The Docfather


Aber aber, Herr Häberle. Ich glaub, da haben sie was falsch verstanden.

Doktorväter sind mitnichten nur fürs Händchenhalten da. Die sollen die Dissertationen tatsächlich prüfen.

Dass sie jetzt hingehen und sich „bewusst getäuscht“ fühlen, hilft ihnen nun auch nichts mehr.

Denn: Wären sie ihren Pflichten als Doktorvater nachgekommen, wäre definitiv diese Dissertation auf dem Müllhaufen gelandet. Und nicht im Buchhandel.

Ja, ich weiß. Die Verflechtungen zwischen der Familie v. Guttenberg und der Uni Bayreuth haben mit ihrem Fehlverhalten natürlich nichts zu tun.

Doof. So geht ein gut gepflegter Ruf mit einer Dissertation den Bach runter. Mit Anlauf.

Veröffentlicht am 2. März 2011, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 8 Kommentare.

  1. Ja, der Docfather ist letztlich schon dafür verantwortlich, ob eine Arbeit so veröffentlich wird oder nicht, und ob sie zu Recht oder zu Unrecht mit der Höchstnote bewertet wird. Das mal vorweg, und diese Verantwortung kann man ihm nicht abnehmen und beiseite schieben kann er sie schon gar nicht.

    Aber man stelle sich die Situation vor (mal von den Verflechtungen abgesehen!): Da kommt ein (relativ) junger ,smarter, adeliger Doktorand mit (anscheinend) ausgezeichnetem Leumund und präsentiert eine Dissertation erheblichen Umfangs, die er nach eigener Darstellung in mühevollester, (Gutti benutzt SEHR gern Superlative auch da, wo sie nicht angebracht sind) aufopferungsvollster, wissenschaftlichster Kleinarbeit höchst selbst erstellt haben will, schleimt ihn im Vortwort noch heftigst voll und möchte nun gern seinen Dr. jur. abholen. Der junge Kandidat und der Docfahter im doch zumindest recht fortgeschrittenen Alter, um nicht zu sagen ein allter Mann, der von Copy und Paste vermutlich allenfalls vom Hörensagen weiß.

    Da dürfte es dem selbsernannten Saubermann Gutti doch kein Problem gewesen sein, den um den Finger zu wickeln. Unrechbewusstsein dürfte ihm dabei nicht im Wege gestanden haben, das war ja selbst in seiner Rücktrittserklärung nicht zu spüren. Im Gegenteil, schon da bastelte er bereits genüsslich an seinem eigenen Mythos und war sich nicht zu schade, den Tod von 3 Bundeswehrsoldaten für sich zu instrumentalisieren, pui Spinne. Dass das letztlich aber wirkt, zeigt sich schon jetzt wieder z.B. in Initiativen wie diesen hier:
    http://www.facebook.com/pages/Wir-wollen-Guttenberg-zur%C3%BCck/136786223053705

    eben grad waren’s 380.743 ! Ich fass es nicht!

  2. Bei der Facebook-Dings wirds einem ja echt übel.

    Kall, was mir aber auffällt:
    WENN es so war, wie du sagst, dann hätte er auch nicht Doktorvater sein dürfen, denn ein Doktorvater, der sich aufgrund des fortgeschrittenen Alters von einem smarten Doktoranden blenden läßt, ist definitiv untauglich. Egal wie gut seine Reputation auch gewesen sein mag.

    Wenn er wirklich zu alt dafür war, dann hat er selbst den Punkt verpasst, wo er besser abgesprungen wäre. Heim zu Muttern in die Rente.

    Es hat einen Grund, dass ältere Leute irgendwann verrentet werden, einfach weil sie nicht mehr mithalten können. Und für die Juristerei gilt das ganz genauso.

    Wie mans dreht und wendet: Der kommt aus der Nummer nicht raus, ohne selbst sein Ansehen massiv zu beschädigen.

  3. Nee, den wollte ich auch auf keinen Fall verteidigen, die Suppe muss er schon auslöffeln, genau wie Gutti die seine.
    So ein Bundesverdienstdingens befreit einen nicht von der Verantwortung. Normalerweise sollte der Docfather ja auch seinen Doktoranden während der Promotion wohlwollend begleiten und ggf. sogar anleiten und mit ihm diskutieren. Ich weiß, dass das graue Theorie ist, aber es gibt (gab) wirklich solche Doktorväter, ich kannte einen.

    Wollte nur mal darauf hinweisen, dass Gutti den Häberle nach Strich und Faden geleimt hat. Und ich glaube immer noch nicht, dass er das nicht bewusst gemacht hat.

    Natürlich gehört da auch jemand zu, der sich leimen lässt, und natürlich hätte Häberle auch als Emeritus die Möglichkeit gehabt, die Arbeit von jemandem zumindest mal stichprobenartig durchnudeln zu lassen, und bei dem Umfang hätte man das relativ schnell merken können. Aber er hat sich eben einlullen lassen, und das kann man ihm tatsächlich vorwerfen.

    btw 413.141

  4. Ach ja, es macht noch ein Plagiat die Runde:

    Aus Guttenbergs Rücktrittsrede:
    „Ich war immer bereit zu kämpfen, aber ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht.“

    Aus Star Trek II – Der Zorn des Khan:
    „Ich war immer bereit zu kämpfen, aber ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht.“

    Der lässt wirklich NICHTS aus, und wieder die Quelle nicht genannt 😉

  5. Was mit Herr von und demnächst wieder zu Guttenberg stattgefunden hat, war eine Hexenjagd, nichts anderes. Ich bin mir nur noch nicht ganz sicher, wer sie angezettelt hat, ob die Linken auf den beliebtesten Politiker der anderen Seite geschossen haben oder ob Angie einen potentiellen Konkurrenten loswerden wollte; schließlich hat sie beim Birnenkopf gelernt!

    Provokative These? Zweifellos. Aber ich frage mich schon, was man wohl so alles finden würde, wenn man sich andere Doktorarbeiten, gerade aus dem juristischen Bereich, durchsehen würde. Denn es ist doch weltfremd zu glauben, dass jeder Doktorand irgendein Neuland betreten würde. Es war einfach „alles schonmal da“. Was erwartet man denn? Bahnbrechende neue Überlegungen? Nein, im Grunde kann man nur verschiedene Meinungen gegenüberstellen, abwägen und sich dann einer anschließen. Und es gibt dabei kaum etwas, was nicht schonmal irgendwer anderes gesagt hätte!

    Vielleicht hat es KT übertrieben mit dem Abschreiben, aber ich glaube nicht eine Sekunde, dass es in anderen Doktorarbeiten so unglaublich anders aussehen würde, wenn man sie denn genauso zerpflücken würde. Und noch weniger glaube ich, dass hier nicht ganz gezielt im Schmutz gegraben wurde, um KT gezielt abzuschießen.

    Und was erreicht man damit letztlich? Weniger Kompetenz in der Regierung. Die „Intelligenz“ unseres Landes setzt sich heute schon lieber in Aufsichtsräte oder Unternehmensberaterfirmen, wo man ein Vielfaches dessen verdienen kann, was man in der Politik bekommt, und nicht derart auf dem Pulverfass sitzt für jeden nicht-staatskonformen Furz, den man vor 30 Jahren gelassen hat. Ja, ich übertreibe bewusst!

    Aber wenn wir demnächst wieder über den allgemeinen Schwachsinn sinnieren, der in der Regierung – gleich welcher Coleur – beschlossen wird, dann liegt das jedenfalls nicht daran, dass Leute wie Guttenberg am Kabinettstisch sitzen, sondern daran, dass zu wenige Leute wie Guttenberg am Kabinettstisch sitzen.

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