Menschenrechte


Ich fürchte, ich werde mich jetzt bei einigen sehr unbeliebt machen. Vor allen bei denen, die mir eh schon eine seltsame Einstellung unterstellen. Also bitte genau lesen 😉

Menschenrechte sind unveräußerlich. Daran glaube ich zutiefst. Und sie sind nicht abhängig von einer Person oder dessen, was diese Person getan hat. Menschenrechte hat man von Geburt an und man kann sich der Menschenrechte nicht begeben – egal durch welche Tat.

Allerdings ist die Art und Weise, wie unsere Wertevorstellungen hingenommen werden um anderen Völkern, die zufällig auf den von uns begehrten Rohstoffen sitzen diese aufzudrücken, bestenfalls fragwürdig.

Ich glaube, dass in 100 Jahren diese Kriege die wir jetzt erleben, von Historikern als Rohstoffkriege klassifiziert werden. Es geht nicht darum, gefolterte Frauen zu schützen, es geht nicht darum, Menschenrechte zu verteidigen – es geht um Ressourcen. Um nichts weiter.

Da aber Kriege um Ressourcen nicht gerade publikumswirksam sind, werden diese Menschenrechte hergenommen und als Kriegsgrund genannt.

Der Iran ist _kein_ Musterland an Menschenfreundlichkeit und Demokratie. Er ist eine Diktatur – eine religiös verbrämte Diktatur alter, sturer Männer.

Aber er hat eine Regierung, die nach meiner Beurteilung (auf derselben Faktenlage die jeder von euch hat), frei gewählt wurde. Das mit den Wahlfälschungen halte ich für eine der Vorbereitungstaktiken, damit ein Einmarsch in den Iran gerechtfertigt werden kann.

Wir haben nicht das Recht, wenn wir selbst so verlogen sind, unsere Vorstellung von Menschenrechten einem Land mit Gewalt aufzuprägen. Das ist ebenso meine feste Grundüberzeugung.

Der Iran muss sich ändern, wenn die Menschen in ihm frei leben sollen. Aber dass müssen die Iraner tun. Nicht wir Europäer oder die Amerikaner. Wenn es die NATO-Truppen wagen, dort einzumarschieren, sieht man am Irak sehr gut, was dort passieren wird. Destabilisierung, Warlordherrschaft, Bürgerkrieg.

Und im Bürgerkrieg sterben viele Unschuldige. Kinder, Frauen, alte Leute, auch junge Menschen – Menschen, die nichts weiter wollen als Leben, ihre Kinder aufziehen und in Ruhe alt werden.

Bevor wir den Splitter aus dem iranischen Auge ziehen MÜSSEN wir den Balken aus unserem eigenen ziehen. Und kommt mir nicht mit „hier werden keine Frauen gesteinigt“. Nein, natürlich nicht. Aber wir haben in Afghanistan Truppen in einem Angriffskrieg stehen, der grundgesetzlich verboten ist (und kommt mir jetzt nicht mit den Juristenklimmzügen). Diese Truppen schicken Todesschwadronen raus, um gezielt Aufständische umzubringen. Wir haben also wieder Mörder in Uniformen im Ausland.

Wir sind _wieder_ dabei, eine ganze Generation junger Männer im eigenen Land zu traumatisieren, wir sind _wieder_ dabei, andere Länder zu annektieren. Und warum? Weil das Land Rohstoffe hat und aus einem willfährigen Gehorsam den USA gegenüber.

Nein, ein Einmarsch in den Iran durch uns ist NICHT durch die Menschenrechte gerechtfertigt. Er ist durch nichts gerechtfertigt. Er dient nur dazu, an die iranischen Ölquellen zu kommen, sonst nichts.

Und es geht vor allem keinem einzigen der Hardliner darum, _irgendeinen_ Menschen vor einem furchtbaren Tod zu bewahren. Es geht nur um Ressourcen.

Das meine ich, wenn ich sage: Die Achtung vor Menschenrechten kann man keinem einprügeln. Sie muss durch lernen kommen. Und das ist der lange Weg. Er ist durch nichts zu ersetzen.

Veröffentlicht am 23. September 2010, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 14 Kommentare.

  1. Meine Zustimmung.
    Selbst wenn du die Menschenrechte außen vor lassen _würdest_ – mit Gewalt kannst du in keinem Volk eine Einstellung ändern und den ach so tollen europäischen Lebensstil aufdrücken. Wie man u.a. am Irak sieht, endet dies in Bürgerkrieg, Chaos, instabilen Verhältnissen und Tod für viele normale Bürger, die einfach nur leben wollen.
    Wir haben nicht das Recht, anderen Völkern unsere Lebenseinstellung aufzuzwingen zu wollen. Wir wollen dies umgekehrt ja auch nicht. So abgedroschen der Spruch auch ist – er passt auch in diesem Fall noch immer:
    Was du nicht willst, dass man dir tu, das füge auch nicht anderen zu!

  2. Die Zeit ist das Problem. Es geht zu langsam. Ich stimme mit dir überein – das Volk muß es selbst lernen und umsetzen. Und das dauert. Leider.

    Das ist so ählich wie mit den Parteiverboten hier in D. Nix wird dadurch gewonnen. Es muß vom Volke kommen, das nicht zu akzeptieren, was die verbreiten. Aber das ist schwierig – heute wie damals – in einer Situation, in der es ca 12 Mio. Arbeitslose gibt (wenn man denn korrekterweise die Hartz4-Empfänger und die sich in einer Bildungsmaßnahme Befindenen mitzählt). Sehr schwierig. Denn die meisten wollen ja arbeiten und etwas Hoffnung fürs Leben. Und in so einer armseligen Situation setzt dann schon mal das rationale Denken aus. Da sind die Aussagen dann der letzte Strohhalm, an den man sich klammert.

    Wer will es denen denn verdenken? Und zurück zum Thema: ein Krieg geht zwar nicht schneller, zeigt aber schnell (kurzlebige) positive Ergebnisse. Und fördert die Wirtschaft im eigenen Lande. Und da sind wir beim Kommerz, der immer mitspielt. Immer und überall. Leider.

  3. Heute wird nicht geschwafelt:

    ich stimme meinen Vorpostern zu!

    Ach doch – ein‘ hab‘ ich noch: wie kommt Ihr eigentlich darauf, dass wir nicht in einer Diktatur leben? Unsere Politiker sind meiner Ansicht nach mindestens so korrupt wie alle anderen. Und von gleicher, freier und geheimer Wahl kann ja wohl auch nicht immer ausgehen (besonders „gleich“ ist das nicht immer). Auch kann ich die demokratische Legitimation der EU-Kommission nicht erkennen!
    Aber auch das ist nur meine Meinung – kann sein, dass ich da zu paranoid bin…

  4. Lochkartenstanzer

    Auch wenn ich im westntlichen mit Dir übereinstimme:

    Ob die Regierung wirklich so von der Bevölkerung gewollt ist und frei gewählt wurde, zweifle ich an. Und zwar nicht wegen irgendeiner Wahlfälschung, die angeblich oder tatsächlich stattgefunden haben mag, sondern allein deswegen, weil oppositionelle Gruppierungen behindert werden, bzw. erst gar nicht zur Wahl stehen.

    Aber wie Du schon sagtest, ist das kein Grund dort einzumarschieren. Wenn die Iraner es geschafft haben, den Schah zu vertreiben, werden sie es, so sie denn wollen, auch gegen die Mullahs schaffen.

    lks

    Ach ja, gute Besserung noch.

  5. Die Wahlen im Iran waren NICHT frei.
    Von 476 Bewerbern für das Präsidentenamt wurden 4 zur Wahl zugelassen. Es wurden keine Frauen zugelassen, es wurden keine ethnischen Minderheiten zugelassen, es wurden keine Nicht-Muslime zugelassen. Am Ende gab es nur 4 Kandidaten, die allesamt aus dem Regierungslager kamen. Selbst der später zum Oppositionsführer stilisierte Mir Hossein Mousavi war früher Premierminister (schon zur Zeit der Islamischen Republik).
    Wenn der islamische Wächterrat die Kandidaten aussucht, können Wahlen von vornherein nicht frei sein.
    Aber es gab auch keinen freien Wahlkamp, da es keine unabhängigen Zeitungen gibt. Der Iran hat keine Fernsehsender, die nicht von der Regierung kontrolliert werden.
    Am Wahltag schaltete die egierung das Mobiltelefonnetz in Tehran ab.
    Die Ergebnisse wurden sehr schnell veröffentlicht und nicht wie zuvor für jedes Wahllokal getrennt, sondern in Blöcken von mehrere Millionen Stimmen. Komischerweise waren die Stimmenverhältnisse in allen Provinzen annähernd gleich. Die Herausforderer hatten also nicht einmal in ihren Heimatprovinzen mehr als den Durchschnitt erhalten. Auch zeigten sich keine Unterschiede zwischen Land und Stadt, obwohl die städtische Bevölkerung nicht zuletzt wegen der goßen Anzahl von Studenten mehrheitlich gegen Ahmadinedschad und das islamische Regime sind (wie sich später bei den Protesten zeigte). Etliche Wahllokale hatten mehr abgegebene und gezählte Stimmen als es dort Wähler gab. Hier gibt es eine ganz gute statistische Analyse: http://www.chathamhouse.org.uk/files/14234_iranelection0609.pdf

    Andreas Moser
    (im Iran im Juni 2009, davon eine Woche im Gefängnis)
    http://www.andreasmoser.wordpress.com
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,636795,00.html

    • Wie ich bereits sagte: Der Iran ist KEINE Demokratie. Noch nicht mal ansatzweise. Das will er aber laut der derzeitigen Regierung überhaupt nicht sein.

      Und die Frage, die sich mir immer und immer wieder stellt: Dürfen wir anderen Völkern unser Demokratieverständnis mit Gewalt einprügeln? Dürfen wir eingreifen, weil das Land nicht so regiert wird, wie wir es gerne hätten?

      Ich meine nach wie vor: Nein. Es gibt andere, langsamere Wege, aber das sind die einzig gangbaren, WENN es um die Einhaltung der Menschenrechte geht. Und wir müssen aufhören, Wein zu trinken aber Wasser zu predigen. Wie weit ist es denn bei uns mit den Menschenrechten her?

      Die USA töten nach wie vor Menschen im Namen einer Gerechtigkeit, die ich nicht verstehen kann. Hier bei uns wird allmählich das gesamte Instrumentarium der Totalüberwachung eingeführt, inklusive Zensur. Ein Hans-Peter Uhl kann problemlos behaupten, dass man in Sachen Internetüberwachung von China lernen soll und KEINER gibt ihm den verdienten Tritt in den Hintern.

      In Großbritannien, wo du inzwischen lebst, gibts Kameras an allen Straßenecken (die offenbar auch nicht viel bringen), es gibt Kinderverfolgungen (Stichwort „Social Behaviour“) und allgemein eine inzwischen ziemlich repressive Regierung.

      Und WIR sollen dem Iran beibringen, was Demokratie und freie Meinungsäußerung sind? Mit Gewalt? Indem wir da einmarschieren?

  6. Ja, Du hast recht! Menschenrechte kann man niemandem durch Tot, Krieg und Leid zu fügen beibringen!

  7. Da stimme ich dir zu 200% zu, liebe Tante Jay. @ednong: Es geht zu langsam, aus welcher Perspektive denn? Nur und ausschließlich aus unserer Perspektive. Aus europäischer Sicht. Wir haben aber dazu zwei Weltkriege, Europäische Kolonialisierung, und unzählige Menschen dafür ermordet und hingeschlachtet. Wir haben über 200 Jahre dafür gebraucht um überhaupt in unseren Verfassungen und Gesetzen grundlegend die Menschenrechte zu verankern. Und selbst darauf kann man sich nicht berufen. Und bei uns ist es in den Köpfen noch lange nicht allgemein verankert. Spätestens wenn der BILDungsbürger den nächsten Kinderschänder vorgesetzt bekommt (egal ob die Schuld erwiesen ist oder nicht), oder ein Herr Sarrazin Menschen nach Einkommen und Herkunft abgrenzen möchte und dafür sogar noch gefeiert wird, dann zeigt sich, wie sehr auch hier die Menschenrechte nur geheuchelt werden.

    Und da wollen wir anderen unsere Sicht aufdrängen? Bei uns wird es vielleicht auch noch 100-200 Jahre dauern, vielleicht kommt uns ein weiteres 1000-jähriges Reich dazwischen, bis wirklich jeder hier lebende als Mensch anerkannt wird. Wir mögen offiziell keine Frauen steinigen, die fremd gehen oder vorehelichen Sex haben, wir mögen vielleicht auch offiziell keinem Homosexuellen ein Haar krümmen. Aber wir steinigen mit Worten. Ob „Du Schwuchtel“, ob „Die Schlampe, die es mit jedem treibt“, ob „Ölauge“ und so weiter. Wir ergötzen uns an dem öffentlichen Pranger, wenn ein Herr Kachelmann sein Sexualleben öffentlich vor Gericht zur Schau stellt, Scharia-Strafen im Iran mögen wir nicht, aber dem Dieb, dem möchten wir schon gerne die Hände abhacken können, vor allem, wenn er aus dem sagenumwobenen „Südland“ kommt. Leute die anders denken, anders handeln, Menschen mit Gewissen und Empathie, die werden gerne als „Linksfaschisten“ oder „Gutmenschen“ diffamiert und manchmal sogar verprügelt und getötet.

    Nein auch bei uns wird es noch lange dauern. Zu lange vielleicht.

    Ansonsten: Gute Besserung, auf dass du bald wieder Käsekuchen essen darfst…

  8. Das was du schreibst, ist die Grundlage der Demokratie: Jedem Mensch ist eine angeborene Würde und angeborene Grundrechte zueigen. Nur so hat es ja Sinn gleiche Wahlen abzuhalten. Aber die Geschichte dieses Gedankens zeigt, dass sie über alle Jahrhunderte hindurch von den Machthabern negativ bewertet wurde. Dies ist auch heute in Deutschland so – oder warum sonst würden Politiker fordern, dass das Wahlrecht reformiert würde und „Leistungsträger“ ein größeres Wahlrecht zustehen würde.
    Von Beginn der „Demokratiegeschichte“ wird die Frage diskutiert: Ist sie positiv oder negativ? Ist sie nützlich für das Gemeinwesen oder schädlich? Und in vielen Jahrhunderten hat sich gezeigt, dass wenn Habsucht und Besitzenwollen ins Spiel kam, die Demokratie sich selbst zerstörte (z. B. im alten Griechenland, das die Wurzel unserer Kultur in Europa ist, nicht etwa das Christentum). Sie ist ein kostbares Gut, dass schwer zu bewahren ist. Wenn wir sie verlieren, verlieren wir unsere angeborenen Rechte. Die Gefahr ist garnicht soweit weg.

  9. Im großen und ganzen stimme ich dir zu Tantchen. Allerdings habe ich trotzdem ein Paar Anmerkungen.
    Zum Ersten zu „frei gewählt“. Ja vllt. wurde ja wirklich so gewählt und das ohne Beeinflussung, aber heißt das, dass es auch so gewollt war? Ich denke nicht. man brauch doch bloß mal zu uns schauen. Unsere Regierung wurde so gewählt, aber auch so gewollt? In vielen Dingen sicher nicht. Zum anderen hat die Geschichte auch gezeigt, was aus einer gewählten Regierung bzw. Person heraus entstehen kann. Zum Beispiel das 3. Reich.

    Zum Zweiten, bin ich nicht der Meinung, dass nur weil man evtl. ein früheres menschenverachtendes Regime (oder was für eine Art auch immer) gestürzt/vertrieben hat, auch ein neues „beseitigen“ kann, wenn man denn nur will.
    Es ist doch eher meist so, ist der eine Weg, kommt der Nächste. Eine Schreckensherrschaft wird von der nächsten abgelöst.
    Und die Frage, ob die Iraner erneut solch eine Regierung beseitigen können, einfach mit „Ja“ zu beantworten, kann ich nicht wirklich und empfinde es schon ein wenig zu einfach zu sagen „das schaffen die schon“. Als Vergleich: Haben wir unseren Diktator damals auch selbst Beseitigt? Ich denke eher, dass er das selbst getan hat.
    Die Frage sollte eig. auch eher lauten, ob das Volk denn eine Änderung will.

    Gut, ich möchte hier nicht endlos Beispiele anbringen, die nur bedingt zutreffen und ich möchte auch nochmal betonen, dass ich ebenfalls glaube, dass die Rohstoffausbeutung ein großer Hauptgrund ist, schließlich marschieren wir in andere Länder ja auch nicht ein, weil diese Menschenrechtsverletzend sind.

    Achja als letztes noch: Ich muss JoyntSoft recht geben. Wir leben zwar in keiner Diktatur aber auch in keiner vollen Demokratie und unsere Wahlen sind schon lange nicht mehr gleich. Wo z.B. sind unsere Volksbegehren und Volksentscheid? Wo war die Piratenpartei (in Sachsen) auf meinem Wahlschein? Nur in Sachsen waren sie nicht vertreten. Auf der anderen Seite ist z.B. die CSU nur in Bayern vertreten aber wer CSU wählt, wählt automatisch CDU … und so „gleich“ sind die Parteien schon lang nicht mehr.

  10. Ich bin auch der Meinung, dass man Menschenrechte nur vorleben, nicht erzwingen kann.
    Und wenn ich mir das Verhalten so mancher der „Guten“ ansehe, frage ich mich, ob die selber noch wissen, ob und in welchem Ausmaß sie andere und sich belügen.

    Natürlich geht es um Resourcen. Ging es in Kriegen ernsthaft jemals um etwas Anderes?

  11. Wenn es um unmenschliche Strafen (wegen Ehebruch etc.) ginge, müssten wir wohl auch in Saudi-Arabien einmarschieren und für Demokratie sorgen. Kamen nicht auch die meisten 9/11-Terroristen von da? Zum Glück geben die uns ihr Öl freiwillig.

    Wenn die wenigstens einen elektrischen Stuhl oder ein dubioses Giftgemisch nutzen würden… Und Internetpranger. Aber die sind ja so rückständig.

    Und wenn es denn um die Demokratie und Wahlrechte ginge, dann haben wohl ‚unsere Jungs‘ 1971 das Frauenwahlrecht in der Schweiz und 1984 in Liechtenstein erkämpft.

    Oder geht es um die Nichtverbreitung von Atombomben. Naja, wer will schon seine Überlegenheit einbüsen. Am besten verbiete ich anderen diese bösen Dinge, die ich selbst habe, mit denen ich drohe und die ich auch schon eingesetzt habe. War da was in Pakistan oder Israel?

    Alles Heuchler!

  12. Kriege führen niemals zu Lösungen, sondern nur zu Leid.

    Afghanistan (ich nehme nur diesen Fall als Erläuterung) hat zwar auch Ressourcen, aber dieses Land hat eigentlich „nur“ eine strategische Bedeutung, durch die geographishe Lage.

    Ich kenne einen Bundestagsabgeordneten, der persönlich dort war. Die Soldaten sind davon überzeugt, dass sie wirklich etwas gutes für dieses Land erreichen wollen. Die Traumatisierung, die unser Tantchen hier anspricht, wird noch schlimmer werden, wenn sie merken, dass sie verarscht wurden. Es gibt auch Politiker, die die vorgeschobenen Argumente nicht als solche erkennen.

    Unsere Werte und Normen haben sich auch nur langsam entwickelt und die Voraussetzungen für Veränderungen in Richtung Demokratie waren ganz anders, als in den angesprochenen Ländern. Es ist ja aus unserer Sicht gut gemeint (sofern es ehrlich ist), der Regierung von Afghanistan zu helfen, aber wer kann schon beurteilen, warum die das wollen?
    Zwangshilfe zur Einführung der Demokratie oder zur Wahrung der Menschenrechte bei souveränen Staaten, ist einfach nur arrogant oder ein vorgeschobener Grund. Es ist nichtmal wichtig, was davon richtig ist. Ich würde mir ja auch nicht von meinem Nachbarn in die Erziehung meiner Kinder reinreden lassen. (Auch wenn dieser Vergleich ein wenig hinkt.)

    Aber es ist auch ungeheuer schwierig, sich nicht einzumischen. Was soll den ein Staat machen, der von einer anderen Regierung um Hilfe gebeten wird? Vielleicht ist es genau die Regierung, die nicht vom Volk gewünscht wird, aber unseren Werten und Normen gemäß handelt? Wer soll das beurteilen?

    Auch die fortschreitende Globalisierung macht es schwierig. Die Welt wird immer kleiner und die Verflechtungen sind enorm. Wenn die Staaten keinen Einfluss nehmen, so macht es aber garantiert die Wirtschaft. In welcher Form dadurch andere Staaten ausgebeutet werden, muss ich hoffentlich niemandem hier erläutern.

    Angst vor einem Atomkrieg muss keiner haben. Es macht einfach keinen Sinn, auch nicht für religiöse Fanatiker. Würden nur wenige Bomben geworfen, wäre der Gegenschlag absolut zerstörerisch für den Angreifer. Ein Nuklearschlag, gegen alle Christen (nur als Beispiel), würde auch die Welt der Islamisten zerstören (selbst ohne Gegenschlag, alleine durch die „natürlichen“ Folgen). Man kann den Leuten vielleicht Fanatismus vorwerfen, aber dumm sind die auch nicht.

    Das Problem ist doch, dass die Verflechtungen derartig groß und unüberschaubar sind. Dazu kommen die enormen kulturellen Unterschiede, die auch noch in religiösem Wahn ihre Spitze finden. Dabei nehme ich die Christen nicht aus. Man muss dafür nur mal die christlichen Splittergruppen andehen oder die Ansichten der katholischen Führung. Und auch die Verflechtung zwischen Staat und Kirche ist in unserem Kulturkreis immer noch sehr groß, auch wenn diese Verpflechtung offiziell nicht existiert (Trennung von Staat und Kirche).

    Man darf sich das nicht zu einfach machen. Die Einmischung bei anderen Staaten oder die Zwangs-Demokratisierung sind nur die Spitze des Eisbergs. Die wirtschaftlichen und kriminellen Verflechtungen existieren schon viel länger und sind unkontrollierbar.

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