Umfrageergebnisse


Gerade der Bereich „Sexueller Missbrauch“ ist momentan nicht nur sehr hysterisch sondern strotzt geradezu vor Einfällen von Leuten, die damit genau nix zu tun haben. Die besser wissen, was Betroffenen hilft – vor allem besser als die Betroffenen selbst.

Diese wiederum machen immer wieder die Erfahrung, dass das eigene Gefühl nichts zählt. Jeder weiß besser wie es dir geht und was du zu tun hast als du selbst.

Das glauben viele aber nicht – sie wissen es ja besser. Um mal ein wenig Licht ins Dunkel zu bekommen und vor allem auch, um die Betroffenen mal zu Wort kommen zu lassen, hat MOGiS e.V. eine Umfrage gestartet. Die Umfrage lief von Oktober 2009 bis März 2010 und ist nun vorläufig ausgewertet.

Das dauert sehr lange, alleine, weil die Auswertung verdammt harter Stoff ist. Das hältst du nicht lange aus, ohne dass du gefühlsmäßig irgendwann richtig in den Knien hängst. Es ist unfassbar, was man zu lesen bekommt.

Die Umfrage hieß zutreffend „Dunkelfeldbefragung“. Sie erhebt keinen Anspruch auf wissenschaftliche Genauigkeit – aber sie wirft einen Haufen Fragen auf, und sie beantwortet imho auch sehr viele. Und es gibt einige Leute, die sich diese Umfrage mit *allem* was sie beinhaltet, einmal sehr genau ansehen sollte. Sehr genau.

Zu finden ist die Auswertung hier. Wer Sensationen erwartet, weil MOGiS Einzelschicksale aufgezeigt hat, wird allerdings zu Recht enttäuscht werden.

Veröffentlicht am 10. November 2010, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 6 Kommentare.

  1. Selbst so rational-wissenschaftlich formuliert sind die ERgebnisse harter Tobak… 😦

  2. Auch die Antworten der Teilnehmer auf die abschließenden Fragen haben es in sich!
    Das schlimmste scheint das (Ver-)Schweigen zu sein.

  3. Hab nicht alles gelesen, ist wie schon gesagt ziemlich harter Tobak… aber was mir auch aufgefallen ist ist dieser Hinweis, hinzusehen… und als jemand, der regelmäßig Nachhilfe gibt, also dieselben Kinder ein, zweimal die Woche sieht (und das in Kleingruppen, man kann also genauer hinsehen als vielleicht ein Lehrer in einer großen Klasse), stell ich mir dann doch schon öfter die Frage… wo ist die Grenze?

    Normalerweise verlass ich mich da auf mein Gefühl und auf meinen gesunden Menschenverstand, aber bei solchen Sachen kommt man dann doch ins Grübeln, ob hinter manchen Kindern, an die man sich erinnert, doch mehr steckt – die Wahrscheinlichkeitsrechnung spricht ja dafür…

    • Wird es vielleicht auch. Nur – wie man dann reagiert, kann ich keinem an die Hand geben. Es gibt kein Patentrezept, wie man mit der Situation und den Kindern UND deren Familien umgeht. Nur ein „was würde ich wollen, wenn mir sowas passiert“.

      Und da ist zuhören der allererste und allerwichtigste Schritt.

      • Ja, klar gibbet da kein Patentrezept und das verlangt ja auch keiner – nur gibts z.B. in der Lehrerausbildung (und das sagen ja auch einige Betroffenen, dass sie das Gefühl hatten, dass manche Lehrer etwas hätten bewirken können) keinen Ansatz, keine Information darüber, worauf man achten sollte… natürlich gibts diese allgemeinen Anzeichen, z.B. Leistungsabfall in der Schule, Unaufmerksamkeit im Unterricht, etc. aber das kann an fünf Millionen verschiedenen Dingen liegen (bei diesen beiden z.B. „Ich hab n neuen Freund/ne neue Freundin, verbringe viel Zeit mit ihm/ihr und bin im Unterricht verträumt“) und ich denke da sollte man vor allem angehenden Lehrern beibringen, worauf man achten könnte…

        Im Moment isses ja eher so, dass (und das gilt auch für Nachbarn, Freunde, etc) im Nachhinein das Geschrei groß ist, warum es niemand bemerkt hat, ohne vorher zu erklären, an welchen Anzeichen man etwas bemerken kann 😦

        Und zuhören und hingucken, das ist etwas, von dem ich mich immer bemühe, es zu machen – dafür ist in der Schule vielleicht nicht so die Zeit, aber in der Nachhilfe eben schon 😉

        • @edi: Im Prinzip gebe ich dir Recht. Eines muss man bedenken: es gibt auch Kinder, die äußerlich scheinbar völlig unauffällig sind und normal funktionieren. Sie sind trotzdem schwer traumatisiert. Ich finde es auch wichtig, etwas über Täterstrategien zu lehren (z. B. Separieren, Entmenschlichen, Isolieren). Dann hat man noch einen Baustein in der Hand.

warf folgenden Kuchen auf den Teller