Restrisiko


Vorsicht. Nichts für schwache Nerven.

Todeszone

DAS ist es, was die Japaner jetzt erwartet. Wobei ich konstatieren muss, dass die Bevölkerung trotz allem noch unglaublich besonnen reagiert.

Veröffentlicht am 19. März 2011, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 8 Kommentare.

  1. Ein Restrisiko besteht halt immer. Also nur die Ruhe, wie Fefe schon festgestellt hat, ist ja nicht so als würde da jemand sterben.

  2. Also, was die Japaner hinsichtlich Radioaktivität erwartet, ist noch längst nicht raus, und sämtliche bisherigen Spekulationen darüber waren bisher für die Katz, konnte auch gar nicht anders sein. Bisher haben 5 Leute mehr als 250 Millisievert abbekommen, und man kann davon ausgehen, dass die eine erhöhte Wahrscheinlichkeit haben in Zukunft zu erkranken, ob sie wirklich erkranken werden ist aber noch keineswegs sicher. DAS ist das einzige, was bisher einigermaßen greifbar ist, alles andere ist pure Spekulation.
    Ich bin weit davon entfernt, die Geschichte zu verharmlosen und will keineswegs ausschließen, das es noch zu weiteren und massiven Freisetzungen von Radioaktivität kommen kann, aber bis jetzt gibt es einfach absolut keine ernsthaften Daten die auch nur irgendeine annähernde Abschätzung zulassen, was sein wird.
    Und die Berichterstattung ist sowas von grausam und grottenschlecht recherchiert. Es gibt offenbar einfach keine verlässlichen Informationen, also wird dazugedichtet und vermutet, was das Zeug hält. Ich will auch keineswegs der Kernkraft das Wort reden, auch ich wäre die hiesigen Meiler lieber heut als morgen los, aber dieses fürchterliche Durcheinander von Spekulationen führt auf längere Sicht dazu, dass die Kritiker nicht mehr ernst genommen werden. Es bringt die Antiatombewegung nicht weiter, Folgen heraufzubeschwören, von denen keiner weiß, ob sie eintreten werden. Denn wenn sie dann nicht eintreten, wird man ihr (teilweise zu Recht) vorwerfen, nur Panikmache betrieben zu haben. Dass was bisher passiert ist, reicht, auch wenn es keine „Todeszonen“ geben sollte (wovon ich im übrigen ausgehe), völlig aus, um Argumente für Abschaltungen und verschärfte Sicherheitsauflagen zu finden.
    Die japanische Bevölkerung hat ZUR ZEIT und BIS JETZT weitaus größere Probleme mit den unmittelbaren Folgen des Bebens und des Tsunamis als mit den havarierten Kernkraftwerken, was nicht heißt, dass diese Probleme nicht noch kommen KÖNNTEN.

    • Naja, wenn ich das richtig sehe, weiß man in der Tat gerade nicht, wie es in den Reaktoren aussieht. Durch die harte Strahlung funktionieren da keine Kameras, man kann in die Behälter nicht einfach reingucken, zumal die auch ziemlich heiß sind, nicht nur in strahlungstechnischer Hinsicht. Und jo, das war theatralisch. Bin ich manchmal halt 😉

      Was man sicher weiß, ist, dass die Brennstäbe zumindest teilweise ohne Kühlmittel dastehen. Und dann schmelzen die. Das ist kein *könnte* oder *vielleicht* – ungekühlte Brennstäbe schmelzen. Und die Reaktoren werden inzwischen schon seit Tagen nur mit einer Notkühlung gekühlt. So wie ich das sehe ist das einzige, was die noch nicht zur Kühlung eingesetzt haben, ne Schneekanone. Das heißt jetzt nicht, dass da schlechte Ingenieure am Werk sind, oder dass die da unfähig sind – das heißt schlicht und ergreifend, dass die da verzweifelte Maßnahmen ergreifen, um die Kernexplosion zu verhindern, die gerade droht. Und die *möglicherweise* – man kommt an die Reaktoren nicht dicht genug ran, um das genau zu verifizieren – an einem Reaktor schon stattgefunden hat.

      In Fukushima ist spätestens seit nur wenigen Stunden nach dem Tsunami das Kraftwerk außerhalb jeglicher Planungen und Auslegungen. Die laufen da derzeit tatsächlich im Improvisationsbetrieb, weil man diese Art Unfall nie vorhergesehen hat. Damit hat man schlicht nicht gerechnet und jetzt probiert man buchstäblich alles, um die Kernexplosion zu verhindern. Die Explosion – die Kernschmelze wird man nicht mehr verhindern können, die hat mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit schon stattgefunden, denn Brennstäbe, die nicht gekühlt werden und nicht im Kühlwasser stehen, die schmelzen. Da beißt die Maus keinen Faden ab.

      Das Problem ist, dass die Technik nicht beherrschbar ist – und hier sind wir uns auch einig, glaube ich. Die Kühlung erfolgt teilweise wohl mit Natrium, was sich bei Kontakt mit der Luft entzündet. Tolles Kühlmittel, das brennt.

      Und ja, das hab ich grad abgekupfert, für die, die es noch nicht kennen, ein wirklich *sehr* interessantes und beunruhigendes Interview mit Michael Sailer bei Alternativlos. Eigentlich wird da alles auf einen Punkt gebracht, was an Kernkraftwerken kritikfähig ist. Und es wird deutlich, dass „nicht beherrschbar“ ein sehr reales Szenario ist, da die Kernspaltung (wenn ich das richtig verstanden habe) mit den Moderatoren nur notdürftig und sehr grob zu steuern ist.
      Und es weiß eben keiner, wie es in den Reaktoren wirklich aussieht. Im Forschungsreaktor Jülich z.b. hat man erst beim Versuch des Rückbaues festgestellt, dass sich die Brennkugeln in den Untergrund gefressen haben. Der Reaktor ist jetzt mit Leichtbeton ausgefüllt, damit der strahlende Graphitstaub gebunden wird. Und wirklich *niemand* weiß, wie das Ding je zurückgebaut werden soll.

      Und allmählich glaube ich, dass das auch der Grund ist, warum die Energiewirtschaft so an den Klötzen festhält: Die wissen nicht, wie die Dinger zurückgebaut werden sollen und wie das finanziert werden soll. Der Untergrund dort ist auf Jahrhunderte hinaus verstrahlt, das kriegen die auch nicht in den Griff. In Jülich wird ja vermutet, dass sogar das Grundwasser verstrahlt ist, dass muss bei einem Rückbau so gut wie möglich saniert werden. Und das kostet mal *richtig* Kohle.

      Ich mein, die Reaktoren müssen nach dem Abschalten noch für Jahre hinaus mit etlichen Megawatt Kühlleistung runtergekühlt werden, damit die nicht explodieren. Erst danach können die in Castoren umgepackt werden – und seit ich Alternativlos gehört hab, weiß ich auch endlich was Castoren sind: Behälter, die selbstkühlend entworfen worden sind, damit der Inhalt nicht durchgeht. Wenn jetzt ein Reaktor durchgehen und explodieren sollte, dann muss man sich nicht auch noch (wie in Fukushima) um irgendwelche Abklingbecken kümmern. Die stehen in den Castoren relativ sicher.

      Aber das macht den Wahnwitz nicht geringer…

      • Richtig – man weiß nicht wie man die KKW abbauen soll, bzw. wohin mit dem ganzen Shice. Wer’s bezahlt ist eigentlich aber schon klar, gibt’s nur noch nicht das passende Gesetz für – wenn Schwarz-Gelb(d) noch länger rumwurschteln, kommt’s aber noch: Die öffentliche Hand (vulgo: Der Steuerzahler) durch irgendeinen Fonds oder Hilfspaket oder ’ne neue Steuer („KKW-Abbaumaterial-Recycling-Abgabe“ oder so).

        Aber ich stimme euch zu: Auch wenn’s aussieht, als käme es da zu ’nem SuperGAU, haben die Japaner derzeit andere Sorgen!

      • „Naja, wenn ich das richtig sehe, weiß man in der Tat gerade nicht, wie es in den Reaktoren aussieht.“
        Richtig, und genau deshalb weiß man auch nicht, was in den nächsten Tagen passieren wird, was, wo, wieviel an Radiokativität freisgestzt wird. Und so lange man das nicht weiß, bleibt jede Vermutung darüber Spekulation.

        „In Fukushima ist spätestens seit nur wenigen Stunden nach dem Tsunami das Kraftwerk außerhalb jeglicher Planungen und Auslegungen. “
        Es ist sogar noch schlimmer, das Kraftwerk war von Anfang an eine grandiose Fehlkonstruktion. Das Konzept wurde von den Amis ohne weiteres Nachdenken übernommen, und war eigentlich für ganz andere Standorte, OHNE die Gefahr von Überflutungen von Anlagenteilen, gedacht. Von einer solchen Gefahr MUSS man aber in Japan an der Küste immer ausgehen. Deshalb sind ja auch die Notkühlanlangen kläglich verreckt. Aber auch das änder nichts daran, das niemand auch nur annähernd abschätzen kann, was da weiter passiert.
        Block 5 unf 6 sind fast auf Normaltemperatur, in Block 3 hat man den Druck stabilisiert und muss zur Zeit nichts mehr in die Umwelt ablassen.
        Wie gesagt, auch ich halte die gesamte Technologie für definitv nicht beherrschbar, zumindest nicth von den Menschen, wie sie nun mal sind (ist von Eppler und da hat er Recht). Und das was uns an Problemen in der Zukunft durch die Entsorgung des Mülls un den Rückbau der abgeschalteten Kraftwerke noch ins Haus steht, ist nochmal eine ganz andere Größeordnung als das, was heute bereits ansteht. All das hindert mich trotzdem nicht daran zu behaupten, dass es sinnvoller ist erst alle verfügbaren harten Fakten und nur die zu sammeln, sauber auszuwerten, und DANN Überlgeungen anzustellen, was daraus resultieren kann. Im Moment wird einfach zuviel zusammengeschmissen.
        Zum Beispiel auch Natriumkühlung, die mit den betroffenen japanischen Reaktoren und auch mit den deutschen nichts zu tun hat. Das Verfahren ist zwar in der Tat aberwitzig, weil Natrium nicht nur an der Luft sondern ganz besonder auch im Kontakt mit WASSER extrem aggressiv und explosiv reagiert, insbesondere, wenn es heiß und flüssig ist. Under der Tertiärärkreislauf von im Primär- und Sekundärkreislauf natriumgekühlten Reaktoren läuft mit Wasser. Dieses Problem zusammen mit der hohen Korrosion des sehr heißen Natriums haben auch zu den meisten Stillegungen und Abschaltungen dieses Typs geführt.

        Nur solche Reaktoren sind am aktuellen Unfall nicht beteiligt, und in Deutschland gibt es zur Zeit keinen in Betrieb, und es dürfte nach dem nie in Betrieb gegangenen Pannenteil vo Kalkar auch keiner mehr geplant werden. Es gab mal in Karlsruhe eine kleinen Forschungsreaktor, der bis ’91 im Tesbetrieb gelaufen ist, der steht aber still.
        Insofern: Natruimkühlung ist blöd, aber für uns irrelevant. Auch in Frankreich läuft aktuell keiner und wird wohl auch nicht mehr.

        Was ich mit all dem sagen will ist, dass ich durchaus der Meinung bin, dass man gerade jetzt das Thema ganz heiß am Kochen halten(und auch demonstrieren) soll, aber das bitte mit so seriösen Informationen wie nur irgendmöglich und so sachlich fundiertwie es nur geht, machen soll, um der geballten Expertenschaft auf der anderen Seite Paroli bieten zu können.

  3. Bei allem was da momentan in Japan noch ungeklärt ist, bitte bitte halt den Begriff Kernexplosion da raus, wenn ich das les stellen sich mir die Nackenhaare auf.
    Eine Kernexplosion findet in einer Atombombe statt, nicht im Kernkraftwerk. Da findet nicht mal mehr Kernspaltung statt wenn kein Moderator da ist, nur noch Kernzerfall.
    Und selbst bei einer Kernschmelze sind im schmlimmsten Fall nur Knallgas- oder Wasserdampfexplosionen möglich (die hauptsächlich deswegen so gefährlich sind, weil dabei Zerfallsprodukte in der Umgebung verteilt werden können)

    Und so lange wie in Japan kein Containment-Bruch nachgewiesen ist ist das mit der Verstrahlung da nur Peanuts den die Medien hochpushen. Ich krieg echt die Krise was da getönt wird, als wenn erhöhte Werte“ irgendeine Aussagekraft hätte so lange man keine konreten Werte nennt. Und wenn es um konkrete Werte geht, dem sei z.B. mal das hier empfohlen: gemessene Radioaktivität in Fukushima I. Und bitte beachten, die Angaben da sind in Mikro-Siewert/h, die Grenzwerte sind in Milli-Sievert/h.

    Dann noch ein paar weitere Infos, mit Natrium werden nur Brutreaktoren gekühlt, was einfach technisch bedingt ist da man da schnelle Elektronen braucht, also gerade kein Wasser das a als Moderator (zur Abbremsund schneller auf thermische Neutronen) dient. Natrium ist allerdings unterhalt von 98°C fest, und die Brandgefahr ergibt sich nur zusammen mit Wasser, dabei der Reaktion brennbarer Wasserstoff entsteht. Aus genau diesem Grund ist der Natrium-Kreislauf auch extrem abgeschirmt.
    Der einzige Reaktor in Deutschlad den das je betraf war der „Schnelle Brüter“ in Kalkar, der wurde aber noch stillgelegt bevor jemals Brennstoff eingebracht wurde (trotzdem hat er witzigerweise sogar mal Strom erzeugt)

  4. nochmal zur Klarstellung da es vielleicht etwas missverständlich ist: die Peanuts heissen nicht, dass es da vor Ort jetzt gesund wäre, sie beziehen sich nur auf den Vergleich mit einem echten Super-GAU wie in Tschernobyl.

    • @tom:
      „Der einzige Reaktor in Deutschlad den das je betraf war der „Schnelle Brüter“ in Kalkar“

      ist nicht ganz richtig, es gab einen kleinen Forschungsbrüter, der gelaufen ist , dies aber seit 1991 nicht mehr tut (siehe oben, wo übrigens etliches bereits steht)
      Dort steht übrigens auch, dass unter anderem gerade die Probleme mit der von Dir erwähnten „extremen Abschirmung“ des Natrium- vom Wasserkreislauf zu Abschaltung bzw. Stillegung der meisten Brüter /unter anderem in Frankreich) geführt hat.

      So sehr ich ebenfalls für das Abwarten von konkreten Werten bin, halte ich von der o.a. Quelle nicht allzu viel, da die Messung der Dosis am Haupttor wenig bis garnichts über die Werte an den Punkten aussagt, an denen das personal gearbeitet hat. Da hilft einfach nur Abwarten, alles andere ist Spekulation.

      Immerhin gibt es inzwischen einige Daten über die großräumige Verteilung, die anhand der Messdaten berechnet wurden:
      http://sciences.blogs.liberation.fr/home/2011/03/sdf.html

      Hier zeigt sich, dass die kritischen Werte, ab der für Kleinkinder, die besonders schilddrüsenkrebsgefährdet sind, eine Jodblockade durch Jodtabletten empfohlen wird, wohl nur in der sowieso evakuierten Zone erreicht werden.

      Die globle Verteilung, berechnet und aktualisiert ständig anhand der aktuellen Wetterdaten das Rheinische Institut für Umweltforschung
      http://www.eurad.uni-koeln.de/

      Man beachte, dass es sich hier nur um RELAITVE Werte handelt und keines absoluten Größen. Allerdings wird im o.a. französischen Link gesagt, dass das, was nach den bisherigen Daten in Europa ankommen kann, mit Sicherheit im Hintergrundrauschen der natürlichen Strahlenbelastung verschwindet.

      Mit all dem will ich, nochmals betont, keineswegs das Problem verharmlosen und weise ausdrücklich darauf hin, dass dies noch nicht das Ende der Geschichte bedeuten muss!

      Noch eines zum Schluss: Die Extremwerte des verseuchten und (mit Recht) vom Markt genommen Spinats von bisher maximal 54KiloBq/Kilogramm sind insbesondere für KINDER und Jugendliche sicher auf LÄNGERE Sicht nicht zuträglich. 50 jährige z.B. könnten sich aber bedenkenlos davon monatelang ernähren, ohne ein erhöhtes SD-Krebsrisiko einzugehen. Diese Dinge sind immer relativ zu betrachten. Aber auch hier mein Hinweis: Das soll keineswegs das Problem verharmlosen!

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