WoW zum Zwoten


Was mir noch eingefallen ist:

Blizzard-Activision hat die eigenen Regeln und die eigene Erfahrung nicht beachtet. Sie haben nichts aus ihrer eigenen Geschichte gelernt.

Wie das?

Nun, warum ist WoW so unglaublich erfolgreich? Warum ist es so eine Gelddruckmaschine für Blizzard?

Mit World of Warcraft wurde nicht das erste Spiel eines neuen Genres, dass den Nerv der Zeit getroffen hat, gebaut, aber es war das erste, was massentauglich war. Das war ein Glücksfall für Blizzard, denn das Spiel war innovativ und die Programmierer sind Wege abseits des Mainstreams gegangen. Jetzt, wo WoW mehr und mehr Mainstream und Geldschneider wird, beginnt der Sinkflug.

Alle (!) Nachfolger, die auf den Blizzardzug aufgesprungen sind, haben zu knapsen. Ob es Aion Online ist, ob es Herr der Ringe Online (ein wunderbares Spiel) ist, oder ob es Warhammer online oder Runes of Magic und wie sie alle hießen war – ALLE mussten sich zwangsläufig mit WoW messen und haben alt ausgesehen. Codemasters geht es inzwischen so dermaßen dreckig, dass sie das Spiel auf Free to play umstellen und einen Ingameshop implementieren.

Was war Facebook? Facebook war eine Plattform, die den Nerv der Zeit getrofffen hat. Facebook ist weltweit vertreten. Die deutschen Abklatsche StudiVZ, MeinVZ, SchülerVZ, Xing, Wer-kennt-wen – alle machen sie nicht die Gewinne von Facebook, alle haben irgendwo zu knapsen. VZ-netzwerke sind im deutschsprachigen Raum verbreitet, aber wie sieht das denn international aus? Da ist Facebook der Branchenprimus und macht (bislang) alles richtig.

Activision hat das nicht verstanden, bei Activision war vorrangig wichtig, dass man soviel Geld wie möglich aus dem Spiel presst. Die Spieler sollten gequetscht werden wie eine Zitrone und wenn die das nicht mehr mitmachen und abwandern, wird WoW halt eingestellt. So sah offenbar der Plan aus. Inzwischen aber ist denen aufgegangen, dass man ja via Social Networks die Spieler noch enger an das Unternehmen binden kann.

Was sie nicht einbezogen haben: Social Networks sind nicht mehr innovativ. Sie stehen auch diametral einem MMO entgegen. Ein MMO beruht auf Phantasie und ein Social Network auf dem Alltag. Beides passt nicht zusammen.

Wenn Blizzard jetzt auf den Zug Social Networks aufspringt, heißt das ja nur eins: Die Innovation, die das Unternehmen zum Brancenprimus gemacht hat, ist raus. Die Phantasie wurde durch Nachahmung ersetzt, die Schlipsies und BWLer, deren Phantasie nur bis zum nächsten Monatsabschluß reicht, haben gewonnen.

Ein Unternehmen braucht diese Schlipsies, auch ein Unternehmen wie Blizzard. Denn ohne würde das Geld halt einfach verpulvert. Künstler können meist nicht mit Geld umgehen. Aber ein Unternehmen, dass auf Phantasie und Virtualität aufbaut, darf diesen Leuten nicht den Vorrang geben. Denn dann stürzt es ab.

Wie man jetzt an WoW und den Spielerzahlen sehen wird. Die 13 Millionen Abonnenten, die WoW einst hatte, wird es nie wieder bekommen. Aber positiv finde ich, dass andere MMOs jetzt die Chance bekommen, weiterzumachen.

Besonders Lotro liegt mir hier am Herzchen. Denn durch die Fehler, die Blizzard gerade macht und die Umstellung von Lotro auf Free to play könnte das Spiel tatsächlich gerettet werden.

Veröffentlicht am 9. Juli 2010, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 10 Kommentare.

  1. Schöne Sichtweise, die du da aufdeckst.

    Und ich stimme dir vollkommen zu, dass MMO und Social Network in keinster Weise zusammenpassen. Der Sturm der Entrüstung geht auch zu recht los.

    Im übrigen frage ich mich als amüsierter Beobachter: Was ist eigentlich mit den Leuten, die anderen ihre Kreditkarten zur Verfügung gestellt haben um WoW damit zu bezahlen?

    Die Klarnamen könnte Blizzard jedenfalls lässig aus den Bezahlinformationen generieren. Was ist mit den zehntausenden Eltern in Deutschland, die ihren Kindern Kreditkartendaten eingegeben haben damit diese spielen können? Werden deren Klarnamen demnächst im WoW-Forum stehen?

    Einmal mehr gefalle ich mir als amüsierter Beobachter (ohne Facebook-Account).

    Liebe Grüße
    Joe

    • hab auch kein Facebook – und das erinnert mich dran, dass ich mein wkw-account noch löschen muss 🙂

  2. Ich bin mir nicht sicher, ob die free to play-Umstellung das Spiel „retten“ kann. Muss es überhaupt gerettet werden oder hat nicht einfach ein BWLer in Excel ausgerechnet, dass man so analag zu DDO mehr Geld mit ftp und Shop als mit pay to play verdienen kann?
    Ein Item im Shop soll sich z.B. auf das BdT auswirken, so dass nicht mehr Hunderte Mobs dafür erlegt werden müssen. Wie es so schön im englischen Forum stand: Anstatt Codemasters dafür zu bezahlen, dass ich einen guten Teil des Spiels spielen darf, zahle ich dafür, dass ich einen schlechten Teil des Spiels nicht spielen muss.
    Ich kann mich auch selbst dafür bezahlen, dass ich ein Spiel nicht spiele und mach dafür was anderes.

    • btw, was (klassentechnisch) spielst du wo(servertechnisch) in LotRO?

    • Das Problem dürften die fehlenden Abonnentenzahlen sein. Wenn ich mir angucke, wie das in Belegaer läuft (und das ist einer der aktiveren), dass Maiar z.B. fast tot ist – davon kann die Infrastruktur im Hintergrund nicht aufrechterhalten werden.

      Man sieht es sehr deutlich im direkten Vergleich der Addons: Moria: 2 riesige Gebiete, liebevoll ausgestattet – jaja auch das Mobgekloppe im Buch der Taten, aber eben auch wunderbare Gebiete, die es zu erkunden galt: Eregion, Hulsten, Morias Tore. Die Einstiegsquestreihe, bevor man nach Moria reindurfte, das man freispielen musste: Wunderbar.
      Dagegen Düsterwald: Das gesamte Gebiet Düsterwald ist im Vergleich zu Moria klein. Und auch noch in kleinere Questgebiete unterteilt. Wo in Moria die Phantasie fröhliche Urständ feierte, ist im Düsterwald sowohl beim Design als auch bei der Questumsetzung der Kostendruck für mich an jeder Ecke spürbar. Ein Indiz für den Kostendruck war auch, dass es das Addon nicht als CD zu kaufen gab sondern man nur eine Download-Version erhalten hat.

      Nein, Codemasters nagt am Hungertuch, unterschätze bitte nicht die Kosten, die die breite Online-Anbindung der Server, die Server selbst und das Entwicklerteam, dass offenbar schon stark verkleinert wurde, verursachen. Und da viele Leute in Lotro einen Lifetime-Account haben, zahlen die keine monatlichen Gebühren mehr. Nach 3 Jahren (oder 4?), die es das Spiel bereits gibt, sind die auf der Gewinnseite. Sie haben insgesamt jetzt weniger gezahlt als jemand, der Gamecard spielt.

      Dass Codemasters auf der Gewinnschiene ist, können die jemandem erzählen, der die Hose mit der Kneifzange anzieht.

  3. Hallo Tantchen,
    Heute kam ich aus dem Urlaub wieder und hab´erst mal deine letzten posts gelesen.
    Heute Nachmittag hab ich dann darauf folgendes gefunden:

    //asnowstormbyanyothername.blogspot.com/2010/07/greg-canessa.html

    Ich denke, Blizzard dürfte das vieleicht doch noch mal überdenken 😉

    Gruß,

    Matti12

  4. Es gehören immer 2 dazu. Die, die das Geld wollen und die, die bezahlen. Wieder ein Zeichen davon (für mich), dass manche den Hals nicht voll bekommen.

  5. Ist mir gerade bei Spiegel Online aufgefallen. scheinbar haben ein paar Leute gemerkt, dass sie einen unglaublichen Schiet produziert haben und rudern jetzt eifrigst zurück:
    http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,705703,00.html

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