Brechreiz
Der meint das wohl echt ernst. Dass man so einem auch noch ein Mikro gibt…
Und nein, das ist nicht aus dem Zusammenhang gerissen.
Ohne weiteren Kommentar. Ich geh ins Bett, das darf doch alles nicht wahr sein.
Veröffentlicht am 19. November 2010, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 12 Kommentare.
Hier in meiner Stadt laufen schon wieder die Cops mit Maschinenpistolen durch den Hauptbahnhof und vor dem Rathaus herum. Und ich glaube nicht, dass meine Heimatstadt da alleine dabei ist.
Abgesehen davon, dass die auch nix machen können, wenn ein Kofferbomber beschließt, den Hauptbahnhof hier hochzujagen: Mir vermittelt so was kein Gefühl von Sicherheit, ganz im Gegenteil. Das ist doch hilfloses Säbelrasseln.
Oh ja, Förster mit MPs (inzwischen sind die ja meist nicht mehr grün angezogen). Da hab ich ein Déjà-vu. Zu Zeiten des Deutschen Herbstes und danach war ich in Bonn unterwegs. Ich war stolzer Besitzer eine roten Kastenente mit BRD-Schild hinten drauf (war damals eine Provokation), Haar- und Barttracht waren in etwa vergleichbar mit denen von Che Guevara. Da ich außerdem zu der Zeit Sporttaucher war, hatte ich öfter bombenartige Gegenstände (=Pressluftflaschen) auf der Ladefläche liegen.
Die Gegend um das damalige Regierungviertel hatte ich auch öfter zu durchqueren und entsprechend oft stand ich in Straßenkontrollen. Hei, war das ein Spaß, immer wiender in die Mündungen von Maschinepistolen zu schauen, die einem von _sehr_ nervösen jungen Polizisten unter die Nase gehalten wurden, während andere einen aufforderten, die „Bomben“ auf der Ladefläche zu erklären. Ich weiß nicht, ob die MPs entsichert waren, ich glaub, ich will es auch gar nicht wissen. Ich glaube, ich bin nur ein oder zweimal _nicht_ kontrolliert worden.
Warum ich das schreibe? NIEMALS in dieser Zeit wäre ein RAF-Terrorist auf die Idee gekommen mit einer Rote-Socken-Haartracht in einem Rote-Socken-Auto mit bombenähnlichen Gegenständen _offen_ auf der Ladefläche im Bonner Regierungviertel spazieren zu fahren, NIEMALS NICHT, IM LEBBE NICHT. Wenn wirklich RAF Leute da unterwegs gewesen sind, wurden sie vermutlich fast jedesmal einfach durchgewinkt.
Ich freue mich schon auf neue Begegnungen der alten Art, auch wenn ich heutzutage ein unauffälliges Fahrzeug fahre , meine Haartracht auch eher „normal“ ist und auch keine bombenähnlichen Gegenstände mehr spazierenfahre. Ich könnte ja mal versuchen, arabisch zu simulieren ….
Anno 1989 habe ich meinen Wehrdienst abgeleistet.
Irgendwann standen wir auch mit dem Privatauto in einer Kontrolle und nachdem ein nervöser junger Polizist gerade das 5-te Mal mit seiner MP gegen meine Autotüre gerumpelt war habe ich mal kurz die Hölle entfesselt. Motor an. Sofort wurde ich barsch aufgefordert das sein zu lassen. Antwort meinerseits: „Junger Mann, wenn Sie weiterhin laufend mit ihrem Schiesseisen gegen mein Auto knallen muß ich Ihnen wohl etwas mehr Platz machen, oder? Und jetzt holen Sie Ihren Chef her damit wir mal die Lackschäden anschauen können die Sie hier verursacht haben.“ Junge, da war dann richtig was los.
Vergaß ich zu erwähnen dass mein Kumpel und ich in Ausgeh-Uniform im Wagen saßen?
Nachdem der Leiter der Polizeitruppe sich ausführlichst für seinen Untergebenen entschuldigt hatte konnten wir dann endlich weiterfahren.
Übrigens sicherte der Jungspund seine Waffe erst nachdem ich ihn fragte ob er sich an diesem Abend noch selbst umbringen wollte. Der Anschiß vom Chef war kilometerweit zu hören.
Deshalb bin ich immer noch hochgradig nervös wenn mir Wer-auch-immer-von-unseren-bundesrepublikanischen-oder-anderen-Sicherheitskräften mit einer MP begegnet……
Ich gebe zu, daß ich inzwischen keine TV-Nachrichten mehr sehe. Und auch, daß ich bei den IT-bezogenen Polit-Nachrichten von heise inzwischen dreimal darüber nachdenke, ob ich mir den Artikel aufrufe.
Kurzgefasst „kann ich gar nicht soviel fressen, wie ich kotzen möchte“, aber primär mal habe ich mit diesen Aussagen, sowohl von unseren Politver wie auch der Journaille, die diesen Mist unhinterfragt bedenkenlos im Land verbreitet, inzwischen das gleiche Problem, wie mit den Vorabendserien aller TV-Sender: Diese überlaufende Dummheit bereitet mir körperliche Schmerzen.
Und dazu kommt dann noch die Ohnmacht, zu wissen, dass jedweder Aktivismus – insbesondere Polizei mit Maschinenpistolen – so unendlich sinnlos ist und ich es doch nicht ändern kann. Und ich muß zugeben: Polizei mit automatischen Waffen macht mir mehr Angst. Und nicht erst seit den Bildern von Stuttgart 21.
Naja, demnächst wird eh nicht mehr geflogen, weil das Wartungspersonal wegen der Flugsicherheitsvorschriften seinen Job nicht mehr machen kann und ungewartete Flugzeuge nicht abheben dürfen… Dann entspannt sich die Lage vielleicht wieder.
Schönen guten Morgen.
Eine gute Bekannte von mir hat einen relativ hohen Posten bei der örtlichen Polizei. Auch mit ihr komme ich immer wieder zu solchen Themen in Diskussion und wir merken, dass wir uns niemals einig werden.
Das Problem ist der Ansatzpunkt:
Die Befürworter der Maßnahmen denken tatsächlich in erster Linie an den Schutz der Bürger und haben in der Regel kein Interesse, diese auch für weitergehende Überwachung zu verwenden.
Die Gegner sehen die möglichen Gefahren, was durch Einführung solcher Maßnahmen noch alles möglich ist und ob diese überhaupt zielführend sind.
Beide Ansätze sind spekulativ, da es kaum praktische Erfahrung gibt und nicht klar ist, ob der Missbrauch wirklich verhindert werden kann, bzw. ob ein Missbrauch wirklich stattfinden wird.
So ungewöhlich ist die Aussage des Kommentators also nicht. Aus seiner Sicht hat er sogar Recht. Die möglichen Gefahren werden gerne übersehen. Wenn man es dann auch noch tatsächlich nur gut meint, um die Bürger zu schützen, sind Gegen-Argumente sehr schwierig. Diese Leute können sich einfach nicht vorstellen, dass so etwas missbraucht werden könnte.
„Das Gegenteil von ‚gut‘ ist ‚gut gemeint‘.“ (Kettcar)
Was ich damit sagen will: Bevor man irgendetwas tut, was man nicht für sich selbst tut, sollte man _immer_ prüfen, ob es für den, für den man es tun will, auch wirklich ‚gut‘ _ist_. Und nicht einfach nur machen, weil man glaubt, daß man es besser weiß.
Ich habe persönlich beide Seiten kennengelernt, sowohl als derjenige, der es „gut gemeint“ hat (und damit fürchterlich auf die Nase geflogen ist), als auch als jemand, der „gut gemeintes“ erfahren hat, und das nun so gar nicht hilfreich war. Und seit dem hinterfrage ich bei allem, was ich tue, ob das wirklich ‚gut‘ oder eben nur ‚gut gemeint‘ ist. Und lautet die Antwort auf letzteres lasse ich es lieber bleiben.
Um auf das Thema zurückzukommen: Es mag ja sein, daß all diese Maßnahmen gut gemeint sind und niemand wirklich böse Hintergedanken hat. Aber mehrheitlich betrifft es nicht die, die die Maßnahmen treffen, sondern andere. Und für meine Begriffe hat es bei all dem keinen ernsthaften Dialog gegeben. Und genau das halte ich bei sowas für wenig zielführend.
Davon abgesehen konnte ich die meisten Überwachungsbefürworter damit überzeugen, daß sie es wohl gar nicht gern hätten, wenn ihr Partner (durch Missbrauch von (Kunden-)Datenbanken) von einem Großeinkauf an Kondomen erführen… Zumal die nie im heimischen Schlafzimmer ankamen (weil man die für Freunde, Party, whatever, gekauft hat)…
Erstaunlich, wie sehr die auf einmal gegen Datenbanken sind… 😉
Michael Moore hat die Überwachungshysterie und den Missbrauch nach dem 11.09.10 im damaligen Bushland und jetzigen Obamaland ja recht konkret gezeigt.
Da gibt es eine Szene wo eine Bürgerinitiative unterlaufen und bespitzelt wird.
Die Pay TV Sender ARD und ZDF sind in Ihrer sogenannten objektiven und ach so seriösen und mitfühlenden und belehrenden Art der Nachrichtenberichterstattung jedoch per Fernbedienung recht schnell abzuschalten.
Pst… guck dir mal das Jahr an…
Ist doch nur ’n Flüchtigkeitsfehler, du!
(hoffe ich)
Ist egal, aus welchen Grunde die Vorratsdatenspeicherung eingeführt wird – sie wird, wenn sie da ist, auch missbraucht werden!
Das impliziert, dass ihr ganzer Hintergedanke nicht von vorneherein der „Missbrauch“ gewesen ist. Beteuern kann man nämlich viel, wenn der Tag lang ist.
Dieser Ansicht bin ich auch – habe das nur anders formuliert.
Man gibt vor, unsere freiheitliche Demokratie schützen zu wollen, aber als erstes nimmt man uns die Freiheit, immer Stückchen für Stückchen, und zum Schluss wird dann auch noch unser Mitspracherecht, so gering es sein mag, abgeschaft.
Ich warte ja noch auf die nächste Stufe der Antiterrorsteuer…