Gute Jobs


Stellenausschreibung:

Es wird ein Organisationssachbearbeiter gesucht. Der soll Organisationsuntersuchungen durchführen, Lösungs- und Optimierungsvorschläge erarbeiten und die Verwaltung gut genug kennen, um fachübergreifende Änderungsvorschläge machen zu können.

Außerdem soll er „fundierte“ Windows- und Officekenntnisse haben und Kenntnisse bzw. möglicherweise Erfahrungen im Organisationsmanagement.
Naja, und hilfreich wäre noch wenn er möglicherweise betriebswirtschaftliche Vorkenntnisse hat. Und teamfähig ist.

Also ne eierlegende Wollmilchsau.

Was bietet der künftige Arbeitgeber dafür?
Einen auf ein Jahr befristeten Arbeitsvertrag und Bezahlung nach Entgeltgruppe 9.

Das macht Brutto auf Stufe 3 2.607,28 Euro vor Steuern.

Nehmen wir das Netto bei Steuerklasse 1, verbleiben 1572.38 €.
Netto bei Steuerklasse 3 verbleiben dann: 1845.11 €

Äh, sorry, aber gehts noch?
Vielleicht setzt sich irgendwann mal auch in den Verwaltungen durch: Wenn man gute Leute haben will, muss man sie anständig bezahlen und vernünftige Arbeitsbedingungen schaffen. Und DAS ist keine.

Veröffentlicht am 16. Juli 2009, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 4 Kommentare.

  1. Einspruch! Ne Eierlegende Wollmilchsau wird den Worthülsen nach zu urteilen bestimmt nicht gesucht. Das klingt mehr nach meinem Job: Beschäftigt tun, aufm PC rumklimpern und sonst bloß nichts anfassen. Allerdings wird das bei Euch wirklich besch…eiden bezahlt, da haste recht.

  2. Tantchen Jay

    Ne, das soll schon ans Eingemachte gehen. Ich kenn die ja, was die dann wollen. Ne komplette Organisationsanalyse UND die dazugehörigen Konsequenzen gegen den Widerstand der einzelnen Fachabteilungen (Stichwort Kompetenzverlust) durchzuboxen.

    Der Job ist kein Geschenk und die wollen da jemanden hinsetzen, der grad frisch aus der Ausbildung kommt. Das ist ein Job zum Verheizen.

  3. Bei solchen Stellenprofilen (pardon my French, folks) kotze ich im Kreis. Aber das ist mir nicht neu, ein Gutteil meiner Familie ist ja im Beamtenstand geboren worden und lässt das bei jeder sich bietenden Gelegenheit heraushängen. Zwei Äußerungen sind mir dabei letztens sauer aufgestoßen, noch dazu, weil sie aus tiefster Überzeugung kamen: „Ja, das ist doch hier nicht das Schlaraffenland wie in der freien Wirtschaft!“ – „Die Einsteiger sollen sich erst mal die Hörner abstoßen, dann zeigt sich, ob sie für die Verwaltung geeignet sind.“

    Der Öffentliche Dienst macht vor, was die Wirtschaft nachmacht und wofür sie dann von der Politik kritisiert wird. Mit dem Argument des sicheren Arbeitsplatzes kann man heute keine fähigen Leute mehr in die Verwaltung ziehen. Wenn Schlaraffenland bedeutet, dass man täglich Angst haben muss, seinen Arbeitsplatz zu verlieren, ja, dann ist die Wirtschaft wohl ein Paradies. Von der allgemein dünnen Personaldecke im Öffentlichen Dienst, die durch mangelnde Ausbildungsangebote auch nicht gerade behoben wird, wollen wir mal gar nicht sprechen, und von der sinnlosen Kapazitätenverschwendung (was alleine der ganze Hartz-IV-und-Arge-Wasserkopf verbraucht, könnte man bei einem bedarfsunabhängigen Transfer wunderbar in Bau-, Schul-, Jugend- und sonstige Behörden versetzen) schon gleich gar nicht.

    Es ist mir auch ein Rätsel, wie man mit den besten Anlagen – körperlich und geistig fit, sportlich, stressfest, größtenteils mit Fachhochschulreife oder höher qualifiziert – in den Polizeidienst gehen kann, um für ein Handgeld täglich sein Leben zu riskieren. An der enormen Wertschätzung seitens der Landesinnenministerien wird es wohl nicht liegen.

    Die politischen Sonntagsreden, die die Generation Praktikum in der Wirtschaft aufs Korn nehmen, sollten einmal die identischen Zustände im Öffentlichen Dienst kritisieren. Es ist nicht besser dort. Eher schlimmer. Denn hier wird vom Berufseinsteiger erst mal Vorleistung erwartet; wie er das finanziert, ist egal, so bleibt außerdem die Bildungsaffinität bzw. -ferne ganzer Schichten schön zementiert, vererbbar und eignet sich wiederum für handliche Sonntagsreden, wenn man denn Regelsätze um 30% kürzen will (Guten Morgen, Herr Lindner, ich hoffe, Sie hatten einen erholsamen Schlaf seit 1982) oder über Motivationsansätze für Weiterbildung schwadroniert. Das toppt nur noch, wenn einer der oben genannten Verwandten sich am Kopf kratzt, wie man denn die Brennpunktentwicklung in einem Mittelzentrum einigermaßen analysieren kann: „An sich bräuchten wir dafür einen studierten Soziologen, aber wie soll man den bezahlen?“ Fehlt dann nur noch der süffisante Hinweis, dass ein Akademiker in der Stadtverwaltung als überqualifiziert gilt, wenn er intelligent genug ist, sein Aufgabengebiet zu überschauen.

    Der Öffentliche Dienst ist ein Spiegelbild der Wirtschaft. Planlos, verschwenderisch, abgehoben.

  4. Tantchen Jay

    Dein letzter Satz trifft es (und ich bin Beamtin) genau auf den Punkt.

    Da wird auf Teufel komm raus bei den Investitionen und den Personalkosten gespart. Warum? Weil nur darauf bei Haushaltskonsolidierungsmaßnahmen geguckt wird.

    Sachkosten, die im gleichen Maße (wenns gut läuft) ansteigen, interessieren keine Sau.

    Ganz schlimm sind in der Tat die von dir geschilderten Strukturen. Beam mir mal deine Emailadresse in die Kommentare…da gibts ne Menge zu erzählen. 😉

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