Hachja


/Update: Passend dazu das hier. ROOOOOFL

Die Gleichberechtigung. Ewiges Thema.

Ich mach mich gleich mal zu Anfang unbeliebt und sage: Die gibts nicht. Werden wir nie erreichen. No chance.

Wenn man sich das ganze mal anguckt: Es geht den Kampfemanzen der Färbung Alice Schwarzer doch auch gar nicht um Gleichberechtigung. Als ob Frau Schwarzer auch nur einen Mann als ihr gleichstehend ansehen würde.

Da geht es klar um Dominanz. Man will das herrschende Geschlecht sein. Das, meine Damen, ist aber keine Gleichberechtigung. Das ist das ersetzen des Patriarchats durch ein Matriarchat.

Gleichberechtigung bedeutet: Jeder hat die gleiche Chance, das zu werden was er gerne möchte. Jeder kann den Beruf ergreifen, den er für sich ausgewählt hat. Jeder wird entsprechend seiner Leistung bezahlt.

Jeder behandelt den anderen mit dem ihm zustehenden Respekt.

Und genau von der Schiene sind wir meilenweit entfernt.

Gleichberechtigung bedeutet nichts anderes als das jeder absolut gleich behandelt wird. Und das ist nicht realisierbar.

Wir sind eine Gesellschaft mit Hierarchie. Wir brauchen diese Hierarchie, damit wir „unseren“ Platz kennen. Manche boxen sich nach oben, andere bleiben wo sie sind, gesellschaftlich gesehen. Und nach vielen Jahren wird aus manchen Ellbogenboxern und Radfahrern sogar eine Dynastie und sie werden adelig (JEDES Adelshaus hat klein angefangen und irgendwann mal einen in der Familie gehabt, der ein wenig skrupelloser war als die anderen, woraufhin der Aufstieg erfolgte, von dem sie heute noch zehren).

Hinzu kommt persönliche Sympathie oder Antipathie. All das macht eine völlige Gleichberechtigung unmöglich. Und diese Welt will ich auch nicht – weichgespült, kontrastarm, wie sie wäre.

Wenn man das begriffen hat, kann man daran arbeiten, die Lücken bei sich selbst zu schließen. Zu erkennen, dass man vielleicht gar nicht so aufgeklärt war, wie man glaubte. Dass man vielleicht die eigenen Vorurteile nicht als solche erkannt hat.

Und wenn man dann diesen letzten Schritt gemacht und das begriffen hat, dann weiß man: Gleichberechtigung kann vielleicht nicht sein. Aber ich kann erkennen, wenn ich jemanden falsch behandelt habe und entsprechend mein Verhalten ändern.

Und DANN brauchen wir keine abgetakelten Fregatten mehr vor uns herhalten, damit sie für uns Kämpfe kämpfen, die nicht zu gewinnen sind. Und wir ein Objekt haben, an dem wir uns abwechselnd reiben oder zustimmen können.

Sondern das Verständnis eines jeden für den anderen ist groß genug, damit die wenigen, restlichen Ellbogenleute keine Chance mehr haben.

Ich gestehe aber ein, dass dies ein Utopia ist – was ich jedoch versuche zu leben. Gelingt mir, ehrlicherweise, auch nicht immer. Aber ein Versuch ist es wert, nicht wahr?

Veröffentlicht am 2. November 2010, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 22 Kommentare.

  1. Ich schränke hier für mich das Thema ein auf die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Sonst könnte es kompliziert werden.

    Für mich ist es auch wichtig, dass es einen Unterschied gibt zwischen Gleichberechtigung und Emanzipation.

    „Emanzipation bezeichnet einen Prozess der Befreiung aus Abhängigkeit und Unmündigkeit sowie der Verwirklichung der Selbstbestimmung.“
    Historisch betrachtet war die Frau normalerweise vom Mann abhängig und der Mann der Herr im Haus. Es gibt natürlich genügend Beispiele bei denen es nicht so war und im „kleinen familiären Kreis“ gab es sicher auch Varianten, aber das waren meistens Ausnahmen und spiegeln nicht das „Übliche“ wider.
    Heute gibt es die Emanzipation. Zumindest auf dem Papier. Ich kenne aber auch Familien, wo sich das noch nicht herumgesprochen hat. Aber das sind zum Glück nur wenige. Hoffe ich zumindest.

    Aus der Emanzipation musste meiner Meinung nach die Forderung nach Gleichberechtigung kommen. Diese haben wir noch lange nicht erreicht. Nicht mal annähernd. Da nehme ich mich selbst auch gar nicht aus. Ich habe 3 Kinder und versuche nicht geschlechtsspezifisch zu erziehen (einfach ausgedrückt). Das ist schwieriger, als ich am Anfang mal gedacht habe. Nicht nur das. Ich halte es für unmöglich.
    Schon physische Unterschiede führen zu einer anderen Behandlung. Meine Söhne lasse ich eher alleine unterwegs sein, als ich es meiner Tochter zugestanden hätte. Eine Frau ist normalerweise einem Mann physisch unterlegen. Ausnahmen bestätigen die Regel. Ich hatte also eher bei meiner Tochter Angst um ihr Wohl, als bei meinen Söhnen.

    Welche Gründe gibt es noch, warum Gleichberechtigung nicht funktionieren kann?
    – Männer können keine Kinder bekommen. Ich weiß nicht, ob ich Frauen beneiden oder bedauern soll, dass sie das können. Aber das ist ganz sicher etwas, was uns immer unterscheiden wird.
    – Die physischen Unterschiede habe ich oben ja schon angesprochen. Dies bedingt auch, dass manche Berufe besser von Männern ausgeübt werden können. Obwohl mich bei dieser Aussage ein merkwürdiges Gefühl überkommt, wenn ich manche Männer sehe. Ich glaube, dass Frauen ein besseres Durchhaltevermögen haben. Sowohl bei physischer, als auch bei psychischer Belastung.
    – Frauen sind empathischer, soweit ich das bisher erlebt habe. Ob man das lernen kann, oder ob das was frauenspezifisches ist, weiß ich nicht.

    Es gibt also durchaus Bereiche, wo Gleichberechtigung nur schlecht durchsetzbar ist. Aber das ist eigentlich nicht das Problem unserer Gesellschaft. Das Problem ist die Akzeptanz, dass die meisten Dinge von Männern und Frauen gleichermaßen geleistet werden können. Auf jeden Fall alle Dinge, bei denen es um geistige Arbeit geht.

    Ich persönlich bin ein großer Feind von Quoten-Regelungen, weil ich es für Unsinn halte. Wer eine Sache besser macht, bekommt die Aufgabe. Da spielt es doch keine Rolle, ob das eine Frau oder ein Mann ist. Dummerweise ist unsere Gesellschaft noch lange nicht so weit, das ebenfalls zu sehen. Die meisten Menschen leben, wenn auch unbewusst, in alten Rollen-Klischees. Wenn ein Arbeitgeber die Wahl hat einen jungen Mann oder eine junge Frau einzustellen, wird wohl meistens der Mann genommen. Außer die Hormone spinnen gerade mal wieder. Grund: Eine junge Frau kann durch Kinder ausfallen. Die Gesetze zur Arbeitsplatz-Garantie sind da eine echte Belastung. Es gibt zwar inzwischen auch für den Mann die Eltern-Zeit, aber das Risiko seinen Job deswegen zu verlieren, ist einfach da. Offiziell gibt es dann natürlich andere Gründe.
    Dies zwingt ein Paar, dass Kinder haben möchte in die alten Rollen-Verhältnisse oder den Verzicht auf Kinder.

    OK, das ist jetzt sehr vereinfacht ausgedrückt, aber wer will hier schon Romane von mir lesen.

    Jedenfalls ist unsere Gesellschaft die nächsten Generationen noch nicht so weit, eine einigermaßen passable Gleichberechtigung auf den Weg zu bekommen. Und im Endeffekt wird es auch nie vollständig dazu kommen können, da es naturbedingte Unterschiede gibt.
    Aber die Gleichberechtigung im Kopf ist sehr wohl möglich. Auch wenn Hirnforscher schon festgestellt haben, dass die Gehirne von Frau und Mann nicht gleich sind, so sind doch beide Geschlechter in der Lage zu denken. Frau und Mann sind Menschen. Je mehr sie in der Lage sind das zu akzeptieren, umso einfacher wird die Gleichberechtigung im alltäglichen Leben. Trotzdem sollte man sich auch der Unterschiede bewusst sein.

    Für mich versuche ich soviel Gleichberechtigung zu realisieren, wie ich kann. Da ich aber auch durch die Gesellschaft geprägt bin, gibt mit Sicherheit Bereiche, wo ich nicht mal merke, dass ich das nicht schaffe.

  2. Geichberechtigung? Hm…
    Für mich heißt das, zu versuchen, die Unterschiede der Menschen (interindividuell und intraindividuell zwischen Männern und Frauen) zu achten und respektieren, niemanden aber dafür zu diskriminieren.
    Das heißt, wenn zwei Leute eine Aufgabe gleich gut lösen können, sollen sie die gleiche Entlohnung bekommen. Wenn es eine Arbeitsstelle gibt, sollte nicht das Geschlecht oder die Rasse (ja, schlagt mich für die Verwendung dieses Wortes) den Ausschlag geben.
    Dass sich die Menschen – insbesondere auch Frauen und Männer unterscheiden, vertrete ich gegenüber jeder Emanze und ähnlichem. Damit mag es sein, dass sie im Durchschnitt das eine oder andere besser oder schlechter als das andere Geschlecht können – das ist aber keine Wertung, sondern meiner Meinung nach eine Bereicherung, oder möchtet ihr nur mit euch selbst unterwegs sein?

  3. Gleichberechtigung bedeutet nichts anderes als das jeder absolut gleich behandelt wird.
    Falsch. Wenn alle absolut gleich behandelt werden, wird man einem gerecht und allen anderen nicht.
    Eine Folge dieses Irrtums ist, daß man – in Frankreich NOCH mehr als in Deutschland – meint, selbst den Dümmsten noch durchs Abitur prügeln zu müssen… in Frankreich hat man beim Abitur eine Analphabetenquote von 10%, die ist höher als die der deutschen Gesamtbevölkerung… Gleichberechtigung ist dagegen, jedem die zu ihm passende Bildung und Ausbildung zu ermöglichen. Egal ob Männlein oder Weiblein, egal ob Mullwindel oder Seidentuch, Silberlöffel oder Holzpinn im Mund.
    Deine Deutung wurde in Israel vor 50 Jahren schon karikiert: „wenn im Kibbuz einer heiratet, wollen alle andren auch ne Frau!“

    Gleichberechtigung bedeutet, daß jedem einzelnen die gleiche Aufmerksamkeit, die gleiche Wertschätzung, das gleiche Entgegenkommen zuteil wird – und die gleiche Einzelfallwürdigung. (Mich stört das Partikel „fall“ darin, aber sag mir ein besseres Wort.)

    Gleichberechtigung bedeutet, Mädchen Mathematik anders zu erklären als Jungs, damit sie sie verstehen. Gleichberechtigung bedeutet, auf die Qualifikationen zu schauen und nicht drauf, obs in der Hose oder in der Bluse wogt. Gleichberechtigung bedeutet, jedem „Guten Morgen“ zu sagen, ob er nun grad leichenblaß ist oder schokoladenbraun.

    Gleichberechtigung bedeutet übrigens auch, nicht eine Berufsgruppe pauschal abzutun, ob das nun Journalisten sind oder Lehrer.

  4. Gleichberechtigung bedeutet wohl für jeden etwas anderes. Für mich bedeutet es schlicht, dass ich zumindest versuche, alle Menschen gleich zu behandeln, sogar die besonders ätzenden. Es bedeutet für mich, dass ich jedem die gleiche Chance gebe und jeder sie auch verdient hat.

    Emanzipation ist aber auch ein nettes Thema – für mich bedeutet es: ich kann frei entscheiden, was ich mache, auch wenn ich verheiratet bin – tja und trotzdem arbeite ich weniger als mein Mann und führe dafür den Haushalt und das mache ich sogar gern – für viele Emanzen ein Albtraum – für mich gelebte Emanzipation, da ich mich ganz freiwillig und selbst dafür entschieden habe, es gern mache und mein Leben liebe, so wie es ist (Gewisse Kampfemanzen sprechen mir ja völlig ab, dass ich glücklich bin, weil nicht sein kann, was nicht sein darf – Haushalt führen und glücklich sein geht nämlich für Frauen nicht).

    • Also, um bei deinem Thema zu bleiben:
      Emanzipation ist mMn dann gelungen, wenn sowohl Männer als auch Frauen sich für ein Lebensmodell entscheiden können und dürfen (wie auch immer…) – und keiner schaut sie dafür schräg an oder tadelt sie dafür (Ausnahme: Das individuelle Modell schadet anderen oder der Gesellschaft).
      Das heißt, Karrierefrau ist genauso akzeptiert wie Vollhausfrau, Hausmann genauso wie Manager oder Handwerker.

      Und es würde endlich anerkannt werden, dass alle Berufe in der Gesellschaft notwendig und nützlich sind.
      Ich möchte gerne den Nase-in-die-Luft-Trägern, die sich zu fein sind, Mitglieder „niederer“ Berufgruppen zu grüßen usw., gerne mal für einige Zeit genau diese Leute wegnehmen – mal sehen, wer deren Büros kehrt, die Regale im Supermarkt füllt oder vorher die Sachen herstellt.

      • Das sollte man ganz allgemein darauf ausweiten, dass man _alle_ Menschen einfach wegen ihrer Fähigkeiten schätzen sollte. Jeder hat solche, und vielleicht sollte man sich mit der Bewertung der Fähigkeiten nach ihrer Nützlichkeit etc. einfach mehr zurückhalten.

        Sicher macht es Sinn, Manschen da einzusetzen, wo sie ihre Fähigkeiten am besten ausleben können. Manchmal habe ich allerdings meine Zweifel, dass die, die das entscheiden, in der Mehrzahl der Fälle wirklich richtig liegen.

        • Gut, ich habe es in Erweiterung/Anlehnung an Kryptische auf den Beruf bezogen, wo man natürlich – auch – die Nützlichkeit in Betracht ziehen wird.
          Weitest du es richtigerweise auf den ganzen Menschen aus, ist Nützlichkeit kein echtes Argument.
          Aber schön, dass sich zumindest hier in den Grundzügen die Kommentatoren einig sind – das lässt hoffen, dass mittel- bis langfristig diese Einstellung weitere Kreise in der Gesellschaft ziehen wird…

          • Das war auch nicht als Replik gemeint, sondern eher als Bestätigung und Verallgemeinerung.

            Ich lerne gerade in letzter Zeit vermehrt Menschen kennen, die nach oberflächlichen Maßstäben vielleicht nicht sooo „nützlich“ oder zumindest nicht sooo effektiv sind, die aber andererseits Qualitäten besitzen, die sie sehr wertvoll machen.

    • wenn alle ganz gleich behandelt werden ist das indifferenz. das heisst die individuellen eigenschaften nicht zu beachten. ich kann nicht alle gleich behandeln (das wäre gemein), aber ich kann allen die gleichen möglichkeiten geben (also ohne vorurteile, aber under berücksichtigung individueller qualitäten und schwächen).

  5. An dem Tage, wir nicht mehr über Quoten nachdenken müssen, haben wir so etwas ähnliches wie Gleichberechtigung von Frau und Mann erreicht!

    Und wenn es dann wieder so ist, dass es reicht, die männliche Form eines Nomens zu benutzen und wir nicht wie heute z.B. MitgliederInnen oder Lokführer_innen lesen müssen (warum zum Teufel schreibt man nicht Mitarbeiter/-innen – wie’s korrekt wäre?), dann sind wir noch einen Schritt weiter!

    Dazu gehört auch bei Interviews nicht „Mitarbeiter und Mitarbeiter“ hören zu müssen!

    Sch… „political correctness“!

  6. Gibt es nicht auch schon Männer, die sich über Gleichberechtigung freuen? Mir fällt da spontan das Buch „Die Söhne Egalias“ von Peter Redvoort ein …

    Helene

    • Nu freilich. Gleichberechtigung jederzeit – weg mit den Emanzen!
      Und die Quoten sind auch keine Gleichberechtigung, sondern sexuelle Diskriminierung. Ganz nebenbei: in typischen Frauenberufen gibts auch keine Quote, sonst würden vielleicht längst mehr Männer in die Geburtshilfe drängen?

      • Ja – ich entsinne mich des empörten Aufschreis, als ich anno 1995 als erster Pfleger (m) auf die Gynäkologie wollte!

        Was man da so alles zu hören kriegt – un-fass-bar…

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