Alltag


So in der 4. Woche bekommt das Leben im Krankenhaus etwas von „Alltag“ – und das ist echt erschreckend. Alles, was „normal“ ist, ist so weit weg.

Irgendwie ruhiger bin ich dadurch nicht, im Gegenteil, ich laufe hier fast die Wände hoch. Aber man findet sich mit der Umgebung irgendwann ab.

Letzte Nacht ist mein Vater wieder ins Krankenhaus gekommen. Aus Gründen der Besuchseffizienz liegt er nu 2 Etagen über mir, tatsächlich im selben Bett nur 2 Etagen drüber. 😉

Was er hat, weiß noch keiner. Infekt, jo. Aber was? Schulterzucken allerorten.

Ich muss wohl nochmal auf den Tisch. Lust hab ich dazu keine, aber muss wohl sein. *seufz* Aber dass die das ohne Betäubung machen können die mal gepflegt vergessen. Es wird zwar nix wehtun, aber ich finds nich witzig, wenn da einer mit nem Skalpell rumstochert und ich kann das merken. Neee, nee.

Die Vac-Pumpe zickt grad. Saugt zu wenig ab. Aber alle sagen mir „alles bestens und ich soll mich doch freuen, das so wenig rauskommt. Würd ichja, aber die Suppe steht im Verbandsstoff wiein einem Schwamm. Gesund kann das nicht sein.

Ich klingel grad mal die Schwester ran, vielleicht finden sie JETZT was. Gestern wurde ja schon festgestellt, dass was ist, aber man will as weiter beobachten. Nu is der obere Teil vom Schlauch rappelvoll drunter aber alles leer. Mal sehen, update folgt.

Neue Patienten sind auch immer wieder witzig. Gestern Notfalleinlieferung. RIESENTHEATER…meine Fresse, war da ein GEschimpfe. Mein Lieblingsstationsdrache, die mir gestern u.a. vorgeworfen hat, dass ich mich nicht früh genug gemeldet hätte wegen der Pumpe. Hab ich ja. Aber alle sagen „super“, ich sag „ne, nich super“. „Doch super.“ „Ne, staut sich.“ – ab und an bestätigt mich die Pumpe ja und piepst. Aber gut sieht anders aus.

Und jedesmal wenn ich nach unten trabe, pumptse wieder ein bissi so dass die Docs sagen „hey, super, weiter so“ und ich steh da und such nach ner Bettpfanne zum schmeißen. Ich seh doch keine weißen Mäuse. Und ich bin verdammtnochmal Techniker genug um zu sehen, wenn mich so ein Mistding verarscht.

*grmpf*

Nein, grad ist wieder nicht super. Gar nicht super. Und das zeig ich denen jetzt. -.-

Veröffentlicht am 4. Oktober 2010, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 7 Kommentare.

  1. Tantchen von denen kannst du noch was lernen, wenn dann in der Schule einer wegen zu langsamen Internet mault, kannst auch einfach sagen:“Läuft ja, ist doch alles super.“

  2. *anmerk* Sorry, hat sich überschnitten.

    Nicht schön, plöder Abszess.

    Zum Rumstochern: Wie wär’s mit Dormicum? Haben sie mir ’ne Harnleiterschiene mit rausgeporkelt. Ich kann mich grad noch dran erinnern, dass der Doc sagte, ich fang jetzt an, und dann war Filmriss bis genau zu dem Augenblick, als er sagte, Sie können jetzt aufstehen und sich wieder anziehen. Aber trotzdem scheint man wohl irgendwie leicht ansprechbar zu sein zwischendrin. Fand ich faszinierend und würde ich im Wiederholungsfalle dem vollen Bewusstsein jederzeit vorziehen.

  3. Meine Fresse, wenn du was machst dann aber richtig wa?

    Du tust mich echt leid, da kommen mir meine aktuellen Wehwechen wie öhm ja lassen wir das. Ich drücke alle vorhandenen Daumen, in der Hoffung das es dir bald besser geht.

    MfG
    ein recht siller leser

  4. In der Wunde ohne Betäubung stochern ist nicht so schlimm wie es sich anhört. Das wird sogar bei Säuglingen gemacht. Die schreien dann zwar, aber das tun sie auch so oft genug. Ich muß das wissen, ich hab das durch als Mama. Bei mir selber übrigens auch. Allerdings war ich da kein Säugling mehr *g
    Man kann sich sogar daran – fast – gewöhnen. Zahnarzt find ich schlimmer. Kopf hoch!

  5. Und, wie geht es deinem Vater?

Hinterlasse eine Antwort zu Usch Antwort abbrechen