Wirtschaftssystem


Unser Wirtschaftssystem ist es nicht wert, gerettet zu werden. Und schon gar nicht mit unserer Hände Arbeit.

Warum?

Zwei Dinge werfen gerade ein Schlaglicht auf ein krankes System:

Weizenpreis

Cat-Bonds

Ein Preis definiert sich volkswirtschaftlich aus Angebot und Nachfrage. Wenn eine Ware knapp ist, die jeder haben will (Weizen), dann steigen die Preise. Wenn ein Angebot reichlich da ist und das zwar jeder haben will, aber eben nicht in der Menge, sinken die Preise. Darum steht ja auch z.B. die Welthungerhilfe stark in der Kritik. Wenn die mal wieder eine Hungersnot durch Lebensmittellieferungen sichern wollen, dann kaufen die den Markt leer. Die Preise steigen, da die Nachfrage stark erhöht wird. Und in den Schwellenländern können die Leute auf einmal ihre Hirse oder ihren Weizen nicht mehr bezahlen.

MMO-Spieler können das Prinzip hervorragend in den Auktionshäusern nachvollziehen *hust*

Inzwischen werden die Preise aber durch noch etwas angeheizt: Die Investmentbanker. Diese haben die  Nahrungsmittelbörse für ihre Zockereien entdeckt hat. Der Weizenpreis hat mit den Realitäten von Angebot und Nachfrage nichts mehr zu tun. Der Preis wird künstlich durch die Wettleidenschaft des Bankergesindels hochgetrieben. Und ja, das ist Gesindel. Früher hat sich das Gesindel, wie Volker Pispers so schön treffend formulierte, das Gesindel auf den Jahrmärkten herumgetrieben und aus der Glaskugel gelesen. Heute steht das Gesindel an der Börse und sagt Börsenkurse vorher.

Und da es aktuell in Russland brennt, die Bilder schrecklich sind, die hierherkommen, und da dazu noch in China und Pakistan fürchterliche Überschwemmungen herrschen, hat das Börsengesindel auf Preissteigerung gesetzt. Und verschlimmert damit die Lage in den betroffenen Gebieten ungemein.

Scheiß auf Spenden: Jeden Börsianer nach Pakistan, China und Russland jagen. Schippe in die Hand und dann mal EINMAL im Leben für sein Geld arbeiten lassen. Gerne dürfen die sich auch komische weiße Anzüge anziehen und das Öl aus dem Golf schippen. Wobei…die sind hässlich. Die können das ruhig in Armani machen.

Der zweite Teil ist genauso widerlich.

Die Rückversicherer merken allmählich, dass die „normalen“ Vereinsbeiträge nicht mehr so richtig ausreichen, um die großen Katastrophenfälle zu versichern. Wie man am Golf von Mexiko sieht, geht das fix in die Milliarden. Soviel Versicherungsbeiträge zahlen die versicherten nicht, so dass man zusätzliches Geld am Kapitalmarkt machen muss.

Und hier gibts vom Gesindel nun die Cat-Bonds. Das sind Wetten darauf, ob eine vorausgesagte Katastrophe eintritt oder nicht. Wenn man richtig getippt hat, hat man viel Geld gemacht.

Was wird denn so versichert? Nunja. Naturkatastrophen, Flugzeugabstürze, Schiffsunglücke.

Blutgeld. Sonst nix. Und die Täter haben eine weiße Weste, weil sie ja nur mit Geld spielen, nicht mit Leben.

Veröffentlicht am 16. August 2010 in Allgemein und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 6 Kommentare.

  1. MMO-Spieler können das Prinzip hervorragend in den Auktionshäusern nachvollziehen *hust*

    *lach* der war gut.

    Kann deine Zornigkeit (zumindest ließt es sich für mich so als wärst du etwas zornig) sehr gut nachvollziehen. Naturprodukte sollten m.M. nach komplett von der Börse gestrichen werden. Und dieses spekulieren über Katastrophen gehört auch Verboten. Da gibt es eig. gar nichts zu diskuttieren. Einfach abartig, was da getrieben wird.

    • Nö, das wird noch ausgeweitet. Die Nahrungsmittelbörse gabs ja aus gutem Grund: Die Landwirte haben dort die Ernte auf dem Halm verkauft. Vorteil war auf beiden Seiten recht ausgeglichen: Die Landwirte haben Festpreise erwirtschaftet. Wenn sie weniger geerntet haben, hatten sie die Kohle trotzdem drin und wenn sie mehr geerntet haben, hatten sie zwar leichte Verluste, das wurde im Regefall durch die erhöhten Erlöse bei schlechten Ernten aber ausgeglichen.

      Die Börse war für die Hedgefonds geschlossen, aber hier gabs was zu wetten. Nämlich: Wie hoch wird die Ernte. Ja juchu, neue Spielwiese. Ab auf die Alm. Und so haben die solange gebohrt, bis diese Börse auch für die Hedgefonds geöffnet wurden.

      Die Folge sind die anhaltend hohen Nahrungsmittelpreise, die mit dem normalen Angebot und Nachfrage nix mehr zu tun haben. Die Börse an sich ist keine schlechte Idee. Aber die Hedgefonds gehören ALLE aufgelöst und die Ratingagenturen komplett geschlossen.

      Dass diese Monstrosität keiner kritisiert ist mir unbegreiflich: Eine PRIVATE Firma, die von Menschen in Gewinnerzielungsabsicht gegründet wurde und die ausschließlich die Interessen der Banken vertritt, die sie gegründet haben, darf problemlos einen STAAT bewerten, wieviel er wert ist – und alle hören darauf.

      Es ist doch inzwischen so, dass die Banken und die Ratingagenturen (die wenn überhaupt staatlich organisiert sein sollten) mächtiger sind als die Staaten. Und das darf einfach nicht sein. Es gibt keine Gewalt und keine Macht oberhalb der Staaten, denn wenn da eine Firma sitzt, die nur sich selbst verantwortlich ist, alleine der Gedanke daran ist absolut monströs…mir fällt kein anders Wort dafür ein.

      Wie konnte es so weit kommen, dass Ratingagenturen in der Lage sind, ganze Volkswirtschaften mit einer einzigen Meldung an den Rand des Bankrotts zu bringen?

      • > Wie konnte es so weit kommen, dass Ratingagenturen in > der Lage sind, ganze Volkswirtschaften mit einer
        > einzigen Meldung an den Rand des Bankrotts zu bringen?

        Ganz einfach. Die Banken leihen den Staaten Geld. Die Banken wollen das natürlich wiederhaben. Und darum wollen sie vorher wissen, mit welcher Wahrscheinlichkeit sie das Geld wiederbekommen. Und weil das viele Banken wissen wollen, macht es Sinn, diese Risikobewertung zentralisiert in eine eigene Firma auszulagern. Und diese Firma ist die Ratingagentur. Die sagt nur, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Staat seine Schulden zahlt. Und jetzt nehmen wir mal an, die Ratingagentur hat eine eigene Agenda und bewertet die Kreditwürdigkeit eines Landes zu schlecht. Also verlangen alle Banken, die der Agentur glauben, mehr Zinsen. Und nehmen wir an, eine Bank merkt, daß das Rating nicht korrekt ist. Jetzt kann diese eine Bank die Zinsen verringern, weil sie weis, daß das Risiko geringer ist. Dadurch kann sie mehr Geld an den Staat verleihen. Das ist gut für die Bank, weil 3% von 1 Mio sind weniger als 2.9% von 10 Mio. Soweit noch bei mir?
        Jetzt kommt der Logiker und sagt: Alle Banken verlangen den selben Zinssatz. Ergo glauben alle Banken den Ratingagenturen. Ergo sind entweder alle Banken blöd oder die Ratingagenturen bewerten das Risiko korrekt (oder beides).

        Und Versicherungen waren immer schon Wetten auf das Eintreffen einer Katastrophe. Wenn du darauf wettest, daß dein Haus nie abbrennt, dann zahlst du auch nicht in eine Feuerversicherung ein. Umgekehrt: In dem Moment, in dem du in eine Feuerversicherung einzahlst, wettest du darauf, daß dir mal die Bude abbrennt.
        Die Versicherung wettet dagegen. Wenn die Versicherung nämlich darauf wettet, daß dir die Bude abbrennen wird, dann bekommst du keine Police. Siehe Überschwemmungsversicherung im Hochwassergebiet.

        Es tut mir ja leid, daß ich deine Entrüstung nicht in allen Punkten teilen kann, aber zumindest das Spekulieren auf Lebensmittel habe ich noch nicht gut genug verstanden, um es gut zu finden.


        MfG, Georg

  2. Pu der Zucker

    Im gar nicht so weiten Sinn ist das Terrorismus!
    Denn wer hält die Interessierten (die Zocker) davon ab, ein bisschen nachzuhelfen, wenn der Einsatz erst mal hoch genug ist?

    • Gibts doch schon. Die nennen sich Berater und „steuern“ die Regierungen in ihrem Sinne. Das heißt, die verkaufen Infrastruktur und der IWF gibt dafür die Kredite. Es ist egal, ob die Infrastruktur für das Land geeignet ist, sie wird verkauft und für die Kredite vorgeschrieben.

      Und bezahlt wird diese Infrastruktur mit den Rohstoffen eines Landes. In Afrika kann man das öfter sehen. Und wenn ein Land plötzlich die eigenen Rohstoffe für sich haben will, gibts ne ausgewachsene Rebellion, Blutvergießen und ähnliches.

      Was meinst du denn, warum Afrika nicht zur Ruhe kommt, warum die Regierungen instabil sind und nur Kleptokraten hochkommen? Und wenn mal einer da ist, der was für das Land gutes will, dann wird er fix umgebracht. Guck mal auf Ruanda. Der Präsident ist da auch nicht grad ein Waisenknabe, aber mal noch nehm ich ihm ab, dass er Ruanda aus dem Dreck ziehen will. Nur – dafür braucht er die Rohstoffe des Landes für sich. Und das dürfte entweder zu einem UN-Tribunal führen oder aber zu seinem vorzeitigen Ableben.

      An seiner Stelle würd ich mich die nächste Zeit NICHT in einen Flieger setzen.

  3. Meiner Ansicht nach ist die Börse und das Geschehen rund um die Börse der größte Beschiss aller Zeiten!
    Mag ja mal ’ne nette Idee gewesen sein, sich Talers zu besorgen, indem man sein Geschäft mit jemandem teilt, aber die Auswüchse, die das Ganze angenommen hat, sind an Perversität kaum zu übertreffen!

    Fazit: alle in ein‘ Sack und mit ‚m Knüppel draufhau’n – trifft nie den falschen!

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