-vorerst noch kein Titel- II


Ich hab zwar noch keinen Titel, aber immerhin Text. 😉

Lange schlief Clarissa, geborgen in den Krallen des Drachen. Un’nan machte sich keine Sorgen um sie, er wusste, dass sie irgendwann aufwachen würde. Und so legte er sie vorsichtig auf den Boden, wenn er jagen musste oder sich bewegen und nahm sie wieder in seine Krallen und wiegte sie, wenn sie wieder Alpträume hatte.

Doch schließlich gewann die unverwüstliche Gesundheit und Clarissa wachte auf. Sie öffnete die Augen und sah die sanfte Zuneigung in den Augen des Drachen. Sie sah ihn an und meinte: „Guten Morgen“. Er zwinkerte belustigt und antwortete: „Dir auch. Geht es wieder?“ Clarissa setzte sich auf, griff sich an den Kopf und meinte: „Bis auf die Kopfschmerzen, ja. Wo sind wir?“ Un’nan nickte mit dem Kopf in Richtung Wald. „Ich hatte das Gefühl, du solltest dir das einmal genauer ansehen.“

Clarissa sah hoch und zuckte zusammen. Allein der Anblick des Waldes tat ihr weh. Un’nan stupste sie an. „Ich muss gehen und sehen, was von meinem Volk übrig ist.“ Clarissa drehte sich um. „Du läßt mich auch alleine?“ Un’nan blickte sie bedauernd an. „Ja, denn unsere Wege trennen sich hier. Doch wir sind Freunde. Und wir werden nie ganz getrennt sein. Du hast einen Platz in meinem Herzen, doch mein Volk braucht mich jetzt dringender als du.“

Clarissa unterdrückte die Tränen, die ihr kommen wollten. Wieder war sie allein. Sie blickte ihn nicht an, sie sagte nur leise: „Dann geh.“ Un’nan sah sie traurig an, hoffte noch darauf, dass sie sich umdrehte. Doch sie blieb nur stocksteif stehen, bis sie endlich den Wind der Schwingen spürte und wusste, er war gegangen.

Alleine. Wieder einmal. Und die Welt war noch jung. Das Herzweh gewaltsam unterdrückend, marschierte sie los. Sie konnte letztlich nur vorangehen.

Als sie den Waldrand erreichte roch sie die Fäulnis, die den Wald befallen hatte. Die Bäume selbst waren zum Leben erwacht, aber es war ein krankes Leben, verdreht und unrein. Alleine der Anblick der Bäume sorgte dafür, dass Clarissa sich vor Abscheu fast abwandte. Doch Un’nan hatte recht, dieser Wald bedurfte der Heilung.

Sie betrat den Wald mit leisen Schritten, was immer hier hauste, sie wollte es nicht vor der Zeit auf sie aufmerksam machen. Sie wollte den Wald retten, nicht ihn vernichten.

Leise arbeitete sie sich durch das verfilzte Unterholz. Selbst Johvans Licht, auf der Ebene so strahlend, war hier gefiltert und wirkte kränklich. Und je weiter sie sich in den Wald vorarbeitete, umso dunkler wurde es. Sie folgte jetzt nur noch ihren Instinkten und ließ sich zur Quelle der Dunkelheit geleiten. Sie konnte fühlen, dass sich etwas an der Kraft zu schaffen machte und sie korrumpierte. Anders hätte dieser Wald nicht so entartet sein können.

Der Boden wimmelte von Leben, doch es war lichtscheu und floh vor ihrem leichten Tritt in seine Verstecke. Ansonsten war der Wald bis auf die Bäume bar jeden Lebens. Kein Vogelgezwitscher, kein Flügelschlagen, kein neugieriges Eichhörnchen – nichts.

Clarissa näherte sich dem Herzen der Dunkelheit rasch, der Wald war nicht sehr groß. Als sie das Herz des Waldes erreichte, stand sie am Rand einer kreisrunden Lichtung. Der Boden war blank, unbewachsen, alles Leben endete am Rand der Lichtung. In der Mitte drehte sich eine Kugel purer Dunkelheit, die alles Leben aus dem Boden zog. Sie wuchs langsam, aber sicher.

Sie öffnete ihre Sinne und versuchte zu verstehen, was sie da sah. Und wünschte sich sofort, sie hätte es nicht getan. Eine Flut von Gefühlen überwältigte sie fast. Wut, Hass, Hilflosigkeit, tiefe Angst, ein intensiver Seelenschmerz überflutete sie und die Quelle war in der Mitte der Kugel.

Sie fragte sich kurz seufzend, ob sie jetzt den Rest ihres Lebens darauf verwenden müsste, diese Schatten aufzuspüren und zu zerstören, aber sie wusste auch, dass sie nicht wirklich eine Wahl hatte. Diese Kugel musste vernichtet werden.

Da nahm sie, wie ein hauchzartes Zupfen, an den Rändern ihrer Sinne, eine weitere Gestalt wahr. Jemand, der die Kugel mit Kraft fütterte. Der sie am Leben erhielt und sie wachsen ließ. Sie sah näher hin: Es war ein Mensch, umrahmt von Dunkelheit, eine Schwärze, die er auszustrahlen schien. Er zog weitere Kraftfäden heraus und schleuderte sie auf die Kugel, die sie hungrig verschlang.

Clarissa überlegte. Es hätte keinen Sinn, nur die Kugel zu zerstören, sie musste zuerst dem Menschen das Handwerk legen.

Sie blickte genau hin. Der Mensch war völlig von seiner Aufgabe eingenommen und konzentrierte sich nur auf die Fütterung der Kugel.

Clarissa fragte sich, ob er auch ein Opfer war oder ob er willig den Schatten willkommen geheißen hatte. Sie besah sich die Aura der Dunkelheit, die von ihm ausging und stellte fest, dass sie tief in ihm verankert war. Das konnte niemand anderes außer er selbst getan haben. Er hatte die Schatten, die vor dem ersten Sonnenaufgang die Welt verdunkelt hatten, als Freund begrüßt.

Was ihn zu ihrem Feind machte.

Clarissa griff tief in die Erde hinein und fand einen reinen Kraftstrom, unkorrumpiert und sauber.

Sie leitete ihn nach oben und direkt in den Mann hinein. Zunächst schien er nichts zu bemerken und fuhr mit seiner Arbeit fort. Clarissa leitete weiter Kraft in ihn hinein, er schien alles zu absorbieren. Doch dann, mit einemmal, explodierte die Aura, die ihn umgab und der Mann schrie vor Schmerzen.

Clarissa leitete weiter Kraft in ihn hinein, bis alle Dunkelheit aus ihm herausgebrannt war. Als sie fertig war, nahm sie den Strahl und leitete ihn direkt in die Kugel hinein. Fäden von Dunkelheit peitschten heraus, als die Kugel sich wehrte, doch Clarissa ließ nicht nach. Die Fäden, wenn sie sie trafen, taten weh, doch sie hatte schon schlimmeres erlebt.

Die Kugel wurde kleiner und kleiner. Wie ein lebendiges Wesen schrie die Kugel die ganze Zeit, es klang als würden Banshees gefoltert. Doch Clarissa hörte nicht auf. Fast wäre ihre Konzentration gebrochen, als sie sah, was die kleiner werdende Kugel in ihrem inneren verborgen hatte.

Weiter und weiter brannte Clarissa die Kugel weg, bis mit einem letzten, fast klagenden Aufschrei die Kugel zusammenbrach. Clarissa lief zu dem Wesen, was in der Kugel gefangen war und das, als die Kugel es losließ, kraftlos zur Seite fiel.

Clarissa blickte ehrfürchtig auf das Einhorn, das ihr zu Füßen lag. In ihrer Kindheit waren es Fabelwesen, die sie nie erreichen konnte, es gab keine Einhörner in ihrer Welt. Doch hier – waren sie Realität.

Das Einhorn lag mit geschlossenen Augen schwer atmend auf der Seite. Clarissa untersuchte es vorsichtig und stellte fest, dass es gesund war. Die Zeit in der Kugel hatte es trotzdem schwer angeschlagen.

Der Mann…Clarissa lief zu der Stelle, wo sie den Menschen hatte fallen sehen. Doch außer ein paar Fußspuren war nichts mehr von ihm zu sehen. Wer er wohl war?

Clarissa schüttelte den Gedanken ab und lief wieder zum Einhorn zurück. Sie bewunderte den edlen Wuchs, der das Tier schlank aber doch kraftvoll aussehen ließ. Und das Horn. Ziseliertes Silber auf einer edlen Stirn, dass Fell schneeweiß, doch die Mähne und der Schweif tiefschwarz. Das Tier war unglaublich schön.

Clarissa streichelte es, sie konnte die Finger nicht von ihm lassen, sich nicht an ihm sattsehen.

Plötzlich riss das Tier die Augen auf, sah Clarissa und Furcht stahl sich in die wunderschönen Augen. Es riss sich vom Boden hoch und galoppierte mit wehendem Schweif davon.

Clarissa blickte dem Tier wehmütig hinterher und machte sich seufzend daran, den Schaden, den die Kugel am Wald angerichtet hatte, zu reparieren.

Veröffentlicht am 23. Juni 2012, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare.

  1. Merci…

  2. Die Fäden, wenn sie sie trafen, taten weh,
    Das ist – äh, ausländisch. „Es schmerzte, wenn sie von den Fäden getroffen wurde“, oder falls du die Wortwahl genau so beibehalten willst, „Die Fäden taten weh, wenn sie sie trafen“, aber so wie du es geschrieben hast, ist es romanische Sprachstruktur. Französisch, Italienisch, vielleicht noch Englisch – aber nicht deutsch.

    Und du weißt ja: nur am Guten kritisiere ich Details. 😉

warf folgenden Kuchen auf den Teller