Naivität
Oder wie soll man das hier sonst bezeichnen? Ach nehmen wir den richtigen Begriff: Beschissen dahingerotzter Artikel von einer journalistischen Vollpfeife.
Nach Angaben der US-Weltraumbehörde trat während des Manövers ein Leck auf, aus dem giftiges Ammoniak ausströmte. Die Arbeiten mussten unterbrochen werden.
Hier fehlt _vielleicht_ der Hinweis, dass Ammoniak ein korrosives Gas ist, dass die Oberfläche der Raumanzüge zersetzen kann – und dann wirds für die Raumfahrer gefährlich. So mit Vakuum atmet sichs nämlich gar nicht gut.
Oder:
Danach muss ein 355 Kilogramm schweres Ersatzteil über eine Strecke von etwa zehn Metern transportiert werden, um es dann einzubauen.
Na da hofft man doch auf einen schweren Lastkran, damit die das schwere Ding überhaupt bewegt bekommen… 355 kg im Weltraum zu zweit heben. Haben die da zwei Bodybuilder reingesetzt?
Da wäre _vielleicht_ der Hinweis nicht schlecht gewesen, dass zwar die 355 kg nur für „auffe Erde“ gelten, da oben aber das Ding keine 5 g wiegt. NUR: Die Masse ist noch da. Und das Gesetz der Massenträgheit gibts auch in der *tadaaa* Schwerelosigkeit. D.h. wenn sich der mal bewegt, bewegt der sich. Und es braucht ziemlich viel Energie, um diese Bewegung zu stoppen. Und bei 355 kg ist das auch in der Schwerelosigkeit kein Zuckerschlecken.
Von den 8 Stunden im Raumanzug mal ganz abgesehen – gibts da oben eigentlich kein Arbeitsschutzgesetz? Die haben sich ihr Geld da wirklich verdient.
Der Kracher ist ja, dass mir als Dyskalkuliker und Nichtphysiker sofort aufgefallen ist – d.h. dass ist nahe dran an Allgemeinwissen. Was für Volontäre schreiben da eigentlich die Artikel?
Veröffentlicht am 8. August 2010, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 24 Kommentare.
Die Frage ist nicht WER da schreibt, sondern von WO die ungeprüft ABSCHREIBEN…macht zumindest den Eindruck
Ohne jetzt Korinthen kacken zu wollen, aber: Masse wird tatsächlich in Kilogramm gemessen, also „wiegt“ das Teil da oben immer noch 355 kg. Gewicht (oder Gewichtskraft) hingegen misst man in Newton. Der Rest deiner Erklärung bleibt davon natürlich unberührt. 355 kg im All bremsen, ist nicht ohne.
Ob das allerdings der gemeine Leser so weiß…
Mein Physikunterricht ist 20 Jahre her, aber: Gewicht ist Masse mal Beschleunigung, oder? Also mkg/s²
Und die Erdbeschleunigung etwa 9,81 m/s², daher…
Die Massenverhältnisse bleiben die gleichen, der Apparat ist viermal so schwer wie die Menschen, die ihn bewegen; nur ihre Kraft muß sich gegen eine viel geringere Gegenkraft (Erdanziehung) einsetzen, so daß das Ding flutscht wie auf Seife. Tantchen oder Wolfram auf frisch gebohnertem Parkett bremsen ist nicht einfacher, als sie im All einzufangen, wenn sie sich selbständig machen…
Jawoll, und demnächst bitte austempeln nach dem „Weltraumspaziergang“ (auch so ein Sch…-Euphemismus, Spaziergang für eine der gefahrenvollsten Tätigkeiten die vorstellbar sind, außer eventuell Bombenentschärfen).
Obwohl…wer entwickelt demnächst mit wessen Geld eine Stechuhr für die Mädels und Jungs da oben?
Darauf ein Tässeken Kaffee
Druffgugger
Es handelt sich bei jenem Artikel m.E. um eine pseudowissenschaftlicher Abhandlung! Wozu auch Zusammenhänge erklären? Wozu korrekt Maßeinhaiten und Angaben benutzen?
Und auch ich halt „Weltraumspaziergang“ für einen sehr schlimmen Euphemismus!
och… mit dem bisschen Vakuum da oben…das ist doch ein Spaziergang. Bis mal eines Tages wirklich einer unvorsichtig ist und abdriftet.
Ach, wollte die Menschheit nicht schon immer fliegen?
…und er fliegt weiter – völlig losgehelöst, von der Erde, fliegt das Rahahaumschiff, völlig schwerelohohohos …
Außerdem – endlich mal ein Spaziergang, bei dem man sein eigenes Gewicht nicht spürt. Und die hochenergetische kosmische Strahlung, die weder durch den Anzug noch durch das Schiff so richtig abgeschirmt wird, ist ja auch gar nicht schädlich, neee…
Außerdem – wozu denn Klimaanlage und Kühlung, ich dachte da oben ist es kurz über Null Kelvin?
Das 355kg schwere Teil wird nicht alleine von den Astronauten bewegt, sondern von dem Weltraumkran der an der ISS angebracht ist und fast ueberall hinkann.
Der Kran ist auch auf dem Bild von der Tagesschau zu sehen.
MfG Freddy
Das ändert nix dran, dass der da oben eben NICHT 355 kg schwer ist. Das isser nur hier unten. Sondern eben schwerelos ist. Die KÖNNTEN das alleine bewegen, aber: Die Masseträgheit machts. Wie oben schon beschrieben: Wenn das Ding sich mal bewegt und die Astronauten passen nicht höllisch auf, dann reißt die Lebensleine und die fliegen zum Mond. Oder Alpha Centauri – oder wohin auch immer: Nur weg vom Raumschiff. Und das ist dann katastrophal für denjenigen. Der kommt nicht mehr zurück.
Darum wird das mitm Kran transportiert, weil der starre Arm eher in der Lage ist, mit den Kräften fertig zu werden als die Astronauten. Nur – so wie das geschrieben wurde, liest sich das so, als würden die da mit Schwerlasten hantieren und dem ist nicht so 😉
P.S.: Ich habe keine Horrorfamilie *g*
Doch, 355 kg an jeder Stelle im Universum. Nur halt nicht Gewicht, sondern Masse.
Das Gewicht sind auf der Erde pi mal Daumen 10 N je kg (genauer 9,81, aber an jedem Kran steht mittlerweile nicht mehr „Tragkraft 5to“ sondern „Tragkraft 50 kN“, wie es halbwegs korrekt ist), und im Weltall rund… 5cN oder sowas.
Trägheit aber hängt nicht am Gewicht, sondern an der Masse, wie auch manch andere Phänomene…
Ja,
die ARtikel dort werden immer schlimmer, find ich. Irgendwie lassen die nach. Sind wohl auch von Einsparmaßnahmen betroffen, in der Redaktion.
Naja, der ganze Bericht wirkt wirklich nur wie abgeschriebener Informationswirrwarr. Mit keinem Wort wird erwähnt wie anstrengend 8 Stunden in so einem Anzug bei absoluter Schwerelosigkeit sind.
Achja und zum Thema „355 Kilogramm schweres Ersatzteil“. Tante hat schon richtig erkannt, dass das so nicht stimmt. Denn das Ersatzteil hat zwar weiterhin die Masse von 355kg aber es ist eben nicht „schwer“. Leditglich außerordentlich Träge, dh. einmal in Bewegung (gehen wir mal von einer unbeschleunigten Bewegung aus) müssten die Astronauten 3550 Newton Gegenkraft aufbribgen um das teil zu halten. Da braucht man schon einen Kran zu.
Anmerkung: Die ganze Verwirrung über Masse und Gewicht tritt übrigens nur auf, da es sich im „Volksmund“ eingebürgert hat, dass man sagt etwas ist xkg schwer. „Es wiegt xkg“ wäre hingegen wieder richtig. Denn die Schwere, also das Gewicht (bzw. die Gewichtskraft) misst man, wie einige vor mir schon sagten, in Newton und zwar mit einem Gewichtskraftmesser. Die Masse wird mit einer Waage gemessen. Aber da es sich halt eingebürgert hat sagt heut zu tage jeder dass er xkg schwer ist. Im übrigen ist auch die Bezeichnung Waage, zumindest bei fast allen Geräten die wir als Waage bezeichnen mit denen wir uns wiegen, falsch. Das sind Gewichtskraftmesser die die Kraft in Masse (in kg) umrechnen.
den 3550N „Gegenkraft… um das Teil zu halten“ möchte ich mal gepflegt widersprechen. Zum Abbremsen brauchts genausoviel Kraft wie zum InBewegungSetzen (Sorry für die üble Ordokrafie), weil sich der Betrag der Kraft nicht ändert, ob sie nun beschleunigt oder negativ-beschleunigt – also abbremst. Das Problem ist, daß die Eigengewichte der Astronauten ebenso verringert sind; wenn sie also nicht irgendwo gut festgebunden sind oder sich abstützen können, fehlt der Fixpunkt, an dem die Kraft „angesetzt werden kann“, volkstümlich gesprochen.
Die einzigen Waagen, die wirklich Masse und nicht Gewicht messen, sind Balkenwaagen mit gegen“gewichts“ausgleich: links fünf Kilo, rechts fünf Kilo – Gleich“gewicht“.
Wer das obige Zitat, so wie es ist, bei Google eingibt, wird feststellen, dass dieser Mumpitz 390 mal abgeschrieben worden ist. Alles was in der Journaille Rang und Namen hat, ist vertreten.
Mal ein Beispiel: Wenn du davon ausgehst, dass, sagen wir mal die Geschwindigkeit des teils etwas 1m/s beträgt und du es innerhalb einer Sekunde zum stehen bringen willst, hast du eine negativ Beschleunigung von 1m/s² und dann benötigst du genau die 3500N.
„Zum Abbremsen brauchts genausoviel Kraft wie zum InBewegungSetzen“
Nicht unbedingt.
Denn die Arbeit bleibt zwar immer gleich aber die Kraft wird geringer, wenn du mehr Weg zurück legst.
Stell dir einfach mal vor, du schiebst ein Auto an, ist zwar schwer aber machbar. So nun versuch das Auto mal abzubremsen, in dem du dich davorstellst. Nur wenn du genau den gleichen Weg zum abbremsen hast, wie zum anschieben, bleibt die Kraft gleich. Das dürfte nur schwierig sein. Und je kürzer der Weg desto größer muss die Kraft sein.
Das wollt ich eig Als Antwort zu Wolframs Antwort schreiben 😉
Stimmt, da hab ich Arbeit und Kraft verwechselt. Aber: was sich mit nem Fingerschnips in Bewegung setzen läßt, kan man auch mit nem Fingerschnips wieder anhalten. Wenn man nicht selbst davon durch die Gegend geschoben wird.
Das mit dem Auto hab ich zwar so noch nicht gemacht, aber mit dem Wohnwagen isses ja ähnlich…
Aber die 3550N stimmen trotzdem nicht – und grade nicht mit deiner Rechnung: F=m*a, da sind wir hoffentlich einig. Und 1N=1kg*m/s², oder auch mkg/s² – um das Teil von 355kg also in 1s von 1m/s auf Stillstand zu kriegen, mußt du 355kg*1m/s² einsetzen. 355N, die Gewichtskraft eines Zehnjährigen, auf der Erde (wo genau, will ich jetzt gar nicht wissen; es gibt Stellen, wo wir mehr oder weniger Gewicht haben.). Kräftemäßig also durchaus zu schultern da oben (und auch auf der Erde, wenn das Ding auf Schienen geschoben werden sollte…), bloß halt das Problem „wo abstützen“. Der Fixpunkt. Und das ist der Kran.
Stimmt natürlich, bin die ganze Zeit von der Erde ausgegangen mit g=9,81 m/s² bzw. rund 10.
„355N, die Gewichtskraft eines Zehnjährigen, auf der Erde“
Richtig. Und genau das ist das Problem, im All haben diese Astronauten eben keine Gewichtskraft und könnten dem also nur wenig entgegensetzen.
Sie könnten allerdings, wenn das Dings auf sie zu“fliegt“, sich mit dem Rücken, Fuß oder was auch immer an der Station abstützen und die Bewegung des Teils stoppen. Weil ihre Knochenstruktur ja auf Erdschwerkraft ausgelegt ist. 😀
Ich hätt dann gern ein paar geröstete Bananenscheiben, Popcorn ist so ungesund!
Noch ein paar Korinthen:
Wie allgemein festgestellt worden ist, hat das Zeug gar kein Gewicht, sondern nur eine Masse von 355kg. Wieviel Kraft nun benötigt wird, um das Teil zu bewegen, hängt aber davon ab, wieviel Zeit man hat und auf welcher Wegstrecke das ganze gehen soll und welche Geschwindigkeit dabei erreicht werden soll (was natürlich direkt von Weg und Zeit abhängt). Man kann auch mi minimalem Kraftaufwand das Ding bewegen. Nur dauert es halt ewig lang, bis es dort ist, wo man es dann hinhaben will.
Das ist gensauso, wie mit den Eisenbahnwaggons/LkW, die manche Idioten durch die Gegend ziehen. Wenn alles gut geschmiert ist, kann sogar ein Kleinkind das Ding in Bewegung versetzen. schafft aber vermutlich eine vorgegebene Strecke nicht innerhalb der vorgegeben Zeit, um irgendeinen Deppenrekord zu brechen.
Na ja, bei den Fahrzeugen auf der Erde is da noch die… wie hieß das noch? Es gibt eine Rollreibung, eine Gleitreibung und dann noch die Haftreibung, die höher ist als die Gleitreibung. Volkstümlich gesagt, der „Losbrechwiderstand“, damit das Ding sich überhaupt erst mal bewegt. Den auf 0 zu kriegen ist bei bester Schmierung nicht möglich – nicht mal mit Magnetlagerung. Und dashalb krieg ich den LKW auch nicht angezogen – nicht nur mit den Zähnen nicht… 😉
*Popcorn hol*
Klasse, Physik für Ausgewachsene.
Druffgugger
Hallo Wolfram.
Naja, frag Tante Jay mal nach ihrem „Losbrechwiderstand“ betreffend Schnitzel mit Pommes vom Pizzablitz.
DER Widerstand war wohl geringer als Null…
Boah, bin ich fies.
Druffgugger
Du meinst, mit den Produkten der Gammelpizzeria könnte man ein Perpetuum Mobile entwickeln?
*kulleraugenmach*