Auflösung


Tjo, Kunststück, das ich unter der alten Notrufnummer 019292 keinen mehr erreicht habe. Diese Nummer sollte eigentlich abgeschaltet sein. Das hat wohl – wie immer im öffentlichen Dienst – eher nicht rechtzeitig geklappt.

Die neue Nummer ist eine kostenpflichtige 01805-„Hotline“ mit durchschnittlich 5 min Wartezeit. Pro Minute 14 Cent. Ein Schelm, der arges dabei denkt.

Hintergrund ist, dass der Notdienst wohl zentralisiert wurde. D.h. es sind nicht mehr städteweit Notdienste im Einsatz, sondern inzwischen die Notdienste hier im Kreis in einer Zentrale zusammengefasst. Wir haben hier den flächenmäßig größten Kreis in der Ecke, da sind ein paar Städte untergekommen.

Und so wie ich das sehe, hat man gesagt: „Eine Notfallzentrale braucht nur noch 2 Leute statt wie früher 10 Notfallzentralen mit 2 Leuten im Schichtdienst zu besetzen“.

Und so isses jetzt auch. 5 min. Wartezeit bis sich jemand meldet. Natürlich gibts bei sowas einen Flaschenhals. Und ja, früher waren hier deutlich Kapazitäten frei.

Aber das Rechengenie, dass aus 20 Stellen 2 gemacht hat, dem wünsche ich einen entsprechenden Notfall an den Hals. Kostenpflichtig.

14 Cent pro Minute für den Notarzt, ich glaub ich SPINNE.

Veröffentlicht am 2. Februar 2011, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 22 Kommentare.

  1. Und wie geht es Dir? Sind die Viren vor Schreck über diese Kosten geflohen? 😉

    Ne, ernsthaft. Wie geht es Dir – und vor allem auch deinem Vater?

    Und das mit dem Notdienst ist ja wirklich die Höhe. Gesundheitsreform, hab Dank!

    • Das ist wirklich die Höhe. Es soll ja Leute geben, die haben als einziges Fernsprechgerät ein Prepaid-Handy.

      Warten, warten, warten, „Notdienstzentrale, sie sprechen mit …. bing, Guthaben alle.

    • Noja. Ich konnte dem Doc so mit Müh‘ und Not ausreden, mich erstmal wieder einzuweisen. Ins Krankenhaus wollte ich denn doch nicht.
      Dafür hat er mich dann erstmal mit einer Palette Antibiotika versorgt, aber lustigerweise bei ACC akut nur die Portion für Kinder genommen: die 200er. Normal nehm ich die 600er, wenns so dicke kommt. Und zwar zweimal. Bei den Paracetamol wollte er auch die kleinen nehmen. Als ich dann meinte „ähm, ne. Die 500er bitte. Drunter nix machen.“ hat er komisch geguckt. Mit Verweis auf die Tatsache, dass ich über fast 4 Monate täglich mindestens 6 dieser lustigen Bonbons geschluckt hab und teilweise auch Morphium bekam (direkt nach der OP) hat er dann aber eingesehen, dass ich mit den 200er Para nu wirklich nix mehr anfangen kann.

      Ich werd gleich meinen Hausarzt anrufen, ihn um ein Rezept für Medikamente für Erwachsene bitten und dann mal gucken, das es besser wird. Hab ja die ersten ACC schon eingeworfen, aber das hätt ich auch gleich lassen können. Dank der modernen Medizin und der Dinge im vergangenen Jahr brauch ich halt von allem was mehr *seufz*

      Daddy gehts *noch* gut. Aber Muttchen ist vergrippt, ich hab 1 Stunde neben ihm im Auto gesessen….das geht nicht gut 😦

      • Hm, so nebenbei. Ich bin eigentlich auch ein großer Fan von Paracetamol (wenn ich denn mal sowas brauche), weil’s das ist, was bei mir mit am besten wirkt. Aber bei dem was Du so im letzten halben Jahr eingeworfen hast …
        Wär vielleicht gut, mal auf die Leberwerte schauen zu lassen und ggf. das Gift mal zu wechseln.

  2. Und der nächste BWL-Schlipsträger rechnet den Verantwortlichen vor, dass sich nochmal 50% einsparen lassen, wenn man die Notrufzentrale nach Indien outsourct. Oder 9live übernimmt diese Aufgabe, dann wird das hier zur traurigen Realität:
    http://www.der-postillon.com/2010/11/herzattacke-9-live-moderator-erreicht.html

  3. Auch ich kann mich deinem Wunsche (dem Rechengenie möge ein Notfall um die Ohren fegen) nur anschließen.
    Aber es ist wie immer und überall: Privatisieren auf Deubel komm raus, dann ist’s ers’ma‘ billiger. Dass am Ende die große fette Rechnung auf alle wartet (fetter noch, als hätte man’s gelassen wie’s war), weil nichts mehr funktioniert und der Service scheiße ist, das haben diese A-piep-geigen natürlich nicht auf’m Sender.

    Man reiche mir mein L.A.R.T.

  4. Wobei es einen Unterschied zwischen Notarzt und Notdienstarzt gibt.
    Der Notarzt kommt mit nem bunten Auto (mit blauem Licht und viel Krach).
    Der ärztliche Notdienst (zuständig für Husten, Schnupfen, Heiserkeit – halt die Vertretung vom Hausarzt) kommt mit einem normalen Auto.
    Ebenso unterscheiden sich die Alarmierungswege:
    Notarzt – Anruf bei der 112 (inzwischen sogar größtenteils in Bayern)
    Notdienst – über die 01805…. (kann je nach Bundesland abweichen)

    Ach ja, der Anruf bei der 112 ist kostenlos (Mist jetzt hätte ich beinahe „umsonst“ geschrieben…)

    • Trotzdem ist es eine Frechheit, wenn man den Notarzt über ne kostenpflichtige Hotline alarmiert. Und was ist denn die Folge?

      Es werden viel mehr Leute die 112 anrufen, weil sich diese ellenlange 0180er-Nummer keine Sau merken kann. 19292 war auch einfach. Die Belastung für die Rettungsdienste steigt also spürbar. Das ist übrigens tatsächlich so. Ich konnt heute nacht nicht schlafen und hab mit nem Kumpel geplauscht, der Nachtdienst hat 😉

      Und der ärztliche Notdienst kam ja nicht zu mir. Ich musste hinfahren. Mir gings ziemlich dreckig, aber die haben sich glatt geweigert, rauszufahren, schließlich wär die Notfallambulanz ja offen. Also bin ich hingefahren. Mit Schwindel, Fieber und der gesamten Palette, die man so als Notfall haben kann. UND meiner Krankengeschichte. Der Notdoc war übrigens nicht begeistert.

      • genau das ist die Folge
        .. aber so ist das nun mal mit dem „Outsourcing“ (kotz)
        Bei uns in Frankfurt am Main informieren die (wirklichen) Tageszeitungen über die Kontakte zu den „zuständigen“ Ärzten. Vielleicht auch eine Lösung.
        Ansonsten zeigt das doch das Motto der „Gesundheitsreform“:
        „Sparen, koste es (den Patienten“) was es wolle“
        Liebe Grüße
        Hajo

        • Bin auch hessischer Mainanwohner und kenne das Thema zur Genüge. Am besten hat man im Haus immer einen gesunden Fahrer „über“ ansonsten bleibt man liegen bis der Bestatter kommt.
          Scheißzeiten sind das geworden….

          • na ja, lieber „Landsmann“, „Scheißzeiten“ gab’s doch wohl schon immer
            .. oder wie war es zu Zeiten, in denen noch keine Verkehrsmittel zur Verfügung standen? Da braucht man gar nicht bis ins Mittelalter zurückzugehen.
            Ich denke mal, wir sind auch ein stückweit verwöhnt – auch durch die vollmundigen Versprechungen der im „Gesundheitswesen“ (un)tätigen Institutionen 😦

  5. Also das mit dem ärztlichen Notdienst kenn ich von hier ganz anders. Unabhängig davon ob kostenlos oder kostenpflichtig, bringt es hier meist nicht sonderlich viel den Notdienst (oder nennt man das nur noch Bereitschaftsdienst?) anzurufen, da die meist auf den Notruf verweisen. Der Notdienst kommt kam bei uns zwar auch schon 2 mal, einmal als mein Vater sich verhoben hatte und ne Spritze brauchte (er kam ja nicht mehr zum Arzt) und einmal als meine Tochter nachts 40° Fieber trotz Paracetamol hatte und Antibiotika brauchte, da sich irgendetwas entzündet hatte. Aber wie gesagt, in den meisten Fällen lieber gleich 112, die sagen zur Not auch, dass der Bereitschaftsdienst reicht.

  6. Die Philippinen haben es mit ihrer privatisierten Wasserversorgung vorgemacht (da bekommen arme Leute einfach kein Trinkwasser mehr, weil sie die Mondpreise nicht bezahlen können) und wir machen das für unsere Infrastruktur nach.

    Wann raffen (sowohl die Politbonzen, die’s machen, als auch jene, die sie wählen) endlich, daß es Dinge gibt, die nicht in private Hand gehören?

    Wahrscheinlich erst, wenn’s deshalb die ersten Toten gibt. Ach nee, das hatten wir ja gerade in Horten…

    Gute Besserung Tantchen.

    • das Problem mit dem Wählen ist ja leider:
      Du kannst wählen wer dir am geeignetsten erscheint und endweder bleibt der Dann an der 5%-Hürde hängen (wobei ich gegen diese Zugangsbeschränkung an sich ncihts hab (Noch nicht ?)) Oer er erweist sich kurze Zeit nach der Wahl als genauso eine Pfeife wie die die man abgewählt hat. Aber es wird sich dann immer über die Wahlergebnisse der Rechten gewundert…

      und unserem Tantche Gute Besserung !
      (Wobei ich auch den Quatsch mit dem Notdienst sein lassen würde, entweder zur Notaufnahme fahren 8lassen) oder Rettungsdienst, sonst steht man auf einemal vor einem Vertreter der Bachblüten-Fraktion und der ist echt über wenn mann DRINGEND kompetente Hilfe braucht)

      • Am schönsten find ich’s dann immer ,wenn die Rede ist von „40% der Wähler haben für … gestimmt“, weil das ja eigentlich nich‘ hinhauen kann, da wir noch nie 100% Wahlbeteiligung hatten (selbst in der DDR nich‘).

        Deswegen Leute: Wählt nächstesmal mich! Wird vielleicht nicht besser, aber es wird anders. Das ist dann auch das einzige Versprechen – und das kann ich halten.

    • Marquel,
      die „raffen’s“ doch
      .. das Geld der Ver-Sicherten!

  7. Wenn man erst einmal durchs Menue fuer die Aufhebung der 0180er-Sperre durchmuss, das dann wegen irgendwelcher technischer Schwierigkeiten nicht funktioniert (‚Bitte probieren sie es in ein paar Minuten noch einmal‘ – Kann bei den Teletubbies locker 3 Tage dauern), keine Telefonzelle weit und breit ist (was auch mit 40 Grad Fieber keine Loesung waere), dann hat man irgendwie die Arschkarte gezogen. Dafuer gibt es aber genuegend Bestatter mit einer kostenlosen 0800er Nummer. Ein Schelm, wer Boeses dabei denkt!

    • Mag sein, dass die Auftragsannahme beim Bestatter kostenlos ist, aber bedenke – dieser Auftrag kostet/e mindestens einen Menschen das Leben und irgendjemanden ’ne ganze Stange Geld!

      😀

  8. Ich habe an meiner Telefonanlage die 01805-Nummern gesperrt. Ich denke, dass das in Haushalten mit Kindern nicht selten so ist.

    Bleibt also nur die 112.

    • Wir haben das sogar über den Telefonanbieter sperren lassen – also haben wir nicht mal die Möglichkeit, das eben kurz zu entsperren!

      😀

      • Wird bestimmt „lustig“ wenn man bei der 112 anruft und die einem sagen, dass man die andere Hotline-Nummer wählen soll und man denen antwortet, dass das nicht möglich ist.

  9. Und wie immer bei solchen Sachen war die Vorbereitung ein echter Griff ins Klo:
    http://www.derwesten.de/staedte/iserlohn/Anlaufschwierigkeiten-id4255194.html

    Gerade bei (lebens)wichtigen Sachen wie dem Notruf darf nicht am falschen Ende gespart werden, da jede Minute entscheidend sein kann.

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