„Die Erde schlägt zurück“


Derzeit herrscht bei einigen, sagen wir, schwächeren Gemütern, die Meinung vor, dass „wir“, also aktuell die Japaner, selbst dran schuld sind an dem Desaster.

Es herrscht wohl bei dieser Klientel die Meinung vor, dass die Erde „zurückschlägt“ und die Zerstörungen nur folgerichtig der Zerstörung der Natur folgen.

*seufz* Jain.

Das Erdbeben mag das stärkste gewesen sein, was die Seismographen je aufgezeichnet haben – aber das Stärkste aller Zeiten wars nicht.

Unsere Erde bewegt sich nun mal. Dass muss sie auch, denn durch die vulkanischen Aktivitäten wird (unter anderem) unsere Atmosphäre erhalten, ein ruhender Planet, wo sich die tektonischen Platten nicht mehr bewegen, ist ein toter Planet.

So ein Erdbeben, auch in der Stärke oder noch stärker, kann sich jederzeit ereignen. Das ist keine Apokalypse, dass ist der Preis, auf einem lebendigen Planeten zu leben.

Richtig an der Geschichte ist aber eins:

Durch die viel höhere Besiedlungsdichte und die inzwischen in einigen Bereichen doch sehr hohe Bodenerosion ist das Land und sind vor allem die Menschen unendlich viel anfälliger für derartige Katastrophen.

Zu Zeiten, wo es noch nicht so viele Menschen auf der Erde gab, gab es diese Erdbeben auch. Aber eben nicht mit diesen Opferzahlen. Derzeit reden die Behörden von mehreren Hundert Toten – ich fürchte, diese Zahl ist nicht annähernd haltbar. Das ganze Gebiet war unglaublich dicht besiedelt – Japan hat mehr lotrechtes als waagerechtes Land und die Gebiete, wo Menschen siedeln können sind stark begrenzt.

Hinzu kommt, dass das Atomkraftwerk in Fukushima gerade droht, durchzubrennen. Der Strom ist ausgefallen, die Ersatz-Generatoren funktionieren nicht mehr, die Brennstäbe haben blockiert und jetzt droht die Kernschmelze. Radioaktiver Dampf wurde bereits abgelassen, jetzt ist die Frage, ob sie die Kühlung schnell genug wieder anfahren können, damit der Atomkern eben nicht durchgeht. Ich wage die Prognose: Der geht durch. Und wird damit ein Gebiet radioaktiv verseuchen, dass dem in Hiroshima und Nagasaki in nichts nachsteht. 10 km Umkreis sind evakuiert – gucke ich nach Tschernobyl, dann reicht das nicht annähernd.

Verdammt 😦

Abseits von allen sachlichen Erwägungen jedoch: Die armen, armen Leute, die dort wohnen. Die buchstäblich vor dem Nichts stehen.

THW ist auf dem Weg, ein Bekannter sitzt jetzt im Flugzeug. Wenn er ankommt, gehts rund: Logistik aufbauen, die Wasserversorgung sicherstellen, Zelte aufbauen, damit die Leute nicht erfrieren – aktuell sind es 11 Grad dort.

Das Risiko, das er eingeht, um Menschen zu helfen, die er überhaupt nicht kennt, ist immens. Ich hoffe wirklich, dass er heil zurückkommt.

Meinen tiefsten Respekt und Bewunderung, die hat er. Er und alle diejenigen, die immer wieder in Katastrophengebiete fliegen um zu helfen, um die Schlimmsten Auswirkungen einer Katastrophe zu vermindern. Und die dabei keine Rücksicht auf sich selbst nehmen.

Hut ab.

Veröffentlicht am 12. März 2011, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 4 Kommentare.

  1. Wenn man die Kommentare auf tagesschau.de liest, finden sich genau diese Aussagen der „zurückschlagenden Natur“. Das mag ja für alles mögliche gelten – aber sicher nicht für Erdbeben und Tsunamis… Was außerdem für uns für eine Häufung spricht, ist einfach die mediale Darbietung: selbst bei seriösester Darbietung – man erfährt halt viel mehr als in früheren Zeiten, wo das Ereignis zwar erwähnt wird, aber es weder Livebilder noch diese Anzahl von Fernsehsender gab.
    Was mich jetzt auch bedenklich stimmt, ist die Lage in diesem Kernkraftwerk, ich hoffe, das geht noch gut…
    Und ja – Hochachtung für die Helfer – mögen sie heil wieder nach Hause kommen!

    • Ich bin kein Physiker, aber ich glaube, der Drops mit „das können wir noch retten“ war schon gelutscht, als die Radioaktivität innerhalb des Gebäudes rasant angestiegen ist. Das deutete ja schon in Tschernobyl auf einen durchgehenden Reaktor hin.

      Und wenn ich die Nachrichten so verfolge, ist das Ding auch genauso in Japan durchgegangen.
      Und die armen Menschen dort drüben. Evakuierung in einem 10 km-Umkreis war viel zu wenig, als Minimum hätte ich 30 angesetzt…. als ob die Japaner nicht schon genug Probleme in Hiroshima und Nagasaki haben, jetzt auch noch Fukushima, diesmal selbstverursacht.

      Bitte alle Atommeiler zumachen. Sofort. Wir brauchen das Zeug nicht. Ehrlich gesagt, geh ich lieber auf Steinzeit-Niveau zurück als zuzusehen, wie ganze Landstriche zur Wüste werden, weil dort keiner mehr leben kann aufgrund der Radioaktivität. 😦

  2. KLUGSCHEISS EIN
    Es war das stärkste in Japan aufgezeichnete Beben – das Beben im Indischen Ozean anno 2004 war stärker (wenn ich mich nich‘ irre).
    KLUGSCHEISS AUS

    Ich mache mir auch Sorgen wegen der Atommeiler – die Japaner haben da ja, glaub‘ ich, 50 Stück von oder so. Und einer davon ist jetzt kurz vor’m GAU – wer weiß, ob’s der einzige bleibt.
    Ganz abgesehen davon, dass sicher auch die Japaner nicht wissen, wo den Atommüll sicher lagern können, sieht man, dass es egal ist, wie sicher man baut: die Erde ist stärker, als wir uns vorstellen können. Und wenn ich unter normalen Umständen schon sehr aufpassen muss, dass alles glatt läuft, ist es vermessen anzunehmen, dass man im Falle einer großen Katastrophe alles im Griff behalten könnte.

    Auch dass jetzt Helfer (egal woher) in die Gegend mit dem AKW reisen, um zu helfen, verursacht mir Unwohlsein – wenn da schon Dampf abgelassen wurde (was sie zugeben!), dann liegt die Vermutung nahe, dass da vorher schon was rausgekommen ist und auch dass das Ganze hochgehen könnte. Ich würde fast drauf wetten, dass alle Leute in der Gegend (Helfer wie Bewohner) auch ohne GAU eine ordentlich erhöhte Strahlendosis „abgreifen“ dürfen.

    Aber auch ohne GAU sieht’s da ja in Teilen richtich übel aus – der Tsunami war zwar bei weitem nicht so stark wie der im Indischen Ozean, aber wohl dem, der sich nicht in dieser Region aufgehalten hat, als das Wasser über sie kam.

    Ich drück den Japanern und den Helfern die Daumen, dass da nicht noch schlimmeres passiert und sie heil da rauskommen – einige der Nachbeben haben immerhin noch die Stärke 7.

warf folgenden Kuchen auf den Teller