem Konzil rückwärtsgerichtet, wo Ratzinger zu den federführenden Männern der Fortschrittsgruppe gehörte. Der Ewiggestrige, im Geist verwandt mit den Südamerikanern, von denen Tante Jay oben schrieb – und die er groß gemacht hat, das ist nicht Ratzinger, das ist Wojtila. Ratzinger muß sich aber jetzt mit diesen Kardinälen rumschlagen, denn die große Macht im Vatikan hat er auch nur, solang er das Spiel der Kardinäle mitspielt.
        Ist dir DAS bewußt – oder siehst du nur das, was die Medien gern voranstellen?

        • Ich sehe die Intrigen und die Machtspielchen, die im Vatikan laufen sehr wohl. Und setze sie in den Kontext mit der Lehre von dem, was sie uns an der Oberfläche lehrt. Und muss feststellen: Fail auf allen Ebenen.
          Die Kirchenoberen stehen nicht mehr für das ein, was sie lehren. Sie lehren es nur, um das Kirchenvolk kleinzuhalten, um ihre Macht, oder das, was sie dafür halten, aufrechtzuerhalten.

          Ratzinger steht da durchaus in Tradition mit Wojtyla und allen anderen. Eigentlich mit jedem Papst seit Gründung der Kirche. Der Papst ist das Oberhaupt einer machtbewussten Institution, die ihre Pfründe schon immer zu schützen wussten. Dass Karel nicht der Heilige war, für den ihn viele hielten, weiß ich, ich habe mich oft genug über „alte Männer auf dem Papstthron“ aufgeregt. Aber es ist nun mal auch so, dass Ratzinger sich nicht sehr wehren musste, diese unbequemen Wahrheiten zu verlesen.

          Und was Mixa betrifft: Ich halte ihn nach wie vor für ein Opfer von Ränkespielen. Sein Entschuldigungsschreiben an die Öffentlichkeit kam von einem vernichteten Mann. Ich weiß nicht, was sie ihm gesagt haben, aber es hat ihn vollständig zerstört.

          Und das kann und konnte die katholische Kirche immer schon sehr gut.

  3. Also gegen eines muss ich mich verwehren, Tantchen: wir sind ja ungefähr der gleiche Jahrgang, ich bin in den 70ern und 80ern in Bayern in die Schule gegangen. Und ich kenne NIEMANDEN in meiner Generation, der in einer staatlichen oder städtischen Schule geschlagen wurde – es mag sein, dass die Verfassung erst in den 80ern geändert wurde – das Schulrecht wurde schon in den frühen 70ern angepasst.
    Daher ist mMn. die Aussage, dass das „so üblich war“, eine reine Schutzbehauptung.
    Allerdings kenne ich Leute in unserem Alter, die erzählen, dass sie als Ministrant vom Pfarrer geschlagen wurden – was schon wieder eine Menge über das System „katholische Kirche“ aussagt…

    • Und die waren nach wie vor der Meinung, dass sie das durften – und dass dem nicht so ist, hat denen auch keiner gesagt. Schulrecht galt ja nicht in Kinderheimen, da waren die Priester die Erzieher und die haben das mit harter Hand gemacht, weil sie es für richtig hielten. *seufz* ich sags ja, es ist schwer das im Nachhinein zu bewerten – ich hab auch damals Gottseidank nicht in Bayern gelebt. Ich bin selbst gewaltfrei und tu mir grad deswegen doch etwas schwerer mit…

      • Wie gesagt – in Schulen war das schon vor uns tabu. Und für „kirchliche Erzieher“ mag ich in dieser Zeit auch in anderen Ländern meine Hand nicht ins Feuer legen, wie man sieht, meint die kath. Kirche ja desöfteren über dem Gesetz zu stehen…

        Ach ja, trotz Wachstum in Bayern entging ich dennoch Schlägen, Prügel und anderen Gewalttätigkeiten – sowohl von den Eltern als auch in Kindergarten und Schule.

        Wobei – und das weißt Du ja genauso gut wie ich – Gewalt muss nicht immer körperlich sein. Die nach außen _nicht_ sichtbare ist noch schlimmer… 😦

        • Teilweise noch schlimmer. Denn körperliche Gewalt bricht nicht die Seele. Die psychische Gewalt hingegen sehr wohl. Wenn ich dran denke, was da alles möglich ist… neee, lieber nicht, sonst werd ich noch wütend.

warf folgenden Kuchen auf den Teller