White-IT


Hachja, das muss echt schwer sein zu begreifen. Man will doch nur Kinder vor bösen Pädophilen schützen und dafür muss doch jedes – JEDES – Mittel recht sein. Wenn nur ein Kind gerettet wird, dürfen die Grundrechte kein Hindernis sein.

So im Chor wiederholen es wieder und wieder und wieder bis zum erbrechen Ursula von der Leyen, Uwe Schünemann, Christina Köhler-oder-wie-auch-immer-Madame-Twitter-nu-heisst und die ganzen üblichen Verdächtigen bis hin zu Innocent in Danger, dieser Adeligenkinderschützerclique.

Allein, man kann denen wohl auch mit dem Holzhammer nicht mehr begreiflich machen, dass man so keine Kinder schützt.

Zunächst NOCH einmal die Binsenweisheit: Kinder werden nicht im Internet missbraucht. So einfach ist Bergbau. Kinder werden in der Realität missbraucht – und JEDER Ansatz, der auf das Internet abzielt, ist ein verfehlter.

Kinder müssen in der Realität geschützt werden. Sie müssen in der Realität genügend zu essen bekommen. Sie müssen in der Realität eine reelle Bildungschance bekommen. Und sie müssen in der Realität Anlaufpunkte haben, wo sie Missbrauch melden können, wo sie sicher sein können, dass ihnen geglaubt wird.

Nicht im Internet. In der Realität.

Netzsperren, Priorisierungen, Kriminalisierung von Jugendlichen, die gerade ihre erste Sexualerfahrung machen: All das ist NICHT geeignet, die Kinder zu schützen. Sie schützen aber sehr wohl alle anderen davor, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, sich eine halbwegs fundierte Meinung zu bilden. Denn: Wer nicht für die Kinderschutzmafia von White-IT und Co ist, der ist gegen Kinderschutz.

Alles das, was dort gefordert wird, ist horrend weltfremd, es ist verschleiernd und symbolhaft. Aber geschützt wird kein einziges Kind. Aber: Es bringt die entsprechenden Politiker in die Schlagzeilen und suggeriert Aktion. Und diese Leute missbrauchen die missbrauchten skrupellos auf diese Art für ihre eigenen Zwecke erneut.

Fragt euch doch bitte selbst: Wenn ein Video gelöscht wird – ist das Kind dadurch weniger missbraucht? Wenn ein Stopschild aufgestellt wird – ist das Kind, was hinter der Wand leidet, weniger geschädigt? Versteht mich nicht falsch: Der Mist muss aus dem Netz raus. Aber was gerade passiert, ist der Einstieg in umfassende Zensur. Wie sowas aussehen kann, sieht man in China. Hans-Peter Uhl hat einmal gesagt:

Was die Chinesen können, sollten wir auch können. Da bin ich gern obrigkeitsstaatlich“.

Dahin geht der Zug. Seine Relativierung später in Abgeordnetenwatch hilft da nicht weiter. Hans-Peter Uhl ist der böse Buhmann der vorgeschickt wird, damit andere dann sagen können: „Wir haben abgeschwächt, was ging, aber wir mussten Kompromisse eingehen“.

Um Kinder gehts doch den Protagonisten keine Sekunde. Sondern nur um Macht.

Veröffentlicht am 10. August 2010, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 15 Kommentare.

  1. Es ist echt beschämend wie versucht wird mit Hilfe von Kinderpornografie Politik zu machen. Es gibt so gut wie kein anderes Thema (außer vllt. Terrorismus) welches ähnlich die Gemüter aufheizt und spaltet.
    Denn viele sehen in unseren Kindern die unschuldigsten und schutzbedürftigsten in unserer Gesellschaft. Und das ist ja auch richtig so. Aber genau das ist der Grund wieso es so einfach ist Gesetze, welche vermeintlich zum Schutze der kinder ist, so einfach durchzubringen.

    Dieser Ansatz, welchen einige Politiker gerne verfolgen (wie schon gesagt entweder gehts um Kinderpornografie oder mal wieder um Terrorismus), ist einfach nur widerwärtig.

    Ich finde es zwar gut, dass es Leute gibt welche Programme, Skripte oder Ähnliches entwickeln um z.B. Internetseiten oder Inhalte zu Filtern um Kinder vor pornografischen-, gewalttätigen- oder sonstigen schlechten Einflüssen zu schützen. Aber dieser Schutz muss auf Anwender-Seite stattfinden. Den Eltern muss gezeigt werden, wie sie ihre Kinder schützen. Und ab einem gewissen Alter sollten „Kinder“ auch selbst einschätzen können in wie Weit Inhalte für sie Interessant sind.

    Eine Zensurpolitik kann nur in den Abgrund führen. Man sieht es ja an China. Eig. ein sehr weit entwickeltes und fortschrittliches Land, aber das Volk hat im Prinzip keine eigene Meinung mehr. Die Meinung bestimmen größtenteils die Medien, welche von der Regierung kontrolliert wird.

    Ich finde zwar es sollten z.B. kinderpornografische Seiten aus dem web verschwinden, aber nicht durch Zensur sondern durch Löschung. es ist heutzutage nicht schwer den Server bzw. provider ausfindig zu machen. Sollte dieser in der EU sein, ist es sogar sehr einfach den Provider aufmerksam zu machen und die Seite entfernen zu lassen. Findige IT’ler haben sogar bewiesen, dass es in Ländern wie Indien garnicht so schwer ist solche Seiten vom Netz zu nehmen, nachdem Zensursula behauptet hatte, dass es in Indien erlaubt sei Kinderpornografie zu zeigen.

    Meiner Meinung nach gehört das Internet heutzutage mit zur Aufklärung dazu, Kinder müssen aufgeklärt werden was das Internet ist und wozu man es nutzen sollte. der Staat sollte Eltern sagen/zeigen, dass es Verwantwortungsvoll ist, den Kindern den Umgang mit dem Internet zu zeigen. Aber der Staat sollte nicht vorschrieben was ich sehen darf und was nicht. Als volljähriger erwachsener Mensch sehe ich das als Eingriff in meine Entfaltungsfreiheit (Art. 2 GG Absatz 1: „Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit“).

    • Das mit Indien ist ne andere Hausnummer. Zensursula hat nämlich behauptet, dass Indien Kinderpornografie die Dokumentation sexuellen Missbrauchs* nicht verboten hätte. Was ja auch soweit richtig ist. Die brauchen das nämlich nicht explizit verbieten, weil dort JEDE Form von Pornografie verboten ist.

      Und Ziercke, seines Zeichens Leiter des BKA, ist ja noch weiter gegangen und hat den Iran (!!!) als Hüter der fiesen Filmchen hingestellt hat. Den Iran. Ich mein, wenn man an solche Filme denkt – welches Land kommt einem da als ERSTES in den Sinn? Doch ganz sicher der Iran, der ja so freizügig ist? *g*

      *Notiz an mich selbst: Es ist KEINE Kinderpornografie, sondern die Dokumentation sexuellen Missbrauchs. Merks dir endlich, Tantchen.

  2. Danke für den post! Schön, dass das endlich mal jemand so deutlich sagt. In den Medien klingt es oft so, als wären die Kinder schon allein dadurch geschützt, dass die entsprechenden Inhalte aus dem Internet verschwinden. Motto: Aus den Augen, aus dem Sinn.

    Wer Kinder schützen will darf und muss sich gerade im richtigen Leben mit den Problemen auseinandersetzen. Negativbeispiel aus der letzten Zeit, das mir dazu in den Sinn kommt: Die sexuellen Übergriffe von Jugendlichen auf andere, jüngere Jugendliche im Ferienlager. Die Betreuer haben angeblich „nichts gemerkt“ oder “ das wohl nicht ernst genug genommen“. Wenn ich merke, dass etwas nicht in Ordnung ist, die Kinder sogar Hinweise darauf geben, dann wäre es vielleicht doch mal angezeigt, sich damit zu beschäftigen? Sind wir eine Scheißegal-Gesellschaft?

    • Das waren Leiter, die völlig überfordert mit der Situation waren. Da ist Gruppendynamik explodiert und die Leiter konnten nicht gegenhalten. Und haben, menschlich verständlich aber trotzdem grundverkehrt, gehandelt: Weggeguckt. „Was mach ich denn da, wie bestraf ich die denn? Muss ich die Polizei holen?“ Und ja, auch ein: „Was wirft das für ein Licht auf mich als Leiter?“

      Aber das ist ein gutes Beispiel um zu zeigen, wie es sein kann, dass Kinder missbraucht werden. Und wie die übliche Reaktion bei sowas ist. Das hat mit Scheißegal wenig zu tun, sondern ist akute Überforderung. „Das kann nicht sein, das will ich nicht wissen“. Und schon wird weggeguckt. Und das Stopschild von Zensursula ist das manifestierte, gesetzlich vorgeschriebene Weggucken.

      Wenn man DAS ändern könnte, wäre für den Schutz der Kinder so viel mehr getan als mit irgendwelchen lächerlichen Stopschildern.

      • Dieses Weggucken oder Nicht-Wahr-Haben-Wollen ist auch eine Art von Scheiß-Egal-Mentalität!
        Bloß keinen Stress machen oder haben – und auf gar keinen Fall die Bullenäh – Polizei! Da werden ja die Kinnings wach von.

  3. Warum diese Typen nicht begreifen, dass Stopschilder gar nichts bringen, nicht mal jemanden davon abhalten, sich sowas anzuschauen, ist mir nicht begreiflich. Dass dieser Shice nicht in normalen Internetkanälen, sondern schon in speziellen kleinen Usergroups „vertrieben“ wird, hat denen wohl auch noch keiner gesagt.
    Nö – es ist wie mit dem Terrorismus: im Zuge einer sogenannten „Gefahrenabwehr“ werden diverse Grundrechte eingeschränkt!
    Und wehe dem der dagegen was sagt, der Bedenken äußert oder einfach mal technische Probleme anspricht – der wird dann gleich abgestempelt zum Terroristen oder Kinderschänder oder zum Dulder dieser Taten.
    Hallo? Geht’s noch?

    Ich frage mich gerade, was solche Typen wohl nehmen müssen, um auf so einen Trip zu kommen.

    • Das Schlimme ist ja, dass diese „Netzwerke“ von Kinderpornografie sich garnicht über das Internet austauschen. Sondern per Post. Maximal Kommunikation findet teilweise über Internet statt und wenn dann höchstens in gesonderten Bereichen wo man nicht so leicht reinkommt.

      So ein Stoppschild bringt de facto nichts, das ist doch bloß der erste Schritt in Sachen totaler Überwachung. Denn schnell würde man merken wie nutzlos die Stoppschilder sind und was bleibt dann? Man müsste die Post ausspionieren.

      Naja mal schauen wie lang das noch dauert.

    • Das Problem ist doch klar – ohne Vorurteile schüren zu wollen – schau Dir doch mal das Durchschnittsalter der Politiker an, dann schau mal in Deiner Umgebung wieviele Leute in diesem Alter sich mit dem Internet auskennen.

      Irgendwo sitzt einer der sich profilieren will, und der macht so einen Vorschlag. Die Politiker verstehen nur dass was sie verstehen können / wollen und finden diesen Vorschlag dann toll.

      Als diese ganze Diskussion um das Stoppschild aufkam, konnte man auch überall im Netz Aufstellungen finden wo sich in den letzten Jahren die KP-Seiten befunden haben. Dass waren zum allergrößten Teil deutsche, europäische und amerikanische Seiten. Also Länder wo es keine Stunde dauern sollte diese Seiten abzuschalten.

      Klappen tut nur deshalb nicht, weil das BKA zum Beispiel nicht direkt offiziell das FBI über solche Seiten informieren darf, dass muss über andere offizielle Kanäle laufen.

      Man könnte bei den Stoppseiten sogar von einer aktiven Unterstützung und Schutz der betreffenden Seiten sprechen.

      1.) Das Stoppschild hält keinen mit ein bisschen Ahnung von den Seiten fern.
      2.) Die eigentlichen Täter greifen im bestimmten Rhytmus auf die eigene Seite zu, wenn sie auf dem Stoppschild landen, wissen sie dass sie umziehen müssen. Bis dann was passiert und der Server abgeschaltet wird, ist dann eh schon alles zu spät.
      3.) Ersparen sie den Tätern finanzielle Verluste, da es einfacher ist einen existierenden Server auf einen anderen zu spiegeln. Meist geht es auch schneller als wenn man alles wieder hochlädt.

  4. Hallo Tante,
    Weil Du grad Deinen Kotzkübel vorgeholt hast und weil es auch irgendwie mit dem Internet zu tun hat, das heutige Interview im DLF mit dem Vorsitzenden der GdP zum Thema Internetpranger für Schwerverbrecher:

    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1244569/

    Auch hier wird in einer miesen Weise mit dem Schutz der Kinder argumentiert. Wenn ich diese platte Argumentation höre und daran denke, dass dieser Herr Wendt einen großen Teil der Polizei repräsentiert, wird mir schlecht.

    Und noch schlechter wird mir, wenn ich daran denke wieviele Leute, auch Bekannte von mir, einem solchen Internetpranger mit Applaus zustimmen würden.

  5. Ist doch der gleiche rotz wie bei der armseligen kampfhund debatte damals. kaum kommt ein medienwirksames thema auf, stuermen die politiker hin und suchen nach einem quickfix der unglaublich toll aussieht aber wenig bringt.
    staffordshire terrier zu verbieten ist sau daemlich. hier in UK hat fast jeder haushalt mit hund einen indem staffie zzumindest mit eingemischt ist. die ueberwaeltigend grosse mehrheit ,kommt mit ihren tieren klar, der rest landet schnell auf dem register fuer ungeeignete tierhalter. die kommen dann auf legalem weg zumindest nicht mehr an tiere ran (egal welcher rasse oder spezies). hier dagegen sind die tierheime voll mit tieren die keiner haben will bei den auflagen. problem geloest? fehlanzeige… Und am ende klopft man sich wieder gegenseitig auf die schulter dass man die welt gerettet hat. um die kinder geht es nie, nie, nie, sondern immer nur darum wie man sich selbst am besten darstellt.

    • Die Erstellung dieser Listen von angeblich gefährlichen Hunden war in der Tat sehr wichtig – wer nämlich etwas davon versteht wird in den letzten Monaten feststellen dass es gerade die Hunde in der Überzahl sind, die Beissattacken ausgeführt haben die nicht auf der Liste stehen.

      Warum war dann die Liste so wichtig?

      Weil sie zeigt dass politische Lösungen sehr oft an der Realität vorbei gehen und durch Lobbyisten geprägt ist. Des Deutschen Schäferhund darf nicht auf eine solche Liste, egal wieviele Beissattacken dort zu Buche stehen.

      • Richtig. Das Problem sind in dem Fall auch niemals die Hunde. Sondern die Halter. Wenn ein Hund beißt, dann sollte man sich den Hundehalter genauer angucken. Eine Rasse auf eine Liste zu setzen, löst das Problem nicht. Zuchtverbote für „Kampfhunde“ ebenfalls nicht. Denn selbst eine Teppichratte kann man zum Kampfhund ausbilden, der auf alles geht, was sich bewegt.

        Aber HIER wird nicht angesetzt 😦

  6. Frankreich hat noch einen anderen Markt für Sperren festgestellt: Internetcasinos… nur, die Provider wehren sich gegen ein Gerichtsurteil (!), das sie zwingen soll, bestimmte nicht mit dem französischen Separatgesetz konforme Seiten zu sperren: „dann würden wir sehr viele andre Seiten auch sperren müssen, die gar nix mit der inkriminierten Seite zu tun haben, außer daß sie auf demselben Server liegen“… ob das technisch stimmt, sei dahingestellt. Sinnigerweise findet das Verfahren gegen den Betreiber und den Hoster erst im Spätherbst statt.

    Und was Charlotte zu den Stafs schreibt, stimmt vollkommen… das ist Sarkozy pur: Betroffenheitspolitik, die eine „strenge Strafe“ für einen eng umschriebenen Tatbestand einführt – und jeder Strafanwalt klatscht in die Hände, weil die Höchststrafe für diesen Tatbestand auf einmal geringer ist als früher mit dem allgemeinen Recht…

  7. Stellt sich die Frage, wie eine sinnvolle Prävention in der Realität aussehen könnte? Ich sehe da zwei sinnvolle Ansätze, die beide wichtig sind:

    1.) Stärken des Rechts auf sexuelle Selbstbestimmung von Kindern und Jugendlichen

    Kinder müssen wissen, dass sie nein sagen dürfen, wenn sie etwas nicht wollen und auf mögliche Gefahren der Sexualität aufmerksam gemacht werden, das aber möglichst so, dass nicht ein generell negatives Bild der Sexualität ensteht, Sex also grundsätzlich als etwas Schlechtes aufgefasst wird. Zu dem Zeitpunkt, an dem ein junger Mensch in die Pubertät eintritt, sollten bereits genügend Kompetenzen vermittelt worden sein, damit ungewollte sexuelle Kontakte abgelehnt und Manipulationsversuche erkannt und durchschaut werden können, gleichzeitig der Jugendliche aber auch lernt, eigene Gefühle und Wünsche zu erkennen, zu formulieren und auszuleben.

    Erreicht werden kann das meiner Ansicht nach nur durch eine umfassende Sexualerziehung von frühester Kindheit an, die von Anfang an den Menschen und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellt anstatt ihn zu bevormunden. Dazu gehört es auch, die leider immer noch zu häufig vorkommenden Autoritätsstrukturen in der Erziehung zu hinterfragen. Eltern und insbesondere die Schule sollten die individuellen Wünsche auch der jüngeren Kinder akzeptieren und respektieren oder gegebenenfalls versuchen, das Kind mit Argumenten anstatt mit Verboten überzeugen.

    Insbesondere müsste sich die gesellschaftliche Wahrnehmung als Ganzes ändern: anstatt „die Kinder“ und „die Jugendlichen“ als homogene Gruppe unmündiger Personen wahrzunehmen, die nicht in der Lage sind, die Konsequenzen ihrer eigenen Entscheidungen abzuschätzen, müssen Kinder auch in der politischen Diskussion als Individuen mit unterschiedlichen Befürfnissen aufgefasst werden. Erst dann kann auch eine Erziehung zum selbstbewussten und kritisch denkenden Menschen für alle funktionieren.

    In Bezug auf Jugendliche bedeutet eine solche Erziehung, dass Eltern zwar auf mögliche Gefahren aufmerksam machen sollen, die Art und Weise, wie ein Jugendlicher seine Sexualität ausleben möchte, letztendlich aber zu akzeptieren haben, auch wenn diese den eigenen Moralvorstellungen vielleicht widerspricht (z.B. Sex mit mehreren oder häufig wechselnden Partnern, mit Partnern beiderlei Geschlechts, älteren Partnern, über das Internet oder durch Zuhilfenahme von Pornografie,…).

    Ich glaube gerade diese moralisch begründete Angst vor den neuen Möglichkeiten in unserer enttabuisierten Gesellschaft ist es, die dazu führt, dass Jugendliche heutzutage eher bevormundet und entmündigt werden, auch wenn sich wohl die meisten trotz aller Möglichkeiten sowieso für die ganz „normale“ Zweierbeziehung mit einem Partner im gleichen Altersbereich entscheiden würden. Diese Entwicklung zeigt sich auch an anderen Jugendschutzverschärfungen (Anhebung der Altersgrenzen bei Rauch- und Alkoholverboten oder neuere Errungenschaften wie das Solarienverbot). Gerade diese Bevormundung führt aber dazu, dass Jugendliche in Bezug auf ihre eigenen Wünsche verunsichert werden, und dass diese Unsicherheit auch gezielt von anderen ausgenutzt werden kann.

    2.) Umdenken der Gesellschaft und der Medien in Bezug auf sexuellen Missbrauch

    Eine undifferenzierte und skandalisierende Berichterstattung und Diskussion zu diesem Thema und die Dämonisierung von Sexualstraftätern schützen niemanden. Im Gegenteil führt genau diese Berichterstattung zu den populistischen und unsinnigen Vorschlägen wie Sperrlisten und Internetpranger, während eine objektive und sinnvolle Diskussion unmöglich gemacht wird.

    Dazu gehört auch die konsequente Unterscheidung zwischen Pädophilie als sexueller Orientierung und einer tatsächlich ausgelebten Straftat, und die Berücksichtigung der Tatsache, dass der größte Teil des sexuellen Missbrauchs im nahen Familienumfeld von Tätern begangen wird, die nicht pädophil sind, sondern das Kind lediglich als „Ersatzobjekt“ für ihre sexuellen Fantasien benutzen.

    Auch die Pädophilie ist eine Neigung, die während der Pubertät entsteht. Ein 16- oder 17jähriger Jugendlicher, der in dem derzeit vorherrschenden gesellschaftlichen Klima plötzlich entdeckt, dass er zur am meisten verachteten Gruppe überhaupt gehört, sieht oft nur die Möglichkeit, sich entweder in anonymen und geschützten Bereichen des Internets offen zu seiner Neigung zu bekennen (wo aber auch die Gefahr steigt, tatsächlich mit illegalen Inhalten oder fragwürdigen Ideologien in Kontakt zu kommen), oder seine Sexualität vollständig zu unterdrücken und aus Scham oder Angst auf soziale Kontakte zu verzichten, was zu Ausgrenzung und Stress führt (beides sind Faktoren, die wiederum das Risiko, eine Straftat zu begehen, steigern).

    Wir brauchen ein gesellschaftliches Klima, in dem es möglich ist, dass sich auch ein Pädophiler offen zu seiner Neigung bekennen kann, ohne dass er Angst vor negativen Auswirkungen bis hin zur Lynchjustiz haben muss, in dem nicht über sondern mit Pädophilen darüber diskutiert wird, wie sie ihre Sexualität ausleben können, ohne dabei Kindern zu schaden, und das mit Argumenten anstatt mit Vorurteilen und Beleidigungen.

    Insbesondere bei den Themen Prävention und Strafrecht (Definition von Straftatbeständen, Festlegung der Strafrahmen, Wahl der Schutzaltersgrenzen) würde ich mir eine wissenschaftlich-rationale Diskussion unter Einbeziehung von Experten (Sexualwissenschaftler, Psychologen, Rechtsexperten,…) wünschen anstatt einer Diskussion, die auf Moral und den Ängsten der Bevölkerung basiert.

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