Genau so und nicht anders
Die Zeit hat meine Gefühle zum Thema Terrorismus und Angst gut zusammengefasst.
Denn bitte jeder sollte sich bewusst machen: Es gibt keine Lebensversicherung, die den Tod verhindert. Wenn die Karte für einen gezogen wird, ist er dran. Da hilft nichts. Wenn man sterben soll, wird man das tun. Das Leben ist endlich.
Was bleibt, ist die Zeit zwischen Geburt und Tod so voll wie möglich zu machen. So zu leben, wie man es zu diesem Zeitpunkt gerne möchte. Den Spagat zu schaffen, Pflicht und Spaß zu verbinden und das zu tun, wozu man hier ist: Zu LEBEN.
Wer jedoch vor lauter Angst, dass ihm möglicherweise eine Bombe um die Ohren fliegt, zu Hause bleibt, der lebt nicht. Wer bestimmte Dinge tut, um das Leben zu verlängern, der ist doch schon tot. Lieber 50 Jahre gut gelebt, als 80 Jahre gequält, damit man ja nicht stirbt. Das ist es, was wir in unserer Zivilisation leider etwas aus den Augen verloren haben.
Und der beste Weg, mit diffusen Ängsten umzugehen: Informieren, sich ihr stellen und dann verdammt noch mal in den Arsch treten.
Fröhliche Weihnachtsmarktbesuche allseits wünsche ich.
Veröffentlicht am 19. November 2010, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 10 Kommentare.
Dass die Terrorangst vollkommen übertrieben ist, ist Leuten, die auch nur einen blassen Schimmer von Statistik haben, schon lange klar. Das wird alle nur instrumentalisiert, um bestimmte Dinge durchsetzen zu können und auch um Geld zu verdienen (s.a. mein Kommentar weiter unten).
Selbst wenn jedes Jahr 10 Flieger samt ihren Passagieren ohne Überlebende von Terroristen vom Himmel geholt würden, bliebe das Fliegen immer noch um ein Vielfaches sicherer als Autofahren und Spazierengehen.
Natürlich sind Ereignisse wie die großen Anschläge von 9/11 oder Madrid schreckliche Ereignisse und es wird unschuldigen Menschen ohne Zweifel viel Leid angetan. Aber das _Risiko_, bei einem solchen Anschlag Schaden zu erleiden, ist im Vergleich zu praktisch allen anderen Lebensrisiken, selbst denen, an seltensten Krankheiten zu versterben, so verschwindend gering, dass es dagegen praktisch vernachlässigbar ist. Selbst wenn sich die Zahl solcher Anschläge vervielfachen würde, wäre das Risiko, darin verwickelt zu werden immer noch absolut vernachlässigbar gegenüber dem Risiko, nach dem Verlassen des Hauses am Morgen abends nicht wieder lebend zurückzukehren.
Mir ist auch nicht klar, was den Menschen daran so eine große Angst macht. Die Unkalkulierbarkeit kann es nicht sein, denn die anderen, viel größeren, Risiken sind es ebenfalls. Etwas anderes ist vielleicht die Anzahl der Menschen die jeweils betroffen sind, aber auch die ist doch bei vielen anderen lebensrisiken oft genug auch recht hoch, wenn auch im Vergleich zur Gesamtzahl von Menschen, die täglich auf andere Weise um’s Leben kommen auch wieder völlig vernachlässigbar. Das gilt im Prinzip, so hart das klingen mag, sogar für ein Ereignis wie 9/11. Jeden Tag kommt eine Vielfaches an Menschen auf der Welt durch allein durch Gewaltverbrechen ums Leben als selbst bei einem solchen großen und bisher einmaligen Anschlag.
Wäre es also nicht vernünftiger, morgens einfach im bett zu bleiben, als zu versuchen sich gegen solche Terroranschäge zu schützen? Aber selbst dann, wäre wohl die Gefahr am selben Tage noch im Bett zu versterben vielfach größer, als im seinem gesamten restlichen Leben irgendwann einmal von einem solchen Anschlag betroffen zu sein.
Und darum, ob ich 50 mit viel Spaß oder 99 mit weniger Spaß werde, mache ich mir nun überhaupt keine Gedanken. Natürlich will ich 99 werden, nach Möglichkeit mit Spaß und möglich viel Sinn, auch wenn es unterwegs mal schwieriger werden sollte. Die 50 hab ich sowieso schon eine Weile hinter mich gebracht.
Irgendwelche Terrorpanik geht mir dabei völlig am A…. vorbei. Wenn es mich treffen sollte, war die Wahrscheinlichkeit dafür, dass man es hätte verhindern können, fast Null, und die, dass es mich statt jemand anderen treffen musste, aber ebenfalls fast Null. So what, das, mit dem ich zur Zeit lebe, war auch nicht sehr wahrscheinlich, aber doch um ein Vielfaches wahrscheinlicher als ein Terroropfer zu werden. Bisher lebe ich noch, ist doch ok, oder?
„Mir ist auch nicht klar, was den Menschen daran so eine große Angst macht.“
Was „den Menschen“ daran so große Angst macht, kann ich dir auch nicht erklären, aber was ich persönlich am internationalen Terorrismus und an Anschlägen wie denen vom 11. September oder London oder Madrid am unfassbarsten und beängstigendsten empfinde, ist die Motivation dahinter. Die allermeisten Lebensrisiken, denen wir im Moment ausgesetzt sind – beispielsweise das Risiko, an Krebs zu erkranken – lassen sich von Menschen nicht beeinflussen und selbst bei Unfällen, die fahrlässig herbeigeführt wurden, ist es ja nicht das primäre Ziel, Menschen zu töten. Da steckt meist irgend etwas anderes dahinter, vielleicht Habgier, vielleicht Nachlässigkeit, vielleicht Unaufmerksamkeit…
Das ist beim internationalen Terrorismus grundlegend anders. Da ist – zumindest für diejenigen, die die Anschläge ausführen und den Kopf in die Schlinge stecken, nicht für die Hintermänner – das Ziel, Menschen zu töten, viele Menschen. Dafür wird über einen längeren Zeitraum geplant, werden Vorbereitungen getroffen, Kontakte geknüpft… und das ist es, was für mich vollkommen unverständlich ist, was ich einfach nicht fassen und verstehen kann. Wie kann man so lange so sehr hassen, über Monate und Jahre hinweg, dass man willig die Möglichkeit des eigenen Todes in Kauf nimmt, um ein paar „Ungläubige“ zu töten? Ich verstehs nicht… und ich denke, auch ein Großteil der Bevölkerung versteht das nicht – und was wir nicht verstehen, das macht uns Angst… immer.
Bei einem Schicksalsschlag wie einer schweren Krankheit oder einem Unfall suchen die Allermeisten für sich nach Gründen, warum es geschehen ist, kommen auf Erklärungen wie „Gott wollte es so“ oder „Das Schicksal“ oder „Es war vorherbestimmt“ oder „Ich bin selbst schuld“ – bei Terroranschlägen steht der Grund – zumindest in der öffentlichen Erklärung – schon klar da und lacht einem ins Gesicht. Und ich glaube, das macht vielen Menschen Angst, dieser… Vorsatz dahinter, diese groß angelegte Absicht, die man z.B. auch bei Amokläufen findet… und mit dem Bauch ist Wahrscheinlichkeitsrechnung und Statistik echt schwierig.
Mag sein, aber das ganze Leben ist nicht einfach. Du kannst das auf eine einfache Formel reduzieren:
Habe ich Angst, verändere ich mein Leben, weil es mich ja erwischen könnte? Oder lache ich dem Attentäter ins Gesicht und zeige ihm den Stinkefinger, indem ich sage:
„Du kannst mich vielleicht töten. Aber du wirst mich nicht besiegen.“
Mut, mein Freund, das ist es, was den Attentätern am meisten Angst macht.
Nun, die Hintergründe und Motive, vieler Gefahren, denen wir jeden Tag ausgesetzt werden (werden, weil wir keinen Einfluss darauf haben), sind auch oft nicht besonders edel, oft sogar extrem unedel. Profitgier, Machtgeilheit aber auch ganz persönliche Dinge, hinter Mord steckt schon definitionsgemäß ein niedriger Beweggrund. Und Mord z.B. ist ein Lebensrisiko, dessen wir uns genauso wenig erwehren können wie eines terroristischen Anschlags, die Gründe, weshalb man dabei Opfer wird, sind auch oft genauso wenig verständlich.
Ich denke die Angst vor dem „Terror“ hat mehr damit zu tun, wie mit dem Phänomen, in meinen Augen auch zu einem großen Teil gewollt und kalkuliert, in der Öffetnlichkeit umgegangen wird, wie Zahlen hochgespielt werden, wie gezielt mit Emotionen gespielt wird, wie ein Risiko, z.B. bei Flügen, im Vergleich zu den anderen, viel größeren, Risiken eines Fluges bis ins Absurde in den Köpfen der Passagiere vergrößert wird.
Ich will den Terrorismus beileibe nicht verharmlosen oder gar die Opfer herabwürdigen. Aber der Aufwand, der getrieben wird um eine, ja doch leider nur scheinbare, Sicherheit vor diesem vergleichsweise geringen Risiko zu schaffen, is vergleichen mit den Bemühungen, die an anderer Stelle _nicht_ gemacht werden um viel besser greifbare und viel mehr Menschen betreffende Risiken zu minimieren, geradezu grotesk. Und ich komme mehr und mehr zu der Überzeugung, dass dahinter handfeste politische und wirtschaftliche Interessen stehen, die eine größeres Gewicht haben als das Bemühen den Bürge vor ernsthaft vor einer konkreten Gefahr zu schützen.
Schöner Artikel, leider mit Schönheitsfehlern. „Die Anschläge werden nicht aufhören“. So so. Welche. Und wo? Wenn ich Politker vom allgegenwärtigen Terror rafaseln höre, hilft nur der Blick aus dem Fenster. Ist da noch dieselbe Stadt, oder bin ich heute in Bagdad aufgewacht?
Der Warnungsterror hat vor allem einen Zweck, diesen!
Obwohl… mir kommt das grad Recht. Da hab ich einen Grund nicht auf meine besch… Betriebsweihnachtsfeier zu gehen: Terrorgefahr unten in der Betriebskantine, ich bin gerettet vor der Weihnachtsfeier mit Leuten, die ich nicht leiden kann 🙂
In der Zeit kann ich gut auf den Weihnachtsmarkt gehen.
Die Wahrscheinlichkeit im Starßenverkehr von einem PKW erfasst und getötet zu werden ist IMHO größer, als bei einem wie auch immer gearteten Bombenanschlag zu sterben.
Bahnfahren wird auch immer gefährlicher – da braucht’s ja nich‘ mal ’ne Bombe – die Klimaanlagen oder ein paar Schafe reichen da schon lang hin.
Und wenn ich mir so angucke, was in dem drinne ist, was wir so in uns ‚ rein stopfen (vulgo: essen), dann wundere ich mich manchmal, dass wir das Teenageralter überleben.
WIR WERDEN ALLE STÖRBEN! 😀
Wenn’s mich erwischen soll, dann erwischt’s mich, mit oder ohne Terroristen. 😉
Ganz abgesehen davon, dass ich Weihnachtsmärkte nicht mag (ich bin bekennender Weihnachtshasser!), werde ich mit meiner Frau sowohl den in meiner Heimatstadt, als auch die in Bremen und Hannover besuchen – wenn auch nicht innerhalb einer Woche…
Terroranschläge passieren doch meistens sowieso unerwartet: ich wohne seit zwei Monaten in Istanbul und vor ein paar Wochen sprengte sich am Taksim-Platz ein Selbstmordattentäter in die Luft – ich wohne etwa 300m vom Taksim entfernt. Da bekommt man schon Angst, aber merkt zugleich, dass eine Bombe einen relativ kleinen Radius hat und nicht sofort eine ganze Stadt zerstört. Und wenn es mich getroffen hätte, dann wäre es eben so gewesen. Deswegen kann ich ja nun nicht mehr nicht vor die Tür gehen!