Sportlich


Olympische Spiele. Hach, wie schön ist das doch, wenn die Leute da auf Rekordjagden gehen. Für einen Sportler ist Olympia *DAS* Großereignis, wo nix mitkommt. Mehr Prestige als „ist Olympiasieger“ geht nicht.

Und das tolle Sportereignis soll jetzt nach Deutschland kommen.

So weit so gut. Doch wie sieht die andere Seite der Medaille aus?Sehen wir mal großzügig darüber hinweg, dass Bayern ganz selbstverständlich zu Deutschland geschlagen wird:

Wir leben in einer Realität, wo der Staat nicht mehr weiß, wo er noch die Kohle hernehmen soll, um seinen Verpflichtungen gerecht zu werden. Man kürzt in erster Linie an Hartz-IV, die Bundeswehr wird vorrangig aus Kostengründen umgebaut, die Wehrpflicht entfällt. Allerorten werden Kultureinrichtungen geschlossen, Schulen und Universitäten sind in einem teils erbärmlichen Zustand.

Und dann lese ich, dass die Bewerbung einschließlich Bau aller notwendigen Sportstätten inkl. dem drumherum 3 Mrd. Euro kosten soll. So die Theorie, doch nachts sind alle Katzen grau: Turin hat das dreifache des Veranschlagten gekostet. Wären ja in dem Fall 9 Mrd.

Mit 9 Mrd. Euro könnte man sämtliche Schulen in Deutschland aufpolieren. Man könnte Musikschulen für einige Jahre weiter erhalten, anstatt sie zu schließen. Man könnte Büchereien wieder mit einem vernünftigen Buchbestand versehen. Man könnte Straßen reparieren, so dass man nicht mehr mit Schlaglochpisten leben muss gegen die sich die Pfade im afrikanischen Urwald als gut ausgebaut erweisen.

Man könnte mit 9 Mrd. Euro Hartz-IV auf ein akzeptables Niveau heben.

Man könnte mit 9 Mrd. Euro so viel tun. Aber was mich immer und immer wieder wundert:

Steinbrück hatte keine 2 Mrd. Euro, um die Pendlerpauschale zu bezahlen. Aber plötzlich war ein vielfaches da, um die Banken zu retten.

Wir haben keine Kohle für die notwendigsten Dinge. Jeder einzelne sieht doch, dass hier alles den Bach runtergeht: Müllabfuhr unzuverlässig, Straßenreinigung nicht mehr vorhanden, Winterdienst ebenso. Die Fahrzeuge des Betriebshofes haben häufig genug Ähnlichkeiten mit den Dingern, die man auf dem Schrottplatz sehen kann.

Aber bei einem derartigen Großereignis werden plötzlich Beträge gehandelt, dass einem schwindelig wird – und plötzlich ist Geld kein Problem mehr.

Und was auch kein Problem mehr ist: Enteignungen.

Ich kann mich daran entsinnen, dass es einen Riesenaufschrei gab, als China die Leute reihenweise enteignet hat, um die Sportstätten bauen zu können.

Aber in Garmisch wird offen mit der Enteignung gedroht. Und ich wette, dass die auch durchgeführt wird. Da werden Menschen die Existenzgrundlage entzogen, weil zufälligerweise ihr Grund und Boden da liegt, wo die „Fachleute“ gerade eine weitere Sportstätte geplant haben.

Die Ausfahrt der „Kandahar-Abfahrt“ liegt auf der Weide eines Bauern. Der will nicht verkaufen. Und die Drohungen in seiner Richtung haben die Grenze der Nötigung bereits überschritten. Das sollte eigentlich strafrechtlich verfolgt werden. Aber da es staatlicher Druck ist und überdies Bayern, wird das voraussichtlich nicht geschehen.

Wenn der Bauer mal enteignet ist, kann er auf dem Klageweg sein Land zurückholen. Und vielleicht bekommt er es nach den olympischen Spielen sogar. Oder das, was die Sportstättenbauer davon übrig gelassen haben.

Nein danke. Ich will die Spiele hier nicht haben. Nicht diesen Geldgeilen Zirkus, der ohne Rücksicht auf Verluste und nur mit Blick auf den Geldbeutel entscheidet, wo die Leute denn bittschön hintouren können um möglichst viel Geld diesen Haifischen in den Rachen zu werfen.

Denn um den Sport geht es da doch schon lange nicht mehr.

Veröffentlicht am 11. Januar 2011, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 7 Kommentare.

  1. „Denn um den Sport geht es da doch schon lange nicht mehr.“

    Stimme ich zu – allerdings machen meist nicht die Austragungsorte den Profit (eigentlich machen sie den nie), sondern die Sponsoren und das IOC.

    Auch ansonsten läuft hier im Lande einiges verkehrt: Statt Leuten, die ’ne Bank vor die Wand fahren (siehe HRE, HSH Nordbank, WestLB, …) rauszuschmeißen, ggf. in Regress zu nehmen, sie evtl. strafrechtlich zu belangen, werden diese nicht nur weiterhin beschäftigt, nein, sie erhalten noch Bonuszahlungen, damit sie nicht „abwandern“, denn „gute Leute sind schwer zu kriegen“. Hallo!? Wenn das die guten Leute sind, dann möchte ich nicht wissen, was die schlechten fabriziert hätten!

    Wenn ich an die vergangenen Wochen denke (Schnee, Eis, Glätte), dann überkommt mich das kalte Grausen: Eisplatten auf den Hauptverkehrsstrecken (mit Spurrinnen in LKW-Breite), 30cm Schnee auf den Nebenstrecken (im Durchschnitt), riesige Schneehaufen an den Kreuzungen (vervorzugt vor den Stellen, an denen der Bordstein abgesnkt ist) und nur ab und an ein Stück Weg, welches man (mit viel gutem Willen) als geräumt bezeichnen könnte.
    Einizg positiv war die Verkehrsberuhigung durch die Fahrbahnverengung – wenn eine komplette Fahrbahn zugeschoben ist, dann lernt man, was Geduld bedeutet.

    😀

  2. Man braucht nicht unbedingt Olympische Spiele oder die Fussball WM um jemanden zu enteignen. Da reicht schon ein Investor, der den Marktplatzbereich mit einem Pflegeheim, Hotel und Arztpraxen aufwerten will (Ist ja nicht so, dass es keine NICHT ausgelasteten Hotels, dass es dort keine Pflegeheime oder Aerzte schon gibt). Dass bei den Umgestaltungsarbeiten auch gleichzeitig das Rathaus aufgestockt, angebaut, modernisiert und renoviert wird, kommt noch dazu. Und das, obwohl die Gemeinde keine Geld hat fuer das Hallenbad (Vereine und Schulen sind die Dummen), fuer Modernisierungen der Schulen, fuer Strassenarbeiten … Geld war aber da, um IN einem Wasserspeicher ein Kunstwerk fuer fast 100.000 Euro anbringen zu lassen. Und fuer einen weiteren ‚Marktplatz‘ inklusive Toilettenanlage, die alleine schon 100.000 Euro kostete, der nur einmal im Jahr fuer die jaehrliche Kirmes genutzt wird ….

    • IIRC sind Kommunen verpflichtet, bei Bauten ab x Euro y% der Baukosten für „Kunst am Bau“ auszugeben. Vermutlich, damit hässliche Betonklötze wenigstens ansatzweise ansehbar werden. Oder so.

      • Fuer Kunst am Bau vielleicht, aber fuer ‚Kunst im Bau‘? Das Kunstwerk ist ein Mosaik und wird von tausenden Litern Trinkwassser umspuelt. Gans tief im Hochbehaelter. Im Dunkeln. Kein Mensch wird dieses Kunstwerk jemals sehen koennen und duerfen …

        • Bestimmt wird das Wasser dann durch homöopathische Effekte „verändert, so dass es intellektuell belebend wirkt XD

  3. Ich hoffe für euch, dass die Spiele nicht nach Deutschland kommen. Hier zahle ich seit dem Zuschlag eine extra Steuer nur um den sch**ß mit zu finanzieren, wird gegenüber meines Hauses eine Bushaltestelle (!!!) im Wert von 13Millionen (!!!!!) gebaut (und das schon seit Jahren, und natürlich auf die Kosten der Anwohner) deren einziger Verwendungszweck sein wird, zwischen hier und den Arenen hin und her fahrende Busse zu bedienen.
    Es wurden den Stadtteilverwaltungen zugesagt, dass sich der Zuschlag positiv auf die lokale Arbeitsmarktsituation auswirken würde, allerdings sind in den betroffenen Stadtteilen gerade mal 10%(!) der an den Spielen beteiligten Arbeiter aus den jeweiligen Stadtteilen. Die anderen sind von außerhalb. Geld wurde rausgeschmissen zur Aufhübschung von Straßen, die Touristen benutzen könnte, statt da zu landen, wo es gebraucht würde, nämlich öffentlichen Einrichtungen wie Schulen und Krankenhäusern. Während der Spiele dann, die ja angeblich ach so grün werden sollen, werden dann die Hauptverkehrsstraßen dicht gemacht, damit Sportler, Funktionäre und CEOs immer ganz exklusiv vom Pleb getrennt durch die Stadt reisen können. Zur Arbeit muss ja niemand.

    Gott sei Dank ist der Bürgermeister mit seinem Vorschlag gescheitert, jeden Einwohner der unmittelbaren Gegend (also auch mich) dazu zu zwingen, mindestens einen Besucher bei sich zu Hause auf zu nehmen.

    Also ich bin froh wenn der Spuk vorbei ist.

  4. Mich kotzen diese Kommerzspiele ohne Grenzen, egal ob Fußball oder Olympische Spiele oder was auch immer, seit eh her nur noch an. Was hat das noch mit Sport zu tun? Mein Kollege, seines Zeichens Leistungssportler, meinte mal zu diesem Thema zu mir, dass ohne Sponsoring überhaupt nichts mehr ginge … na toll!
    Nein, ich will weder diese Spiele noch irgendeine andere Großveranstaltung in diesem ohnehin schon korrupten und unsozialen Land haben.

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