Ja doch. Blizzard und so ;)


Ich musste erstmal von meiner Palme runterkommen. Dafür wirds jetzt, so fürchte ich, ein wenig länger werden.

Was ist los? Naja, mein (bisheriges) Lieblings-MMO ist gerade dabei, sich zumindest bei mir ein gewaltiges Kopfschütteln abzuholen. Wer hat denn verdammt noch eins die BWLe r bei Blizzard in die Entscheidungsebenen gesetzt? *seufz*

Aber fangen wir mal klein an.Blizzard goes Social Network – so kann man das ganze mal gepflegt umschreiben. Blizzard möchte aus seinen Spieletiteln ein großes Social Network schmieden wo die Leute  sich via Battle.net spieleübergreifend unterhalten können. Gleichzeitig wird dann alles auf Realnamen umgestellt – auch die Foren. Das heißt also, dass da nicht künftig „Jayla“ oder „Chelsara“ posten wird, sondern Tantchen (neee, da tapps ich nicht rein *g*) unter Nennung von Vor- und Zuname. Damit erhofft sich Blizzard, dass die Flamerate *hust* heruntergedrückt wird.

Betrachten wir doch mal das Problem von seinen verschiedenen Seiten aus.

1. Foren und Realnamen

Man frage doch mal ein ähnlich frequentiertes Forum, ob Realnamen eine gute Sache sind, einen guten Umgangston in Foren wiederherzustellen. Das Heise-Forum zum Beispiel. Die Antwort wird nein lauten.

Denn das Problem liegt bei Foren nicht in der Anonymität sondern schlichtweg im fehlenden Textverständnis. Ich bin auch lange genug in den Heiseforen unterwegs gewesen um sagen zu können: Die Threads sind IMMER dann entgleist, wenn zwei Leute sich nicht verstanden haben. Wenn einer Ironie nicht als solche erkannt hat oder wenn jemand die Meinung des Diskussionspartners nicht akzeptiert hat. Nur dann entgleisten die Threads. Die wenigsten sind da drin, weil sie Trollen wollen – die gibts auch, sind aber vernachlässigbar. Die meisten diskutieren da schon ernsthaft.

Das Problem liegt also nicht darin, dass die Leute flamen wollen, es liegt darin, dass sie sich nicht verstehen. Und DAS Problem löst man auch nicht mit Realnamen. Das Problem ist gerade bei großen Foren imho nicht lösbar, es sei denn, man moderiert die Foren. Dafür wirft man aber ein gewaltiges anderes Problem auf:

Die Foren sind über Google zu erreichen. Das heißt, die Googlesuche wirft die Blizzardforen auch als Suchergebnis raus, wenn man nach Namen sucht oder aber auch nach bestimmten, WoW-spezifischen Themen. Bei den allermeisten Personalern dürfte Google inzwischen zur Standardsuchmaschine über neue Bewerber werden. Das Problem „Facebook“ und was alles einsehbar ist, ist ja bereits mehrfach in den Medien angesprochen worden. Wenn ein Personaler jetzt bei Goolgle den Namen eines Bewerbers eingibt und als allererstes wirft der Postings aus dem Blizzardforum raus – welche Chance genau, meint ihr, hat er dann noch, den Job zu kriegen? Bei DEM Ruf, den MMOs inzwischen dank solcher Möchtegernwissenschaftler wie Christian Pfeiffer haben? Eher keine, oder? Und es ist ja nicht so, als wäre das alles in einem halben Jahr nicht mehr zu sehen. Die Postings sind auch nach Jahren noch nachlesbar. Was z.B. dann in dem Zusammenhang sehr geil ist, wenn ein 15jähriger sich im Forum heute danebenbenimmt und dafür dann lebenslang bestraft wird, weil er keinen Job findet und nicht weiß, warum.

Die Umstellung der Foren auf Realnamen ist daher völlig daneben. Und wenn Blizzard das macht prophezeie ich denen das gleiche Schicksal, dass AOL damals auf dem Höhepunkt seines Daseins erreicht hat.

2. Social Networks sind KEINE MMOs.

Binsenweisheit? Scheinbar nicht für Blizzard. In MMOs gehen die Spieler mehr oder weniger in ihrer Rolle auf. Mein Druide wird GESPIELT und nicht nur bewegt. Wenn ich als Eule unterwegs bin, bin ich durchgeknallt, benehme mich wie Rotz und mache allen das Leben schwer – und stell mich doof an wie Vogel auf Ecstasy. Bin ich Teddy bin ich schlecht gelaunt, knurre alles an, was nicht bei 3 auf dem Mob ist und bin allgemein der Hüter meiner Gruppe. Und als Magier lebe ich das Motto „live fast, die young“ voll aus – nur der AE-Effekt, der am Tank vorbei die Mobgruppe trifft ist ein guter AE-Effekt.

Was zum Henker hat das mit meinem Realnamen zu tun? Mein Realname ist eine völlig andere Persönlichkeit. Im MMO lebe ich meine Macken aus, ich zicke rum, ich lasse da meinen Frust ab („ich muss was töten…wo sind Hordler?“), ich tue da all das, was ich im „normalen Leben“ nicht tun kann. Und manchmal saufe ich mich auch durch die Kneipen von Dalaran, kotze dem Wirt vor die Füsse und rülpse meinen Gildenchef an.

Würde ich ja im normalen Leben nie tun. Aber da kann ich das, es befreit und es lenkt ein wenig von den manchmal unerträglichen Realiäten ab, bis man genug Kraft gesammelt hat, dass sie erträglich werden.

Wenn ich da gezwungenermaßen meinen Realnamen nutzen muss, dann ist diese Möglichkeit verbaut. Ich bin dann kein Rollenspieler mehr, ich bin kein Druide mehr, ich bin kein Magier, ich bin kein Held mehr – oder eben auch keine Drecksau, je nachdem wonach mir gerade ist. Ich bin dann Tantchen Jay – genauso wie hier wie überall.

Das ist ja das, was Blizzard seit gut 2 Jahren so grandios falsch macht und keiner kriegts von denen geschnallt: Sie bringen die Normalität in einen Heldenepos. Was wäre denn Superman für ein Held, wenn er morgens aus dem haus geht, kurz die Welt rettet und zur Tagesschau wieder zu Hause ist? Ich will im MMO keinen Alltag – oder zumindest nicht mehr als notwendig. Ich will im MMO Spannung, ich will neues erkunden, ich will auf die Schnauze geben und bekommen. Würde ich das als Tantchen Jay machen, müsste ich mir dabei ja schon Gedanken darüber machen wie ich die Flugrechnung bezahle und welchen Zahnarzt ich nehme, um die Kauleiste nach der Prügelei zu sanieren.

MMOs sind so gut wie die Phantasie der Entwickler. Und Blizzard hatte da eine grandiose Phantasieleistung erbracht.

Doch nun haben die Schlipsies übernommen. Es haben Leute übernommen, die kein Herz, aber eine große Geldbörse in der Brust haben. Die muss es auch geben, sonst kann Blizzard die laufenden Kosten nicht nicht tragen, die nicht unerheblich sind, aber der Grat zwischen Gier und Herz ist hier überschritten.

Blizzard macht Milliardenumsätze – reicht das denn nicht, um eine vernünftige Entwicklerabteilung aufrecht zu erhalten? Reicht das nicht aus, um das Spiel spannend zu gestalten, um es für die verschiedensten Spieler zu designen?

Ich möchte im MMO nicht arbeiten gehen wie im Realleben. Ich möchte da etwas besonderes haben. Ich möchte mich da besonders fühlen. Ich möchte jemand Besonderes sein – und das in dem vollen Wissen, dass es nur vorübergehend ist, dass die Realität nicht durch die Phantasie ersetzt werden kann.

Aber in dieser kalten Welt, in der nur noch Geld zählt, und wo ein Mensch nach seinem pekuniären Wert gemessen wird, in dieser Welt möchte ich ein Refugium haben, wo ich das vergessen kann.

Und Blizzard, bei allem Respekt, dass ist WoW nicht mehr. Und ein Social Network kann das nicht ersetzen.

Veröffentlicht am 8. Juli 2010, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 10 Kommentare.

  1. Sir Richfield

    Irgendwie habe ich vermutet, dass Du der Sache nicht positiv gegenüber stehst.
    Insbesondere nach der Geschichte, dass einige Schüler wissen, dass Du und bestimmte Lehrer auch WoWler sind.

    Das wird eine hübsche Synergie werden, wenn die beide plötzlich herausfinden können wer wer ist.

    Meiner Meinung nach gibt es darauf nur eine Reaktion (Die ich mir als nicht WoWler sehr einfach mache):
    Abo kündigen.
    (Gerüchte sagen, der Grund „RealID passt mir nicht“ steht dabei nicht mehr zur Verfügung.
    Tun das genug (daran habe ich Zweifel) wird auch bei den Schlipsen ankommen, dass das finanziell keine gute Idee war.

    Anders kapieren die das nicht, auch nicht dadurch dass ein Mod spontan mal seine Telefonnummer ändern musste.

    Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass die Fusion mit Activision Blizzard kaputt macht.
    Früher waren die mal dafür bekannt, dass das Spiel an erster Stelle stand. Dafür haben wir die mit Käufen und Abos belohnt.
    RealID und Forenbereinigung hat allerdings gar nichts mit dem „Spielerlebnis“ zu tun, egal wie oft das Marketing das wiederkäut.
    Das Geld steht jetzt an erster Stelle und das ist sehr, sehr traurig.

    Ich habe mich mal wie Bolle auf Diablo III gefreut.
    Nach der LAN Streichung, dem Bnet 2.0, der Online Pflicht und jetzt der RealID werde ich wohl darauf verzichten müssen.
    Leider steht als Konkurrenz nur Torchlight zur Verfügung und bald der Zombie Mythos und das Torchlight MMO. Alle drei werden keinesfalls die Klasse von D3 erreichen.

    Es gäbe noch eine Möglichkeit, D3 zu spielen (Ich kann das sehr gut im SP, auch wenn ich lieber mit ein/zwei Kumpels spielen würde), aber DEN Gefallen will ich denen dann auch nicht tun.
    Wäre nur wieder Wasser auf die falschen Mühlen.

    • Für mich sind inzwischen alle Spiele tabu, wo zwangsweise etwas gefordert wird, was mit dem eigentlichen Spiel nix zu tun hat. Wenn ich ein Offlinespiel spiele, möchte ich nicht zwangsweise online sein müssen, um es zocken zu können. Und ich möchte nicht auf einen Authentifizierungsserver angewiesen sein, der mich nur dann spielen lässt, wenn er auch oben ist. Gerade bei Offlinespielen ist das hirnrissig.

      Daher sind inzwischen alle Neuerscheinungen von Ubisoft nix mehr für mich – mein Geld sehen die nicht mehr. Mein Blizzardaccount läuft jetzt aus, dass war so das Tröpfchen für mich, dass das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Ich liebe meine Elfe, es steckt viel Zeit drin, aber so sehr nun auch wieder nicht.

      Kleiner Tipp an alle: Lest euch mal die AGBs – oder das, was die Spielemafia für AGB hält, durch. Sittenwidrig ist da meist noch eine freundliche Umschreibung. Ich wundere mich ja immer, dass da keiner klagt.

    • D3 ist wird wirklich der Hammer aber viele werden wohl die eine oder andere Woche warten bis die ersten offline-cracks da sind.

      An sich illegal (oder doch nicht? Weiss da jemand mehr ?) aber schließlich hat sich der Kunde ein Offlinespiel besorgt dh. hoffentlich gekauft.

      Außerdem belastet dieser Mist die Netzinfrastrucktur. Gut es ist nicht so schlimm wie beim Spam aber immerhin bei 50000 – 5 Mio. Spielern gleichzeitig doch sicherlich ein reges Treiben auf den Leitungen.

      Man könnte datenschutzrechtliche Bedenken angeben es geht nämlich niemanden etwas an welches Spiel ich gerade offline(!) Zuhause zocke – weder der Provider – welcher ja die jeweiligen Verbindungsdaten hat – noch etwaige Behörden.

      Man stelle sich vor man kommt auf etwaige Anti-Amokläufer Listen weil man ab und an mal CS oder was weiss ich spielt.

      Aber naja die schmeißen dann Geld raus für eine Online Authentifizierung statt sich Gedanken zu machen über sagen wir lernende und Kooperierende KIs für (mehrere) Mobs oder prozedural generierte Graphiken für Gegenstände und der gleichen.
      Nämliche würden das Spiel bereichern da sie im Falle der KI das Spiel auch für den Hochlevel Char interessant machen zum Bleistift mit geplanten Hinterhalten, intelligenteren Mob buff/debuff, Kooperierenden Mob-Gruppen etc.
      Prozedurale Graphiken für Gegenstände auf der anderen Seite machen viele Gegenstände einzigartig und individuell wodurch eher Bindung an das Spiel aufgebaut werden weil sich die Spieler auf einmal auch mit ihrem Schwert identifizieren. Dazu kommt das ein Prozedurales Char Design eine unglaublich hohe Anpassungsfähigkeit dem Spieler eröffnet was das Aussehen des eigenen Chars angeht. Damit entsteht eine höhere Immersion als auch eine stärkere Bindung an den gespielten Char.

  2. Ich verstehe die Herrschaften von Blizzard nicht:
    Was zum Henker soll das mit den RealID?
    Und wer sagt, dass da jeder ehrlich ist?

    Ich hätte da diverse Namensvorschläge (die ihr alle gerne nutzen dürft!):

    Silie, Peter
    Fall, Clara
    Fall, Ernst
    Korn, Clara
    Nass, Anna
    Furt, Frank
    Furter, Frank
    Uhse, Beate (ok – den gibt’s schon)
    Kron, Maria
    Lich, Ernst

    Und da gibt’s sicherlich noch mehr!
    Diese „Namen“ eignen sich auch für kostenlose E-Mail-Konten etc. (wer zum ersten Male „Guten Morgen Peter Silie“ liest, wird _nur_ noch solche Namen nehmen wollen).

    • Da Blizzard das im Battle.net inzwischen deaktiviert hat, dass man die Namen ändern kann, ist diese Option nicht mehr gegeben. Gestern noch geguckt. 😉

  3. Lochkartenstanzer

    Deswegen registriert man sich auch nur dann mit Realnamen, wenn es wirklich notwendig ist. Spieleserver bekommen nie Realnamen von mir.

    • Du bekommst dann aber Probleme, wenn deine Accountdaten kompromittiert worden sind. Wenn viel Zeit im Account steckt, wirst du dann ein echtes Problem haben, weil du den Krempel neu hochzocken musst – das Spiel muss auch neu gekauft werden etc.

      Denn wenn du dich nicht mit Realnamen anmeldest, kannst den Account dann mal grad vergessen.

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