Blick über den Tellerrand


Hachja. Mal aus dem Nähkästchen plauschen.

Wir haben ja ein feines Buchhaltungsprogramm. Das sollte uns alle Arbeit erleichtern.

Vor der Einführung des Buchungsprogramms wars auch kompliziert: Anordnungsformulare ausfüllen, unterschreiben lassen, abschicken. Manchmal, je nach Gusto, haben wirs auch selbst verbuchen müssen.

Alles viel zu kompliziert.

Nu geht einfacher:

Stempel auf die Rechnung, Stempel ausfüllen (dazu haben wir mal DIN A 4-Format gebraucht. Nu reicht Stempel von Stempelkissengröße. Fortschritt!!1!), 2 Leute unterschreiben, ab zum Kopierer und 2x kopieren.

Könnt so einfach sein, wenn…ja, wenn man damit noch den Überblick hätte, wieviel man ausgeben darf oder nicht. Ab wann muss ich eien Überplanmäßige Ausgabe beantragen oder kommen wir mit der Kohle noch hin?

Für sowas haben wir ja extra einen geschulten Kollegen, der auch Zugriff aufs Kassenprogramm hat und dann die Auskunft erteilen kann.

Moment – EIN Kollege? Für wieviel Mitarbeiter? 20? Jo, so pi mal Daumen kommts hin. Irgendwann dämmerte das auch mal den Verantwortlichen, dass das ein *bisschen* zuwenig sind, und so hat jetzt zumindest jede Abteilung jemand, der Zugriff hat.

Voller Optimismus wollte mein Chef auch Zugriff. Mit der (für mich durchaus nachvollziehbaren) Begründung, dass er der Budgetverantwortliche ist und er nicht permanent hinter den Kollegen herrennen kann um sie zu fragen, wie der Budgetstand ist – das muss er als Verantwortlicher mal eben selbst nachgucken können.

Sprachs und beantragte nen Zugriff. Und seitdem weiß ich auch, wieso die Zugriffe reglementiert werden.

Eine Zugriffslizenz, also das Anlegen eines Benutzers mit Rechtevergabe kostet einen niedrigen vierstelligen Betrag.

Wer zum Teufel kauft so ein Lizenzabkommen? Von den anderen Ungereimtheiten des Programms reden wir mal nicht – da hat freie Wirtschaft für ne Behörde programmiert. Entsprechend hakt das an einigen Ecken.

Herr wirf Hirn.

Fall Nr. 2 ist auch grad so typisch Behörde.

Wir haben in einem Gebäude einen Aufzug.Notwendig sind Aufzüge im Rahmen der Barrierefreiheit, da die Behörden halt auch für Leute erreichbar sein sollen, die eben nicht mal eben 2 Treppen hochlatschen können. Rollstuhlfahrer zum Beispiel.

Der jeweilige Hausmeister ist für den Aufzug verantwortlich. Ist halt doof im Urlaub, keiner da.

Ich hätt jetzt auf ne Vertretungsregelung getippt, zumal ja die Hausmeister inzwischen alle zentral von der Gebäudewirtschaft verwaltet werden.

Nich mitm Commander, mann. Nix da – Hausmeister im Urlaub und auf dem Aufzug pappt ein Schild „Außer Betrieb“.

Weil eben eine Vertretung für diesen Hausmeister nicht vorgesehen ist.

DAS nenn ich doch mal Flexibilität. „Hamwa nich, kriegen wa auch nich mehr rein.“

Fall Nr. 3 betrifft mich persönlich:

Da ist seit 3 Jahren klar, dass zum Ende DIESER Sommerferien der Umbau abgeschlossen sein muss. Ich hab auch frühzeitig drauf hingewiesen, dass ich *mindestens* 2 Wochen dann noch brauche, um die Netzwerke geradezuziehen bzw. einzurichten. Und  2 Wochen waren schon verdammt knapp kalkuliert. Wir reden hier von virtualisierten Servern und V-LAN, das komplett eingerichtet werden muss, der Serverschrank wird ratschneu bestückt und aufgestellt.

Wir haben einen Haufen Türen eingetreten, damit die Gelder frühzeitig bereitgestellt werden. D.h. ein Jahr im voraus.

Und wann beginnen die Bauarbeiten in dem Gebäude, dass seit mehr als einem Jahr brachgelegen hat?

Nach den Osterferien DIESES Jahr.

Kopf => Tisch.

Das ist doch alles nicht wahr. Und regt man sich auf, reagieren die Kollegen noch leicht verschnupft – weil „man hat ja auch noch anderes zu tun.“

Mann mann mann… das haben wir alle. Und auf Rosen gebettet ist keiner von uns. Aber bitte denkt doch mal nach. ICH darf durch diese dezente Verspätung nämlich mal wieder Nachtschichten schieben. Und der externe Dienstleister, den ich mir rangezogen hab, ist auch extrem begeistert…

Veröffentlicht am 27. Juli 2010 in Allgemein und mit , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 17 Kommentare.

  1. Arbeitest Du etwa in meiner Firma? Grins …

  2. Klingt ja ganz schön nach Behörden wirrwarr.
    Nein mal im Ernst. Den Punkt mit den Aufzügen find ich ja besonders dreist. Ich sitz zwar nicht im Rollstuhl, aber da mein Kind, wie jedes Kind, mal im kinderwagen saß (eher lag), weiß ich in etwa was Treppen und Kanten für Hindernisse darstellen können. Gerade bei Behörden ist das bei uns ganz schlimm. Wenn es denn einen Aufzug gibt (ja wenn überhaupt) dann muss man trotzdem erstmal eine halbe Etage hochgehen für diesen. Sehr clever.

  3. Hach, HAUSMEISTER im öffentlichen Dienst und Vertretungsdienst derselbigen, DAVON könnte ich auch Bücher schreiben…
    Und Umbauten bei denen alle Hand-Geist- und sonstigen beteiligten -Werker wie ein aufgeschreckter Hühnerhaufen durcheinanderrennen weil die Planungsbehörde und die beteiligten Ar(s)chitekten ihren Arsch nicht hoch kriegen kotzen mich auch an.
    Sachste was biste die „Meckertante“ bzw. der „Meckeronkel“, merschwürdischerweise haben die Meckerer aber recht (diese stehen halt mit beiden Füßen in der Scheiße vulgo Realität genannt) und immer wieder machen dieselben Gestalten dieselben Planungsfehler…lernfähig ist anders, und eine Amöbe ist, glaube ich zu gößeren geistigen Klimmzügen fähig als mancher hochdotierte Beamte/Leiter.
    Aber da in D-Land Erfahrung nix und Ellenbogen alles bedeutet und das Zugeben von Fehlern als Zeichen von Schwäche ausgelegt wird (und meistens der daraufhin folgende Abgang des/der Verantwortlichen mit einem goldenen Handschlag+hochdotiertem Frühstücksdirektorenposten in der „freien“ Wirtschaft belohnt wird) werden normal geradeausdenkende Menschen entweder a: irgendwann an der Realität irre mit allen üblen Nebenwirkungen oder b: schmeißen hin.
    Hinschmeißen löst genauso wie der Abgang in die Psychatrie in den seltensten Fällen ein Umdenken aus, weil sich dann der Querulant in den Augen der kriecherischen nichtdenkenden Schafherde selbst entsorgt hat…
    Noch `n Kaffee.
    B. A.

  4. Bei dem Hausmeister/Fahrstuhl-Fall müsste ich arg mit meinem inneren Teufelchen kämpfen, nicht selbst ein Schild in der Art

    „Unser Hausmeister hat Urlaub und eine Vertretung haben wir nicht organisiert – deshalb können sie den Fahrstuhl nicht nutzen [etwas gehässiger: – deshalb müssen sie draussen bleiben.]“

    zu schreiben und heimlich an die Lifttüren zu kleben.

  5. Hm, bin ich der einzige der Punkt 3 nicht versteht?
    Ende Osterferien bis Ende Sommerferien sind 4 1/2 Monate, da sollte doch für einiges an Umbau reichen, wo ist da der Widerspruch?

    • Ganz einfach – die sind JETZT im Rohbau. Da steht nix. Aber auch gar nix. Die sind mit den Trockenbauarbeiten noch nicht fertig, die Kabelage liegt nur in Teilbereichen und von Boden verlegen reden wir mal gar nicht.

      Da ist schlichtweg noch komplette Baustelle. DIE werden rechtzeitig zu Ferienende fertig. Aber wie ICH dann meine Netzwerke da reinpfriemeln soll, dass weiß der Himmel…zum kotzen das ganze.

      Geschweige denn dass die Möbel schon stehen oder sonstwas. Da ist dann nur der Bau fertig und die Kollegne können sich auf die Schulter klopfen und sagen „pünktlich fertig“.

    • Der Haken ist, dass es bei den „göttlichen“ Planern noch nicht angekommen ist, dass für die Einrichtung der IT doch etwas mehr Arbeit dahintersteckt als das, was nachher für jeden mehr oder weniger deutlich sichtbar ist.
      Wenns hochkommt, sehen die, dass da ein paar graue und schwarze Kisten hingestellt und da ein paar Kabel reingestöpselt werden.

      „Ach, was die von der IT sich da wieder anstellen. Das geht doch alles ganz fix!“

      Was sie nicht sehen ist das, was wirklich Zeit kostet.
      (Und damit meine ich nicht so Sachen, wie die ganzen Kabel so in den ach so tollen [und genauso teuren wie hässlichen und unzweckmäßigen] Designerschreibtisch reinzupfriemeln, dass sie einerseits lang genug für den Bewegungs- und Umbaudrang des Abteilungsleiters sind, gleichzeitig aber nicht wirr über den Schreibtisch hängen – und dass die meisten Möbeldesigner beim Planen der Kabelführung alles mögliche im Kopf haben, nur nicht die Realität und die Länge handelsüblicher Anschlusskabel, macht die Sache nicht gerade leichter…)

      Die ganzen Arbeiten im Hintergrund, die nachher unter dem Fußboden, in kleinen Räumchen zwischen Kaffeeküche und Etagenklo oder irgendwo im Keller verborgen bleiben, wo sie niemand je zu Gesicht bekommt, DAS ist sind die Sachen, die richtig Zeit (und Nerven) kosten.

      Weil der „göttliche“ Planer das aber nicht sieht (geschweige denn versteht), plant er es auch nicht ein: „Die sollen sich mal nicht so anstellen – die paar Handgriffe…“

  6. also bitte, die Switche kann man ja im Testlabor schonmal einrichten, inklusive Liste, welcher Port wo aufzulegen ist….

    Wie, habt ihr nicht? Wir (Privatwirtschaft) auch nicht… 😀

    Aber dafür durften wir bei einer lange vorher geplanten Datenbankumstellung in den Brückentagen (Do Feiertag, Freitag geplant produktionsfrei, Wochenende) dann doch noch kurzfristig fünf Schichten Fr/Sa berücksichtigen. Klar, die brauchen die Datenbank bzw den Server, auf dem die alte lief so dass der neue nicht gescheit eingerichtet und umbenannt werden konnte für letzte Anpassungen. Und wir durften drumrum planen. Hat ja geklappt bis exakt Sonntag zum Beginn der Sonderschicht Montag. WIE wir das geschafft haben weiss ich aber bis heute nicht. Nur dass wir Montag früh völlig übermüdet uns die ersten Fehlerberichte anhören durften 🙂

warf folgenden Kuchen auf den Teller