Sich überschlagende Ereignisse


Hinweis: ich pinsel jetzt alles hier rein und mache nicht immer einen neuen Artikel auf. Das wird zuviel… viel zuviel.

Hamsterkäufe in Tokio. Massenflucht in den Süden des Landes. Das Vertrauen in die Behörden, die „möglicherweise“ von einer Kernschmelze sprechen, ist offensichtlich weg, auch andere Abwiegelungen, um die Bevölkerung ruhig zu halten, greifen nicht mehr.

Die ersten Demonstrationen in Deutschland gegen Atomkraft werden gebildet. Wir haben Wahljahr, das wird auch der CDU noch auf die Füsse fallen, dass sie unbedingt die Atomkraftwerklaufzeiten verlängern mussten.

Aber was sind die Folgen für die Arbeiter, die gerade verzweifelt versuchen, das Unvermeidliche noch zu vermeiden? Es sieht nicht gut aus. Und ich bin mir sehr sicher, dass die das auch wissen. Und sie gehen trotzdem rein. Das sind Helden. Es sind Leute wie du und ich, die einfach tun, was getan werden muss, ohne auf die persönlichen Konsequenzen zu achten.

Das Erdbeben verblasst vor dieser Katastrophe, und doch: Fast untergehende Meldungen, wonach ganze Dörfer ausgelöscht wurden, erschlagen von herabfallenden Gebäudeteilen, fortgespült vom Tsunami. Gerade wieder ein Dorf gefunden wo nach ersten Schätzungen 400 Leichen lagen.

Es gibt keinen Dank dafür, wenn man sich das richtig betrachtet, sind diese Leute jenseits der Heldenverehrung und jenseits des Dankes. Es ist zu groß, als dass bloßer Dank noch reichen würde. Er kann die verlorene Lebenszeit nicht ersetzen.

Und inzwischen, während ich hier schreibe, steht es fest, es gibt die offizielle Bestätigung dessen, was alle schon wussten: Die Kernschmelze hat eingesetzt, Fukushima 1 steht vor dem Super-GAU. Fukushima 2 wird möglicherweise folgen, bislang weiß noch niemand, was mit Fukushima 3 und 4 ist, wo auch bereits Dampf abgelassen wurde.

Wikipedia zur Kernschmelze. Übrigens kann man Fukushima und Tschernobyl nicht vergleichen – es handelt sich um völlig unterschiedliche Reaktorsysteme, die Folgen für die Natur mögen gleich sein, jedoch nicht die Art, wie die Kettenreaktion abläuft.

Gott, ich weiß nicht, wie man das je wieder gutmachen kann. An Mensch UND Natur.

Das Erdbeben selbst verblasst vor diesem Hintergrund: Eine Stadt vollkommen zerstört, viele Dörfer vom Erdboden verschwunden. Japan ist dicht besiedelt und meist genau da, wo das Wasser natürliche Rinnen zum Fließen hatte, weils die einzigen Ebenen in dem gebirgigen Land waren.

 

Veröffentlicht am 12. März 2011, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 42 Kommentare.

  1. Ich bin entsetzt, gelähmt, sprachlos… 😦
    Eigentlich hätte ich viel zu tun – kann mich aber nicht von den Bildern lösen… schrecklich.

    • Dir gehts wie mir…
      Nur sprachlos bin ich nicht. Ein bisschen verarbeite ich das ganze hier auch im Blog…
      Ich geh putzen… ich brauch ne Pause….

  2. Es ist schlimm, ja.
    Und es macht mich nachdenklich. So viele Menschen ohne ein Dach über dem Kopf und soviel Angst vor der Zukunft. Wir nehmen viele Dinge viel zu selbstverständlich hin, es wird Zeit, sich ein bisschen in Demut zu üben und dankbar für das Alltägliche zu sein.

    Ich bewundere die Japaner. Unheimlich diszipliniertes Volk. Bei uns wäre das wahrscheinlich wesentlich schlimmer abgelaufen. Sie werden die Situation in den Griff bekommen, da bin ich mir sicher, auch wenn sie erst ihren Stolz überwinden müssen, um Hilfe von Außen anzunehmen. Die Jungs da unten sind technologisch weit besser als wir, die schaffen das..

    • Um etwas zu schaffen, musst du auch eine Chance dazu haben. Actro, da sind ganze Städte weggeputzt, da ist jetzt eine Trümmerwüste, wo vorher eine große Stadt stand.

      Sämtliche Dörfer, die auf dem Weg der Welle lagen sind weg. WEG – da ist nichts mehr, was man noch schaffen könnte. Es ist Salzwasser über fruchtbares Erdreich geflossen, die gesamte Agrarwirtschaft wird dort auf Jahre hinaus platt sein. Denen droht jetzt ganz real ne Hungersnot.

      Alle Gebiete, wo jetzt die radioaktive Wolke von Fukushima drüber geht, werden auf sehr lange Zeit unbewohnbar sein. Das kann man auch mit noch soviel technischen Mitteln nicht mehr geradebiegen.

      Es ist Jod und Cäsium in der Luft – die können das grad noch leugnen wie die wollen und was von einer intakten Reaktorhülle faseln: Nach DEM Rumms ist da nix mehr intakt. Die Drücke einerseits von innen und der Explosionsdruck von außen (wenns nicht die Hülle selbst war, die explodiert ist) wird dafür gesorgt haben, dass das grad hochgradig porös bis gebrochen ist. Nur: Derzeit ist dort ein Feuerinferno, es war die Rede von 2000 Grad Feuertemperatur. Da *kann* grad keiner rein, noch nicht mal mit Löschflugzeugen, weil der Aufwind von dem Feuer so hoch ist, dass die das Löschwasser da nicht reinkriegen.

      Es hat 2 Wochen gedauert, bis das Feuer in Tschernobyl soweit gelöscht war, dass man anfangen konnte mit gucken, was noch steht.

      So technisch versiert wie die Japaner sind: Da stößt JEDER an seine Grenzen…

      • Das ist mir durchaus bewusst. Wir sind seit gestern fleißig am diskutieren im IRC.
        Aufräumarbeiten und Wiederaufbau sind meiner Meinung nach allerdings sekundär einzustufen, zuallererst geht es ja mal darum, die drohende Gefahr abzuwenden.

        Für die dann verbleibenden Probleme werden sich Lösungen finden, vielleicht ist das sogar eine Chance für die Welt, wieder ein wenig mehr zusammen zu rücken.
        Nicht immer alles so negativ sehen, der Mensch hat schon ganz andere Dinge gestemmt..

        • Richtig, die Frage war nur immer: Was kostet es.
          Frag doch mal eine Mutter, die ihr Kind verliert, ob es den Preis wert war?

          Gut, das ist polemisch, aber es ist nun mal so: Da sind gerade Ingenieure am Werk, die wissen, dass sie nicht mehr lange leben werden, zu hoch ist die Strahlenbelastung, zu schlimm werden die Verbrennungen sein (Strahlenverbrennungen sind hinterhältig, sie sieht man nicht immer an der Außenhaut, siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Strahlenkrankheit)

          Es gibt derzeit nichts, was ich an der Situation positiv sehen könnte, denn es ist zu erschreckend, was da passiert. Kernschmelze in einem dicht besiedelten Gebiet, Gott, gehts noch schlimmer?

          50 Meilen sind übrigens ein Witz…guck doch bitte mal ein wenig die Karten an, wie sich der nukleare Fallout in Tschernobyl verteilt hat (siehe auch: http://www.environmental-studies.de/Radiooekologie/caesium/Cs_1/cs1.html)
          Die hätten sich über 50 Meilen GEFREUT. Weils so wenig gewesen wäre. Bis heute sollte man in Bayern eher nicht Pilze im Wald sammeln – die sind nach wie vor radioaktiv verseucht. Denkt nur keiner dran.

          Ich stimme dir zu: Auch das wird irgendwann gestemmt werden. Aber die Frage des Preises, der gezahlt werden muss, die ist nicht beantwortet.

          Und glaub mir: Er wird höher sein, als irgendjemand auch nur annähernd bezahlen wollte.

  3. nuja, die nächste Großstadt, die ich auf der Karte finden konnte, ist immerhin 50 Meilen(!) weg. Ja, immer noch zu nah, falls das wirklich ernsthaft „hochgeht“, aber mit etwas Glück weht der Wind in der richtigen Richtung (auf’s Meer).

    Übrigens musst du aufpassen: Fukushima II ist eine andere Anlage, du redest von Fukushima I – Reaktor 1-4, oder?

  4. Mich überrascht es nicht, dass der Meiler hochgegangen ist. War eine Frage der Zeit.
    Jetzt stellt nur noch die Frage, wie schlimm die Verstrahlung wird – und selbst wenn man weiß, wie weit sich der Scheiß ausbreitet, hat immer noch keinen Plan, wie es den Leuten da ergehen wird.
    Ich bitte außerdem zu bedenken, dass sich der Wind auch drehen könnte – die Wettermenschen sagen zwar was anderes vorraus, aber man kann nie wissen.
    Und wenn jetzt noch einer behauptet, Atomenergie sei sicher, der darf versichert sein, dass ihn für’n Spinner halte!

    Was die Kosten anbetrifft, bin ich mir ziemlich sicher, dass die Strompreise unabhängig davon, welche Technologie eingesetzt wird, steigen (bei uns hier zum 1. Mai!). Und das werden auch dann tun, wenn diejenigen, die den Strom produzieren noch mehr Geld in Arsch geblasen bekommen (siehe oben).
    Also sollte man schleunigst dafür sorgen, dass alle AKW abgeschaltet werden. Ich weiß, dass man nicht von heute auf morgen darauf verzichten kann, aber man sollte die Basis schaffen, damit wir darauf verzichten können. Und es mir persönlich scheißegal, ob die Energie dann teurer wird (irgendeinen Grund finden die sowieso immer) und ob Deutschland dann das erste Land ist, das alle AKW abstellt – einer muss schließlich der erste sein, der mit diesem Wahnsinn aufhört.

    Schaun wa ma!

    PS: Wählt nächstes Mal mich – ich verspreche nicht, dass es besser wird, aber es wird anders werden!

    😉

  5. Bei Reaktor Nr. 3 hat ebenfalls die Kernschmelze eingesetzt. Aber Frau Merkel hat gestern abend gesagt, dass die deutschen AKW’s sicher sind. Ich denke, dass kann notfalls auch befohlen werden.
    Es muss endlich Schluss sein mit der Geld-aus-Blut-Politik. AKW’s abschalten – sofort!

  6. wie sich doch die „Offiziellen“ aller Nationen gleichen: die japanische Regierung wiegelt zuerst einmal ab – genau wie die liebe Frau Merkel.
    Leider ist das Kind jetzt wirklich im Brunnen
    .. und zwar nicht mehr zu retten.
    Und uns aller Röttgen entwarnt!
    Zwar ist die Situation (bezüglich der AKW) in Deutschland definitiv eine andere und dies bedeutet, dass man das Ganze unaufgeregt betrachten muss, aber es läuft schon darauf hin, auch weltweit (!) die AKW nach und nach abzuschalten. Wie jedoch die Ersatz-Energieversorgung aussieht, steht in den Sternen – oder wollen wir zukünftig auf elektrische Energie verzichten?

    • Nein, wollen wir nicht und müssen wir auch nicht.

      Die Enegieversorgung könnte bei uns bereits heute ohne AKWs auskommen, wenn etwa mehr in Infrastruktur investiert worden wäre. Und bei einer Abschaltung nach und nach, sollte das erst recht kein Problem sein. Es müssen einfach nur andere Schwerpunkte gesetzt werden. Die Gewinne der Energieversorger müssen reinvestiert werden und zwar in umweltfreundliche und zukunftsträchtige Technologien. Eine europaweite konzertierte Aktion muss her, auch im Hinblick darauf, dass die Resourcen sehr unterschiedlich verteilt sind. So macht es eben mehr Sinn, solare Großkraftwerke im Süden Europas, Windkraftwerke eher im Norden an der Küste und Pumpspeicher zum Ausgleich der Produktionsschwankungen in Norwegen zu bauen. Es _könnte_ eigentlich alles relativ einfach sein sein, wenn nicht alle ihre eigenen nationalen Süppchen kochen und ihre Prestigeprojekte verfolgen würden..

      • @ drkall: ganz so einfach ist das leider nicht, denn 1. dauert die Erstellung der „Ersatzversorgung“ einige Zeit, die es zu überbrücken gilt und 2. werden in den Diskussionen „Contra AKW“ immer wieder die Großverbraucher wie Industrie, Kommunen etc. unterschlagen. Es gilt hier, schon etwas mehr Ehrlichkeit und etwas weniger Selbstbetrug zu haben.

        • Doch, es ist relativ einfach, weil eben bei der ganzen Diskussion die bereits vorhandenen Überkapazitäten ebenfalls immer verschwiegen werden.

          Es geht auch nicht darum von heute auf morgen alle AKWs vom Netz zu nehmen, einer Laufzeitverlängerung hätte es aber auf gar keinen Fall bedurft. Auch ohne diese wäre kein Versorgungsengpass zu befürchten. Und auch mit der Stillegung _einiger_ weiterer europäischer AKWs würde ebenfalls die europäische Versorgung nicht zusammenbrechen. Mit den im vorigen Kommentar genannten und etlichen weiteren Maßnahmen wäre es ohne weiteres möglich innerhalb von 20-30 Jahren Europa komplett kernenergiefrei zu versorgen, nur müsste man dazu einfach mal anfangen. Solange Gewinne abgeschöpft und nicht in entsprechende Technologien reinvestiert werden, wird sich natürlich auch nichts bewegen. Wenn darüber erst weitere 50 Jahre diskutiert wird, klappt das natürlich nicht.

          • Is schon klar, wir müssen Geduld haben, 20, 30, 50 Jahre. Dann steigen wir aus der Atompolitik aus.
            Nur beim Sterben sind wir gleich dran (oder zzt. die Japaner). Ich will nicht, dass meine Kinder und Enkel an Leukämie oder einer anderen Krebsart sterben mit der Begründung, dass wir sonst keinen Strom zum Fernsehen (oder anderes) haben.
            AKW’s abschalten – sofort!

            • „Die deutschen AKW sind sicher“ hört sich genauso hohl an wie „Die Renten sind sicher“ oder „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“.

              Und es ist mindestens so gefährlich wie die letzte Äußerung.

              Wie ich schon gesagt habe, muss man jetzt anfangen, Ersatz zu finden für die AKW – ich möchte wetten, dass das innert weniger Jahre realisierbar ist, wenn man nur will. Und ich möchte ebenso wetten, dass mindestens drei oder vier der deutschen AKW sofort vom Netz gehen könnten, ohne dass es zu Engpässen in der Versorgung kommt.

              Man darf auch nicht vergessen (irgendwer schrieb das hier schon): wir alle können was tun – Strom sparen!

              Ich fange damit jetzt an – ich gehe jetzt offline und mache den PC aus 😉

            • ja ja, so einfach ist das
              .. und was ist mit den Arbeitsplätzen in der Industrie, aber auch in Behörden etc.?
              Braucht ja alles keinen Strom ..
              Und mit den AKW gleich die Kohlekraftwerke mit abschalten (die sind ja sooooo harmlos)
              @drkall: 20 bis 30 Jahre sind schon recht lang, da kann viel passieren.
              Wichtig wäre jetzt endlich mal eine Regierung (Bundes/Landes/Kommunal), die sich trauen, auch mal das unbeliebte Thema Enteignung anzugehen, denn ansonsten wird NIX, aber auch GR NIX gebaut (Standorte, Trassen). Es gibt zu viele der lieben Mitmenschen, die dem St. Floriansprinzip heiligen!

  7. übrigens: meine Bewunderung gilt auch den Helfern des THW, die – trotz der Gefahr – nach Japan geflogen sind: auch das sind Helden!

  8. Zum Thema alternative Energien gibt es schon Möglichkeiten, die entsprechend zu nutzen. Damit wäre z.B. eine Laufzeitverlängerung nicht nötig. Report Mainz berichtete im September 2010 darüber: http://youtu.be/0kIusrBMhXU

  9. Die Japaner haben momentan aber auch echt die Arschkarte gezogen, das Erdbeben scheint nun auch den Vulkan Shinmoedake aufgeweckt zu haben, der seit bisher 50 Jahren inaktiv war, und in den Nachrichten (glaube N24) war auch noch die Rede von einem weiteren Beben der Stärke 7.
    http://www.spreadnews.de/japan-vulkan-shinmoedake-spuckt-gestein-und-asche/119061/

    • Das mit dem Vulkan hab ich auch gesehen, aber mal ehrlich? Stand doch zu erwarten. Die Erde ist da noch lange nicht ruhig, die hat da *richtig* gezuckt und natürlich gehören dann auch Vulkanausbrüche dazu.

      Bei Japan treffen sich meines Wissens nach 3 Kontinentalplatten. Und die haben gerade alle aufgebauten Spannungen mit einem Schlag losgelassen. Mich würde nicht wundern, wenns da auf sämtlichen Nahtstellen geknallt hat, so wie das da gerummst hat.
      Ich hab irgendwo gelesen, dass die Hauptinsel Hokkaido 2 m zur Seite gerutscht ist, fragt mich aber jetzt nicht wo.

      Wenn das wirklich wahr ist, wundert mich auch nicht der Vulkanausbruch – und das dürfte bei weitem nicht der letzte sein, die haben da einige rumstehen.

      Und – unter uns: 50 Jahre sind für einen Vulkan nun wirklich keine lange Ruhezeit. Das ist noch nicht mal „gestern“ sondern eher „vor 30 sek“.

      • Kann man ja auch nicht mit rechnen, dass es in einem Gebiet, in dem 4 tektonische Platten aneinander stoßen, mal bebt oder“ vulkant“…

        • Doch, damit rechnen die Japaner durchaus. Nur eben nicht mit so einem rumms.
          Es gibt dort eine hochfinanzierte Forschung, wie man Gebäude Erdbebensicher macht. Dass das auch gut klappt hat man an den neueren Hochhäusern gesehen: Die stehen *alle* noch, da ist nix von eingestürzt. Da sind teilweise noch nicht mal die Fenster weggesprungen. Die haben ein bisschen gewackelt – ok ein bisschen mehr gewackelt, aber das wars dann auch. Die stehen teilweise auf Stoßdämpfern, aber teilweise sind auch hochflexible Materialien verbaut worden – einfache Kunststoffnetze, die die Konstruktion zusammenhalten. Und es hat funktioniert.

          Die Mischung wars, die den Japanern dass Genick gebrochen hat: Erst das Erdbeben in einer wirklich heftigen Stärke, gefolgt vom Tsunami, der wohl durch das Versetzen der Insel ausgelöst wurde. Die Gewalt hat jeder gesehen und *richtig* gemein war nicht das reinfluten des Wassers, sondern das Zurückziehen – da wirds erst richtig fies, viele Häuser haben das reinfluten überlebt, sind aber so weggefegt worden, als sich das Wasser zurückgezogen hat.

          Und jetzt noch Vulkanausbrüche, die geophysikalisch in der Region zu erwarten waren, die aber so das Tüpfelchen auf dem i sind…
          Echt, das sind nur noch arme Schweine. 😦

          • JA – natürlich wissen die Japaner das! Logo! Das geht ja schon seit ’n paar Jahrhunderten so.
            Aber welcher Hirni ist auf die Idee gekommen, in der Gegend könnten nur Erbeben mit der Magnitude 8 auftauchen? Hallo?

            Genauso wenn ich GAU höre! Ja – scheiße was – wie kann es dann SuperGAU geben?

            Oder übersehe ich da was?

            Mag sein, dass meine Äußerungen polemisch anmuten, aber nur weil etwas noch nicht da war, heißt das ja nicht, dass es nicht mal passieren kann – einmal ist immer das erste Mal 😉

            Und ja – ich halte das Gemurkse mit den AKW für den größten Bockmist, der jemals angefangen wurde.

            • GAU: Größter anzunehmender Unfall INNERHALB der Sicherheitsparameter. Das heißt, es passiert etwas, was innerhalb dessen ist, was man an Katastrophen/Dummheit/Pech vorhersehen könnte.

              SUPER-GAU: Steht eindeutig außerhalb dieser Parameter.

              Auf Japan angewendet:
              Das Erdbeben hätten sie abfangen können. Da wär nix passiert, die Reaktoren würden wieder laufen. Wenns *nur* das Erdbeben gewesen wäre. Tsunami hätten sie auch abfangen können.

              Das waren auch alles Szenarien, die die bei der Planung des Kraftwerkes berücksichtigt hatten. Vielleicht kein Erdbeben der Stufe 9, aber ein Erdbeben mit Sicherheit.

              Aber *beides* wurde in der Planung nicht berücksichtigt. Konnte man nicht, weil sich keiner ausmalen konnte, dass so eine Katastrophe je stattfinden könnte.

              Das ist ein Super-GAU. Außerhalb jeglicher Planung.

    • Die Info, die du verlinkt hast, ist falsch.

      Ich habe erst heute Morgen einen Bericht eines Wissenschaftlers (Geologe) gehört, der vor dem Erdbeben vor Ort war, um dort die geologischen und plattentektonischen Gegebenheiten zu untersuchen.
      Der von dir angesprochene Vulkan ist bereits seit Januar wieder aktiv und hat geologisch mit dem Erdbeben auch nichts zu tun.

      Interessant finde ich auch die Beurteilung, dass man froh sein kann, dass der Wind in Richtung Meer weht. Als würde das dort keinen Schaden anrichten. Mal ganz abgesehen davon, dass es auch sowas wie Meeresströmung gibt. (Sarkasmus on) OK, es trifft dann wohl „ja nur“ die Küste von Amerika und wir tollen Europäer bleiben verschont. (Sarkasmus off)

      Sollte eine radioaktive Aschewolke in ein paar km Höhe gelangen, kann der globale Stream die Partikel durchaus auch bis Europa tragen. Die Wahrscheinlichkeit ist zwar nicht sehr hoch, aber wer behauptet, dass wir sicher sind, der lügt. Mal abgesehen von den Folgen der radioaktiven Partikel im Meer.

      Wer denkt, dass wir sicher sind, weil es bei uns keine Erdbeben gibt, der irrt sich ebenfalls. Zwar sind wir in einer tektonischen Ruhezone, aber auch ich habe bei mir (nähe Bremen) schon eine Erdbeben erlebt. War zwar nur Kleinkram, aber sowas gibt es bei uns.
      Ein Erdbeben zwischen Amerika und Europa kann es aber durchaus geben. Ein Tsunami ist also auch bei uns nicht ausgeschlossen. Und wenn sich so eine Welle durch den Ärmelkanal quält, wird die richtig groß. Und wenn dann noch unsere Endlager dabei ordentlich durchgespült werden, dann Prost Mahlzeit.

      Auch wenn es zur Zeit keine direkten Auswirkungen auf uns gibt, so werden wir meiner Meinung nach auch mit den Folgen leben müssen. Und es zeigt uns auch, dass unsere AKW eben nicht sicher sind. Die Wahrscheinlichkeit für so ein Naturereignis ist für uns zwar gering, aber eben nicht ausgeschlossen.

      • Das mit „gott sei dank wehts richtung Meer“ find ich auch zum kotzen, aber scheinbar ist das wirklich nicht so schlimm, als wenn das ganze über Land läuft.

        Wasser ist agiler und die Strahlung scheint sich dort rascher zu verteilen. Sie ist dann immer noch da, aber relativ ungefährlich.
        Ja, es gibt auch ungefährliche Strahlung, nämlich dann, wenn sie unterhalb eines gewissen Levels ist. Und die Verteilung *scheint* auf dem Wasser schneller zu gehen.

        Wenn sie auf dem Land verteilt wird liegt sie da. Und bewegt sich keinen Millimeter. Sie wird nicht abgetragen oder erodiert, sie wird nur aufgrund der Halbwertszeit geringer. Das scheint so der Hauptunterschied zu sein:

        Auf dem Wasser verdünnt, auf dem Land konzentriert. Und wenn schon was freigesetzt wird, dann will man das wohl lieber im Wasser als an Land haben.

        • Das ist sicher ein Argument.
          Hoffen wir mal, dass die Meerstiere und -pflanzen das genauso sehen und die Verteilung wirklich so gut durchmischt ist, dass die Grenzwerte unterschritten werden. Zumindest ist die stärkere Verteilung logisch nachzuvollziehen.

  10. Man muss schon seeehr zynisch sein, um zu behaupten, dass in diesem Land die AKWs sicher seien, schon mal deswegen, weil es hier keine Tsunamis gäbe. Ausserdem seien die Sicherheitsbestimmungen hier die international anerkannt höchsten und man muss eben noch mal eine Sicherheitskonferenz schalten, um auch alles abzuklopfen und ausserdem haben die AKW-Betreuer immer wieder gesagt, dass sie alle Regeln einhalten und bla und bla und bla …

    Krümmel und Brunsbüttel waren/sind 2 Jahren nicht am Netz gewesen wegen eklatanter Störfälle. Und? Hatten wir eine Unterversorgung? Hat irgendjemand mal abends im Dunkeln gesessen? Na also!

    Mir ist sowas von schlecht. Das, was in Japan gerade passiert, kann keiner wieder aus der Welt schaffen oder schönreden oder was auch immer. Die Explosionen im Reaktorgebäude 1 und 3 sprechen für sich und wer sich jetzt hinstellt und behauptet, es bestünde kaum oder keine Gefahr oder eben nur eine winzigkleine Kernschmelze, der sollte bestenfalls was aufs Maul bekommen!

    Ich bin empöhrt, wütend, ängstlich … ich weiss garnicht, wie ich mich momentan fühle seit letzten Freitag …

    • Das ist hier aber eine andere Hausnummer, leider.
      Es ist eher unwahrscheinlich, dass bei uns ein AKW hochgeht, weils ne Naturkatastrophe gab. Viel wahrscheinlicher ist schlichte menschliche Dummheit, denn mit dieser hochgefährlichen Technologie wird hier leider nicht entsprechend vorsichtig umgegangen. Übrigens nirgendwo. Und darum abschalten, die Menschen sind einfach nicht soweit, mit derartiger Technologie umzugehen.

      Es wird auch nicht von „winzigkleiner“ Kernschmelze geredet, sondern: Der Kern in Block 1 von Fukushima I *ist* zumindest geschmolzen, in Block 2 ist er das zumindest teilweise, aber anders als in Tschernobyl *scheinen* die Druckbehälter noch intakt. Das heißt, dass der Schmelzsee sich noch hübsch verpackt in einem Stahlkern befindet und damit kann man umgehen. Die verstrahlten Leute scheints deswegen erwischt zu haben, weil die zu nah dran waren, als die den radioaktiven Dampf abgelassen haben, um den Druck im Druckbehälter zu senken, eben bevor der explodiert.

      Partiell geschmolzen heißt: Die Teile der Brennstäbe, die frei lagen, also nicht von Kühlwasser umgeben, sind durchgegangen. Ich kann mir das nicht vorstellen, wie das nur *teilweise* schmelzen kann, denn bei 2000 Grad dürfte das restliche Kühlwasser explosionsartig verdampfen. Darum pumpen die ja grad auch in großem Stil Meerwasser auf die Druckbehälter, um die von außen soweit runterzukühlen, dass die Schmelzgefahr des Druckbehälters (2000 Grad ist ne Ansage für Stahl) vorüber ist. Aktuell siehts zumindest in Japan so aus, dass die Ingenieure unter Aufbietung aller Kräfte, des Könnens und so wie ich das sehe auch durchaus des eigenen Lebens, versuchen, die Radioaktivität so gering wie möglich zu halten.
      Die gehen da rein und lassen sich verstrahlen – einfach, weil sie da rein MÜSSEN um das zu kühlen.

      Und ich fass das immer noch nicht – das ist echte Selbstlosigkeit.

      • Ich meine auch, dass es hier keinen Tsunami braucht, um solche GAUs herbeizuführen. Es genügt ja, wenn irgendjemand im Tran einen falschen Schalter umlegt, ein Kabel durchschmort, Wartungsjobs nicht oder nur unzureichend eingehalten werden oder sonstwie leichtsinning umgegangen wird mit diesem Thema.
        Zynisch nur, dass eben gestern im den Nachrichten ein Vorstandsmitglied von RWE (oder war´s Eon) genau das ausgesagt hat, dass es nämlich nie zu einem solchen Desaster käme, weil wir hier keine Tsunamis zu erwarten hätten. Für wie dumm hält man uns?

        • Wenn ich mich nich‘ irre gab’s da mal was mit nicht zugelassenem Material in Druckwasserkühlleitungen in diversen deutschen AKW – ich such das mal und sach euch Bescheid.

    • Ma Rode, leider hört und liest man immer wieder dieses Argument (so etwa: „der Strom kommt doch aus der Steckdose“). Leider ist das in unserer vernetzten Welt nicht mehr so einfach, weil die Kraftwerke (vielfach AKW) anderer Staaten in solchen Fällen die Stromversorgung mit übernehmen können.

      • @Hajo: Norwegen hat schon angeklopft und uns ihren Wasserkraft-Strom angeboten, mehrfach … warum nehmen wir den nicht? Weil´s ja keine Kohle mehr für Eon und RWE gäbe, und nicht etwa, weil man die Leitungen erst legen müsse oder so …

        • na ja, Ma, ob man das wirklich glauben soll?
          Wenn’s in Skandinavien doch sooooo viel Strom gibt, frage ich mich, weshalb Schweden mit neuen AKW schwanger geht ..

          • Das fragst Du Dich ernsthaft?
            Weil es auch in Schweden gute Lobbyarbeiter gibt, und weil es in Schweden einen Enengiekonzern gibt, der in anderen Ländern wegen diverser Schlampereien massivste Probleme bekommen hat, aber der nichts desto trotz in Staatsbesitz ist und Geld verdienen will.

            • drkall: Du solltest den Kommentar von Ma (Rode) lesen, auf den sich mein Kommentar bezieht 😉

              • Doch, doch Hajo, den habe ich gelesen, und genau darauf bezog sich mein Kommentar.

                Du glaubst offenbar, dass man Kernkraftwerke nur baut, weil es einen nicht gedeckten Strombedarf gibt.

                Norwegen ist übrigens noch weiter gegangen und bietet Europa den konzertierten Bau von Pumpspeicherwerken an, um die schwankende Erzeugung von Strom aus regenerativen Quellen auszugleichen. Dass ein paar Euros fließen müssten und man sich zumindest am Bau von Hochleistungstrassen zum Stzromtransport betieligen müsste, sollte sich eigentlich von selbst verstehen.

                Vattenfall hat längst bewiesen, dass es viele andere Gründe gibt, kernkraftwerke zu bauen und zu betreiben. Am Energiemangel in Skandinavien liegt es jedenfalls nicht.

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