Hochsicherheitstrakt


Gerade eben habe ich ein Werbeschreiben einer Sicherheitsfirma im Posteingang gefunden. Angeboten wird:

Zugangskontrolle durch Chipkarten, sämtliche Personen werden zentral registriert und dürfen nur mit der Chipkarte das Gebäude betreten

Videoüberwachung in jedem Winkel des Gebäudes, die Videodaten werden gespeichert und „geeigneten Personen“ zur stichprobenartigen Kontrolle vorgelegt.

Sämtliche Türklinken werden von außen gegen nicht drehbare Knöpfe getauscht.

In Krisensituationen wird ein Sonderton gespielt, der vorher hinterlegt wird.

Und um was für ein Gebäude geht es?

Man sollte vermuten: Gefängnis oder Gericht oder Rechenzentrum oder ein anderes öffentliches Gebäude mit sogenanntem erhöhten Sicherheitsbedarf.

Aber nö.
Es geht um eine:

SCHULE.

Ich hab der Firma mal gesagt, was ich von solchen Ansinnen halte. Einfaches Wegwerfen hat mir nicht gereicht, das war zu frech.

Zumal auch ganz selbstverständlich folgender Satz drinsteht:

Eine Realisierung des Konzeptes, dabei ist die Drehtüre nicht berücksichtigt, kostet pro Schüler, dabei gehen wir von 750 Schülern aus, einmalig ca. 60,00 Euro kosten. Sicherlich sind die Eltern bereit hierzu einen monatlichen Sicherheitsbeitrag zu leisten.

Die üblen Grammatik- und Zeichensetzungsfehler sind dabei mit abgeschrieben, die stammen nicht von mir.

Veröffentlicht am 14. April 2009, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 11 Kommentare.

  1. Naja, entspricht vor allem nicht dem Zeitgeist und Technik. Chipkarten, dass ist ja lachhaft.

    RFID ist das Schlagwort. Im Schülerausweis.

    Vor allem machen diese Mechanismen keinen der letzten Amoklaufe ungeschehen: Die Schüler die Amok gelaufen sind hätten doch Zugang gehabt…der einzige Vorteil wäre gewesen, dass man das Splattern in HD gehabt hätte…

  2. locojustloco

    In Frankreich sind Schulen geschützt wie Sicherheitstrakte. Und regelmäßig werden Lehrer mit Waffen angegriffen.

    In Deutschland sind Schulen nicht geschützt. Bewaffnete Angriffe auf Lehrer sind die Ausnahme.

    Was sagt uns das?

  3. „Hallo lieber Anbieter, bis auf den Satzbau hätte ich das genauso gemacht – d.h. ich hätte auch versucht, eine so günstige Lage für den Absatz meines Produkts zu nutzen.“

    … oder was haste denen erzählt? 😉

  4. Tantchen Jay

    @pico: Nein, ich hab denen genau das gesagt, was Will auch gesagt hat: mit dem überteuerten und kosten- und wartungsintensiven System wäre kein einziger Amoklauf oder die Auswirkungen davon verhindert worden. Einfach, weil die Schüler Zugang HATTEN. Und auch mit dem System gehabt hätten.

    Und er solle mir doch mal nachweisen, dass ein Lehrer im täglichen Stress die Listen gut führt und die Videoüberwachung datenschutzrechtlich sauber kontrolliert wird.

    Konnte er nicht. Durchgefallen. Und ich hab klargemacht, dass ich Hochsicherheitstrakt Schule für unzumutbar halte.

    Da steh ich bei uns übrigens nicht alleine 🙂

  5. Tantchen Jay

    Und ja, Loco, genau die Schlussfolgerung ziehe ich hier auch. Ich gucke über den Tellerrand und seh recht genau, was woanders passiert. Zuviel Sicherheit verringert diese als dass es die erhöht. Menschen sind keine Stalltiere die man ausnahmslos und problemlos in irgendwelche Käfige sperren kann. Wenn man das tut, drehen die durch.

    Sehen wir ja. Täglich.

  6. Alle Achtung! Deine unschlagbaren Argumente, weitreichenden Insiderkenntnisse und soziologischen Betrachtungen werden den Security-Laden bestimmt davon abhalten, seinen (jetzigen) Kram weiterhin verkaufen zu wollen. Vermutlich sind die Jungs jetzt schon dabei, auf Produktion und Verkauf von Angelhaken umzustellen. Fisch ist schließlich gesund. Nimm ihnen bloß nicht die letzte Hoffnung, wenn sie morgen anfragen, ob Du zufällig auch Veganerin bist. *g*

  7. Tantchen Jay

    Wäre das meine Intention gewesen, hättest du sogar recht gehabt 🙂

    Fakt ist: Das System, was die anbieten ist teurer Unsinn. Wenn die es jetzt schaffen, ein gescheites System auf die beine zu stellen und NICHT auf der Amokhysteriewelle zu reiten, kriegen sie in mir vielleicht sogar nen Kunden – ich brauch schliesslich immer noch ein Alarmsystem in den Schulen.

    Aber DAS ist absoluter Quatsch. Und 45.000 Euro rauszuhauen und dann noch die Eltern um Kohle anzugehen… wenn auch nur eine Stadt so bescheuert ist, gratuliere ich ihr. So dicke sind die Steuergelder nämlich nicht vorhanden.

  8. Ja hallo – sachlich stimme ich Dir doch locker zu. Wollte bloß mal um Verständnis für die Verkäufer geworben haben. Gerade jetzt, seit Verkündung der Krise – stell Dir mal vor, Dieter Bohlen wird morgen beim ******* vom Blitz getroffen. Ist zwar sonst noch nie so passiert, aber jetzt ist das gesamte Volk gewarnt. Also sammeln wir ab sofort Material (Patent sowieso) für Faraday´sche Klokäfige und gehen nächsten Montag damit in den Verkauf. Dann soll mal einer wegen Moral oder Sinn der Sache anrufen …

    DU gehst als Erste ans Telefon! *g*

  9. Tantchen Jay

    Türlich.
    Wenn einer Scheiße baut, muss man ihm das sagen können.

    Sagt man mir ja auch täglich xD

  10. Ach ja, die armen Schüler. Aber Katzen lebenslänglich einsperren ist natürlich okay.

  11. Tantchen Jay

    Die Kinder….denk doch mal einer an die armen Kinder…

    😉

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