Was übrig bleibt


Eine junge Frau verstirbt, weil sie den allgegenwärtigen Bildern des vorherrschenden Schönheits“ideals“ entsprechen wollte. Um es platt auszudrücken: Dicke Titten und schmale Hüfte.

Und auf einmal sind die Zeitungen voll mit Hohn und Spott über die Verstorbene. In Foren wird von „natürlicher Auslese“ und „wenn die hirntot ist, dann ist das für die doch nix neues“ gefaselt.

Und die Boulevardmedien nutzen das ganze mal wieder als Wichsvorlage. Vordergründige Betroffenheitsartikel werden mit Videostrecken aus dem Big-Brother-Container garniert und mit Nackt-Bilderstrecken. Drunter gehts mal offenbar nicht.

Die Achtung vor dem Tod? Die Achtung auch nur eines Fitzelchen Restwürde? Fehlanzeige.

Die Fragen, die gestellt werden müssen, werden aber nicht gestellt.

Wie kommen wir zu diesem „Ideal“ dass Frauen in Barbiepuppen verwandelt? Wieso wollen soviele aussehen wie diese halbverhungerte Puppe?

Warum ist das so, dass Menschen offenbar die Aufmerksamkeit der Masse so brauchen, dass sie ihr Leben riskieren, um es zu bekommen?

Was ist aus uns geworden, dass wir hemmungslos über die Tote herziehen, Witze reißen, anstatt sie in Frieden ruhen zu lassen? Und ihre Angehörigen in Ruhe trauern?

Hat sich nur ein einziger überlegt, was in den Hinterbliebenen vorgeht, wenn sie sowas lesen müssen? Die Medien-Cora, sie wird nur ein Bruchteil dessen gewesen sein, was die eigentliche Cora ausmachte.

Und die scheint spannend genug gewesen zu sein, um einen Ehemann und Freunde zurückzulassen.

Zeit, sich ein wenig zurückzunehmen. Zeit, ein wenig darüber nachzudenken, was Respekt und Achtung bedeutet.

Veröffentlicht am 22. Januar 2011, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 11 Kommentare.

  1. „Was ist aus uns geworden, dass wir hemmungslos über die Tote herziehen, Witze reißen, anstatt sie in Frieden ruhen zu lassen? Und ihre Angehörigen in Ruhe trauern?“

    Das könnte unter anderem durch eine mediale Überpräsenz hervorgerufen werden. Wenn man ständig den selben sieht, geht es einem irgendwann auf die Eier. Und in diesem Fall wurde die Präsenz von der Betreffenden gesucht.

    • Rechtfertigt das wirklich, dass man hingeht und nach dem Tod so dermaßen über die Frau herzieht?

      Rechtfertigt das wirklich, dass man der Familie richtig eins reinwürgt? Denn, mal unter uns: Ihr kanns doch egal sein, was man über sie denkt. Sie ist tot.

      Aber die Familie erlebt gerade, dass über einen geliebten Menschen kübelweise Schmutz ausgegossen wird.

      Und nochmal: Sie hat einen furchtbaren Preis für ihre Medienpräsenz zahlen müssen. Was hat das für einen Sinn, jetzt abzulästern?

  2. Ach Tantchen, ich habe es aufgegeben. Allein gestern Nachmittag konnte ich auch nur den Kopf schütteln. Da wurde in den Verkehrsnachrichten tatsächlich davor gewarnt bzw. darauf hingewiesen das es verboten ist mit den Wohnmobilen auf die Elbdeiche zu fahren.

    Es gibt Menschen die da wirklich hinfahren nur um zu gaffen und nebenan kämpfen die Bewohner um ihre Existenz. Respekt und Achtung vor dieser Lage? Fehlanzeige!

  3. Abgesehen davon, dass ich nicht verstehe, was mancheiner an solch magersüchtigen Frettchen findet, bin ich der Ansicht, jeder soll nach seiner Façon glücklich werden.
    Allerdings sollte man sich nicht am Unglück anderer erfreuen/aufgeilen oder sich darüber lustig machen – dieses „Zurschaustellen“ der Verstorbenen oder Gaffen allerdings macht genau das; jemand der sich am Unglück anderer erfreut, gehört meiner Ansicht nach geschlagen bis er lacht – und dann weil er lacht…

  4. „Rechtfertigt das wirklich, dass man hingeht und nach dem Tod so dermaßen über die Frau herzieht?“

    Von einer Rechtfertigung würde ich da nicht reden wollen. aber sicherlich ist neben dem Menschen auch die „Figur in der Öffentlichkeit“ zu sehen – so ähnlich wie beim Krimi, wo man den Fiesling ernsthaft zu hassen beginnnt und dabei nicht daran denkt, was der Schauspieler für einer ist. Diese Figur ist es, auf die sich die Häme bezieht. Speziell wir Hamburger wurden mit der Dame regelrecht zugeknallt. Jeder Minderjährige konnte tagelang nachlesen, wie weit sie beim Massen-Blowjob gekommen ist. Möge sie in Frieden ruhen und die Medien sich wieder mehr mit Dingen beschäftigen, die etwas höher als im Rückenmark zu behandeln sind.

  5. Meine Gedanken beim Lesen eines Artikels über die Cora (auf 20min.ch):
    -Warum zum Geier lässt man sich einen Busen 6mal (oder 5mal, macht keinen Unterschied) vergrössern? Ich persönlich finde zuviel Holz vor der Hütte genau so abtörnend wie nen Schwabbelbauch (ich red hier nicht von ein bisschen Speck zur „Abrundung der Kanten“, das ist durchaus okay, denn durchscheinende Knochen mag ich genausowenig.)
    -Wie funktioniert das, dass das Gehirn eines Patienten auf dem OP-Tisch laut 20min-Artikel für 15 Minuten *keinen* Sauerstoff bekommt? Zuwenig würd ich noch verstehen, aber *keinen* hiesse ja, dass entweder das Herz oder die Lungefür 15 Minuten komplett ausgesetzt hat und gar keine Reanimation gemacht wurde (denn selbst bei händischer CPR wird ja der Blut/Sauerstoffkreislauf zumindest ansatzweise aufrecht erhalten).
    -Wenns tatsächlich so war, warum liegt der Patient danach mehrere TAGE im „Koma“, bis man den Patienten endgültig für tot erklärt? (Laut Wikipedia setzt der Hirntod nach 10 Minuten ohne Sauerstoff ein und die einwandfreie Bestimmung des Hirntods mittels EEG dauert 30 Minuten)

    Naja, vielleicht waren die Fakten mal wieder „ganz toll“ recherchiert. Das Nivea von 20min ist ja auch nur noch knapp über dem „Blick“ (das Pendent zur deutschen „Bild“). Interessieren würds mich aber schon, obs die Journalisten oder die Ärzte waren, die kläglich versagt haben.

    • Hier kann ich leider aus persöhnlicher Erfahrung schildern. „nach 10Minuten Hirntod“ und „EEG dauert 30 Minuten“ sind zwar richtig, aber es gab Patienten, die wieder Hirnaktivitäten zeigten. Und so weit mir bekannt wird bei solchen Patienten ein EEG über mehrere Tage gemacht, welches keinerlei Aktivitäten messen darf, ansonsten darf man nicht einfach „den Stecker ziehen“. Auch wenn das Leben danach kein wirkliches Leben mehr ist.

  6. schlimm fand ich das. Und auch, dass diese Schönheitshysterie immer jüngere erwischt. Wir hatten das Thema mal in unserem Blog (ich glaube bei „pummelfee“) und da schrieb uns eine Leserin aus den USA, dass es unerträglich sei, der Hype ums Gewicht. Deprimierend.

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