Deutschlands „frechster“ Arbeitsloser


Seit Jahren wird Arno Dübel durch die Talkshows gereicht, in Printmedien durchgehechelt, dass „so einer“ überhaupt „Stütze“ beziehen darf.

Dabei kommt von keiner Seite auch nur der Hauch eines Zweifels auf, dass Arno Dübel derjenige ist, als der er sich ausgibt.

Doch wer ist Arno Dübel wirklich?

Arno Dübel hat eine eigene Webseite und ein eigenes Künstlermanagement. Die Webseite hat einen Link „Arno Dübel“ und man kommt auf seine Kurzbiographie.

Ehrlich?

Wenn man sich diese Biographie mit offenen Augen mal durchliest, stinkt das ganze laut nach Satire und gefaked. Arno Dübel soll 1986 eine offene Tuberkulose-Infektion gehabt haben, festgestellt wurde die im Krankenhaus, in das er nach einem Umzug mit „extrem geschwollenen Knien“ eingeliefert wurde. Offene TB und nach 3 Wochen wurde er dann entlassen.

Nun ist es nun mal so, dass TB nicht nach 3 Wochen „ausgeheilt“ ist. Weder heute noch damals. TB wird laut Wikipedia zunächst für 2 Monate mit Antibiotika behandelt und muss dann nochmal für 4 Monate fortgesetzt werden, um einen Rückfall zu verhindern. Die Symptome „extrem geschwollenes Knie“ tauchen in der Symptombeschreibung nicht auf. Sind auch unwahrscheinlich. Ich weiß nicht, wie Mitte der 80er TB behandelt wurde, aber ich gehe davon aus, dass die Behandlung nicht sehr viel kürzer war. TB ist keine Erkrankung, die „mal eben“ mit Pillen schlucken wie ne Grippe weggeht. Und mit 3 Wochen Krankenhausaufenthalt ist das auch nicht gegessen.

Haken wir das also schon mal unter „Legendenbildung“ ab.

Aber nun ist da so der Punkt, wo ich Arno Dübel komplett als Kunstfigur abhake, die mit dem Leben als Hartz-IV-Empfänger ungefähr soviel zu tun hat wie die Bildzeitung mit sorgfältiger Recherche:

1998: Als Überraschungs-Geschenk und als psychische Stütze für sein Leben als Sozialhilfempfänger erhält Arno Dübel seinen ersten Hund, „Rocky“, geschenkt. Der Hund ist gerade 4 Wochen alt, wurde mit seiner toten Schwester in einer Mülltonne entsorgt, als er in die Pflege des Arbeitslosen kommt; eine unsterbliche Liebe entsteht zwischen Hund und Herrchen

Bitte LIEST denn keiner der Aufregungs-Journalisten denn diese Webseite? Wie deutlich muss man denn noch machen, dass Arno Dübel mit der Realität von Hartz IV nix zu tun hat und dass er komplett ungeeignet ist, um eine schärfere Vorgehensweise zu fordern?

Arno Dübel ist eine Kunstfigur, Arno Dübel ist nicht derjenige, als der er in den Medien präsentiert wird.

Schlimm für jeden Hartz-IV-Empfänger, die an seinen Maßstäben gemessen werden und die aufgrund dessen noch mehr mit dem Rücken an der Wand stehen.

 

 

Veröffentlicht am 26. Februar 2011, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 8 Kommentare.

  1. … und das fiese: wenn du erst einmal opfer von Hartz IV bist und Kinder im Haushalt durchfüttern mußt, wirst du noch behandelt wie ein verbrecher… Grade erst in der Verwandtschaft erlebt und bei dem behördenkram helfen müssen… wenn du da als Familie nicht unterstützung von der übrigen familie hast, treibt dich die „Stütze“ unter Umständen sogar noch in eine Schuldenfalle…

  2. Ob es Dir gefällt oder nicht – es ist zu befürchten, dass Arno Dübel genau das ist, was er zu sein scheint, nämlich Arno Dübel. Ob er wirklich existiert, kann nur das Amt sagen, was es nicht tun wird, aber das was auf der Website steht, ist mMn absolut normal. Jeder, der so lange arbeitslos ist, wird sich einen guten Grund überlegt habe warum sicherlich nur die Umstände und auf keinen Fall er selbst an der verfahrenen Lage schuld ist. Arnos Grund ist eben die Tbc (Ob echt oder erfunden ist hierbei absolut egal).
    Ich bin mir sicher, dass jedes Jobcenter in Deutschland auf Anhieb mehrere Arno Dübels liefern könnte. Arno Dübels gibt es nun mal leider überall und ausreichend.

    • Das mag sein – aber trotzdem bleibe ich dabei: Kunstfigur.
      Denn der tourt damit ja durch die Talkshows und haut damit ziemliche Kerben für alle Hartz-IV-Empfänger. Und mal unter uns Klosterschwestern: Wer zum Teufel ist denn so grottendämlich und beißt mit einem Pitbull in die Hand, die einen füttert? Für so doof halte ich den gar nicht.

      Natürlich gibt es faule Menschen. Genauso wie es auch fleißige Menschen gibt. Das umfasst das menschliche Spektrum. Nur darum geht es hier nicht.

      Arno Dübel steht doch inzwischen stellvertretend für Hartz-IV-Empfänger. Und deren Faulheit, Niveaulosigkeit und unter uns: Wie viele sind inzwischen der Meinung, dass Hartz-IV-Leute inzwischen Spackos sind, auf die man getrost draufprügeln kann in der sonnigen Gewissheit, dass man selbst nicht dazugehört.

      Dass die meisten Hartz-IV-Empfänger eben NICHT so sind, fällt dabei völlig untern Tisch. Und Arno Dübel als Identifikationsfigur, an der man sich nach belieben abarbeiten kann oder eben ihr zustimmen, ist mir ein wenig ZU perfekt, als dass sie echt sein kann.

      Also: Cui bono? Wem nutzt es?
      Und gucke ich mir die aktuelle Diskussion um HartzIV an und dass weiterhin Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit der Bezüge bestehen, kommt mir die (erneute) Diskussion um „Deutschlands frechsten Arbeitslosen“ ein wenig ZU passend.

      • Wem es nutzt?
        Allen die meinen, Arbeitslose seien arbeitsunwillig, faul, stünden erst mittags auf, um sodann ein Bier (oder zwei oder drei) zu schlabbern!
        Es hilft denen, die eigentlich 12 Monate Zeit hatten, Hartz IV zu reformieren (wobei dieses Wort nicht wirklich passen will) und es nach knapp 14 Monaten immer noch nicht „verfassungsfest“ (oder sollte man sagen: „verfassungsgerichtsfest“?) bekommen!
        Arbeitslosen oder Arbeitsuchenden jedoch hilft es nicht.
        Selbst denen die Arbeit haben hilft es nicht wirklich, weil für diese nämlich solche Sachen wie Kündigungsschutz, Mitbestimmung, ALG-I-Bezug und ähnliches aufgeweicht werden. Und alle machen mit und keiner rührt sich, damit bloß keiner entlassen wird und nach spätestens 12 Monaten „Hartz IV“ bekommt!

        Ist euch eigentlich mal aufgefallen, wie schnell es Konsens gibt, wenn es darum geht, die Abgeordnetenbezüge zu erhöhen?

        Ein Schelm, wer böses dabei denkt…

        😀

  3. Möglicherweise ist Arno Dübel zwar ein Arbeitsloser, aber einer, der das Klischee aus professionellen Gründen perfektioniert hat. Ich könnte mir das so erklären, dass er ursprünglich verhältnismäßig normal (wie auch immer man das definiert) arbeitslos war, und wie so gern von gewissen Medien praktiziert, in seinen Aussagen zusammengeschnitten wurde. Und mit diesen Aussagen hatte er dann Erfolg… und wurde vermarktet. Seine Website zumindest gehört einer

    Tricko Tracko Inc.
    Greg Silver
    Cami des Molins 3
    07540 Son Carrio
    Spanien

    Die sich nach eigenen Aussagen als „iglobales Medienunternehmen [versteht], das besonders in den Bereichen Medienproduktion und Marketing, TV- und Fernsehproduktion, sowie aber auch im Bereich des Musikmarketings, der Musikproduktion und der Vermarktung von Musikdownloads sowie auch Real- und Klingeltönen spazialisiert ist.“ (gefunden da: http://www.openpr.de/news/506306/Ein-Cowboy-auf-seinem-Pferd-Horst-Rieder-gibt-mit-dem-Indianerlied-Vollgas.html die Website der Firma ist nicht ohne Passwort erreichbar)

    Soweit ich das überblicken kann machen die in erster Linie Party-Trash & Ballermann-Schlager – also genau die Zielgruppe, die die Figur Dübel auch bedient.

    • „Soweit ich das überblicken kann machen die in erster Linie Party-Trash & Ballermann-Schlager – also genau die Zielgruppe, die die Figur Dübel auch bedient.“

      Richtig überblickt, das bestätigt hiermit ein bekennender Ballermann-Tourist. Wer glaubt, dass der Kollege für die meisten- oder alle Hartzler steht, lässt sich auch sonst ne Menge erzählen. Vorteil: Wenn er komisch wird, kann man ihm mit Barbara Salesch drohen. Was den Arno angeht – die Masche ist doch auch nicht neu. Man möge sich überlegen, wer alles schon auf „dumm“, „fies“ oder sowas gemacht hat, in den meisten Fällen ohne es zu sein.

  4. Hab ich auch schon öfter gedacht.
    Es kommt mir vor als kenn ich den von irgendwo.
    Nur: ich war in Hamburg nur mal vor Jahrzehnten auf Klassenfahrt.
    Damals gab’s noch kein HartzIV.
    Wohne in Hessen.

  5. Die Kunstfigur Arno Dübel heißt – er hat sich bei Maischberger mal verplappert – in Wirklichkeit mit Nachnamen “Tuccia”. Schade, dass nie ein Journalist recherchiert hat, was Herr Tuccia in Wirklichkeit treibt. Vielleicht ein Kleindarsteller, aber sicherlich kein arbeitsscheuer.

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