Propaganda


Ich zitiere mal aus Wikipedia, was Propaganda ist:

Propaganda bezeichnet einen absichtlichen und systematischen Versuch, Sichtweisen zu formen, Erkenntnisse zu manipulieren und Verhalten zu steuern, zum Zwecke der Erzeugung einer vom Propagandisten erwünschten Reaktion.[1] Der Begriff „Propaganda“ wird vor allem in politischen Zusammenhängen benutzt; in wirtschaftlichen spricht man eher von „Werbung“, in religiösen von „Missionierung“.

Propaganda ist also Meinungsmanipulation und Verhaltenssteuerung von Massen. Bitte das im Hinterkopf behalten, wenn ihr das hier lest.

Vor diesem Hintergrund bekommen Jubelarien der Marke

„Der viel gescholtene Besuch von Johannes B. Kerner bei unseren Soldaten in Afghanistan ist einfach großartig.“

einen sehr unfeinen Geschmack nach dem, was aus dem südlichen Ende eines nach Norden ziehenden Kamels herausfällt.

Aber ganz schlimm ist dieser Satz:

Doch grundsätzlich gilt: Wenn Deutschland schon am Hindukusch verteidigt wird, kann das deutsche Fernsehen auch von dort unterhalten – auch das ist schließlich ein Stück Normalisierung des Kriegsalltags.

Normalisierung des Kriegsalltags. Ein Alltag, in dem ganz selbstverständlich Menschen getötet werden. Das soll nichts besonderes mehr sein, es soll normal werden. Alltag halt.

Es wird suggeriert, dass der deutsche Soldat, der einen ungerechtfertigten Angriffskrieg am Hindukusch führt, morgens ganz normal die Waffe nimmt, den Tag über seinen Dienst an der Waffe ausführt, ab und an mal jemanden erschießt (das kommt in Kriegen nun mal vor) und dann abends nach Hause bzw. ins Camp geht und den Abend zu Ende bringt wie ein getreuer Staatsdiener das nun mal tut:

Vor dem Fernseher, in der Stammkneipe und dann früh ins Bett, denn der Alltag hat einen schnell am nächsten morgen wieder.

Kein Wort davon, dass am Hindukusch in diesem Alltag Menschen sterben, dass dort Menschen an Körper und Seele verwundet werden. Wo sind die kritischen Artikel über die deutschen Soldaten, die mit einer posttraumatischen Belastungsstörung aus dem Krieg heimkehren (wir haben wieder Kriegsheimkehrer, sie sind unter 30 Jahre alt!!), wo sind die Berichte über die Situationen vor Ort, wo der Nachschub und die Instandsetzungseinheiten verzweifelt versuchen, das kaputtgesparte Gerät noch *irgendwie* leistungstauglich zu machen? Wo sind die Berichte über die afghanische Bevölkerung und deren Meinung zu der Invasion?

Wo sind die kritischen Berichte der „Leitmedien“ zu diesem Krieg der von der Bevölkerung nicht gewollt ist? Wo sind die kritischen Journalisten, die das Maul aufmachen und mit ihrer journalistischen Kompetenz endlich mal ein Feuer entfachen, dass denen in Berlin Hören und Sehen vergeht?

Wo ist ein Augstein? Wo? Nur ein einziger bitte, damit ich so ein widerlich abstoßendes, plump manipulierendes und schlecht formuliertes Pamphlet, dass einem den Mageninhalt hochtreibt, nie wieder lesen muss.

Ist mir grad übel…

Veröffentlicht am 15. Dezember 2010, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 21 Kommentare.

  1. Hofberichterstattung vom Feinsten!

    *Tantchen ’ne Kotztüte ‚rüberreiche*

  2. Hast de gut geschrieben. Wenn das die einzige Sorge ist, die die TAZ hat, das der Kerner nicht zur Unterhaltung der Soldaten tauglich ist, geb ich keinen Penny mehr für die. Man könnte doch soviel zu diesem „sauberen“ Ehepaar sagen: Die eine missbraucht die Missbrauchten, um Internetsperren zu unterstützen, der andere missbraucht die Soldaten, um sich in den Chefsessel zu hieven. Dekadenter geht nicht mehr.

    Wir können ja die Sendung produzieren „Deutschland sucht den Supertaliban“. Für den Sieger gibt’s ’ne First-Class-Beerdigung.

  3. Propaganda machen nur die anderen, Linke, Chinesen …

  4. Ich find den Artikel gut – nur muss man, mit der Kenntnis der politischen Ausrichtung der TAZ im Hinterkopf – stark zwischen den Zeilen lesen, um ihn richtig einordnen zu können. Satire ist halt oft ein schmaler Grat.

    • wenn die Finger mal wieder zu schnell sind…

      Es geht im Artikel eigentlich gar nicht um KTzG, sondern um Kerner und die Art und Weise moderner Medieninszenierung. Quoten sind alles – und jedes Mittel ist recht.

      Man darf halt nicht den Fehler machen, in der allgemeinen Aufgeregtheit über den, gelinde gesagt, fragwürdigen Trip alle Texte nur oberflächlich quer zu lesen. Ich glaube, dass kannst Du besser, Tantchen.

      • Verdammt, du warst schneller… Ich muss im Belege suchen einfach besser werden. ^^

      • Mir ist sowohl die politische Ausrichtung bekannt als auch die anderen Artikel der taz. Genau darum ist der Artikel ja so schlimm. Das hat mit „zwischen den Zeilen lesen“ und „Satire“ nichts mehr zu tun, das ist Lobhudelei vom Feinsten.

        Satire kann und soll alles, aber sie muss erkennbar bleiben und darf von der Realität nicht eingeholt werden. Sie überspitzt die Realität – sie stellt sie nicht dar. Denn es geht dem Verteidigungsminister ja tatsächlich um eine „Normalisierung des Kriegsalltages“. Er will ja, dass die Bevölkerung die Kritik an dem Afghanistaneinsatz einstellt, er will ja im Grunde genommen wieder Truppenpakete haben, die von der unterstützenden Bevölkerung geschickt wird.

        Ich hingegen (und mit mir viele andere) sind eher der Meinung, dass man die Truppe am besten dadurch unterstützt, indem man die so gottverdammt schnell wie nur *irgend* möglich da aus dem Laden rausholt.

        Der taz-Artikel hingegen befördert das genaue Gegenteil. Und da hilft dann im Nachhinein auch nicht, dass man das „Satire-Etikett“ draufklebt.

        • Naja, das Etikett klebt für mich bei den meisten TAZ-Artiken schon vorher drauf, da ich diese Zeitung noch als eine Art modernen Eulenspiegel kennen gelernt habe. Das kann aber auch an meinem Patenonkel liegen, der mir die Zeitung auf diese Weise nahe gebracht hat…

          • Wie du siehst – WENN es so gemeint war, hat der Autor die Lobhudelei nicht genügend übertrieben. Denn der ganze Hype um v. Guttenberg und der „Sehnsucht nach einer Königsfamilie“ ist doch schon so dermaßen überzogen, dass da Satire wirklich nicht mehr hinterherkommt.

            Wenn nicht, sollte sich der Autor in Grund und Boen schämen.

  5. Öhm… also… Auch wenn ihr mich jetzt hauen werdet: Aber ich mag den Artikel. Setzt doch bitte mal die Satire-Brille auf und guckt nochmal genauer hin. Für mich ist dieser Artikel eher eine Abrechnung mit der deutschen Mediengestaltung im Allgemeinen und der der Privatsender im Besonderen.

    Gut, ich habe bisher (zumindest nicht bewusst) weitere Artikel des Schreibers gelesen, aber für mich sieht das eher nach satirischer Glosse als nach Propaganda aus…

    (5Minuten gruschdeln)

    Wenn ich mir nach kurzem Umgucken allerdings allerdings ansehe, was der gute Mann bisher so geschrieben hat, fällt er doch eher ins Lager der Medien-Kritiker als in das der Propagandisten.

    Vgl.:
    http://www.taz.de/1/leben/medien/artikel/1/einheitsbrei-schmeckt-lesern-nicht/
    http://www.taz.de/1/leben/medien/artikel/1/nur-fuer-geladene-gaeste/
    http://www.taz.de/1/leben/medien/artikel/1/im-schattenreich-der-grauen-herren/

  6. Hmmm – ja – also – äh – jetzt, da ich’s nochmals gelesen habe, könnte ich auch fast zu der Ansicht kommen, das Ganze als Satire gemeint. Aber so richtich klar kommt’s nich‘ rüber – ein klein wenig zu lasch.

    😀

  7. Propaganda wird immer im Einsatz sein, auch jetzt um die Person von Julian Assange! Wikileaks ist wichtig und wird gebraucht, um weiterhin investigativen Journalismus betreiben zu können. Kritischen Zeitgeist brauchen wir, sodass die (staatliche) Propaganda stets beleuchtet werden muss. Anbei empfehle ich einen interessanten Artikel zu US-Depeschen über südafrikanische Spitzenpolitiker, in Deutsch:
    http://2010sdafrika.wordpress.com/2010/12/15/wikileaks-veroffentlicht-berichte-sudafrikanischer-us-vertretungen/.

  8. Wo sind die kritischen Artikel über die deutschen Soldaten, die mit einer posttraumatischen Belastungsstörung aus dem Krieg heimkehren (wir haben wieder Kriegsheimkehrer, sie sind unter 30 Jahre alt!!), wo sind die Berichte über die Situationen vor Ort, wo der Nachschub und die Instandsetzungseinheiten verzweifelt versuchen, das kaputtgesparte Gerät noch *irgendwie* leistungstauglich zu machen? Wo sind die Berichte über die afghanische Bevölkerung und deren Meinung zu der Invasion? Wo sind die kritischen Berichte der „Leitmedien“ zu diesem Krieg der von der Bevölkerung nicht gewollt ist? Wo sind die kritischen Journalisten, die das Maul aufmachen und mit ihrer journalistischen Kompetenz endlich mal ein Feuer entfachen, dass denen in Berlin Hören und Sehen vergeht?

    Ich weiß ja nicht, welche Medien du konsumierst, aber eigentlich sind solche Berichte überall zu finden von konservativen Blätter, über moderate Fernsehreportagen bis zu linksliberalen Blogs.

  9. Wenn Kerner und Großartig in einem Satz fallen, ab ich eh schon genug. Aber das hier ist ja der größte Blödsinn aller Zeiten. Deutschland am Hindukusch verteidigen…na sicher.

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