In meinen Träumen


In meinen Träumen bin ich stark. Ich bin gertenschlank und schön.

In meinen Träumen habe ich keine Angst, nicht vor dem Morgen, nicht vor dem, was mit mir passieren könnte. Ich bin gesund und habe keine Narben. Meine Haare sind lang, dick, glänzend und silbrig….

In meinen Träumen bin ich ich selbst, wie ich sein könnte, wenn ich mir nicht immer selbst im Weg steh.

In meinen Träumen weiß ich immer die richtige Antwort. Und kenne die richtigen Fragen.

In meinen Träumen….

Doch das Leben ist kein Traum. Es ist real. Und in der Realität bin ich all das nicht.

Und ich kenne weder die richtigen Fragen noch die richtigen Antworten. Nicht auf das, was mit mir passiert – oder was mir passiert, wenn ich im Aufzug bin und das Kind mit dem Finger auf mich zeigt und fragt:

„Mutti, warum stinkt die Frau da so?“

Auch Mutti wusste nicht die richtige Antwort. Ich weiß nicht, ob es auf solche Fragen überhaupt eine richtige Antwort gibt. Aber sie war nicht im mindesten peinlich berührt, sondern warf mir einen fiesen Blick zu und meinte:

„Kind, manche Menschen waschen sich nicht gerne. Dann stinken die.“

Die richtige Antwort wäre vielleicht eine Ohrfeige an die Mutter gewesen. Oder dem Kind sagen, dass auch Mütter manchmal sehr viel Mist erzählen, weil sie keine Ahnung haben.

Aber alles, was mir einfiel, war:

„Planschkuh“

als ich rausging. Und ich glaube, ich habe mich in meinem ganzen Leben noch nie so erniedrigt gefühlt und mich so geschämt…

Für etwas, für das ich überhaupt nichts kann.

Veröffentlicht am 10. Oktober 2010, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 30 Kommentare.

  1. Vergiss die Trulla – deren Horizont kann man wahrscheinlich greifen. Kinder fragen gern direkt, aber schlagfertige Antworten sind nicht immer da, vor allem weil man immer erst überlegt, wie man etwas kindgerecht formulieren kann.

    MfG Marx

  2. War das mit dem Kind jetzt im Krankenhaus? Das ist ja von der Mutter wirklich… äh… *sprachlos seiend*
    Oh mann, da bist du ja eh schon genügend bedient mit deinem Abzess und dann kommt so eine Tante daher… *Baseballschläger putzend*

  3. Das ist hart, ganz hart.

    Aber es gibt nur eine Möglichkeit, man muss es erklären, sachlich und ohne Aggression, und wenn es noch so schwer fällt. Das Kind kann nichts dafür, und auf die Person, die da ein Vorurteil ausgepackt hat, wirkt eine unaufgeregte Reaktion doppelt stark.

    Das ist schwer, ganz schwer, und in Deiner Situation ganz besonders.

    • War ich auch echt nicht zu fähig. Keine Chance. Ich war so platt, dass ich gerade noch genug hatte, um die Tränen zurückzuhalten. Eine Schlagfertige Antwort wär überhaupt nicht drin gewesen.

      Und ja, mein Nervenkostüm ist nicht gerade das beste aktuell. Nach 6 Wochen Krankenhaus (ich bin seit dem 1.9. kaserniert) ist das allmählich wirklich nicht mehr schön. :-/

  4. Diesen Traum träumen viele von uns mal, irgendwann, irgendwie … aus irgendwelchen Gründen …

    Nobody is perfect … My name is Nobody!
    Mr/Mrs Perfect are Nobodies. Sometimes, maybe …

    Komm mal her:
    {{{{{{{{{{{{{{{{{{{{{{{{{{{{Tantchen Jay}}}}}}}}}}}}}}}}}}}}}}}}}}}}}}}

  5. *tantchen knuddel* 😦
    Kein Grund zu schämen. Sind halt nicht alle Leute gleichermassen mit Gehirn gesegnet.

    Und wenn dich wieder mal eine so blöd anmachst drückst ihre Nase in die Wunde. =)

  6. Oha Tantchen,
    das hört sich ja schon wirklich schwer geschafft an. Doch warum machen Sie sich jetzt Vorwürfe? Sie sind krank (und hoffentlich bald wieder gesund). Was beschäftigen Sie sich mit sowas Nebensächlichem? Idioten gibt es überall, und das Krankenhaus wird da keine Ausnahme sein. Es trifft Sie nur viel schwerer, weil Sie angeschlagen sind. Stehen Sie einfach drüber! (Und ja, ich weiß, das fällt verdammt schwer).

    Konzentrieren Sie sich auf Ihre Heilung. Finden Sie zurück zur alten Form. Und fühlen Sie sich gedrückt.

    • Ich mach mir ja keine Vorwürfe, aber wenn du dich selbst schon so unglaublich unwohl fühlst, weil du dich seit Wochen nur waschen kannst (noch nicht mal die Füsse, da komm ich aktuell einfach nicht ran) und dann kommt so eine dämliche Attacke, das tut einfach weh. Mich hats da echt aus den Latschen gehauen. 😦

  7. Da bin sogar ich sprachlos…

  8. Nicht schämen, sondern etwas tun! Setz denen ein Ultimatum. Wolltest Du nicht gegebenenfalls ins Knappschaftskrankenhaus?

    Herzlichen Gruß
    Tom

    • Heute ist (endlich!!!) Verbandswechsel. Und evtl. das Ergebnis vom Abstrich, weil das können ja auch gaaaaaaaanz andere Bakteriens sein außer Pseudomonas. Mir inzwischen Wumpe, ich hab die Kavallerie losgelassen.
      Meine Mutter.
      Denn: WENN einer die Tochter schurigeln darf, ist das sie selbst, sonst keiner. Und dann wirdse ösig. Sehr ösig. Soll heißen: Mutter ist stinksauer, hat grad an ihrer alten Arbeitsstelle angefragt, ob das denn alles so richtig sein kann, die machen sich grad schlau und dann werd ich verlegt. Wenn die Klinik sich das zutraut (sic! die kennen ihre Grenzen) nach Hamm, ansonsten zur Uniklinik Münster.

  9. Liebe Tante Jay,

    ich kann gut verstehen, dass es einen bei so wenig Anstand (vor allem in Ihrer jetzigen Lage) einfach umhaut. Man sagt so leicht „drüber stehen“, doch wenn das Nervenkostüm sowieso schon angekratzt ist, fällt das verdammt schwer. Ist fast ebenbürtig mit den Krankheiten, die nach außenhin nicht sichtbar sind, als da sind: kaputte Halswirbel, kaputte Schultern, etc. (zwar alles operiert, doch durch starke Abnutzung bleiben die Schmerzen) und man wird von seiner Umwelt einem Hypochonder gleichgestellt, so frei nach dem Motto: „Stell dich nicht so an, das kann ja gar nicht so schlimm sein.“
    Ich wünsche Ihnen gute und schnelle Besserung, und, dass Sie irgendwann ironisch über solche Menschen lächeln können!
    Lieben Gruß
    Gabi

    • „Stell dich nicht so an“ ist der schlimmste Satz, den man sagen kann. Er nimmt den anderen nicht ernst, er unterstellt, dass er zuviel Gewese um etwas macht, was ihn jedoch offensichtlich sehr stört.

      „Stell dich nicht so an“ höre ich in der einen oder anderen Form jeden Tag von den Ärzten hier….

      • Ja, es ist traurig. Man sollte annehmen, dass Ärzte auch eine gewisse psychologische Schulung durchlaufen haben, doch viele sind im Laufe der Zeit einfach nur abgestumpft. Am Anfang hab ich auch alles „geschluckt“, was man mir so platt vor den Kopf knallte, doch mittlerweile gibt’s von mir die passenden Antworten. Unter dem Kittel steckt auch nur ein Mensch, und der steht nicht unbedingt „über“ mir! Wenn von mir jemand Respekt verlangt, dann soll mich gefälligst auch mit demselben behandeln, sonst passiert’s nach dem alten Spruch meiner (verstorbenen) Oma: „Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil!“
        Also nicht unterkriegen lassen, sondern im passenden Moment ruhig aufmucken! Ein bisschen Wut hebt auch das Selbstbewusstsein. (hab ich die Erfahrung gemacht).
        Jetzt verabschiede ich mich erst einmal für die nächsten Stunden, denn ich muss auch gleich zum Dottore…
        Nochmal lieben Gruß und bis später!
        Gabi

    • Nur ein klitzekleiner Einwurf:
      „Stell dich nicht so an!“ ist durchaus was anderes als „Steh bitte drüber!“. Das ist jedenfalls meine Meinung und deshalb bewußt so gesagt worden.

      Ich kann mir gut vorstellen, dass das Nervenkostüm durch ist, keine Frage. Und ich kann mir ebenfalls sehr gut vorstellen, dass man bald keine Kraft mehr hat. Aber das bißchen Restkraft sollte man dann nicht fürs Ärgern verbrauchen – das war eigentlich der Kern meiner Aussage.

      Und ich wünsche weiterhin gute Besserung.

  10. Münster wäre nicht schlecht, die sind echt gut (und sauber). Ich hoffe, du wirst verlegt, denn alles, was ich hier so lese klingt nicht gerade vertrauenserweckend…

    Und zu der Mutter – naja, du weißt ja, da schrumpfen halt die Gehirne bei so Muttertieren, die können eigentlich nichts dafür dass sie dumm werden, wenn sie gebären.. *bösegrins*

  11. „Und wenn dich wieder mal eine so blöd anmachst drückst ihre Nase in die Wunde.“ Klingt nach einer angemessenen Strafe. Ich fürchte nur, dass dies auch der Strafenden etwas unangenehm sein dürfte.

    Versuch, die Mutter zu ignorieren. Bei manchen hat das Hirn einzig die Funktion, die Schädeldecke am Einstürzen zu hindern.

  12. Zehn Jahre später. Töchterchen in der Ausbildung zur Krankenschwester. „Mutti, wie hast du bei deiner Doofheit damals eigentlich zum Krankenhaus gefunden?“ *g*

    • Das wird wohl eher nix mehr….

      • Bei Mutti wohl ERST MAL nicht. (Patientin stinkt – Mutti ist doof. Patientin ist aber bald wieder heil. Ätsch). Und wer weiß, ob Mutti dem Geruch nicht noch mal begegnet; sie hat schließlich auch Verwandte und so, die krank werden könnten.

        Und beim Töchterchen ist die Chance noch höher. Wenn vllt. nicht Krankenschwester – Altenpflege kommt auch immer mehr in Mode, da kriegt man sowas erst recht zu riechen. *Grinsl*

  13. Wat, im Krankenhaus sind kranke Menschen? *kreisch*
    Oh man da muss man sich ja übers Web fremdschämen!
    Ich wünsche Dir ganz viel Kraft diesen blöden Schei55 gut zu überstehen.

    *ganz vorsichtig von hinten ranpirsch und die gute Tante mal unbekannterweise fast erdrück*

  14. Ach Du… das macht mich traurig. Manche Menschen haben luftleeren Raum, wo bei uns das Hirn sitzt.

    Ich drück dich mal.

  15. Wir drücken alle vorhanden Daumen (2 Katzen- und 2 Menschenhaushalt) für den KH-Umzug und *umguck – keiner da!* das Tantchen drücken wir auch ganz doll! 😉

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