Libyen
Das libysche Volk hat die Schnauze voll und will seinen Diktator loswerden.
Und dazu gibts ein paar Dinge, die meiner Meinung nach gesagt werden sollten.
Zum einen: Gaddafi ist ziemlich offensichtlich völlig wahnsinnig. Das er da rigoros auf das eigene Volk schießen läßt, sein doch sehr seltsamer Auftritt, der rational durch nichts zu erklären ist – er hat die Grenze zwischen Genie und Wahnsinn überschritten. In Richtung Irrsinn.
Wie das jetzt genau einzuordnen ist, da dürfen sich gerne Historiker und Psychologen drum prügeln – aber der ist nicht mehr ganz dicht und muss da weg. Und sobald seine Armee das endgültig spitzbekommen hat, nutzen ihm auch seine 4 Brigaden, mit denen er sich in einem Bunker verschanzt hat, nix mehr. Eher im Gegenteil.
Zum Anderen: Die Heuchelei des Westens ist allmählich unerträglich.
Gaddafi mordet sein Volk (wenn auch nicht so offensichtlich wie jetzt) seit über 40 Jahren. Doch über 40 Jahre war er einerseits ein prima Öllieferant und andererseits hat er auch als Bollwerk gegen die Flüchtlingswellen fungiert. Der hat die Flüchtlinge einfach abgefangen. Was er mit ihnen gemacht hat, weiß ich nicht, die Wüste in Libyen ist groß und ich wette, da gibts etliche Massengräber.
Das wussten die Leute seit vielen Jahren. Aber weils ein nützlicher Diktator ist, hat man ihn toleriert, ja sogar hofiert. Man hat ihm die Waffen verkauft, mit denen er sein Volk unterdrücken kann. Man hat seine Schrullen belächelt, man hat sich ins Fäustchen gelacht. Nur eins hat man (und auch ich) nicht getan: Mal überlegt, was dieser Mann eigentlich im eigenen Land anrichtet. Es war ja auch witzig, wie er da Frauen zur Party eingeladen hat und ihnen dann aus dem Koran vorlesen ließ. Und wie er die Regierungen nach seiner Pfeife hat tanzen lassen. Ich denke aber, dass sein Volk ihn eher nicht als witzig empfunden hat.
Vor allem relativiert sich wiederum durch diese Situation mal wieder die ach so menschen- und demokratiefreundlichen Militärinterventionen in Afghanistan und dem Irak.
Wenns denen wirklich um Demokratie ging – wieso hat man Gaddafi so lange gestützt? Denn eins ist mal sicher: Hätte der die Unterstützung des Westens nicht gehabt, wäre der schon länger über die Wupper gegangen.
Wie gehts weiter? Wie wird die Zeit nach Gaddafi aussehen? Die Nachfolger stehen schon in den Startlöchern, haben sich medienwirksam vom bisherigen Regime distanziert – als ob denen das auch nur einer abnehmen würde.
Gaddafi selbst wird die Flucht nicht mehr gelingen. Zu sehr hat er alle gegen sich aufgebracht. Und ich glaube auch nicht, dass er fliehen würde – der ist so weggetreten, dass er wirklich glaubt, er kriegt die Kurve noch.
Libyen wird auf lange Zeit hin instabil werden. Die Stammesfürsten werden erstmal ihre Claims abstecken und zusehen, dass sie ein möglichst großes Stück vom Kuchen kriegen. Alte Fehden, die über Jahrzehnte mit Gewalt niedergehalten wurden, werden wieder aufflackern. Bürgerkrieg ist naheliegend und ich sehe dort noch nicht den Charakterkopf, der dem Wahnsinn Einhalt gebieten kann.
Die Flüchtlingswellen werden jetzt rollen. Die EU wird sich nicht mehr abschotten können, alle „Bollwerke“ die so bereitwillig gegen ein kleines Taschengeld die Flüchtlinge aufgehalten haben sind weggebrochen. Und wir werden jetzt erstmals erleben, wie viele das wirklich sind.
Ich glaub, die nächste Zeit wird nicht schön werden. Freundlich ausgedrückt. Aber es wird auch der EU und allen anderen nicht mehr möglich sein, die Menschenrechtsmaske aufzubehalten.
Dazu sind die Dinge zu weit gediehen.
Veröffentlicht am 24. Februar 2011, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.
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