Netzneutralität


Gerade tobt ja die Schlacht zwischen den Befürwortern und den Gegnern der Initiative pro Netzneutralität.

An zwei Blogs kann man das gut nachvollziehen, in welche Richtung das geht:

Fefe

Markus Beckedahl

Fefe als Antwort

Ich hab mir jetzt beides durchgelesen. Und ich hab mal auf der Seite der Initiative pro Netzneutralität gestöbert. Und ich habe darüber hinaus mir deren Manifest (oder wie man das nennt) durchgelesen.

Neben meiner tiefgreifenden SPD-Abneigung (MEINE Stimme nie wieder!!!) hab ich festgestellt: Fefe hat mit seiner Auffassung schlicht recht. Das wird vor allem bei Markus Beckedahl an einem Absatz deutlich:

Der Text, den man mitzeichnen kann, ist jetzt auch keine Meisterleistung, aber wenn man ursprüngliche Entwürfe kennt, dann kann man froh sein, dass diese nochmal stark überarbeitet wurden und jetzt keine verbrannte Erde entstanden ist.

Moment mal – wir sollen einen faulen Kompromiss bei der Netzneutralität eingehen, weil wir sonst was viel schlimmeres bekommen? Nein, Herr Beckedahl, so gehts nicht. Gerade das Thema Netzneutralität ist zu sensibel, um hier einen Kompromiss der Art „sonst wirds noch schlimmer“ oder „das ist alternativlos“ zu stricken. Wenn die anderen Entwürfe NOCH schlimmer sind als das Pamphlet, dann müssen die abgelehnt werden. Rigoros. Wenn dann nachgebessert wird und es ist noch immer nicht in Ordnung: Ablehnen.

Etwas anderes kommt ja überhaupt nicht in Frage. Ansonsten müssen wir wirklich demnächst für die Priorisierung im Netz bezahlen und liegen natürlich dann weit hinter Großfirmen. Das kanns nicht sein, aber genau darauf läuft das hinaus.

Anstatt dass die Infrastruktur ausgebaut wird, dass man die Bandbreiten endlich zur Verfügung stellt und vernünftig auf IPv6 umstellt anstatt das IPv4 beizubehalten (hier wird der Adressraum knapp, so dass man hier bald das Ende der Fahnenstange erreicht hat), kommt man mit einem Pamphlet an, dass das Papier nicht wert ist, um sich den Hintern damit abzuwischen. Und das ganze noch von einer Partei die nachgerade verzweifelt versucht, ihre Fehler in der Vergangenheit vergessen zu machen. Ich sagte: VERGESSEN. Nicht korrigieren. Das ist ein Unterschied.

Nein, ich werde die Initiative NICHT unterstützen. Ich will, wenn überhaupt, ein klares Bekenntnis zur Netzneutralität. Keinen faulen Kompromiss, der letztlich keinem etwas bringt und nur Ärger verursacht. Dass die SPD das angeleiert hat, war eigentlich nur das Tüpfelchen auf dem i.

Veröffentlicht am 14. August 2010, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 5 Kommentare.

  1. might be paranoid

    nun ich bewundere ja leute wie fefe immer und immer wieder am grundsatz „erkläre nichts mit bosheit was auch mit dummheit zu erklären ist“ festhalten zu können.
    gerade im politischen mag viel dummheit bzw. unverständnis vorhanden sein aber wenn man sich mal fragt was für interessen diese menschen haben … fällt es doch sehr schwer.
    netzbetreiber interessiert demokratie freiheit freie meinungsäußerung n feuchten dreck wenns fürs gegenteil auch nur nen groschen extra gibt. aber politiker haben dabis auf ausnahmen auch kaum interesse dran. sie geben sogar unverholen zu das es ihnen missfällt … das es ihnen schwierigkeiten bereitet … das das gemeine volk informationen von wo anders bekommt als durch ihre pressestellen. da kommen dinge raus die probleme machen.
    warum sollten die also für meinungsfreiheit kämpfen wollen? höchstens vor ner wahl … danach? never ever.
    „hört zu ihr lieben provider wir verkacken die neutralitätsdebatte so das ihr schön shapen könnt und kohle macht … dafür filtert ihr dann in unserem sinne auch die lästigen petzen.“
    das is nun wirklich ganz dünnes eis aber abwegig find ichs dann doch wieder nich … was schon traurig ist (auf welche weise auch immer).

  2. Ich muss fefe widersprechen: leider geht es durchaus um ökonomische Themen – und zwar um nichts anderes! Das Problem ist, keiner gibt’s zu! Er zeigt allerdings selbst ein paar der eigentlichen Probleme auf:
    – Flatrate-Verarschung der Verbraucher durch die Anbieter
    – falsche Breitbandversorgungsversprechen seitens der Politik
    – fehlendes Interesse der Anbieter am Ausbau der Netzstruktur

    Ich muss ihm Recht geben, was die Argumentation angeht: Barrierefreiheit ist im Zusammenhang mit NEtzneutralität ein Scheinargument! Und gefährlich isses auch, weil sich die Diskussion genau darauf konzentrieren wird – die eigentlichen Probleme und Fragen bleiben unbeantwortet.

    • *möp* du hast ihn auch nicht verstanden 😉

      Es ist sowohl ihm als auch mir klar, dass es um nichts anderes als wirtschaftliche Interessen geht – seitens der Betreiber. Aber was er sagt, um wo ich ihm absolut recht gebe: Darum DARF es nicht gehen. Und es geht jetzt einfach darum, die Diskussion von den Wirtschaftsinteressen wegzuführen und den Leuten klarzumachen, was sie aufgeben, wenn sie darauf reinfallen.

      DAS ist die Crux. Und DARUM hab ich da nicht gezeichnet. Denn letztlich geht es da nicht um Netzneutralität bei Pro Netzneutralität sondern um handfeste Kohle. Und die ist bei einer Infrastrukturdebatte völlig fehl am Platze.

  3. Ich habe ihn sogar ganz genau verstanden!

    Das Problem ist auch nicht, ob wir verstanden haben worum es geht oder welche Argumente wir bringen müssen, das Problem sind Politiker, die Konzernen nach Munde reden und Gesetze für ’n paa r reiche Är… bauen! Und das Ganze dann auch noch als Durchbruch verkaufen!
    Ganz genau das ist das Problem!

    Und mit irgendwelchen gutgemeinten Manifesten (wobei bei dem von dir angesprochene gilt: gutgemeint ist dasselbe wie schlecht gemacht) kommt man da nicht weiter – und irgendwelche Schriftstücke im Internet oder auch in Real-Life (gibt’s das eigentlich noch?) nutzen soviel, wie Klopapier!

    Nö – da muss man denn schon mal hingehen nach’n Bundestag im Reichtagsgebäude (auch so’n politisch korrekter Scheiß von Politikweichspülern) und mal ordentlich auf die Kacke hauen – IM WAHRSTEN SINNE DES WORTES – wir stellen uns hin und bewerfen die Abgeordenten mit Pu! (bildlich gesprochen 😉 ) Laut, lauter, Widerstand – aber nö – nix is‘! DGB kannste inne Tonne kloppen, Die Grünen sind auch vorn Arsch und die SPD kannste inner Pfeife rauchen – qualmt nich ma!

    Puh – jo – musste raus!

    Der 9. November 2010 wäre ’n nettes, symbolträchtiges Datum für so’ne Demo, denke ich 😀

  4. An was erinnert mich das ganze nur…? Richtig, an den Börsengang der Deutschen Bahn!

    Wißt ihr noch, wie wichtig der Börsengang der Deutschen Bahn war? So wichtig, daß dafür z.B. die Berliner S-Bahn durch Kaputtsparen verkackt werden mußte?

    Ich halte es bei dieser Debatte für sinnvoll, sowohl die Geschichte der Bahn anzusehen – von Eisenbahngesellschaften hin zur Staatsbahn und anschließender Privatisierung in einigen Ländern und den Folgen – wie auch die Gesetzeslage.

    Bei Wikipedia steht beim Lemma „Eisenbahn“ unter „Bahngesellschaft“:

    „Für den Bahnbetrieb, das heißt, die sichere und pünktliche Durchführung von Zugfahrten, sind die Eisenbahngesellschaften zuständig. Traditionell wurden die Züge oftmals von derselben Gesellschaft wie die Infrastruktur betrieben. Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts ist in der Europäischen Union eine organisatorische Trennung von Infrastruktur und Verkehr für einen diskriminierungsfreien Netzzugang zu gewährleisten.“

    Aha. Diskriminierungsfreier Netzzugang, Trennung von Infrastruktur und Verkehr?

    Sollte man beim Netz auch machen. Und klarmachen, daß die „Verkehrsunternehmen“ nicht die Netzbetreiber sind – das sind WIR ALLE, nicht nur diejenigen, die Nachrichtendienste bereitstellen, oder Dienste wie Twitter, Google usw, sondern auch Blogger sowie jeder, der einen WebServer oder Mailinglisten betreibt, oder auch nur Mails verschickt oder ’nen Chat-Client ins Internet hält.

    Anders als bei der Bahn braucht’s ja keinen Fuhrpark – oder wenn wir dei Analogie weitertreiben: den hat jeder von uns, in Form von Client/Server Software.

    Die Infrastruktur-Betreiber haben diskriminierungsfreien Netz-Zugang bereitzustellen, basta.

    Insbesondere dürfen sie nicht mit künstlicher Verknappung Diskriminierung herstellen um Profit zu machen, sondern müssen gewährleisten, daß die Infrastruktur dem diskriminierungsfreien Verkehr gerecht wird.

    Notfalls gehören die verstaatlicht, wenn sie das nicht können. Aber das gehören sie meiner Meinung nach ohnehin.

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