Die Aufgabe der Medien
In dem ganzen Hype um Wikileaks wird gerade gepflegt eins vergessen: Die eigentliche Aufgabe, die die Medien in einer Demokratie haben.
Sie stellen eine Art 5. Gewalt im Staat da, sie kontrollieren die Regierungen und veröffentlichen im besten Fall all das, was eben jene, denen es vorrangig um Machterhalt geht, lieber geheim halten wollen.
Wikileaks ist genau das: Eine Sammlung von Informationsmaterial, wo sich *JEDER* draus bedienen kann. Und wo *jeder*, auch du und ich, nachlesen können, bewerten können und uns ein Urteil bilden.
So weit so gut. Kommen wir jetzt zu dem Bild, was unsere Medien so abgeben.
Die öffentlich-rechtlichen. ARD.
Die ja von unseren Gebühren bezahlt wird. Sie stellt sich erstmal an die vorderste Front der Wikileaks-Gegner und kritisiert Julian Assange dafür, dass er die Dokumente online stellt. Die ARD verteidigt in dem Kommentar Angela Merkel und bejaht ein Geheimnisrecht der Regierungen.
Das aber, meine lieben Freunde, existiert nicht. Auch nicht im Namen einer wie auch immer gelagerten Sicherheit gegen terroristische Anschläge, die sich ja bei uns gerade häufen. Es wird postuliert, dass es ein Problem ist, wenn die Katastrophenpläne der Bundesregierung für den Fall, dass die Deutschland doch mal finden und ne Bombe reinwerfen, veröffentlicht werden.
Größeren Blödsinn hab ich selten gelesen. Katastrophenschutzpläne sind kein Geheimnis. Zumal sie ja einer größeren Personengruppe bekannt gemacht werden MÜSSEN, damit die entsprechend reagieren können. Wo lebt dieser Journalist? Im Wolkenkuckucksheim? Sollten die Pläne veröffentlicht werden, dann kann man getrost „So what“ fragen und zum nächsten Glühweinstand dackeln und selbigen problemlos verkonsumieren. Weil es bei einem Massenanfall von Verletzten und Toten nicht mehr viele Handlungsoptionen gibt.
Die Pläne, wie man gegen Terroristen vorgeht, werden geleakt? Sind sie doch schon längst, oder was glaubt der feine Herr da, was genau Vorratsdatenspeicherung, Internetzensur und Nacktscanner sind? Was bitte gibts da geheim zu halten? *headshot*
Wikileaks macht genau eins: Er stellt eine Plattform bereit, wo Leute Dokumente, die sie für Veröffentlichungswürdig halten, reinstellen können. Und Journalisten dürfen sich daraus bedienen. Du und ich ebenfalls. Das Problem sind lediglich die blamierten Politiker, die vollständig das Gesicht verloren hat. Und – nebenbei: Am besten von allen reagiert aktuell Westerwelle. Ich schäme mich fast, das zu sagen. Angela reagiert gar nicht. Teflon merkt halt nicht so schnell was.
Gott im Himmel und dann machen die noch ne Umfrage, dass die Mehrheit der Deutschen Wikileaks nicht für gut halten und bappen die direkt unter diesen Widerlingskommentar. Wunderts noch jemand? Repräsentativ ist jedenfalls anders.
Und zu guter Letzt wird Julian Assange noch gepflegt wegen der im Raum stehenden Vergewaltigung vorverurteilt. Ob er es war oder nicht ist derzeit dahingestellt, aber eins ist mal sicher: Er ist deswegen nicht verurteilt. Und die Vorwürfe haben mit seiner Tätigkeit für Wikileaks nicht das geringste zu tun. Es ist nur ein weiterer Nagel, mit dem der Autor vergeblich hofft, den Sarg zuzunageln.
ZDF berichtet mal gar nicht online. Erholsam.
OK, dass die da die Redaktionen mit Null-Euro-Praktikanten vollgestopft haben, ist hinlänglich bekannt, aber inzwischen toppen die sich echt selbst. Nicht nur, dass die wiederum die Mär verbreiten, dass Mick Huckabee die Todesstrafe für Assange gefordert hat (hat er nicht) , sie machen aus Mick Huckabee gleich mal die Mehrzahl („einige US-Politiker“) und machen daraus noch ein „die Schlinge zieht sich zu“. m(
Nachrichtlich noch die Bildzeitung – mit dem Dummblatt beschäftige ich mich nicht näher. Eh alles gelogen, was die schreiben. Die erklären Julian Assange mal eben für so gut wie tot. Drunter machens die Jungs ja nicht.
Laut Focus ist Julian Assange spurlos verschwunden. Nunja. Bildblog weiß da mehr 😉
Alles in allem ist der Pressespiegel gerade das übliche rumgerate der Journaliste, die lieber frei von der Leber weg spekulieren und glauben, ein Fragezeichen hinter den frei erfundenen Stories würde sie aus der Haftung entlassen.
Da lobe ich mir Wikileaks. Die Dokumente sind dort frei verfügbar. Ich kann mir selbst ein Bild machen und bin nicht auf solche Möchtegern-Journalisten wie die, deren Lektüre ich mir grad angetan hab, angewiesen. Sie sind grob strukturiert, aber ansonsten stehen die Informationen für sich selbst. Sie sind nicht redaktionell aufbereitet und als „Rohdaten“ zu werten.
So muss das, wenn man sich eine Meinung bilden will.
Ob Julian Assange verhaftet wird, ob er ausgeliefert und verurteilt wird, all das wird die Zukunft zeigen. Untergetaucht ist er zumindest für die Behörden offensichtlich nicht, wenn Bildblog recht hat.
Spekulationen darf man anstellen, der Mann hat sich selbst ins Rampenlicht gestellt und muss damit leben, aber bitte eben jene auch als Spekulationen kennzeichnen und nicht als Ergebnis „knallharter Recherche“. Und persönlich würde ich mir wünschen, dass unsere gesamte weichgespülte Journaille doch mal ein bisschen diese Wadenbeißermentalität bei unserer Politik zeigen würde. Dann bräuchten wir Wikileaks nämlich nicht mehr. Weil die Journalisten ihrer gottverdammten Aufklärungspflicht endlich nachkämen.
Veröffentlicht am 3. Dezember 2010, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 5 Kommentare.
Wieso FÜNFTE Gewalt im Staat – wo ist denn die vierte?
Da hat Tantchen wohl was verwechselt, die Medien gelten als 4. Gewalt und als 5. Gewalt sehen einige die Lobbys bzw. Lobbyisten.
Teflon merkt halt nicht so schnell was.Nö – da bleibt bloß nichts lang genug dran, dass sie reagieren kann. Getreu dem Motto: Nix sehen, nix hören, nix sagen.
ZDF braucht gar nicht online zu berichten – die bashen lieber im Mittagsmagazin (da hab ich’s gestern gesehen).
ARD ist (genau wie ZDF) parteipolitisch gelenkt und daher, meiner Meinung nach, nicht unbedingt glaubwürdig – leider.
Da hilft nur Schalten Sie mal wieder ab.(Dank an Fernsehkritik TV).
Was RP-Online und andere angeht – je unbestimmter man
diffuse Bedrohungen und GerüchteTatsachen „aufdeckt“, desto eher ist man auf der sicheren Seite, wenn sich herausstellt, dass man Scheiße erzählt hat!Ich fürchte, die Journalisten, wenn man sie denn so nennen möchte, die heutzutage
recherchierenabschreiben, sind einfach zu faul geworden und kennen sich zu gut mit elektronischen Textverarbeitungs- und Redaktionssystemen aus. (Stichwort: copy and paste)Man sollte in keinem Falle allem trauen, was man so hört. In Zeiten des Internets und der Online-Nachrichten verbreiten sich falsche Nachrichten halt, genau wie korrekte, fast mit Lichtgeschwindigkeit.
Und natürlich sind die Katastrophenpläne geheim! Die gelten doch nur für sogenannte hochrangige Politiker – nicht für Otto-Normalverbraucher! Wo denkst du hin; das kostet doch viel zuviel, alle Bundesbürger zu schützen. Und überhaupt: Warum sollte die Regierenden uns Wählern/Steuerzahlern/Schafen denn erklären und aufdecken, was sie so machen, machten und machen wollen.
Ich persönlich mag lieber Leute, die anderen Leuten offen erzählen, was sie bewegt, was sie vorhaben und was sie über bestimmte Sachen denken. Dies gilt insbesondere für Leute, von denen sie abhängig sind, von denen sie bezahlt werden und denen sie somit Rechenschaft schuldig sind. Des weiteren sind mir Leute zuwider, die sich nicht klar artikulieren und immer um den „heißen Brei“ herum reden, die klaren Fragen ausweichen und statt meist vorformulierte, windelweiche, schwer verständliche Phrasen dreschen. Aber sollte man, egal welcher Auffassung man ist, auch immer bereit sein, über den eigenen Standpunkt zu reflektieren und ihn ggf. anzupassen (wenn gute Argumente vorliegen).
Tja Leute – wir werden wohl damit leben müssen, von (mutmaßlich) korrupten, (mutmaßlich) von der Industrie gelenkten (mutmaßlichen) Fachidioten, (mutmaßlichen) Weicheiern, (mutmaßlichen) Betonköpfen, (mutmaßlichen) Schleimscheißern und (mutmaßlichen) Arschkriechern
regiertausgenommen undinformierthinter’s Licht geführt zu werden.So – genuch ausgekotzt – aufwischen darf wer anderes! Mir fällt auch nix mehr ein!
Korrekt muss es heißen: Auch sollte man, egal welcher Auffassung man ist, immer bereit sein, …
Ich hatte halt noch kein‘ Kaffee…
nur bezgl. der KatS-Pläne:
Die Konzepte nach denen gearbeitet wird sind (zumindest was NRW angeht) öffentlich, sollten aber teile der eigentlichen Pläne geheim sein, kann ich da mit leben, denn welcher Baustein wie oft wo hingestellt wird ist mir erst mal egal, solange ich das nicht vorab ausknobeln muß.
Also wie gesagt, details kein problem, der Rest ist eh öffentlich. Aber generell befürworte ich ein mehr ans Transparenz, wobei man aufpassen muß das man sich nicht selber ins Knie schießt. Sprich: wenn jeder Zettel veröffentlicht wird, werden evtl. irgendwann weniger Zettel geschrieben, und auf so einschätzungen unserer Politiker, die eh jeder zweite genauso einschätzt, kann ich verzichten, wenn dafür Watergate Barschel oder das Kennedy-Attentat aufgeklärt wird ( nur beispielhaft gesprochen) denn das Jeder unserer gewählten Vertreter Dreck am Stecken hat, da bin ich mir leider so gut wie sicher.
Gruß
Hightower