Kopfweh


Bei mir wirds dann immer kritisch mit der Laune, wenn ich auf die geballte Ladung Beamtentum treffe. Die da lautet: „Stell dich doof, dann gehts dir gut“.

Ein Drama in 3 Akten.

1. Akt:

Kollege Kuvore (ist kurz vor Rente) soll PC-Tische und -stühle für eine Schule kaufen. Tische Einheitsgröße, aber die Stühle höhenverstellbar. Normalerweise kauft man ja in der Grundschule für jeden Jahrgang einen eigenen Klassensatz – Erstklässler sind nun mal 2 – 3 Nummern kleiner als Viertklässler.

Nur bei meinen PC-Tischen halte ich das andersrum. Sonst rupfen die mir nämlich jedes Jahr die Klamotten auseinander und beim Zusammenstecken sind die – nun ja, schon mal kreativ. Dass der USB-Drucker in der Netzwerkdose landet ist kein Ausnahmefall.

Also: Tische Einheitsgrößen und die Stühle höhenverstellbar. So hab ich 2004 die erste Ladung Tische angeschafft. Nur – nu brauchen wir noch ein paar Extra. Da die Schule frisch umgebaut wurde, Auftritt Kollege, der dafür zuständig ist. Für die Erstmöblierung.

„PC-Tische? Hab ich noch nie beschafft, hast ne Artikelnummer?“ frug er die Kollegin. Hatte sie nicht. Mhm. „Das hat doch Kollegin Tantchen bestellt. Hat die Artikelnummern?“

Kollegin A trabte zu mir, ich hatte auch nicht. Leistungsbeschreibung damals lautete mehr oder weniger: PC-Tisch, Kabelkanal über die gesamte Breite, Kabelauslässe seitlich bitte und oben. Achja, und ein paar Stühle wären nett. Höhenverstellbar.

Und die Dinger hab ich dann ausgeschrieben.

Kollegin A richtete ordnungsgemäß aus: „Nöj. Nix Artikelnummern.“

Ende Akt 1.

*pausenvorhang*

Akt 2:

Auftritt tragische Heldings. Tantchen.

Kollege Kuvore ruft bei mir an. Ob ich denn nicht Artikelnummern…? Nein, hab ich nicht. In einem seeeeeeehr langen Gespräch hab ich ihm das auseinanderklamüsert, watt ich gerne hätt. Halt PC-Tische. Und dass er keinen Aufwand machen soll. Einfach nur 4 Beine, Tischpladde und Kabelkanal. Könnt doch nich so schwer sein, Herrgottnochmal.

Nach geschlagenen 40 min Telefonat die bahnbrechende Erkenntnis:

„Also hast du gar keine Artikelnummern??“

NEIN. Sind ausverkauft. Kriegen wir nich mehr rein.

Ende Akt 2.

*pausenvorhang*

Akt 3:

Auftritt guter Geist in Form meiner Kollegin.

Hintergrund: Kollege Kuvore weiß genau, wann bei uns wer in Urlaub geht. Diese Woche nicht da: Kollegin A und mein Chef. Dafür neu da und es bestehen gute Chancen, dass sie die Vorgeschichte nicht kennt: Kollegin G, der gute Geist.

Anruf heute morgen bei Kollegin G: „Du sag mir doch mal eben die Artikelnummer für die PC-Tische. Ich muss die bestellen und weiß nicht welche.“

Kollegin, immer hilfsbereit, sucht sich den ganzen vormittag durch Kataloge, durch irgendwelche Klamotten, sucht verzweifelt das Archiv durch (die Tischbestellung war von 2004) und legt sich krumm, um die Sachen rauszusuchen. Mit dem Ergebnis: KEINE Artikelnummern. Die Firma, von der wir bestellt haben, HAT keine Artikelnummern.

Ich komm vom Arzttermin wieder und Kollegin fragt mich, ob ich noch die alten Unterlagen habe. Das was sie hatte, hatte ich auch. Mehr halt nicht. Eine Auftragsbestätigung noch – auch ohne Artikelnummern.

Aber Kollegin hat sich jetzt die Mühe gemacht, Tische rausgesucht, die passen könnten und Stühlchen, die auch passen. Es ist ja für die Kinder.

Und ich sitz hier mit Sodbrennen.

Was mir richtig sauer aufstößt:

Wir sind alle nicht auf Rosen gebettet, was die Arbeit angeht. Jeder einzelne von uns hat richtig zu tun. Das bringt es nun mal mit sich, wenn das Personal runtergedampft wird und die Aufgaben hoch.

Aber wenn jemand, dessen Aufgabe es ist, Mobiliar zu beschaffen, so dreist seine Arbeit auf andere delegiert. Und wenn dieser jemand, als er damit vor ne Wand rennt, wartet bis die Kollegen im Urlaub sind und dann eine völlig ahnungslose (weil sie die Vorgeschichte nicht kennt) Kollegin für SEINE Arbeit ranzieht, werd ich richtig sauer.

Zumal der für Rückfragen eh nie erreichbar ist. Man kann das Telefon so lange durchklingeln lassen wie man will, er geht nicht ran.

Unglaublich. Echt mal. Und eine bodenlose Dreistigkeit. Und ja, ich hoffe grad er liest mit. *koch*

Achso der Titel. Warum ich Kopfweh hab?

Ganz einfach. Kriegt man schon mal, wenn man abwechselnd mit „in die Tischkante beissen“ und „mit dem Kopf vor die Wand rennen“ beschäftigt ist….

Veröffentlicht am 9. August 2010, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 13 Kommentare.

  1. Bow wow!
    Erst Magen-Aua und denn in‘ Tisch beißen und den Kopf an die Wand klatschen?
    Respekt!

    Solche Typen wie den o.g. habe ich auch schon „genießen“ dürfen – da hilft nur, ihn mal vor die Wand laufen lassen:
    – fehlerhafte Bestellnummer/Artikelnummer
    – fehlerhafte Anforderungsformulare
    – ungenaue/s Pflichtenheft/Produktbeschreibung
    – falsche Firma
    – Anrufbeantworter mit fiesem Spruch (Hallo! … Hallo?! … Es tut mir leid, ich kann sie NICHT VERSTEHEN! RUFEN SIE BITTE SPÄTER NOCHMAL AN! *tututu*)
    – Mail-Bombe (tausend Prospekte in der Deinstpost oder so)
    – Aushang am schwarzen Brett/E-Mails an Mitarbeiter, diesem „Kollegen“ nicht zur Hand zu gehen

  2. Schrecklich dass man solchen Leuten meist nicht kündigen kann. Gut Beamten sowieso nicht, aber auch im Normalfall genießt man in dem Alter ja besonderen Kündigungsschutz, wenn man halt schon lang dabei ist. Und wenn dann doch jemand gekündigt werden muss, triffts den jüngsten bzw. neusten, der sich meist noch am meisten den Arsch aufreißt.

  3. Hm, ich hätte ihm auch _irgendeine_ Artikelnummer gegeben. Und den Namen der Firma. Hätte er schon gemerkt. Aber der ist ja echt merkbefreit.

    • Eientlich nicht – das ist *eigentlich* ein supernetter Kollege. Aber in letzter Zeit häufen sich solche Vorkommnisse einfach.

      So sehr ich verstehe, dass er keinen Bock mehr hat, so mies finde ich das, dass er das auf dem Rücken der Kollegen auslebt 😦

  4. Also komm. USB-Stecker in Netzwerkdose passiert mir am Laptop auch gerne mal, wenn ich nicht hingucke… die passen da super rein! Aber Knaller wie Tische mit Kaugummi zusammenkleben kennst du sicher auch 🙂 (Kaugummi klebt Bombe, wenn es erstmal n paar Wochen getrocknet ist!)

  5. Die Situation kenn ich auch.
    Als Kollegin A würde ich mich auch vera***t vorkommen. Kuvore unterstellt ihr quasi keine gute Arbeit gemacht zu haben und dass Kollegin G im Gegensatz zu ihr mit Sicherheit die Artikelnummern herausbekommt.

    • Neee. Der hatte den (nicht ganz unberechtigten *hust*) Verdacht, dass wir ihn vor ne Wand laufen lassen. Und wollte mal gucken, ob das stimmt.

      Vor allem, der Treppenwitz ist ja, dass ihm eine Artikelnummer genau nix nützt. Der muss das ausschreiben. Und Ausschreibungsfristen sind 6 Wochen Minimum, dann nochmal 6 Wochen bis Lieferung. Wir haben noch 2 Wochen Sommerferien, am 1. Schultag muss das da sein.

      Das ist mir gestern beim drübernachdenken aufgefallen – der wollte vor allem auf die Tour die Schuld wegfegen. „Hätte die Kollegin die Angaben gemacht, hätte ich den Auftrag zeitgerecht rausgeben können. Aber so hatse mich hängen lassen und die armen armen Kinder stehen jetzt ohne Tische da“.
      1. Anfrage war imho bei Beginn der Sommerferien. Sehr geil das.

      Der hätte vor 3 Monaten, also spätestens Anfang Mai ausschreiben MÜSSEN. Nix passiert und jetzt soll der in 2 Wochen die Tische ranschaffen. Klappt niemals.
      *seufz* was aber auch heißt, dass ich die Medienecken nicht pünktlich einrichten kann.

      • Na, das mit der Auschreibung und den Fristen anderen in die Schuhe schieben wollen…hoffe ihr habt Kuvores Vorgehen zeitlich dokumentiert…ach nee, Scheffe ist ja weg in Urlaub…Scheffes Erholung wird auch dahin sein wenn sowas nch dem Urlaub lauert.
        Womit mal wieder alle alten Vorurteile gegen Beamte aufs Deutlichste bestätigt werden.
        Tantchen, darauf ein Kaffee (Tantchen in den Arm nehm)
        Druffgugger

  6. och.. Rückrufe kann man provozieren, wenn die person nicht rangeht… einfach das Internet sperren, ggf. bis zu Rechner runtefahren alle 2 Minuten. Irgendwann kommt dann schon der Anruf und DANN hat man ihn an der strippe 😀

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