Krankenhausbetten


Ich habs ja versprochen, ich schreib was über mein „scheißunbequemes“ Krankenhausbett (Zitat kall *g*).

Wenns *nur* unbequem gewesen wär, hätt ich das ausgehalten. Ich bin normal nicht so empfindlich. Aber irgendwo hörts dann auch echt auf. Und zwar dann, wenn das Bett krank macht.

Die erste Nacht im Bett schwante mir schon übles: Ich schlafe gerne in Seitenlage, weils einfach bequemer ist. Wenn ich nachts aufwache, weil mein Rücken laut *knack* macht und meine Füsse anfangen zu kribbeln, ist das im Regelfall wirklich kein gutes Zeichen. Ich bin aufgesprungen und hab dann vor der OP noch ein wenig Gymnastik betrieben, weil ich grad da fiese Rückenschmerzen hatte.

Aufgewacht bin ich ja mit diesem geilen Schmerzkatheter. Der hat halt aber auch den Nachteil, das du Druckstellen nicht merkst. Ich war zu sehr im Dutt, mich daran zu erinnern, dass ich gerade in diesem Bett eigentlich dauerrotieren müsste, um genau diese Stellen zu vermeiden. Aber dank Katheter hab ich platsch auf dem Bauch gelegen.

Es hat demzufolge nach dem Ziehen des Katheters auch mal geschmeidige 3 Tage gedauert, bis das Kribbeln („eingeschlafene Füsse“) dann soweit weg war, dass nur noch die Zehen und die Fußsohle betroffen waren.

Interessiert hat das keinen. Die Schmerzanästhesisten meinten, dass das nicht von ihrem Katheter käm und sind abgedackelt. Die Neurologietante hat Reflexe geprüft, festgestellt, dass die in den Füssen wohl ein wenig geringer sind (Füsse haben nicht mal einen Ansatz zum zucken gemacht) und meinte „müssma beobachten“.

Ich wusste bis zu einem bestimmten Punkt auch nicht, woher das kam. Bis ich feststellte, dass mir der Lendenwirbelbereich richtig übel wehtat. OK – mal bisschen rumgelaufen, den Flur rauf und wieder runter, Paracetamol rein (Targin hab ich denen an den Kopf geworfen) und dann gings irgendwann. Aber das letzte Kribbeln war erst Dienstag weg – als ich dann endlich zu Hause war und ein Stündchen im eigenen Bett liegen konnte. Da gings allmählich.

Die letzte nacht dann war die Hölle. Die Matratze war komplett durchgelegen – und das war die 3. die ich gekriegt hab. Die anderen waren noch schlimmer. Ich hab mit den Hüften auf dem Metallrahmen des Bettes gelegen. Alle Bitten, mir doch was vernünftiges zu geben, verhallten ungehört. Gabs nicht.

Und ich wurde, da in Seitenlage, alle 2 Stunden vor Schmerzen wach. Nicht Bauchschmerzen – die Schmerzen waren gut im Griff. Nein, die Hüfte drohte mir durchzubrechen, auf der ich lag. Also umgedreht. Eingepennt. Nach 2 Stunden klatschnass vor Schmerzen aufgewacht. Wieder Hüfte. Wieder gedreht. Dasselbe Spiel.

Morgens als allererstes die Tasche gepackt. Und in der Visite gemeint, dass ich in diesem Bett keine einzige Nacht mehr verbringen werde. Es kam der übliche Diskussionsversuch von wegen „ist doch nur eine Nacht“. Und als ich dann antwortete, dass das nicht diskussionsfähig ist, entweder ich werde entlassen oder ich gehe, aber in diesem Bett verbringe ich keine Minute mehr, das kriegt kein Krankengymnast je wieder hin – da wars Thema durch und die Entlassung wurde betrieben. Bis 16 Uhr hatten die dann auch alles auf der Reihe.

Übrigens wurde in der Abschlußuntersuchung NICHT nach freier Flüssigkeit im Bauchraum gesucht. Sondern nur, ob gynäkologisch alles in Ordnung ist. Mein Hausarzt hat im Ultraschall demzufolge heute die Hände über den Kopf zusammengeschlagen.

Btw. – erwähnte ich, dass das Krankenhaus für mich trotz allem gestorben ist? DAS hätte auch ein Metzger besser hinbekommen und der hätte vielleicht vorher noch ne ordentliche Matratze gehabt.

Falls das ganze gerade eher weniger lustig klingt: Mir gehts grad echt ziemlich dreckig. Und ich hab entdeckt, dass mir die Sozialtante vom Krankenhaus bezüglich AHB Mist erzählt hat. Von wegen die Onkologischen Kliniken wären nix für mich, da sind nur schwerkranke Krebspatienten.

SO kann man sich Arbeit auch abnehmen. Montag beantragt den Krempel mein Hausarzt. Der heute kurz vor Feierabend nochmal so richtig Brechreiz bekommen hat. 😉

btw: Ich hab da heute noch was von. Ich weiß aktuell nicht, was mir mehr weh tut: Rücken oder Bauch.

/disclaimer:

Dass das überhaupt notwendig ist… liebe Kinder, ich bin medizinischer Laie. Ich halte mich an das, was mir erklärt wird und plausibel erscheint aufgrund des begrenzten Hintergrundwissens. Es mag sein, dass die Ärztin einen guten Grund hatte, auf Drainagen zu verzichten – allein: wenn ich das Gesicht meines Docs sehe, dann denke ich, wird der Grund, doch welche zu legen, stichhaltiger sein.

Ich bin Patientin und schreibe aus Patientensicht. Ich hab jedes Verständnis für überarbeitete Ärzte und nein, ich gedenke nicht, jemanden zu verklagen – warum auch? Bringt ja doch nix. Mir gehts auch nicht um Kohle. Ich will gesund werden, mehr nicht.

Dass einige Hohlbirnen doch echt zu dumm sind, genau das zu kapieren. Btw. spamt ruhig weiter meinen Spamfilter voll. Der kann das ab.

Veröffentlicht am 10. September 2010, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 9 Kommentare.

  1. Ja, da kann ich mitfühlen (ca. 25 Kilo zuviel, vor 15 Jahren Vorfall zw. 2. u. 3 Lendewirbel). Zu Haus hab ich auch ein Bett, das sich nach allen Regeln der Kunst an mich anpassen lässt. Im KH (und woanders) gibt’s sowas meist nicht.

    Die meisten moderneren KH-Betten haben einen Metallsteg quer an eine besonders doofen Stelle (eben etwa in Hüfthöhe). Wenn man dann zwecks besser Luft kriegen oben leicht erhöht liegt, hat man das Ding entweder direkt unter dem Oberschenkelhals oder unter dem Steißbein, beides nicht gut, wenn man mit dem vollen Gewicht drauf liegt. Was die sich bei der Konstruktion gedacht haben, bleibt wohl deren Geheimnis.

    In der Reha war mein Zimmer schon was älter, so auch das Bett. Das war zwar nicht so komfortabel verstellbar wie im KH (mit Knick im Kniebereich, was normalerweise gut kommt bei Problemen im Kreuz) aber dafür mit einem einigermaßen brauchbaren Lattenrost und einer nicht zu weichen und nicht zu festen Matratze. Und siehe da, nach ca. 3-4 Tagen Eingewöhnung hab ich ganz passabel 4 Wochen da geschlafen. Im KH (egal wo) ging da gar nix. _Richtig_ geschlafen hab ich auch erst wieder nach 1 Woche im eigene Bett zu Hause (aber das hatte andere Ursachen)

    Apropos Reha/AHB. Natürlich macht die Sinn, und die kriegst Du auch. Was soll denn der Quatsch, den die Sozialtante da erzählt? Um mich rum war alles vorhanden, von Leuten, die keine feste Nahrung zu sich nehmen konnten, bis zu welchen, die fit wie Turnschuh rumsprangen. Ich selbst war ja schon ca. ein Jahr nach OP und daher eher im oberen Drittel der Fitten, hab’s aber trotzdem gut brauchen können. Und ob man sich von schwerer als man selbst Leidenden um sich rum eher deprimieren oder motivieren lässt, hängt doch erstmal von einem selbst ab, und was davon zutreffen könnte, das kann man glaub ich auch selbst am Besten beurteilen.

  2. kall, die wollte mir das ausreden, weil sie meinte, ich wär doch nicht krebskrank und würde da nix zu suchen haben, aber aufgrund der Diagnose wärs die einzige AHB die möglich wäre.

    Das ist kein Witz, das hat die mir so erzählt.

  3. Ja is klar, ne. Selbstverständlich gibt’s verschieden schwere Sachen. Ob Du ein T1 Mo hast oder den Bauch voller Metastasen und es nur noch um ein paar schöne Tage geht, ist natürlich schon ein Unterschied.

    Und die öffentliche Wahrnehmung ist sowieso etwas merkwürdig. Einerseits ist man ein Exot und scheinbar fast unter der Erde, wenn nur das K-Wort erwähnt wird. Andererseits ist ja alles gar nicht so schlimm. Dazwischen geht anscheinend nichts. Da sag ich aber an anderer Stelle was zu.

    Aber auch ein T1 ist eine bösartige Tumorerkrankung und was bitteschön ist das anders als eine Krebserkrankung? Auch mit Deiner Diagnose und Deinem Staging waren welche dabei, warum denn auch nicht? Arbeitsfähig bist Du ja in Deinem Zustand wohl kaum, auch wenn Du noch so arbeitswillig wärst. Und um die möglichst „rückstandsfreie“ Wiederherstellung der alten Arbeitsfähigkeit und die geht’s ja mal in erster Linie, wenn das auch nicht immer und in allen Fällen ganz möglich ist.

    Ich denke Dein Hausarzt, kriegt das schon hin.

    • Jupp, der ist da echt pfiffig und engagiert… und der war heute echt stinkig, soweit ich das beurteilen kann.

      Bezüglich „hast ja nix“ hab ich ja schon was geschrieben. Kollege meinte zu mir: Och, in 2 Wochen springste wieder rum und kannst arbeiten. Musst nicht immer alles so schwarz sehen. Ist ja eine Früherkennung gewesen.

      Ich glaub, der Zahn wird ihm noch gezogen.

  4. Ohje, und ich hatte mich schon so für dich gefreut…
    Keine Drainage nach so einer Bauch-OP! Sowas habe ich noch nie gehört. Bei mir kamen die damals zwar schnell raus, ich meine das sei am zweiten Tag gewesen (ok, ich war ziemlich bedröhnt, da fallen schon mal ein paar Stunden untern Tisch), aber sie hatten immerhin welche gelegt. Und was ist das für eine Begründung – schnellere Mobilisierung.
    Das mit den Betten kenne ich gar nicht anders. Die Matratzen stets unter aller Kanone, und der Rest fast immer Schrott. Leg‘ dich da mal rein, z.B. nach ’nem Herzkatheter, 12 Stunden flach aufm Rücken, und dann noch Sandsäcke auf den delikatesten Stellen… da biste platt in jeder Hinsicht. Oder, auch nett, fast zwei Wochen Intensiv – ich war später überglücklich, wenn die Krankengymnastin bei der AHB manchmal vom vorgeschriebenen Plan (Atemgymnastik) abwich und statt dessen eine Rückenmassage oder eine halbe Stunde auf einer Art Wasserbett spendierte! Eine extra Verordnung dafür gab es leider nicht, obwohl ich deutlich auf die Beschwerden und meinen vorgeschädigten Rücken (Vorfall 4./5.LW) hingewiesen hatte.
    Der absolute Knaller aber war mal ein Bett, das bei der allerkleinsten Bewegung knarzte. Nachts war das besonders toll, da hatten alle was davon. Ein neues gab es nicht, nein, da könnte ja jeder kommen, da hätten wir ja viel zu tun…
    Ich wünsche dir von Herzen, dass das alles bald wieder besser wird. Gut, dass wenigstens dein Hausarzt auf Draht ist. Reha oder AHB, was auch immer, wird dir gut tun, egal was die Sozialdame sagt. Die widerspricht sich doch sowieso in ein und demselben Satz, wenn sie anführt, du seiest einerseits nicht krebskrank, aber die Diagnose sei ja doch so.

  5. Oh ja, erholsamer Schlaf in Krankenhausbetten ist wirklich nicht unbedingt mit Rückenleiden zu vereinbaren. Ich hatte nach der OP wenigstens das Glück, ein elektrisch verstellbares Bett zu bekommen, dabei habe ich nur nach einem zusätzlichen Kissen gefragt, um den linken Arm etwas höher zu lagern (Bandscheibenvorfall C4/C5).

    Ist zwar eine schöne Spielerei gewesen, aber geknarzt hat das Ding bei jeder Bewegung, und die Matratze war auch nicht unbedingt das, was meine Physiotherapeutin gutheißen würde. Das wird auch wieder ein paar Wochen dauern, bis die Gute meinen Rücken wieder einigermassen zurechtgebogen hat.

  6. Da scheine ich bei meinen zwei Aufenthalten der letzten Jahre richtig Glück gehabt zu haben – beides Mal Betten sehr bequem (besser als zu Hause…), nette Zweibettzimmer – nach Alter zusammengestellt, Essen gut (und vor allem mit der Auswahl aus verschiedenen Gerichten und Mengen), Schwestern und Pfleger nett und Ärzte kompetent.
    Ok, es ist eine privat geführte Klinik, die allerdings in der Regel meist Kassenpatienten behandelt…

  7. Ehrlich, ich hab die ganze Zeit beim Lesen deiner Berichte nur gedacht: „Also meine Meerschweinchen, die bekommen eine Drainage nach so einer OP und kuschelweiche Spezialsäcke mit extra Dekubituseinlage, damit sie nicht durchliegen und perfektes Futter und … einfach alles… “

    Ich glaub als Schweinchen mit Krebs wäre es dir hier besser gegangen, als in dem Krankenhaus… aber das ist ja leider häufiger so 😦

    Ich hoffe, deine Behandlung läuft jetzt besser und du bist bald wieder fit (ach das klingt so dumm daher gesagt, aber ich hoffe das wirklich sehr) – und danke, dass du trotzdem im Blog weiter die gute Tante Jay bist die tolle Dinge veröffentlicht.

    Hier – für dich:

    (ich kann nur (meer) schweinisch, das ist meine Natur..

Hinterlasse eine Antwort zu Tante Jay Antwort abbrechen