Freidrehend


Ich sitz hier nur noch mit offenem Mund und frage mich, was den Sarrazin eigentlich derzeit reitet.

Ist der wirklich so strunzdumm und hat nur via Politik Karriere gemacht? Oder konsumiert der verbotene Substanzen und hat sich das Frontalhirn weggekokst? Ich mein, im ernst jetzt – anders ist das doch nicht mehr zu erklären, was der da so an heißen Darmwinden von sich gibt.

Neueste Ansage:

„Juden haben ein bestimmtes Gen. Basken ein anderes.“

Nicht ihr ernst, Herr Sarrazin. VHS-Kurs „Genetik für Anfänger“ belegt und die meiste Zeit gepennt?

Es gibt keine „jüdische“ Rasse. Es gibt auch keine „baskische“ Rasse. Das ist Rassenlehre der NS-Zeit, lange widerlegt. Und wenn sie so einen geistigen Dünnschiss vom Stapel lassen – was wollen sie denn damit eigentlich aussagen? Dass es Rassen gibt, die „höherwertiger“ sind? Die man züchten muss, wie Rassedackel?

Rassen in diesem Sinne gibt es nicht. Es sind Menschen verschiedenen Glaubens. Lediglich darüber unterscheiden sich die Menschen – und in der Vehemenz darin, wie man diesen Glauben verteidigt. Das muss man sich bitte wieder vergegenwärtigen, man vergisst es leicht. Und nein, es gibt auch keine „Schwarzen“, „Weißen“ und „pink-lila-gestreiften“ Rassen. Auch das sind Menschen, die sich dem Rassebegriff entziehen. Allenfalls kann man sagen, dass sie der Rasse Menschen angehören. Mehr nicht.

Ich glaube aber, dass sich die Menschheit auch in dumme und weniger dumme Menschen einteilen läßt. Und, mit Verlaub gesagt, Thilo Sarrazin hat doch echt nur eine Hirnwindung mehr wie ein Huhn, damit er nicht auf die Straße kackt.

Vor allem kapiere ich eins nicht. Wenn ich Scheiße erzähle und dafür von allen Seiten auf die Schnauze bekomme, wie dumm muss man sein, sich dann zu überlegen, womit man noch mehr provozieren kann und dann das rauszulassen. Und sich dabei noch so arschcool vorzukommen, weil man als „einziger die Wahrheit“ sagt.

Kostprobe gefällig? Vorsicht – Brechdurchfallgefahr. Und der Spiegelartikel ist echt mal super. Wer  hat eigentlich nochmal gesagt, dass die Qualitätsjournalismus betreiben? Sarrazin mit „kühl und pointiert“ zu umschreiben, trifft auf jeden Fall voll in die Latrine.

http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,653874,00.html

http://www.stern.de/politik/deutschland/kleine-kopftuchmaedchen-sarrazins-aeusserungen-laut-gutachten-rassistisch-1534143.html

Veröffentlicht am 28. August 2010, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 36 Kommentare.

  1. Es gibt einige monogene Erbkrankheiten, die bei aschkenasischen Juden gehäuft vorkommen wie Morbus Gaucher oder Tay Sachs. Schon interessant, was für eineSauce bei Herrn S. daraus wird.

    • Das dürfte aber in erster Linie daherkommen, dass die eine ganze Zeit recht isoliert gelebt haben und nur untereinander geheiratet haben, oder hab ich das jetzt falsch im Hinterkopf? Ich glaub, die Yesidi haben ähnliche Probleme, da die nur untereinander heiraten und da irgendwann zwangsläufig der Genpool verkleinert wird und rezessive Anlagen sich vergrößern?

      Das hat aber nix mit „Rasse“ zu tun. 😉

  2. Es gibt keine Rassen, es gibt auch keine Pudel und Doggen, das sind nur Hunde verschiedenen Glaubens. Lediglich darüber unterscheiden sich die Hunde – und in der Vehemenz darin, wie Frauchen diesen Glauben verteidigt. Das muss man sich bitte wieder vergegenwärtigen, man vergisst es leicht.

    • Schnuggel, netter Versuch, aber so funktioniert das nicht. Politically Incorrect läßt grüßen. *g*

      Warum soll man Menschen in Rassen einteilen, wenn nicht in dem untauglichen Versuch, einen Menschen aufgrund seiner „Rassenzugehörigkeit“ als Minderwertig zu klassifizieren? Aber wenn du selbst dich mit einem Hund gleichsetzen möchtest, bitte. Pitbull, Dogge oder Terrier? 🙂

      • Vorsicht, d wink der Lyssenkoismus am Horizont.

        In vielen Spezies gibt es Rassen, die sich durch bestimmte Eigenschaften unterscheiden, aber dennoch genügend Gemeinsamkeiten aufweisen, um derselben Spezies anzugehören. Wichtiges Merkmal: sie können sich miteinander vermehren.

        Und wo man Darwins Thesen tatsächlich empirisch beweisen kann, sind nicht die Arten, sondern die Rassen innerhalb einer Art.
        Die Naturwissenschaft ist etwas prudenter geworden und spricht bei gezüchteten Rassen von Rassen, bei natürlich (darwinistisch) entstandenen von Subspecies oder Unterarten.

        Warum soll man das wegreden, wenn es schlicht so ist? Weil irgendwann einmal ein Rosenberg darauf eine abstruse Theorie gebaut hat? (Ein gewisser Goldhagen übrigens in die gleiche Richtung… nur den hat keiner Rassist genannt…)
        Darin muß nicht gleich eine Abwertung liegen. Hey, ich habe eine Frau geheiratet (nein, sogar zwei, aber nacheinander), das ist keine Abwertung der gens masculina!

        Da winkt Lyssenko fröhlich rüber, und es ist ungefähr so intelligent, wie die Tinte zu verbieten, weil Freisler mit Tinte Todesurteile unterzeichnete. (Eine französische Präfektur allerdings vermeidet die Tinte, sie hektographiert Ausweisungsformulare gleich mit der Unterschrift des Präfekten.)

    • Auch die Hunderassen haben die Menschen „erfunden“.

      Alles stur in Kästchen einzuteilen kann man nur wenn man die wahre Komplexität nicht verstehen will oder kann.

      Mein bescheidenen Ansicht nach versteht sich Herr S. als Elite. Das impliziert Arroganz.

      mfg
      Dreystein

      • Wer hats erfunden? *g*

        Aber ja – Sarrazin ist arrogant, geistig so hell wie eine ausgebrannte Kerze und eigentlich völlig überflüssig. Mal sehen, was da noch kommt. Das Problem ist ja auch nicht Sarrazin, sondern die Idioten die ihm zuhören.

  3. Den Sarrazin muss man nicht so ernst nehmen. Es ist eigentlich schade um jeden Buchstaben, den man zu dem Thema vergeudet. Er ist ein armer alter Mann, seit seinem Schlaganfall offensichtlich dement. Das ist eine gnädige Krankheit – der Betroffene merkt es nicht. Und die Nummer mit den Genen – das ist typisch für die deutsche Rasse – was auch immer das ist. Als ob wir keine anderen Sorgen hätten. Erst sind die „Harzis“ schuld, dann die Moslems – tolle Eliten in Deutschland, da frag ich doch lieber den Stammtisch oder Astro-TV – gegen das Buch von Sarrazin ist da Substanz drin. Und der Name „Sarrazin“ zeigt auch schon alles: typisch deutscher Name. Tja, wer im Glaushaus sitzt…

  4. Tantchen,
    das Dumme an der Sache ist, dass es genügend Menschen gibt, die diesen Dünnschiss kaufen
    .. und auch noch lesen 😦
    Sicherlich: wenn man’s nicht gelesen hat, kann man’s nicht beurteilen, aber bei einem derartigen „Autoren“ weiss man doch in etwa, was dabei rauskommt.
    Und bei den Verkaufsstatistiken (Bestseller) spielt die Motivation (wie auch die Qualität) absolut keine Rolle.
    Boykott ist das einzige Mittel, leider!

  5. Schlaganfall, soso.
    Deshalb petzt Herr Sarrazin also immer nur das rechte Auge zu…
    Druffgugger

  6. Eine bessere und vor allem kostenlose Werbung für sein neues Buch kann sich Sarrazin gar nicht wünschen. Wenn das so weitergeht, dann kennt es auch der letzte in unserem Land. Zugegebenermassen habe ich es noch nicht gelesen und kann also nicht mitsprechen, allerdings wird man es lesen müssen um sich aus erster Hand eine Meinung zu bilden und das Buch entsprechend beurteilen zu können.

  7. Ist vielleicht absicht? Ich meine es kann ja gut sein dass er jetzt alles darauf anlegt, vorzeitig aus dem Amt „gelobt“ zu werden. Anders kann ich mir das Ganze einfach nicht erklären.

  8. Ich stimme in den allgemeinen Tenor hier mit ein: Sarrazin ist es nicht wert, mehr als nur ein paar Worte über ihn zu verlieren. Das Problem ist, dass es ’ne ganze Reihe von Leuten gibt, die den Scheiß glauben (hajo meint das ja auch) und wenn der jetzt auch noch von der SPD kommt, umso besser!
    Das solche Äußerungen nicht den Tatbestand der Volksverhetzung erfüllen, wundert mich aber doch ein wenig. Kann dem Typen nicht mal einer ganz gepflegt das Maul stopfen?

  9. Pu der Zucker

    Dieser geistige Dünnpfeifer und Brandstifter geht mir schon seit Jahren auf den Senkel!
    Ich hoffe nur, dass all die von ihm diffamierten Moslems, Juden, Basken (wer wird der nächste sein, Badener, Schwaben, am Ende gar die Monegassen?) nicht auf die Idee kommen, von Sarazzin auf ALLE Deutschen zu schließen, also genetisch gewissermaßen, so wie er das tut.

    • Warum nicht? Da hätten sie doch ein großes und bekanntes Vorbild: Daniel Goldhagen.
      Dem hat keiner Rassismus vorgeworfen, obwohl er mindestens genau so abstrus argumentiert hat – meiner Meinung nach sogar noch abgefahrener, weil er von einer genetischen Veranlagung der Deutschen zum Massenmord gefaselt hat. Da hat es nur „du, du, du“ gegeben und „das kann man doch so nicht sagen“.

  10. oh, oh, ich fürchte da wird doch einiges durcheinandergeworfen.

    Mal folgendes vorrausschicken: Selbstverständlich labert Sarrazin absoluten Dünnschiss, aber das ist man von dem ja gewöhnt, und wenn es nicht doch einige wenige gäbe, die diesem Schwachsinn glauben schenken, könnte man das schlicht und einfach ignorieren und zur Tagesordnung übergehen.

    Die Behauptung allerdings, es gäbe keine menschlichen Rassen bzw. überhaupt keine Rassen, ist jedoch unzutreffend. Genauso wie alle anderen biologischen Taxa (wie Art, Falmilie, Ordnung etc.) ist der Begriff der Rasse natürlich menschengemacht und trägt damit alle damit überlicherweise verbundenen Schwächen, aber das ist in der Naturwissnschaft an allen Ecken und Kanten so und damit per se erstmal kein besonderer Mangel, es sei denn man wollte die Naturwissenschaften als Ganzes in Frage stellen.

    Dass das Geschwurbel der Sarrazine und aller Rassisten der Welt nicht durch naturwissenschaftliche Erkenntnisse untermauert werden kann, ist den Biologen klar, verhindern können sie solchen Blödsinn leider nicht. Trotzdem sind taxonomische Begriffe in einem wissenschaftlichen Kontext durchaus von Nutzen, nur eben nicht in dem von den Rasissten verwendeten.

    Homo sapiens ist biologisch nur eine Säugetierart unter vielen, und genau wie man z.B. bei der Art Canis lupus familiaris (Haushund) aufgrund auffälliger phänotypischer Unterschiede, die sich auch in, allerdings recht geringen, genetischen Unterschieden äußern, unterschiedliche Rassen einteilen kann, ist das prinzipiell auch bei Homo Sapiens möglich. Das ist zunächst mal absolut wertfrei. Unter einer Rasse versteht man einfach nur eine Gruppe innerhalb einer Art, die zwar genetisch anderen Rassen so ähnlich ist, dass sie mit denen fruchtbaren Nachwuchs zeugen kann (= eben zur selben Art gehört) aber sich phänotypisch (= dem Aussehen nach) doch so stark unterscheidet, dass man sie eben von anderen Rassen der gleiche Art abgrenzen kann. Das ist, _hier nochmal ausdrücklich betont_, absolut wertfrei! Dabei ist die Abgrenzung zwischen verschiedenen Rassen einer Art natürlich wesentlich unschärfer als die der Arten untereinander und die dazu verwendeten Kriterien sind bis zu einem gewissen Maß sicher willkürlich.

    Der Satz „Allenfalls kann man sagen, dass sie der Rasse Menschen angehören“ ist jedoch aus biologischer Sicht definitv falsch. Alle Menschen gehören der selben Art an aber nicht der selben Rasse.

    Sicher ist, dass sich Menschen, die sich äußerlich unterscheiden, dies auch genetisch tun, und bis zu einem gewissen Maß wahrscheinlich ist es auch, dass dies um so stärker der Fall ist, je größer der phänotypische Unterschied ist. Die zu einem sehr geringen Teil _auch_ genetisch bedingten Unterschiede der intellektuellen Leistungsfähigkeit sind jedoch auf jeden Fall innerhalb einer „Rasse“ um ein Vielfaches größer als die, falls überhaupt vorhandenen, diesbezüglichen Unterschiede von „Rasse“ zu „Rasse“. Insofern ist jede Spekulation über irgenwelche Auswikungen solcher spekulativen Unterschiede wissenschaftlich völliger Schwachsinn.

    Wie weit es überhaupt sinnvoll ist, Menschen in Rassen zu unterteilen, darf man getrost in Frage stellen. Um daraus irgendwelchen Werturteile zu gewinnen oder irgendwelche „besonderen Qualitäten“ ableiten zu wollen ist der Begriff der Rasse in Bezug auf Menschen jedenfalls sicher vollkommen ungeeignet.

    Natürlich ist es ärgerlich, wenn immer wieder irgendwelche Schwachköpfe biologisch unter bestimmten Aspekten sinnvolle Begriffe für ihre noch nicht mal den Begriff pseudowissenschaftlich verdienende Ergüsse missbrauchen. Aber es macht auch keinen Sinn diese Termini als solche in Frage zu stellen. Sie sind _nicht_ von den Rassisten erfunden sondern nur von ihnen missbraucht worden.

    • Danke Kall,
      gerade deine Betrachtung des biologisch _wertfreien_ Begriffs „Rasse“ hatte ich schon beim Lesen von Sarahs Kommentar in Erwägung gezogen zu schreiben. Du hast es sicher besser gemacht als ich es gekonnt hätte.
      Nur als Ergänzung dazu: Es gibt außer dem Phänotypus tatsächlich Unterschiede zwischen den Menschen, beispielsweise die Unterschiede hinsichtlich der Blutgruppen oder der Lactose-Verträglichkeit. Und dies ist sicher keine Wertung, sondern nur eine Unterscheidung von verschiedenen Menschengruppen, die sich eben auch in leichten genetischen Unterschieden zeigt.

  11. Die Sache mit der „Rasse“ wird an S. herangetragen, weil er von gemeinsamen genetischen Merkmalen spricht, die es nun mal gibt. Wer mag kann das gerne auf der Seite der orthodoxen jüdischen Organisation aish.com nachlesen:
    http://www.aish.com/ci/sam/48937817.html

    Das Problem ist, daß S. – auch wenn er bestimmte Ebenen zu trennen vermag, mit diesen spielt und durchaus damit kalkuliert, daß andere das nicht können und wollen.

    • Ich sehe ja deine Email-Adresse, von daher nehm ich mal den Beißreflex zurück *g*

      An alle: Es ist egal wie die biologische Definition lautet – die tatsächliche ist maßgebend. Und die ist nun mal leider von Idioten besetzt, die tatsächlich der Meinung sind, dass man aus genetischen Unterschieden auf die Wertigkeit von Menschen schließen kann. Und das kann man nicht.

      Ein Mensch ist nicht weniger wert – oder mehr – nur weil er bestimmte genetische Merkmale hat. Sondern der Mensch wird aus sich selbst heraus wertvoll, er ist aus sich selbst heraus in seiner Eigenschaft als Mensch wertvoll. Ich mag einfach dieses Gedankengut nicht, dass Menschen in bestimmte Schubladen packt aufgrund von Bedingungen, für die er nix kann.

      Wenn sich ein Mensch mir gegenüber schofelig verhält, dann mag ich diesen Menschen nicht. Aber ich bewerte ihn nach Maßstäben, die er selbst in der Hand hat – nämlich sein Verhalten mir gegenüber. Und jetzt bitte nicht mehr die olle Kamelle von der Freiheit der Entscheidung. 😉

      Aber, da ich Mensch bin und nicht Gott, bewerte ich einen Menschen auch nach Dingen, für die er vielleicht nichts kann: Aussehen, Geruch, alles das was unter „die Chemie stimmt nicht“ passt. Aber selbst dann muss ich mir jederzeit bewusst sein, dass ich mich möglicherweise von Vorurteilen leiten lasse.

      Aber das ganze auf genetische Sachen runterzubrechen, dass ist doch was, was völlig daneben ist, und einfach nicht hingehört in die Diskussion. Und ja, Juebe, du hast recht. Sarrazin ist nicht dämlich. Leider. Insofern müsste ich den Post auch überarbeiten. Der weiß leider nur zu genau, dass das Publikum, auf das er abzielt, nicht differenziert.
      Übrigens auch ein Grund, warum Sarrazin die SPD nicht verlassen möchte, obwohl er innerlich bei weitem schon in der NPD angekommen ist (oder noch drunter): Die SPD ist rot und links. Das ist ein perfekter Tarnanstrich für diesen geistigen Brandstifter.

      Boah ist das alles übel…

      • Zum ersten Teil gibt es nichts hinzuzufügen… 🙂
        Außerdem fällt mir dazu ein, was „man“ so in Pädagogik lernt (eigentlich übel, dass man so etwas überhaupt thematisieren muss):
        Konstruktive Kritik und konstruktives Lob beziehen sich immer auf Handlungen und Verhaltensweisen, nie auf Eigenschaften.

        Und auch zur zweiten Hälfte kann ich nur ein Kopfschütteln des Unverständnisses für diesen Mann hinzufügen… 😦

      • An alle: Es ist egal wie die biologische Definition lautet – die tatsächliche ist maßgebend.

        Definiere „tatsächlich“ in Abgrenzung zu „biologisch“ (und ich vermute, das läßt sich aufweiten zur Abgrenzung zu „naturwissenschaftlich“).

        • Ich denke, es ist keine Definitionsfrage und letztendlich geht es auch nicht darum, ob man den Begriff Rasse im Zusammenhang mit Homo sapiens überhaupt verwenden kann oder sollte (m.E. ersteres ja, letzteres eindeutig nein).

          Was Leute wie Sarrazin als Brandstifter so gefährlich macht ist, dass er durchaus geschickt wissenschaftlich belegte Tatsachen wie die nachgewiesenermaßen vorhandenen genetischen Unterschiede zwischen verschiedenen Ethnien mit abstrusen Spekulationen über genetische Unterschiede bei Intelligenz und Integrationsfähigkeit vermischt und vor allem daraus perfide Schlussfolgerungen über den Wert von Menschen zieht. Dabei verwischt er konsequent die Grenze zwischen Wissenschaft, Spekulation und Voruteilen, die aus seinem menschenverachtenden Menschenbild resultieren. Diese Grenzen sind für aufmerksame Beobchter durchaus wahrnehmbar für viele aber eben nicht, und die Reaktion der SPD-Basis auf die Spekulationen zum Parteiausschluss zeigen klar, dass seine perfide Saat auf fruchtbaren Boden fällt.

          Deshalb bin ich nicht wie ein öffentlicher Kommentator dieser Tage der Meinung, dass er als eine Art Minihaider der Immunisierung der Demokratie gegen braune Tendenzen nützlich sein könnte, sonder ich halte ihn im Gegeteil für ziemlich gefährlich.

  12. Was mich sehr ärgert, ist dass aufgrund des Schwachsinns, den der Herr S da verzapft, alle seine Aussagen wieder in die „darf man gar nicht denken“ Ebene geschoben werden. Nicht alles, was er gesagt (oder geschrieben hat) ist falsch – nur der Großteil.
    Sicher ist, dass wir ein Problem mit Integration und leider auch mit Schichten haben. Das muss mMn auch dringend diskutiert werden.
    Es isteinfach nicht hinzunehmen, dass türkischstämmige Kinder statistisch gesehen eine schlechtere Chance auf einen guten Schulabschluss haben. Ebenso ist es für mich schwer zu akzeptieren, dass Menschen, die sich in ALG II zurechtgefunden haben, über die Anzahl der Kinder ihr Einkommen erhöhen können. (Und bevor jetzt alle schreien – es geht mir um den (mMn geringen) Anteil derjenigen, die sich ausrechnen, wie ihr Einkommen mit einem zusätzlichen Kind im Vergleich zu Erwerbseinkommen steigt. Ich habe mir eine solche Rechnung nicht vorstellen können, bis sie mir von einer ALG II Empfängerin selbst vorgetragen wurde und ich mich selbst mit einem Vater auseinandersetzen musste, dem der Regelsatz für Kinder zu gering war und der den netten Satz sprach „Wir haben doch nur noch ein Kind bekommen, damit wir mehr Geld kriegen.)
    Es gibt Probleme, die gesehen und überdacht werden müssen – und ich fürchte, das eine Chance dazu wieder mal vertan wurde, nur weil so ein Trottel von Rassen und Genen faseln muss.

    • Wobei du bitte trennst zwischen „der Vater und einige andere glauben, über die Anzahl der Kinder ihr Einkommen erhöhen zu können“ und der Behauptung, es wäre tatsächlich so. Da mag vielleicht die Einkommensseite geringfügig steigen, aber die Ausgabenseite steigt eben auch.

      Was die türkischstämmigen Kinder angeht: da ist sicherlich vieles „hausgemacht“, wenn junge Türken dritter Generation ihre Frauen aus dem hintersten Anatolien holen (erst neulich wieder in dieser Sendung im WDR gehört, wo Menschen ihre ersten Schritte mit der deutschen Sprache beschreiben), die kein Deutsch können (und vielleicht sogar Analphabeten sind) und denen ihre Vierjährigen im Kindergarten und Supermarkt den Übersetzer geben. Denn umgekehrt habe ich in Schule und Studium genügend Nichtdeutsche kennengelernt, die spielend mit den deutschen Kameraden mithalten konnten. Ich kannte aus dem Zug eine angehende Gymnasiallehrerin und einen angehenden Arzt.
      Die zweite Generation hatte oft damit zu kämpfen, daß die Eltern die falsche Schule wählten und keinerlei Notwendigkeit sahen für mehr als einen Hauptschulabschluß. Das sollte aber mittlerweile überholt sein, hoffe ich. Und die dritte Generation hat alle Chancen gehabt.
      In Sachen Integration müssen sich die genannten jungen Männer m.M.n. auch mal eindringlich fragen lassen, warum sie sich ein junges Mädchen ins Haus und Bett holen, dessen Sprache sie kaum sprechen und das die ihre überhaupt nicht kennt und so gar nicht den Kulturkreis kennt, in dem es leben soll… Haben die Deutschlandtürken keine hübschen Töchter mehr, oder machen die den türkischen Jungs zuviel Angst, weil sie selber zu denken wagen?

  13. Hm, also ich finde es, selbst als wertfreien Begriff gesehen, nicht zutreffend, bei Menschen von verschiedenen Rassen zu sprechen. Meines Erachtens nach sind die meisten Nutz- und Haustierrassen nur durch eine mehr oder weniger planvolle Züchtung hin zu bestimmten Eingenschaften entstanden, und so etwas ist bei der Menschheit zum Glück noch nicht ernsthaft entstanden. Mal ganz abegesehen von den ethischen Problemen hätte man dann nämlich womöglich das selbe Problem wie bei vielen überzüchteten Tierrassen, die extrem zu bestimmten Krankheiten neigen und deren Lebenserwartung stark eingeschränkt ist.
    Ich würde Menschen, wenn es denn z.B. für statistische oder kulturelle Betrachtungen nötig ist, höchstens in Bevölkerungsgruppen unterteilen. Und da kann es durchaus zu statistisch signifikanten Unterschieden in der Häufigkeit bestimmter Gene kommen. So gibt es im Mittelmeerraum zum Beispiel mehr Träger des Gens für Sichelzellanämie, denn solange man das nur einfach hat, also heterozygot, bringt das einen großen Vorteil: Der Träger ist unempfindlicher gegen Malaria. Das bewirkte, das über einen sehr langen Zeitraum die Menschen mit diesem Gen eine bessere Überlebenschance hatten als die ohne, sich daher besser vermehren konnten und es jetzt dort mehr davon gibt. Wenn man das Gen hingegen doppelt hat, hat man die entsprechende Krankheit, die roten Blutkörper sind falsch geformt und das macht Probleme.
    Solche Beispiele finden sich überall auf der Welt. Man kann auch anhand von weniger offensichtlichen Genunterschieden frühere Völkerwanderungen nachvollziehen. Aber das sind alles nur statistische Werte, es heißt nicht, das jeder dieser Gruppe, oder auch nur die Mehrheit, diese relativ charakteristischen Gene haben muss, es reicht, wenn es über die Gesamtbevölkerung gesehen mehr (oder weniger) sind als anderswo.
    Sehr interessant für die Forschung, auch zum Thema Menschheitsgeschichte, aber für irgentwelche qualitativen Unterscheidungen zwischen Menschen zum Glück völlig nichtssagend. Und je mehr Vielfalt, desto besser letztendlich für eine Population.
    Was eine Bevölkerungsgruppe noch mehr von den anderen unterscheidbar macht als ihre „Genstruktur“, ist ihre Kultur. Auch hier denke ich, das Vielfalt eher eine Bereicherung als ein Problem sein sollte, aber das ist ein anderes Thema…
    Klar gibt es hier Probleme mit der Integration, aber auch das Problem wird von zwei Seiten, nicht nur von einer, verursacht. Und ist außerdem noch so eine Art Teufelskreis, denn je mehr Integrationsprobleme es gibt, um so schlechter wird der allgemeine Ruf von Immigranten, um so schwerer haben diese es dann wieder sich zu integrieren, weil man ihnen dann mit Misstrauen begegnet. Schade, denn wie immer kann man hier nicht verallgemeinern, Deutsche können genauso leicht schlecht integriert sein und sich einfach asozial verhalten. (Sieht man ja zum Beispiel an denen, die auch gerne die Thor S… -Marke tragen…) Es gab übrigens heute auf der Seite der Tagesschau einen interessanten Beitrag dazu, wie viel von den Behauptungen Sarazzins hinsichtlich Sozialleistungsabhängigkeit und Bildungsstand von Immigranten der Wahrheit entspricht. Und wie viel eben nicht.

  14. Was Sarrazin reitet, weiß ich nicht, finde ich aber auch nicht wirklich wichtig, von dem erwartet man eigentlich nicht viel was anderes. Die neuen Ausfälle waren eigentlich nur die konsequente Fortsetzung der alten.

    Mich würde im Moment eigentlich mehr interessieren, was den Bundesbankvorstand reitet, (zumindest vorläufig) noch an Sarrazin festuhalten.

    • @ kall.
      Da tut sich schon was, im Vorstand. Wenn ich die letzten Meldungen richtig gedeutet habe. 😉
      Ansonsten denke ich dass die Aktion „Wir stopfen dem Sarrazin sein Maul mit einem Job bei derBuBa (und entsprechendem Gehalt)“ nicht ganz erwartungsgemäß verlief…
      Wegloben sieht anders aus.
      Druffgugger

      • Ich deute die letzten Meldungen eher so, dass man sagt „wir wollen ihn nicht gleich feuern, wir reden in den nächsten Tagen mal drüber mit ihm, er hat zwar seine Verpflichtungen gegenüber der BB missachtet, aber vielleicht wollte er das ja gar nicht“.

        Ich fürchte, das läuft darauf hinaus, dass er irgendwie nichtssagend ein wenig bedauern darf, dass er doch so missverstanden wurde und selbstverständlich niemandem wehtun wollte. Und dann sind alle zufrieden, denn er hat ja alles aufgeklärt.

        Bis jetzt jedenfalls will man erstmal auf einen Abwahlantrag verzichten. Es würde mich wirklich wundern, wenn man mal konsequent durchgriffe.

  15. Ich lese ja nicht nur hier mit, sondern verfolge auch Kommentar-Seiten von Nachrichten-Anbietern.
    Wenn man dort die Kommentare liest, wird einem im besten Fall nur schlecht.
    Geschätzte 95% der Leute stimmen Sarazzin vorbehaltlos zu. Das wird sicher auch bei der Masse der BILD-Leser so sein.

    Man darf das nicht unterschätzen. Ich fürchte, dass die meisten Bürger dieses Landes nicht in der Lage sind, die Thesen von S. kritisch zu betrachten. Die Ansichten, die ich zum großen Teil gelesen habe, sind einfach nur erschreckend. Ich hätte nicht erwartet, dass der Mangel an Bildung und Intelligenz in D inzwischen ein derartiges Ausmaß angenommen hat.

    Natürlich will S. im wesentlichen provozieren und vielleicht auch zum Denken „anregen“. Er ist ja im Grunde auch kein dummer Mensch und deckt in seinem Buch auch Fehlentwicklungen auf, soweit ich das bisher beurteilen kann. Aber mit den Reaktionen in der Bevölkerung zeigt er eigentlich etwas viel schlimmeres auf, als man sich vorstellen kann. Ich wundere mich jetzt nicht mehr über zunehmenden Rechtsradikalismus und den den Zulauf auf die entsprechenden Parteien.

    Es spielt für mich eigentlich keine große Rolle mehr, wie er was geschrieben hat und wie es eigentlich gemeint war. Ich fürchte mich einfach nur vor der zukünftigen Entwicklung, die das Buch durch die Reaktionen beim Volk aufzeigt. Ich hoffe einfach nur noch, dass ich einfach nur die falschen Seiten gelesen habe, aber ich glaube, dass es nicht so ist.

    • Bei Sarrazin pickt sich halt jeder das raus was gerade ins Weltbild passt. Ob „pro Sarrazin“ oder dagegen.
      Und nachdem ich mich durch Buchauszüge des umstrittenen Werkes des Herrn S. gearbeitet habe stelle ich mal die Behauptung in den Raum:
      Schlau gemacht, jeder findet was er sucht.
      Da gab es doch schon mal einen Herrn mit Schnauzbärtchen, allerdings formulierte dieser noch deutlicher seine Vorhaben in seinem zum Glück verbotenen Machwerk.
      Der Rest ist traurige Geschichte.
      Dass solche Gestalten wie Sarrazin immer wieder in wirtschaftlich schlechten Zeiten mit ihren bekannten Thesen an die Oberfläche geploppt kommen wie der Kistenteufel ist für mich einer der Beweise dafür dass die Menschheit doch nix aus ihrer Geschichte lernt.
      Druffgugger

  16. Habe jetzt mal mit dem Buch angefangen. Schätze, das dauert länger – man kann sowas nun mal nicht runterschlingen wie einen Arztroman. Eines scheint mir nach den ersten paar Kapiteln allerdings schon klar zu sein: Erst lesen, dann darüber reden. Es ist offensichtlich so, dass in den Berichten vieles überspitzt dargestellt- oder aus dem Zusammenhang gerissen wurde. Die Passagen, die dem oft unterstellten Braunton des Werkes vorbeugen sollen, finden hingegen keine Erwähnung. Weiterhin fällt mir auf, dass sich zwar die Mehrheit der Medienvertreter auf Sarrazin eingeschossen hat (Überschrift eines Artikels von heute: „Wirft die SPD ihn endlich raus?“), aber der Trend in den mir bekannten Diskussionsforen ganz anders aussieht. 70-80 Prozent Pro-Sarrazin, würde ich mal sagen. Häufigste Redewendung: „Aber er hat doch recht!“. Alle doof? Alle ausländerfeindlich? Egale, ich lese erst mal das Buch weiter.

    • Und der Autor hat das, was Sarrazin da Ungeheurliches verbreitet ebenso wie die vielen Stammtischparolenschwätzer, die sich durch seinen Schwachsinn ermutigt fühlen und aus den Kneipen jetzt in die Öffentlichkeit drängen definitiv nicht verstanden.

      NIEMAND hat etwas dagegen, wenn Missstände anspricht und beim Namen nennt. Dass wir ein Integrationsproblem haben wissen die meisten, und das darf man auch öffentlich sagen.

      Aber das Ganze mit brauner Scheiße durchquirlen und zusammen mit einem gelinde gesagt ziemlich abartigen Menschenbild zusammen, seinen scheinbar seriösen Status als Bundesbankvorstand ausnutzend, über die Stammtische auszuschütten, ist etwas anderes. Und DAS hat der Abendblättler wie leider auch viele andere nicht begriffen.

      Der Gipfel ist, dass Sarrazin sich nicht entblödet, jetzt auch noch dem Bundespräsidenten offen zu drohen.

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