Das Erbe von Srebrenica


Srebrenica steht für ein beispielloses Massaker an Zivilisten, gezielt durchgeführt zur sogenannten „ethnischen Säuberung“. Menschen wurden gezielt ermordet, nur weil sie zufällig einer anderen ethnischen Gruppe angehörten. Einen widerwärtigeren Grund kann ich mir kaum vorstellen.

Die UN-Blauhelme haben offenbar nicht eingegriffen sondern zugesehen. Als das Pflaster für sie zu heiß war, sind sie abgezogen und haben die Bevölkerung von Srebrenica der nicht vorhandenen Gnade des befehlshabenden Offiziers der serbischen Angriffstruppen ausgeliefert.

Radko Mladic.

Welch Allmachtsphantasien müssen ihn damals umgetrieben haben. Er allein entschied über das Leben wie ein Gott: Er tötete, weil er es konnte, weil er die Macht dazu hatte, Leben zu nehmen. Und in diesem Morden war er menschlich, denn ein Gott kennt Gnade – er kannte sie nicht.

Gelernt hat er aus der Nachkriegszeit recht wenig. Noch immer fühlt er sich mächtig, noch immer glaubt er, die Leute nach seiner Pfeife tanzen zu lassen. Sein Auftritt beim Haager Tribunal hat es gezeigt.

Der Auftritt wird als „bizarr“ gewertet, aber ist er nicht lediglich der Auftritt eines Mannes der konsequent seine Überzeugungen lebt? Natürlich erkennt er das Tribunal nicht an, denn nach seiner Auffassung durfte er die Menschen töten – er hatte die Macht und damit das Recht dazu. Wenn er sie jedoch töten durfte, wozu dann die Anklage?

So oder so ähnlich dürfte seine Schlußfolgerung sein. Die Ablehnung des Pflichtverteidiger, seine Taktiken, den Prozess zu verschleppen, seine Wutausbrüche, wenn er mit seinen Mätzchen und Taktiken nicht durchkommt: Das alles passt perfekt da rein.

Oder doch nicht?

Seine Prozessverschleppungen, seine Mätzchen, sein Beharren darauf, die Mütze aufzubehalten, weil ihm „am Kopf kalt sei“ – das alles sind Dinge, die jemand tut, der völlig hilflos ist, der völlig machtlos ist und der in trotziger Kleinkindermanier irgendetwas tut, solange es nur konträr zu denen steht, die nun die Macht ausüben.

Sie zeigen, wie arm dieser Mann doch eigentlich ist. Wie verachtenswert, wie hohl und wie leer. Seine Allmachtsphantasien: Zerplatzt in der Realität der Nachkriegszeit. Seine Macht: Weggeblasen. Seine Reputation: Zerstört.

Was ihm bleibt, sind sinnlose Trotzreaktionen, die sich das Gericht sehr souverän nicht bieten läßt.

Das Ende eines Gewaltverbrechers: Er zeigt sich als arm und billig, als bedauernswertes Wesen, dass nicht begreift, was es getan hat. Der alles verloren hat, was ihm wichtig war.

Und das ist möglicherweise die gerechteste Strafe für ihn: Ein Leben im Bewusstsein seiner Machtlosigkeit.

In diesem Sinne wünsche ich ihm noch ein langes Leben. Und möge ihm jede Minute zu der Hölle werden zu der er so viele verurteilt hat.

Veröffentlicht am 4. Juli 2011, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 3 Kommentare.

  1. Grundsätzlich stimme ich Dir vollkommen zu, was Deine Schlüsse zur Persönlichkeit Radko Mladics angeht. Nur: beispiellos ist dieses Massaker nunmal nicht gewesen – gerade in der deutschen Geschichte findet sich da durchaus noch Schlimmeres…

    Und ja: mir ist auch klar, dass Du das weisst – nur finde ich, sollte man mit der Formulierung „beispiellos“ etwas vorsichtig umgehen.
    Gruß,
    Sascha

  2. Auch meiner Ansicht nach sollte Ratko Mladic möglichst lange in Haft sein – OHNE JEDE ERLEICHTERUNG!
    Nur das minimale, das die Menschenrechtskonventionen vorsehen – nicht einen Deut mehr!
    Folter ist ja verboten, sonst würde ich jeden Tag jemanden aus der Verwandtschaft der Opfer zu ihm schicken, um ihn auszulachen, ob seiner Hilflosigkeit. Aber wie gesagt: Folter ist verboten (und das auch gut so und etwas, das niemals aufgehoben werden darf – nicht mal ansatzweise!)

    Und auch bei dem „beispiellos“ stimme ich zu – in Europa seit dem zweiten Weltkrieg zumindest würde es aber hinkommen. Denn solche Aktionen gibt es auch heutzutage noch und es gab sie auch schon früher – ganz sicher auch schon vor den Deutschen, die das Ganze dann allerdings „industrialisiert“ haben.

  3. jetzt hackt doch nicht so „beispiellos“ auf unserem lieben Tantchen herum. Wenn ich unsere Gastgeberin (Tantchen, wo bleibt meine Käse-Sahnetorte? 😀 ) richtig verstanden habe, schreibt sie vorwiegend „aus dem Bauch“ heraus
    .. und das ist gut so.
    Was nun Mladic betrifft bin ich mir nicht sicher, ob er das Ganze wirklich bewusst durchzieht oder ob da nicht auch schon altersbedingte Erscheinungen eine Rolle spielen. Nichtsdestotrotz gehört er, so ihn das Gericht für schuldig befindet (die Unschultsvermutung gilt für jeden, so abstrus es in diesem Fall auch sein mag), in den „Bau“ und zwar ohne jegliche Privilegien, halt wie jeder andere Schwerverbrecher auch.

warf folgenden Kuchen auf den Teller