Ein neuer Tag, ne neue Sau…


/Update: *grummel* Ich nix Biologe. Viren, Bakterien, alles derselbe Kram. Macht krank, wenn zuviel. 😉

…langsam sollten doch die Dörfer ausgehen… *seufz*

Diesmal im Angebot: Ein „sehr gefährlicher“ Virus Keim, der „weit verbreitet ist“. Liebe SR, gehts nicht eine Nummer kleiner?

MSRA ist *nicht* lustig. Nicht mal annähernd. Aber 1500 Sterbefälle pro Jahr aufgrund des Virus Bakteriums und 2,02% der Einlieferungsdiagnosen in Krankenhäusern halte ich jetzt eher nicht für hochdramatisch.

MSRA sind multiresistente Keime. Die sind wirklich eine echte Spaßbremse: Normale Antibiotika wirken nicht mehr, die Reserveantibiotika sind in der Wirkung auch eher unlustig und „will man eigentlich nicht“.

Aber schaut man sich die Meldung der SR mal genauer an, steht da eigentlich nur drin, dass erstmalig *überhaupt* ein flächendeckendes Screening gemacht wurde um festzustellen, wie groß das Problem überhaupt ist. Und dass das Ergebnis pi mal Daumen nicht unerfreulich ist. Wie gesagt: 2% der Diagnosen und 1500 Sterbefälle angesichts der 80 Millionen Einwohner, die Deutschland schätzungsweise hat (hab keine aktuellen Zahlen): Das ist für die Betroffenen schlimm, aber fürs Ganze gesehen eher undramatisch.

Weiterhin steht da jetzt noch drin, dass man aufgrund der gewonnenen Zahlen auch mal vernünftige Maßnahmen einleiten kann. Und DAS wiederum ist eine sehr gute Sache. Als ich im Krankenhaus auf der Chirurgie gelegen hab, war das schon ziemlich übel. Jeweils 2 Zimmertüren nebeneinander. Und pro Gang dann 12 Zimmer, in der Mitte der Schwesternplatz.

Von diesen 12 Zimmern waren dauerhaft in der Zeit wo ich da war, mindestens 3 Zimmer nur auf meinem Gang mit einem MSRA-Patienten belegt. Die Heilung ist langwierig, die Liegezeiten entsprechend hoch – aber wenn das Personal nicht aufgepaßt hat, war auch fix ein Nachbarzimmer mit MSRA verseucht. Neben mir lag auch ein Patient mit MSRA – und meine dauernde Weigerung, mich von *irgendwem* anpacken zu lassen, wenn er seine Pfoten nicht mal unters Desinfektionsmittel gehalten hat, hat dann den Stationsarzt veranlaßt, die Inspektionsreise etwas zu ändern: ERST ich, DANN MSRA-Patient. *g*

Der Umgang mit MSRA ist es, der sensibel und flächendeckend identisch gehandhabt werden sollte. Wachsamkeit ist auch oberstes Gebot. Nur weil das Bakterium der Virus sich noch nicht ausgebreitet hat, muss es nicht sein, dass er das nicht irgendwann noch tut. Viren Keimesind da ja recht schmerzfrei, was die Verbreitung angeht.

Aber Panik – die muss nu wirklich nicht mal annähernd sein. Dafür ist die Meldung eigentlich auch zu unspektakulär, liebste SR.

Veröffentlicht am 17. Dezember 2010, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 9 Kommentare.

  1. MRSA Ein „Virus“ , das weit verbeitet ist?
    Und der ist gegen Antibiotika resistent?

    Also, wenn es denn tatsächlich ein Virus wäre, wäre es nicht weiter verwunderlich, wenn er gegen Antibiotika resistent wäre, denn Viren lassen sich ganz allgemein durch Antibiotika nicht im Mindesten beeindrucken. Sollte SR tatsächlich von einem Virus geschrieben haben, dann herzlichen Glückwunsch, das wäre dann ein ziemlicher Lapsus.

    MRSA, SO heißt der Keim nämlich, heißt „multiresistenter Staphylococcus Aureus und ist ein _Bakterium_. Und Bakterien werden i.A. mit Antibiotika behandelt, und manche werden gegen bestimmte AB resistent und MRSA ist leider gegen die meisten (bis auf einige erwähnte Reserveantibiotika) resistent.

    Dass eine Infektion mit einem MRSA-Keim (es gibt verschiedene Stämme) für den Betroffenen nicht schön ist, stimmt, insbesondere, wenn er sowieso ein Problem mit der Abwehr hat, dann kan das schon mal tödlich sein.

    In Deutschland hat allerdings wirklich die Rate an Infektionen seit den 90ern recht drastisch zugenommen. Und dass das kein schicksalhaftes Geschehen sein muss, zeigt das Beispiel Holland, wo sie ca. bei einem Zehntel der Rate von Deutschland liegt. Dort werden allerdings die Hygieneregeln auch sehr sorgfältig eingehalten und vor allem werden Verdachtsfälle SOFORT isoliert und bleiben das bis zum Beweis des Gegenteils. Bei uns ist das teilweise umgekehrt: Die Verdachtfälle werden erst dann isoliert (wenn überhaupt), wenn die Infektion zweifelsfrei feststeht.
    Leider beobachtet man auch immer wieder Pflegepersonal und auch Ärzte, die die wichtigste Maßnahme übehaupt, nämlich die Händedesinfektion nach JEDEM Patientenkontakt, nicht beonders ernst nehmen, es scheint allerdings langsam besser zu werden.

    In der Reha wurden auch die Patienten aufgefordert, ausgiebig und oft von den überall angebrachten Spendern für die Händedesinfektion Gebrauch zu machen, was auch durchaus sinnvoll ist, da viele onkologische Patienten eher gefährdet sind als andere. Leider gab es auch da ausgerechnet einen Arzt, der den letzten Patienten mit Handschlag verabschiedete und den nächsten (mich) mit Handschlag begrüßte und danach ausgiebige manuelle Untersuchungen vornahm, wobei ich davon ausgehen musste, das dies beim vorigen Patieenten nicht anders gewesen war. Ich weiß nicht warum es so schwierig ist, solche Gewohnheiten umzustellen, es ist doch wirklich nicht aufwändig. Ich kenne durchaus auch Hausärzte, die für jeden neuen Patienten vor einer manuellen Untersuchung frische Handschuhe anziehen und diese hinterher sofort entsorgen, wo ist da eigentlich das Problem?

    • Genau.
      Hygienevorschriften einzuhalten wäre auch viel billiger. Und nicht nur in Hinsicht auf Menschenleben bzw. die Gesundheit der Patienten.

      Und MRSA ist in der Tat ein Bakterium.

  2. Achsoja, PANIK ist grundsätzlich NIE angebracht. Überlegtes Handeln wär da sinnvoller. Abhilfe sollten bessere Schulung (und leider auch Überwachung) des Personals, und eine bessere Ausstattung mit Hygienefachkräften und Fachärzten für Hygiene bringen, die bei uns noch verbesserungsfähig wäre.

  3. Mache zurzeit ein Praktikum in der Menüerfassung in einem Krankenhaus, und habe auch MRSA-Zimmer. Hände vorher desinfizieren, Schutzkittel anlegen, OP-Haube auf, Mundschutz an, Einmalhandschuhe an, diese nochmal desinfizieren, und dann ins Zimmer, und genügend Abstand zum Krankenbett halten. Zum Abschluss nochmal wieder Hände desinfizieren, wenn man rauskommt.
    Stimme meinem Vorkommentator absolut zu, dass Hygiene, und deren Schulung sowie Überwachung eigentlich die Kriterien Nr. 1 sind!
    Trotzdem wünsche ich Euch allen erstmal ein schönes Wochenende!

  4. MRSA waren zu Zeiten meiner Ausbildung zum Krankenpfleger im Jahre 1992 schon ein Thema. Leider wurde versäumt, konsequent dagegen vorzugehen und vorzubeugen.
    Wenn man’s so gemacht hätte wie die Niederländer (SO heißen die nämlich korrekterweise 😉 ), dann wäre das Problem heute ein sehr viel kleineres.

    BTW: Wenn’s ’n Virus wäre, wär’s das erste Virus, das sich mit Antibiotika behandeln lässt.

    😀

  5. „Viren, Bakterien, alles derselbe Kram.“ 😉

    Das haben sich lange Zeit zu viele Leute gedacht, und deshalb wollten zu viele Leute bei jeder kleinen Virusinfektion (= Schnupfen o.ä.) Antibiotika verschrieben bekommen, und zu viele Ärzte haben das dann auch gemacht. Und nicht wenige Ärzte haben’s von sich aus auch sofort gemacht, weil „schaden kann’s ja nix“.

    Und deshalb gibt’s jetzt unter anderem MRSA und andere multiresistente Keime. Hätte man Antibiotika nur dann angewendet, wenn eine bakterielle Infektion zweifelsfrei nachgewiesen wurde oder doch wenigstens höchst wahrscheinlich war, dann hätten wir jetzt zumindest nicht so viele Resistenzen und es gäb noch mehr brauchbare Ersatzantibiotika.

    • Und deswegen sach ich meinem Doc immer, er soll mir nur dann Antibiotika verschreiben, wenn’s erstens wirklich notwendig ist und zweitens auch wirklich helfen kann.

  6. Bei uns sind die ganz scharf, wenn auch nur der Verdacht eines Keimes besteht. Meine Mutter hatte dieses Jahr schon einen Keim, nur einen Kontrolltermin verpasst und musste wegen einer anderen Sache ins Krankenhaus. Sie wurde umgehen isoliert! Der Abstrich hatte zum Glück nichts ergeben. Trotzdem wurde die Isolation für die resrtlichen 3 Tage nicht aufgehoben. Die haben sogar in der Wohnanlage (betreutes Wohnen) angerufen, damit auf keinen Fall jemand ihre Wohnung betritt.

    • Da tut sich anscheinend was. Ist halt für den Betroffenen ziemlich blöd, aber sicher sinnvoller als nachher die Probleme aufzuarbeiten.

      Ein Bekannter hat sich im KH einen MRSA in ein genageltes Scheinbein gefangen. Die Sanierung hat sehr lange gedauert und war alles andere als angenehm.

warf folgenden Kuchen auf den Teller