Jugendschutz im Internet


Abseits von allen Streitereien rund um Zensur darf man eins nicht vergessen: Grundsätzlich hat die Dame von der Leyen ja recht: Kinder und Jugendliche müssen geschützt werden.

Bis zu einem gewissen Alter (und ich persönlich halte das nicht nach dem Gießkannenprinzip feststellbar) sind Kinder und Jugendliche nicht in der Lage, festzustellen, welche Risiken sie eingehen dürfen und welche besser nicht. Sie wissen auch häufig nicht, wo sie Klicken und wo besser nicht. Und dazu kommt natürlich noch ein gutes Pfund Neugierde, wenn da steht „mach misch naggisch“ oder so.

Damit sind ja noch viele Erwachsene überfordert, umso mehr Kinder und Jugendliche, denen die Erfahrung einfach noch fehlt und die Konsequenzen noch nicht überblicken können.

Da, wie gesagt, Erwachsene, also die Erziehungsberechtigten, damit durchaus überfordert sein können, bietet es sich also an, einen kleinen Content-Filter zu installieren, der die jugendgefährdenden Inhalte aus dem Netz rauspflückt.

Was also sollte so ein Filter leisten können?

Er sollte:

– zuverlässig nicht geeignete Inhalte rausfiltern (im idealfall sperrt er bei ungeeigneter Werbung

– was nicht geeignete Inhalte sind, muss per Eckpunkte individuell von Eltern einstellbar sein

– er darf nicht zensieren, also die Meinung Andersdenkender unterdrücken, indem er sie filtert und somit suggeriert, dass die Seiten verboten sind

– er muss leicht bedienbar sein und sollte auch von unerfahrenen Personen (aka Eltern) problemlos und sicher einstellbar sein

– irrtümlich gefilterte Seiten müssen sehr schnell aus dem Filter manuell z.b. via Whitelist, aus dem System rausgenommen werden können.

Besonders der letzte Punkt ist sehr wichtig – was nutzt ein Filtersystem, dass so unübersichtlich ist, dass man studiert haben muss, um ihn entsprechen einstellen zu können.

Es gibt ganz gute Produkte hier. Persönlich setze ich in meinen Schulen das System Schulfilterplus ein, da dieser Filter zusätzlich zum reinen Filtern auch noch eine pädagogische Oberfläche bietet und der Hersteller sehr engagiert an alles herangeht und kostenlose Fortbildungen anbietet. Sehr klasse. Und der Support ist durchgängig nett und kompetent.

Und dann gibts noch schlechte Programme, die unter „Epic Fail“ laufen.

JusProg ist das, wo ich auch von meinen Lehrern drauf gestoßen werde, die den so toll finden.

JusProg filtert Seiten wie Telepolis.de, aber nicht www.heise.de/tp. Das ist ein Unding in zweierlei Hinsicht: Telepolis ist NICHT jugendgefährdend, im Gegenteil, es trägt zur politischen Meinungsbildung bei, und außerdem: Was nutzt ein Filter, der die Seite unter der einen Domain filtert, nicht jedoch nicht die Subdomains? Das ist ein krasser handwerklicher Fehler.

Fefes Blog ist als jugendgefährdend auf dem Filter drauf. Und andere bekannte Blogs. Eins haben alle gefilterten Inhalte gemeinsam: Sie sind gegen die von Frau von der Leyen propagierte Netzzensur. Den Filter zu installieren bedeutet, die Verhältnisse in spätestens 2 Jahren, wenn das BKA als Behörde durch die Webseiten Amok gelaufen ist, vorwegzunehmen.

Lustig in dem Zusammenhang: SPD, CDU und FDP sind erreichbar, GRÜNE und Piratenpartei nicht.

Was ist dann noch erreichbar?
www.bild.de
nicht aber:
www.bildblog.de weil das jugendgefährdend ist. Ja neee is klar.

Alleine diese Kombination ist schon entlarvend. Mit diesem Filter soll ganz sicher kein Jugendschutz betrieben werden.
Und wenn ich dann lese, dass die Beauftragten die Seiten nach bestem Wissen und Gewissen eingestuft haben, frage ich mich: Was ist, wenn die Ahnungslosen kein Gewissen haben?

Veröffentlicht am 27. Mai 2009, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 6 Kommentare.

  1. Vermutlich hast Du das http://www.spiegelfechter.com/wordpress/542/jugendschutz-ad-absurdum auch schon gelesen – keine Frage mehr, warum gerade bild.de offen ist…

    LG
    Simop

  2. Tantchen Jay

    ich habs von einem anderen Betroffenen – Fefe. Spiegelfechter ist aber auch interessant. *g*

    Schöne neue Welt haben wir da oder?

  3. Mein Instinkt sagt: Nur weg hier…

    Und:
    Wir jammern über manche autoritäre Staaten – und tun selbst nichts gegen solche Tendenzen bei uns vor der Haustür. Nur was?

    Weil – auch an der Wahlurne entscheidet man sich ja – außerhalb der extremen Parteien – immer zwischen Teufel und Belzebub…

  4. Tantchen Jay

    Z.b. wie jetzt: Auf die Hammelbeine stellen und sagen: „NEIN“.

    Es sieht ja derzeit so aus, als ob Ursula von der Leyen mit ihren Zensurbestrebungen voll vor die Wand gelaufen ist und noch läuft.

    Mal schaun, wie sich das entwickelt. Und ansonsten: Auch mal selbst eine Verfassungklage einreichen, imho kann das jeder Bürger, wenn er meint, dass das Gesetz verfassimgswidrig ist.

    Was auswandern angeht, hat das mal eine sehr gute Bekannte voll auf den Punkt gebracht:

    „Man katapultiert sich mit einem Schlag ans Ende der Nahrungskette“

    In anderen Ländern warten die ja nicht gerade auf uns. Und dann steht man tatsächlich mal fix mit dem Rücken zur Wand.

  5. Nicht immer gebe ich auch meinen Instinkten nach 😉 vor allem weil man, wie Du ja richtig bemerkt hast, eh nur vom Regen in die Traufe kommt…

    Ich weiß natürlich, dass wir alle die Rechte der Verfassungklage, der Petitionen etc. haben.

    Wenn es mir wichtig ist, stelle ich mich auch auf meine Gazellenbeine (oder wie heißt das graue Tier).
    Zu dem Thema „Sperrseiten“ hört man außerhalb der „IT-Menschen“ relativ wenig – und wenn, dann meistens Zustimmung.
    Warum? Nun, sie sitzen den hohlen Phrasen (Kinderschutz, böse Pädophile, …) von Ula und Co auf, die Stimmen der Aufklärung sind für die Allgemeinheit – noch – zu leise. Und da ist es wichtig, was zu tun. Auch die Leute dazu zu bringen, über den Tellerrand hinauszusehen – öfters hörte ich schon „ich schau mir sowas nicht an, daher ist das in Ordnung“ – „da kommt man nicht versehentlich hin, also ist jeder, der auf eine Sperrseite geht, in jedem Fall ein Böser“ – den Gedanken, dass dies der Beginn von Zensur auch anderer Inhalte, später vielleicht auch anderer Medien, ist, denken diese Leute nicht.
    Wollen sie nicht? Können sie nicht?

  6. Tantchen Jay

    Da kommt man erst drauf, wenns zu spät ist – leider.

    Ich hab auch Diskussionen, das die das gut finden. Aber immer nur bis zu dem Punkt wo ich sage:
    „Wenn 2 Erwachsene ein Kind vor deinem Fenster verprügelt, machst du dann auch den Rolladen runter um das Kind zu schützen? Nein? Warum findest du dann die Sperrseiten gut?“

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