Zwischenmeldung III


Die restlichen Tage waren dann bis heute ziemlich ereignislos. Von steigenden Rückenschmerzen und abnhemenden Wundschmerzen abgesehen ist alles völlich in Ordnung. Müssen nur noch die Klammern raus

Die Hälfte wird dann morgen gezogen, Rest Freitag, dann gibts den Fußtritt und ich kann nach Hause.

Aber trotzdem geh ich morgen nach dem Klammern ziehen wieder türmen. Ich merk grad, dass mir das echt gut tut. Ich bin ziemlich wach, die Rückenschmerzen sind fast weg, der Bauch tut überhaupt nicht weh und alles andere auch nicht.

Eine Anekdote hab ich noch vergessen. Erfrischende Diskussion mit dem Stationsdrachen.

„Sie haben ihre Tablette noch nicht genommen“

„Stimmt“

„Müssen sie aber“

„Stimmt nicht“

„Wollen sie nicht gesund werden?“

„Isn das für ne Frage? Datt is Morphium. Datt brauch ich nich. Lassen sie Paracetamol hier und nehmen sie dieses Teufelszeug da wech.“

„Na wenn sie keine Schmerzmittel brauchen, dann nehm ich die mit“

Sprach der eingeschnappte Stationsdrache und nahm sowohl Targin als auch Paracetamol mit weg.

Ähem? OK, geklingelt, andere Schwester kam. „Also das Paracetamol könnense immer noch dalassen, aber legen sie das Targin wech, das Zeug ist aus der Hölle und für mich eher überdosiert“ (ich bin trotz Totaloperation seit Samstag nur rumgeturnt – immer wieder mal 5 min aufgestanden und auf dem Flur rumgelaufen. Immer wieder mal im Zimmer gekreist und so – und das tat nicht übermäßig weh, also warum dann mit Holzhammer abschießen?)

„öh, auf ihrer Karte steht, dass auf Wunsch der Patientin alle Schmerzmedikation abgebrochen werden soll??“

WOOOOOOOOOOOOT?

Wutschnaubend zur Stationsärztin getigert, mich beschwert, dass sowas nicht geht und dann hat Madam kurze Zeit später auch ganz brav das Paracetamol rausgerückt und das Targin weggelassen.

Geht doch. 🙂

Fazit:

Die Krankenhausküche ist nicht schlecht, aber nix für mich. Die Betten sind, wie in jedem Krankehnaus, obergärige Scheiße. Meine Herren, alleine meinen verkorksten Rücken wieder geraderichten wird mich Wo-chen kosten.

Die Ärzte: Superlieb, superfähig. Echt toll. Das muss bei mir eine fiese Frickel-OP gewesen sein, da durch die früheren Bauch-OPs echt gemeine Verwachsungen vorhanden waren, durch die man sich erstmal durchgraben musste, bevor man eine Chance hatte, zum Ort des Geschehens überhaupt vorzudringen. Hat alles toll geklappt.

Die Krankenschwestern: Durchwachsen. Auf der Gyn haben die echt nix auszustehen, ich hab da echt andere Stationen gesehen. Die Nachtschwester war supergeil, letzte Nacht haben wir Karten gespielt. Man kommt ins Quatschen und dann erzählt mir diese Frau, von der ich dachte, sie wäre in meinem Alter, dass sie 62 ist. Hey super, so möcht ich mich auch mal halten.

Eine andere Schwester war nur zum Knuddeln. Superlieb und freundlich. Warum man eine erkältete Schwesternschülerin aber auf frischoperierte Patienten losläßt, werd ich so leicht wohl nicht begreifen.

Husten mit Bauchwunde ist NICHT lustig.

Ansonsten sind da ein paar echt übellaunige Drachen dabei. Und mit denen wiederum habe ich meinen Spaß – sowas wie mich kennen die nicht. Normalstation und macht den Mund auf – und nimmt Anordnungen von Ärzten als Diskussionsgrundlage und nicht als Hort der unumstößlichen Weisheit 🙂

Und die erklären auch. Ich frage nach, ich will wissen, was los ist, wenn ich Fachbegriffe nicht verstehe, will ich die erklärt haben. Das ist mein Körper, ich will wissen, was an dem rumgeschnitzt worden ist.

Eine Ärztin meinte zu mir: Patienten wie ich wären sehr unbequem aber andererseits wär sie froh, dass es Leute wie mich gibt. Find ich auch schon. Ich werd ja auch nicht unhöflich, ich will nur wissen 🙂

so. Das wars fürs erste – wird Zeit für ne Blogtour. Und irgendwann tippsel ich mal was über *kotz* das aktuelle Fernsehprogramm. Wenn sich meine Gehirnzellen von der Attacke erholt haben.

Veröffentlicht am 7. September 2010, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 15 Kommentare.

  1. Na, dann kann es Dir ja gar nicht schlecht gehen…! 🙂 Pass auf Dich auf!

  2. Sagen wir es so – ich zieh das „Mund abwischen, weitermachen“ grad durch 😉

  3. Schön von Dir zu hören!
    Aber lasse es langsam angehen und kuriere Dich aus.

  4. Willkommen zurück.

  5. Was haben die Onkel Doktores überhaupt gesagt hinsichtlich der Diagnose etc.?

    • ja sachma, Histologie sollte ja mittlerweile fertich sein.

      Nee, ich bin nicht neugierig, nur neugierig.

      Is ja schön, wenn’s Dir im großen und ganzen ganz gut gefallen hat :p

      Aber Du machst schon noch ein bischen langsam mit Kisten heben und so?

      • Histologie sagt: Tante viel Schwein gehabt.
        Tumor war 2 mm in die Wand eingewachsen, nix gestreut, mit der OP ist definitiv alles gut gegangen. Eingestuft nach T1a.

        Ich weiß, auch wenn ich das hier launig erzähle, dass beileibe nicht alle soviel Schwein haben wie ich. Insbesondere so gemeine Frauensachen wie Mamma-CA oder primärer Eierstock-Ca sind mir ja erspart geblieben.

        Das war ein langweiliger Endometrium-CA, der die fristlose Kündigung bekommen hat. Und so wie es aussieht, sich überlegt, ob er noch weiter vor Gericht zieht – zwecks Kündigungsschutzklage. D.h. engmaschige Kontrollen, aber ansonsten: Durch.
        @kall: Hoff, es geht dir gut?

        • „@kall: Hoff, es geht dir gut?“

          Danke ja, kann man so sagen. Ich würde sagen vor allem _anders_ . Man kriegt einen Stein in den Weg gelegt, und das zwingt kurz zum Anhalten und regt zum einen oder anderen Nachdenken an, aber das ist ja durchaus positiv. Ansonsten die übliche Nachsorge halt, bis auf weiteres z.Zt. tumorfrei. Und die Auszeit war, für mich, _richtig_ gut.

          Was einem gut tut, merkt aber jeder selbst wahrscheinlich am Besten, aber das sollte man dann auch tun, es gibt Unwichtigeres.

          • Darum bin ich heute getürmt. Ich hab gemerkt, Krankenhaus tut mir heute NICHT gut. Ich möchte eigentlich auch nicht wieder zurück. Ich fühle mich hier wohl und mir gehts gut. Aber die Klammern sind halt noch drin, d.h. 3 Tage muss ich wohl noch.

            Mal gucken, ob ich morgen wieder ein Taxi nach Hause finde. Das tut mir hier echt gut. Ich bin müde, ich kann nachher gut pennen – so muss das sein. 🙂

  6. uns tantchen in voller blüte
    vielen dank für deine zeilen

  7. Normalerweise sehe ich zu, dass ich weit weg komme, wenn mir Leute von ihrem Krankenhausaufenthalt erzählen wollen – aber bei deinem Bericht habe ich mich richtig amüsiert. Mal abgesehen davon, dass ich richtig froh bin, dass es dir besser geht und du das Schlimmste überstanden hast, ist es einfach richtig schön, wie viel Humor du dir in dieser Situation bewahrt hast.

    Weiterhin gute Besserung – und übertreibs nicht, ein wenig Ruhe muss schon noch sein!

    • Naja. Ich hab zwei Möglichkeiten: Ohren hängenlassen und mich dem Wetter draußen anpassen oder doofe Witze reißend weiterzumachen.

      Ich find Methode 2 jetzt irgendwie sympathischer, aber danke 🙂

      • Gott sei es gedankt,
        Tante Jay meckert noch.
        Dann halte mal weiter die Lauschlappen steif, das „Bäume-Rausreißen“ verschiebste aber bitte noch auf später:
        Druffgugger

  8. Freut mir, das es dir besser geht und du die OP überstanden hast

  9. Liebes Tantchen…
    theoretisch kann man die Klammern auch ganz einfach ambulant ziehen, beim Hausarzt oder, wenn der keinen Klammerzieher hat, ambulant im Krankenhaus. Ist nicht schwer, lernt jeder Medizinstudent innerhalb von ’ner Minute.
    Ich hoffe, das nimmt mir jetzt mein zukünftiger Berufsstand nicht übel, dass ich das ausplaudere, oder die Schwesternschaft…
    Wenn Dir jetzt außerhalb des Krankenhauses was passiert ohne dass du offiziell entlassen bist, kann das allerdings versicherungstechnische Probleme machen, soweit ich weiß… Dann lieber mal, wenn Du Dir das wirklich zutraust, mit den Ärzten verhandeln, oder notfalls gegen ärztlichen Rat gehen.
    Ich freue mich, dass das jetzt wohl alles gut ausgegangen ist und wünsche Dir alles Gute weiterhin.
    Falls Du Fragen hast, die eine PJ-lerin/Fast-Ärztin beantworten kann, hast Du ja meine Mail.
    Grüße,
    Feli

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