Badetag


Ich hab mal gedacht, bisschen fitter werden ist so eine feine Sache. Und Wasser ist ja auch das naturgegebene Element eines jeden Wales… Plan gut. Ausführung…naja, lest selbst.

ES IST ALLES WAHR *g*

Naja, ich hab mir einen Badeanzug in der zarten Größe von 52 gekauft mit der Überlegung „da wächste noch rein“

Nix is – das Mistding PASSTE

ne, Kinners, so geit datt nich. Und die Jacke – ist auch doof, wenn man sich im Reißverschluß ständig die Wampe einklemmt.

Ergo: Spocht. Frau muß dann halt mal in den sauren Apfel beißen.

ok, ich heute also frohen Mutes zum Spätschwimmen. Von 19:30 bis 21:30 Uhr darf man da planschen. Monatskarte kost 26 Euros, 40x kostet 60 Euro. ich weiß noch nicht, was billijer is

Nunja, klein Kralli also Sachen gepackt, losgedackelt. vorher noch den Badeeumel anprobiert, sitzt, paßt, wackelt und hat Luft => WROMMM los zum Schwimmbad.

OK, reingetrabt, bezahlt, Umleide gesucht, Spind angeguckt, umgedreht, zurück zur Kasse…

„TANTEEEEEEEEEEEEEEEE – wie krich ich den Helm innen Spiiiiiiiiiiind?“

Gut, ich hab ihn dann an der Kasse gelassen, wo die Dame ihn netterweise verwahrt hat. 🙂

Zurückgetrabt, Klamotten ausgepackt, Handtücher, Duschzeugs („SPITZE, die Dose suppt“) das gute Herbal-Essence-Shampoo. Mir eine innerliche Notiz gemacht, beim Haarewaschen nicht auszurasten.

Ich denk mir so im stillen: „Hmmm…eeeschentlich bisse doch schon ziemlich weit unten im Sack…wo is eigentlich der Bade….AAAAAAAAAAAAAAAAH“

OK, aus der Umkleide raus (hatte mich ja noch nicht ausgezogen) zur netten Tante nach vorne getrabt und gefragt, ob man einen Badeanzug im klassischen 4-Mann-Zelt-Design käuflich erstehen könnte. Und ob _vielleicht_ auch ein Badeanzug im Angebot wäre, wo man nicht aussieht, als müsste man nur den Auweis wegwerfen um 10 Jahre Rente nachgezahlt zu bekommen. Hatte sie nicht. OK, Kralli entschied sich für das Modell „Walfang“ in dezentem blau. Bezahlte und trabte unter dem milden Grinsen der Dame wieder in die Umkleide.

Ich mich also wacker ausgezogen, danach unter dezenten Logistikproblemen alles in den Spind 303 gestopft. Spind angeguckt. Band angeguckt. Doof geguckt. Spind angeguckt. Band angeguckt. Doof geguckt.

Kam netter Onkel vorbei. Grinste, nahm mir den komischen Chip aus der Hand, drehte einmal an dem silbernen Pinöckel da, schloß den Schrank ab und gab mir das Teil.

Meine gemurmelte Entschuldigung „ich bin blond und mach nich so oft Sport“ quittierte er mit einem lächelnden „Is nicht schlimm, datt hamwa öfta“

Ich verließ den Ort meiner Niederlage und trabte in die Dusche. Öffnete die Tür, ging rein, guckte, drehte mich wieder um und betrat danach die Damendusche.

Brille abgelegt, zur Wand getastet, das große silberne Rechteck bepatscht, in der Hoffnung, dass da Wasser rauskommt. Kam nix raus. Hm. Meine Nasenspitze an die Platte gelegt und akribisch abgesucht. Rote Fläche mit „START“ sah gut aus

* HOCHGUCK*
* DRAUFPATSCH*

Ah ja, meine Vorduscherin zog kaltes Wasser vor.

Ich den Hebel mit der Geschwindigkeit eines ICEs auf „WARM“ gedreht. Danach den Duschstrahl verlassen, bevor ich gekocht werde.

* runterguck*

nass bisse, also kannste auch schwimmen gehen.

ich verließ die Dusche ohne weitere Unfälle und betrat das Schwimmbad.

Im Becken befanden sich

Angeberschwimmtrainer A Angeberschwimmerin B Omma Luise Omma Agathe Omma Agathes Enkelin.

Einem von den fünfen gehörte wohl auch das Holzbein das am Rand rumlag, ich hab aber mangels Brille nicht erkennen können, wem.

Ich lasse mich vom Stapel und tauche in das Wasser ein. Von der Leiter natürlich.

ich begebe mich in Startposition. Neben mir Omma Luise. Omma Agathe zieht ihre Runde weiter vorne und die beiden Angeberschwimmer waren wohl auch für die Dünung verantwortlich, die mich fast ertränkt hat.

Omma Agates Enkelin schwomm so lustig vor sich hin und mußte wohl ein Raketentriebwert aufgeschnallt haben. Vielleicht hat Omma Agathe aber auch nur ein Bohnengericht gekocht, ich weiß es nicht.

Aber:

SO SCHNELL SCHWIMMT KEIN NORMALER MENSCH

Ich also auf meinen Startplatz und lege los. Ein Schwimmzug und noch einen. Ich gucke kritisch. hm, 2 Schwimmzüge und 30 cm. sind keine gute Ausbeute, ich beschließe, einen Zahn zuzulegen. Als ich auf der Mitte der Bahn bin legt Omma Agathe los. 2 m weiter hat sie mich dann eingeholt und zieht triumphierend an mir vorbei.

Ich überlege kurzfristig, ob ich sie nicht ersäufen soll, entscheide mich dann aber dagegen.

Mit Todesverachtung ziehe ich meine Runden.

Ab Runde 6 zieht mein Magen mal kurz an der Speiseröhre und bittet um Nachschub.

Ich bleibe hart und verweigere sie ihm.

Ab Runde 8 wird mein Magen unfair.

Bilder von wohlgeformten Burgern und knackigen goldgelben Pommes erscheinen vor meinem inneren Auge.

Ich sage meinem Magen, er soll die Fresse halten – SO hätten die Dinger nie ausgesehen.

Ab Runde 10 wird er noch unfairer.

ich sehe Bilder von Hungersnöten. Und mein Magen findet es eine gute Idee, einfach mal in einer Lautstärke zu knurren, die deutlich sagt „HUNGER“. Die beiden Angeberschwimmer gucken mich verblüfft an, wieso ich die denn anknurre.

Ich lächele freundlich und schwöre meinem Magen, dass er nie wieder Kaffee kriegt.

Nach kurzer Überlegungszeit lenkt mein Magen ein und gibt Ruhe. Er signalisiert nur noch schüchtern „Äh, bei Gelegenheit hätt ich aber gerne….“

Omma Agathe zieht derweil ihre Runden. Anläßlich einer Pause vernehme ich, wie Omma Agathe sich mit Omma Luise unterhält:

„Ach wissen sie, mein Zipperlein, es geht halt mich mehr so schnell wie es früher mal ging“ „Ja, man ist ja auch nicht mehr die Jüngste“

Ich überlege kurz, wie man so rumjammern kann, wenn man mit der Geschwindigkeit einer Luft-Boden-Rakete durch das Schwimmbecken saust…aber jedem das seine.

Runde 20 ist angebrochen. Oh Gott, meine Arme, wieso tun die so weh? Und wieso tut mein Nacken weh?

Da es auch viertel nach neun ist und ich mich noch umziehen muß (was mit Armen, die herunterhängen wie Blei etwas schwierig ist). Ich gehe in die Dusche, das einschalten klappt nunmehr problemlos und ich nehme wieder die Dusche von vorhin, da die ja prima auf meine Temperatur eingestellt war.

Aha. Da war noch ein Kaltduschfan vor mir drunter.

nachdem die Seifenschale meine schöne Flasche Herbalife-Shampoo ausgespuckt hat und der Deckel etwas abgeplatzt ist, gehe ich zur Umkleide, öffne selbständig den Spind und ziehe mich sogar unfallfrei um.

Wie schön – die Haare hätt ich gar nicht trockenmachen brauchen. Waren auf dem Rückweg eh wieder nass. Merk ich mir fürs nächste mal, spart Arbeit.

Veröffentlicht am 13. April 2007, in Kreatives. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 9 Kommentare.

  1. Herrlich! Ich hab‘ das ja nun schon einige Male gelesen, aber ich lach‘ mich immer noch schlapp dabei… Danke! 😉

  2. Gern geschehen. Ich grins mir ja selbst eins, wenn ich das lese

  3. Gehste eigentlich immer noch planschen?

  4. Komm ich nicht zu – leider 😦
    Morgens fang ich um 7 Uhr an mit der Arbeit und das ist zu früh fürs Frühschwimmen.
    Abends bin ich so platt, dass ich normalerweise kein Bein mehr bewegen kann und froh bin, wenn ich noch in der Wanne planschen kann.
    Aber mal wieder los müsste ich…

  5. …“Andere“ werden bei so ’nem Stress von ganz alleine spindeldürre… *leisegrummel*

    Meine Meinung: ich müsste meinem Körper mal die Cortisol-Produktion verbieten! Genau!! 😉

  6. DAS ist doch mal ne endgeile Ausrede *g*

    Die merk ich mir :))))

    Ich muß nur aufpassen, dass ich Cortisol und Cortison nich verwechsel. Wirkt sonst sicherlich bisschen unglaubwürdig *g*

  7. Eieiei, ich „kenn“ dich noch von DauJones und hab deine Geschichten geliebt (OK, bis auf das Ende, das war ja doch eher unschön), aber diese Geschichte führt mich wieder in die „alten Zeiten“ und ich hab mir ordentlich einen abgelacht 😀

Hinterlasse eine Antwort zu Claudi Antwort abbrechen