Reale Tragödien


Ich habe immer noch diese Steinigungs-Räuberpistole im Kopf, dieses widerwärtige Machwerk, das mit Filmkunst soviel gemeinsam hat wie die Bildzeitung mit seriöser Berichterstattung.

Und dann steht hier eine reale Tragödie, die dieses auf Zelluloid gebannte Widerwärtigkeit vergessen läßt.

Sakineh Mohammadi Ashtiani soll morgen gesteinigt werden. Sie hat angeblich im iranischen Fernsehen (!) gestanden, dass sie schuldig ist.Man sah eine Frau im Tschador, der nur Augen und Nase freiließ. Es besteht guter Grund zu der Annahme, dass es NICHT Frau Ashtiani war, die dort öffentlich einen Mord gestand.

Die Mullahs wollen diese Frau töten, einfach weil sie es können. Weil sie ihre Macht demonstrieren wollen. Weil sie dem Westen zeigen wollen, dass sie auf ihn einen großen Haufen scheißen. Für diese Machtgeilheit muss jetzt eine Frau einen furchtbaren Tod sterben.

Ihr Sohn und ihr Anwalt sind verhaftet worden, weil sie ihr helfen wollten. Und man hat sie offensichtlich in der Haft gefoltert. Rechtsbeistände werden ihnen verweigert, es ist zumindest mir derzeit unklar, mit welchem vorgeschobenen Grund man sie überhaupt ins Gefängnis gesteckt hat.

DAS ist die Realität im Iran heute. DAS sind die Verbrecher. Diese Machtmenschen in der Robe des Gelehrten, die Religion sagen und Macht meinen. Die sich daran aufgeilen, dass sie *schnipp* einfach so einen Menschen töten können.

Und am Ende steht eine arme Frau, die einen schrecklichen Tod stirbt in dem Bewusstsein, dass sie unschuldig ist. Und die zu absoluter Hilflosigkeit verurteilt auf die Steine warten muss, die sie töten werden. Und, was schlimmer ist: In deren Augen ist ja Sakineh Ashtiani ein „dankbares“ Opfer. Frau Ashtiani ist Witwe, ihre Kinder sind erwachsen, ihre Nützlichkeit hat sich in den Augen dieser Menschen überholt. Sie hat ihre Schuldigkeit getan, nun kann sie noch einmal als Fanal für die Scharia dienen.

Ich glaube nicht, das irgendetwas noch diese Frau retten kann, zu sehr versessen sind die Mullahs auf ihre Machtdemonstration.

Veröffentlicht am 3. November 2010, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 10 Kommentare.

  1. „… , dass sie auf ihn einen großen Haufen scheißen.“

    Was ihnen damit leider auch mehr oder weniger gelingt und einen umso wütender macht. Die Ohnmacht ist nur schwer zu ertragen. Du weißt, das darf nicht sein, und Du kannst eigentlich nichts tun. Das ist hier natürlich ganz besonders schlimm, aber im Grunde geht mir das bei jeder Nachricht über vollstreckte Todesurteile so. Das darf einfach nicht sein, das kann niemand rechtfertigen.

  2. Leider gibt es genügend Leute – auch hier bei uns – die meinen, dass Frauen sowieso keine Rechte haben (sollten).
    Außerdem gibt der Westen dem Regime in Iran Vorwände in ausreichender Zahl, große Haufen auf ihn zu machen – nicht zuletzt hat „der Westen“ ja auch mit seiner Kononialpolitik und dem Einsatz seiner Geheimdienste den Grundstock für solche Diktaturen geschaffen!

  3. Die Steinigung ist meiner Meinung nach vom Tisch nachdem die Urteilsvollstreckung im Juli nach Protesten verschoben worden ist, jetzt soll Sie morgen angebl. gehängt werden.

    • Das machts nicht besser, oder?

      • Wobei sich ja die Todesstrafe sowieso nicht wirklich gut begründen lässt (auch wenn China, USA und andere anderes behaupten).

        • Von einem gewissen Standpunkt aus schon. Du musst Justiz nur als Mittel zur Rache sehen, nicht als Mittel zur Strafe bei gesellschaftlichem Fehlverhalten und schon hast du die Todesstrafe sehr gut begründet.

      • nein machts nicht besser und das Ergebnis ist auch das gleiche, allerdings ist erhängen die wesentlich humanere Methode, wobei der Ausdruck in Verbindung mit der Todesstrafe ja nicht wirklich gilt, als eine Steinigung.

        • Erhängen ist „humaner“ als Steinigung?
          Warum?
          Weil einem, wenn man „Glück“ das Genick bricht?
          Weißt du denn, wie lange jemand, der gehängt wird, noch lebt, nachdem die Klappe im Fußboden aufgegangen ist, selbst wenn sein Genick bricht?
          Weißt du wie lange jemand noch lebt, dessen Genick nicht bricht, sondern der stranguliert wird?
          Ich bezweifle ganz stark, dass es eine Art der Todesstrafe gibt, die einer anderen vorzuziehen wäre, wenn man es sich denn aussuchen müsste (weil einer meint, man müsse so oder so sterben) – ganz abgesehen davon, dass ich die Todesstrafe für nicht in Ordnung halte.

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